Was der Sprint Cup gestern in Dover gezeigt hat, war wohl das beste Rennen seit einer langen Zeit. 10 Cautions, 15 Führungswechsel und ein Endkampf, der einen auf die Sesselkante trieb. Dazu das Drama um Kyle Busch und Dale Earnhardt jr, ein erstaunlicher Michael Waltrip plus Mark Martin, der gegen Ende kurz davor war, sein erstes Rennen seit… na ratet mal… zu gewinnen* (Auflösung im Text unten). Mehr kann man eigentlich in einem Rennen kaum verlangen. Die drei Stunden vergingen jedenfalls wie im Flug.

Allerdings war das Rennen gestern auch eine Bestätigung für all diejenigen, die den Chase für ungerecht halten. Nachdem unglücklichen Ausfall vor einer Woche erwischte es Kyle Busch auch in Dover. Sein Motor verabschiedete sich mit einem Ventilschaden und damit blieb ihm nur der letzte Platz. Der Mann, der die Saison bisher dominiert hatte, liegt nun mit einem Rückstand von 210 Punkten auf dem letzten Platz im Chase. Allerdings – auch wenn man die Punkte nach der klassischen Vergabe berechnen würde, hätte Busch gestern seine Führung eingebüßt. Obwohl er zu Mitte der Saison noch mit mehr als 200 Punkten führte, hätte auch in der klassischen Wertung Carl Edwards die Führung übernommen. Doch hier würde der Vorsprung nur 33 Punkte betragen. In den verbliebenen sieben Rennen hätte Kyle Busch da noch alle Chanen gehabt, aber im Chase wird das wohl nichts. Kein Wunder, dass es nicht wenige gibt, ob sie Kyle Busch nun mögen oder nicht, die der Meinung sind, dass der Chase ungerecht ist. Ein Mann wie Greg Biffle taucht das ganze Jahr nicht auf, und jetzt gehört er plötzlich zu den heißen Titelkandidaten. Nachvollziehbar ist so etwas nur schwer.

Aber offensichtlich ist bei Gibbs was schief gelaufen. JGR entwickelt die Motoren selber, und es ist schon erstaunlich dass man gestern so viele Probleme hatte. Busch und Hamlin fielen aus, Stewart landete hinter Michael Waltrip auf Platz 11 und man hatte den Eindruck, dass er am Ende nicht mehr voll fahren konnte. Ob man in der Motorenentwicklung einen falschen Weg eingeschlagen hat? Schwer zu sagen, aber im Moment sieht es so aus, als könne Gibbs Racing nicht mit um Titel fahren.

In der Chasewertung sieht es eher so aus, als kommt es zu einem Zweikampf zwischen dem Roush-Team und Hendrick Motorsport:

1) #99-Carl Edwards 5390
2) #48-Jimmie Johnson 5380 -10
3) #16-Greg Biffle 5380 -10
4) #31-Jeff Burton 5308 -82
5) #29-Kevin Harvick 5289 -101
6) #07-Clint Bowyer 5284 -106
7) #20-Tony Stewart 5277 -113
8) #24-Jeff Gordon 5272 -118
9) #88-Dale Earnhardt Jr. 5261 -129
10) #17-Matt Kenseth 5223 -167
11) #11-Denny Hamlin 5197 -193
12) #18-Kyle Busch 5180 -210

Bis Platz acht ist aber noch alles drin. Bei Junior bin ich mir aber schon nicht mehr so sicher. Er müsste Siege in Serie einfahren, um noch eine Chance auf den Titel zu haben, und bisher war sein Wagen für die Top 5 gut, aber selten für einen Sieg. Gestern kam dann noch Pech dazu, als er wegen eines Reifenschadens in der Mauer landete. Immerhin rettete er noch ein paar Punkte auf Platz 24. Ebenfalls raus ist wohl Jeff Gordon, es sei denn, sein Team findet plötzlich die Lösung für all die Probleme, die ihn dieses Jahr begleiten. Auch eher unwahrscheinlich. Gleiches gilt für Stewart, wobei man bei dem ja nie sicher sein kann, wann und ob er einen Energieanfall bekommt.

Der Oktober sieht vom Programm her aber anders aus. Jetzt kommen Strecken, auf denen Roush schon mal Probleme haben könnte. Die Superspeedways sind nicht immer deren Sache, Talladega schon mal gar nicht. Hier könnte die Stunde von Jimmie Johnson und auch von RCR kommen. Burton und Harvick sollte man bis Mitte Oktober nicht abschreiben.

Am meisten Spaß haben gestern aber die letzte 40 Runden gemacht. Drei Roush Wagen vorne, die sich keinen Millimeter gelassen haben. Härter, befand Matt Kenseth nach dem Rennen, hätte man nicht fahren können, ohne einen Supergau auszulösen, bei dem Jack Roush vermutlich seinen Hut gefressen hätte. Das war ein Fight, wie man ihn selten sieht und der wirklich sehr viel Spaß gemacht hat. Leider konnte Mark Martin gestern nicht mit eingereifen, aber da konnte man mal sehen, was der mit seinen 49 Jahren noch alles drauf hat. Gebt ihm ein siegfähiges Auto und er ist dabei.

Ich freu mich schon auf das kommende Wochenende, wenn der NASCAR Trupp in Kansas Halt macht. Die Spannung ist jetzt schon groß, es gibt einige, die in Kansas die letzte Chance im Chase haben und vorne ist es mächtig eng.

*Und wo hat Mark Martin sein letztes Rennen gewonnen? Genau – in Kansas (2005)