Am Wochenende stehen drei absolute Top-Rennen in den wichtigsten Rennserien der Welt an und die NASCAR trägt mit dem Langstreckenklassiker Coca-Cola 600 eines ihrer Kronjuwelen dazu bei. Carl Edwards holte sich im All-Star Rennen vergangene Woche in überlegener Manier die Million und dürfte damit auch am Sonntag der größte Siegkandidat im Feld sein.

Nachdem im letzten Jahr das Indy 500, der Formel 1 GP in Monaco und das Coca-Cola 600 ausnahmsweise mal nicht am selben Wochenende stattfanden, ist es am Sonntag wieder soweit. Der Langstreckenklassiker (fast 1000km) der NASCAR steht dabei als letztes auf dem Programm. Die Startzeit ist allerdings etwas unfreundlich für uns Europäer, denn die Amerikaner feiern am Montag ihren Memorial Day. Der freie Tag hinter dem großen Teich wird auch sogleich ausgenutzt, um das Nachtrennen vom Samstag auf den Sonntag zu verschieben. Weil das Coca-Cola 600 allerdings regelmäßig auf gut und gerne vier Stunden Fahrzeit kommt, ist im Gegensatz zu den traditionellen Nachtrennen die Startzeit auf ca. Mitternacht angesetzt. Gefahren wird im Übrigen wie in der letzten Woche auf dem Charlotte Motor Speedway, wo Carl Edwards zuletzt das All-Star Rennen gewann.

Dabei outete sich die Truppe von Roush-Fenway Racing als besonders stark, denn gemeinsam mit dem Showdown vor dem eigentlichen Main Event gewannen Roush-Piloten alle sechs Segmente des Abends. David Ragan dominierte das Qualifikationsrennen und fuhr sich damit ins All-Star Rennen, welches seine Teamkollegen mehrheitlich anführten. Greg Biffle holte sich Segment 1, Carl Edwards auf dem Weg in die Victory Lane alle weiteren drei. Lediglich Kyle Busch und Jimmie Johnson sicherten sich einige Führungsrunden im Hauptrennen, was endgültig zeigte, dass Roush-Fenway Racing derzeit das Team ist, welches es zu schlagen gilt – zumal Matt Kenseth auch das letzte Punkterennen in Dover gewann.

Hendrick Motorsports‘ Erfolgskurve flachte in den letzten Wochen nach Jimmie Johnsons Talladega-Sieg merklich ab, teilweise gilt ein Top10-Resultat für die Piloten des Teams jetzt schon als relativer Erfolg – vereinzelte Ausnahmen, wie der zweite Platz von Mark Martin in Dover stehen natürlich außen vor! Das kann allerdings gerade auf dem Weg in Richtung Chase kein Zustand beim mehrfachen Meisterteam sein. Immerhin steht die eine Hälfte der Hendrick-Piloten locker in den Playoffs (Johnson und Earnhardt), wenngleich die Qualifikation für Jeff Gordon und Mark Martin ganz eng werden dürfte. Beide Fahrer bewegen sich entweder am Rande der Top10 (Martin) oder mit einem Sieg knapp im Rennen bei den Wildcard-Piloten (Gordon).

Wo da bei Hendrick im Einzelnen die Gründe liegen, erschließt sich mir selbst derzeit nicht so ganz. Bei Roush-Fenway war ja damals die späte Einführung des neueren Ford-Motor-Modells FR9 für die fast zweijährige Schwächeperiode verantwortlich und auch bei Joe Gibbs Racing musste man in dieser Saison einige Totalausfälle wegen einer schlechten Herangehensweise beim Motorentuning hinnehmen.

Für Hendrick war in diesem Jahr allerdings oberflächlich nur die aktualisierte Version der Frontpartie neues Terrain. Als letzter offensichtlicher Faktor bleibt dann noch der umfangreiche Crew-Chief-Wechsel zu Beginn der Saison übrig, welcher eventuell einige Arbeitsabläufe durcheinander gebracht haben könnte. Dabei gilt es aber zu beachten, dass eigentlich nur die Fahrer die Teams getauscht haben. So arbeitet die Mannschaft von Steve Letarte immer noch im selben Gebäude wie die Crew von Chad Knaus, nur eben mit Dale Earnhardt Jr anstatt mit Jeff Gordon. Da man aus dem Umfeld von Hendrick Motorsports die Probleme betreffend keine Kommentare vernehmen kann, scheint diese Phase wohl eventuell noch länger anzuhalten, weil man anscheinend selbst keine Ahnung hat, woran es denn liegt.

Das Ergebnis von Jimmie Johnson am Wochenende könnte richtungsweisend sein, jedoch sind seine dominierenden Jahre in Charlotte vorerst vorbei. Zwischen Ende 2003 und 2006 holte Johnson doch tatsächlich nur Top3-Ergebnisse, welche ihm in den letzten acht Ausgaben allerdings nur zwei Mal gelangen. Ebenfalls auf der Rechnung sollte man die derzeitige Nummer 3 der Meisterschaft haben, denn Kyle Busch fuhr in den letzten sechs Charlotte-Rennen jedes Mal in die Top8. Dabei fehlt ihm aber genauso wie Carl Edwards noch ein Sieg auf diesem Intermediate Oval in einem Punkterennen.

Neben den drei größten Teams von Roush-Fenway Racing, Hendrick Motorsports und Joe Gibbs Racing könnte auch Kasey Kahne gute Karten haben. In den letzten drei Wochen fuhr er einige gute Resultate ein. In Charlotte gewann Kahne außerdem seit 2006 insgesamt drei Rennen, davon alleine im erwähnten Jahr beide Ausgaben – allerdings noch im alten Cup-Auto. Weitere Überraschungen à la Regan Smith oder Trevor Bayne sind natürlich nicht ausgeschlossen, immerhin gewannen mit Casey Mears und David Reutimann in den letzten Jahren auch einige Fahrer ihr jeweils erstes Cup-Rennen beim Coca-Cola 600. Trevor Bayne wird übrigens nicht in Charlotte antreten, sein Comeback ist stattdessen für Kansas geplant!

Ein Blick auf die unten verlinkten Meisterschaftsstände offenbart unterdessen wieder einmal, dass die zehn bis zwölf Plätze im Chase bei weitem nicht ausreichen, um wirklich alle prominenten Piloten in die Entscheidungsphase des Jahres aufzunehmen. Nach einem Drittel der Saison werden die Abstände zwischen den Fahrern jedoch schon so groß, dass nicht mehr in jeder Woche größere Platzierungswechsel zu erwarten sind.

Zum Abschluss wie gewohnt noch die Links zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie ein Zeitplan für das Wochenende. Zur Unterstützung des Sprint Cups ist dieses Mal die Nationwide Series vor Ort, in welcher Kimi Räikkönen sein zweites NASCAR-Rennen bestreiten wird. Im Gegensatz zum Einsatz bei den Trucks kann man das Nationwide-Debüt sogar zu einer humanen Uhrzeit anschauen. Während am Donnerstag und Samstag ordentlich Action übertragen wird, steht am Freitag überraschenderweise kein Fahrbetrieb auf dem Plan.

Ausstrahlungsdaten

Donnerstag, 26.05.
20:00 Uhr, Nationwide Series Practice, SPEED
21:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
23:10 Uhr, Nationwide Series Final Practice, SPEED
01:00 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED

Samstag, 28.05.
16:00 Uhr, Nationwide Series Qualifying, SPEED
17:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
18:50 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED
20:30 Uhr, Nationwide Series Rennen (Top Gear 300), ABC

Sonntag, 29.05.
00:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Coca-Cola 600), FOX

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