Überraschung in der IRL. Und eine, die viele Fragen aufwirft. Nach nur einem Jahr kehrt Dario Franchitti zurück in die IRL und ersetzt bei Ganassi Racing Dan Wheldon, der wiederum zu Panther Racing wechselt. Das hatte sich am Wochenende schon ein wenig angekündigt, als Franchitti überraschend beim Rennen der IRL in Detroit auftauchte, obwohl er am Vorabend noch in der NASCAR Nationwide Serie unterwegs war. Als ESPN Reporter danach fragten, ob er vielleicht wieder in die IRL zurück kommen würde, wich Franchitti aus, und meinte, dies wäre nicht seine erste Option. Offenbar war es das doch. Denn ab 2009 wird der Schotte neben Scott Dixon im Ganassi Team wieder Platz nehmen. Aber wenn Franchitti wieder in die IRL zurück geht, was passiert dann mit dem NASCAR Team von Chip Ganassi?


Eigentlich steht Ganassi gut da. In der IRL steht er kurz vor einer erneuten Meisterschaft, in der GrandAm führt er in der Fahrer- und der Teamwertung. In beiden Serie ist er auch mit sehr guten Fahrern ausgestattet. Scott Dixon steht kurz vor der Meisterschaft und mit Dan Wheldon hat er immerhin den Meister und Indy 500 Sieger von 2005 im Team. Der scheint aber nicht willkommen, und das, obwohl er in diesem Jahr noch auf Platz drei der Meisterschaft liegt. Ein Luxus, ihn gegen Dario Franchitti auszutauschen, dessen IRL Karriere in der IRL auch eher wechselhaft war, sieht man mal von seinem sehr glücklichen Erfolg im letzten Jahr ab, als er Dixon den Titel in der letzten Kurve des letzten Rennens klaute, weil dem Neuseeländer der Sprit ausging.

Stellt sich also die Frage: Warum tauscht Ganassi einen gut etablierten ehemaligen Meister, gegen einen anderen aus? Und wer, wenn nicht Franchitti soll die #41 in der NASCAR übernehmen? Immerhin hat man dort Target als Sponsor. Man behauptet, auch nachdem man keinen vernünftigen Sponsor für Franchitti gefunden hatte und Texaco bei Montoya ausgestiegen ist, für 2009 ein gutes Paket zu haben. Es ist sogar die Rede davon, 2009 vier Wagen einzusetzten.

Der Wechsel von Franchitti zur IRL sagt mir da ganz was anderes, denn wen will Ganassi denn jetzt noch in seine Autos setzen? Der Markt an guten NASCAR Piloten ist ziemlich leer, seitdem Truex jr. zumindest für 2009 bei DEI bestätigt ist. Ansonsten finden sich auf der Liste an namhaften Piloten nur noch:

– Patrick Carpentier
Der Kanadier hat seinen Platz bei Evernham verloren. Auch wenn er gute Ergebnisse in den letzten Rennen eingefahren hat, fehlt ihm doch immer noch viel Erfahrung. Zu dem hat man mit Monotya einen Rundstreckenkurs Experten und man braucht eher noch einen, der im Oval gut ist.

– Jacques Villeneuve
Kaum Erfahrung, schwer an Sponsoren zu verkaufen, sonst wäre er längst bei einem kleinen Team untergekommen.

– J.J. Yeley
Der meisten überschätzte Rookie der letzten Jahre, der mittlerweile aus allen Top Teams rausgeflogen ist.

– David Stremme, Johnny Sauter, Scott Riggs
Alles eher untere Mittelklasse, wenn überhaupt

Danach wird es ganz dunkel. Vielleicht gäbe es noch die Variante, auf AJ Allmendinger zurük zu greifen, sollte der bei Red Bull durch Scott Speed ersetzt werden, aber Allmendinger hat mich jetzt auch nicht so wirklich vom Hocker gerissen und ob er so viel besser als Carpentier ist?

Mit anderen Worten: außer Carpentier und vielleicht Allmendinger drängt sich mir da keiner auf. Wie will Ganassi da zwei Autos gut besetzen? Wo sind die Sponsoren? Könnte natürlich sein, dass man Target zur #42 holt, die sich den Wagen mit Wrigleys teilen und alles andere dicht macht. Aber die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass man mit einem Ein-Wagen-Team rettungslos verloren ist, weil man keine Daten mehr austauschen kann.

Bliebe nur ein Merger. Es gab schon Gerüchte, dass man sich mit Evernham zusammen tun würde, ebenso war ein Wechsel zu Toyota und ein Merger mit den ebenfalls schwer angeschlagenen Teams von entweder Bill Davis oder Michael Waltrip im Gespräch. Letzter halte ich noch für die wahrscheinlichste Sache. Es wäre ein logischer Schritt mit BDR oder MWR zusammen zuspannen und einen letzten Versuch zu starten, in dem man Montoya den bärenstarken Toyota Motor verpasst. Immerhin sind die Kontakte zu Toyota ja durchaus da, denn in der GrandAm Serie fährt man mit einem Motor von Toyota, der unter deren Nobelmarke Lexus firmiert.