Es ist schon erstaunlich, wie sehr man sich in Sachen Übernahme bei Super Aguri bedeckt hält. Klar ist – die Magma Group unter dem Ex-Ford Europa Chef Martin Leach war federführend bei den Gesprächen. Aber wie ich schon mal sagte: die Magma Group hat nicht das Geld für so eine Investition und sie haben normalerweise auch überhaupt nicht das Interesse sich so einen Klotz, wie die Führung eines F1 Teams, ans Bein zu binden. Leach fiel in den letzten Jahren mit seiner recht neuen Gruppe zwar schon dadurch auf, dass er kleine und sehr spezielle Manufakturen aus dem F1 Umfeld aufgekauft hat, aber das eigentliche Geschäft scheint mir doch woanders zu liegen. Wenn man sich die Aufstellung und Selbstbeschreibung des Geschäfts anschaut, dann scheint man dort eher auf die Vermittlung von Übernahmen spezialisiert zu sein. Wie schon mal erwähnt, fädelte man die Übernahme des britischen Lastwagenherstellers LDV durch den russischen GAZ Konzern ein. Im Fall Super Aguri war es wohl nicht anders.

Die Magma Group wurde nach meinen Infos durch die “Dubai International Capital” (DIC) beauftragt, Kontakt zu Aguri Suzuki und Honda aufzunehmen. Das geschah wohl im Dezember, als sich abzeichnete, dass Aguri nicht das nötige Kaptial für eine komplette Saison zusammen bekommen würde. Seit dem befand man sich einerseits in Gesprächen, andererseits prüfte man die Bücher, was eine eher länger dauernde Angelegenheit ist. Suzuki selber hatte weitere Kontakte, wodurch die verwirrende Anzahl an Meldungen über mögliche Investoren entstand. Die Sache mit der DIC zog sich dahin, was vor allem daran lag, dass die Araber sich ihrer Sache nicht so sicher waren.

Wer steckt hinter der DIC? Im Prinzip ist die DIC eine sehr weit operierende Investmentfirma, die in sehr unterschiedlichen Bereichen investiert. Der Gruppe gehören Anteile dem Bankunternehmen HSBC, der Daimler AG, Sony, dem Airbus Konzern EADS, aber auch an der Tussaud Group. Dahinter steckt wiederum die legendäre Gesellschaft, die das Wachsfigurenkabinett “Madame Tussaud” gegründet hat. Mittlerweile gehören der Gruppe etliche andere Entertainment Parks, und sie ist nach Disney die Nummer Zwei auf der europäischen Markt. Interessanterweise hat die Blackstone Group 2006 die Tussaud Group erworben, DIC hält aber weiterhin Anteile der Gruppe. Die Blackstone Group kennt man vielleicht aus dem Bereich der hochspekulativen Hedge Fonds, mit denen man sehr viel Geld verdient hat. Gleichzeitig ist man allerdings auch im Bereich der Firmenberatung unterwegs. Und als Kunde bei Blackstone finden sich etliche Firmen, bei denen auch die DIC beteiligt ist. (Nebenbei bemerkt ist Blackstone gerade wegen der Finanzkrise in den USA etwas unter Druck, der Aktienkurs hat nur noch rund 40 Prozent des Wertes, den er im letzten Juni noch hatte).

Aber man muss noch weiter schauen. Denn hinter DIC steckt die “Dubai Holding”, ein Staatsunternehmen, dass dem Staatschef Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum. Klingelt es beim Nachnamen da bei dem ein oder anderem? Genau, der Name Maktoum ist in der Motorsportwelt nicht unbekannt. Der Neffe des Staatschef, Sheikh Maktoum Hasher Al Maktoum, gehörte bis Ende 2006 die A1 GP, die er auch gegründet hat.

Und da schließt sich der Kreis, denn Hasher Al Maktoum ist (fast selbstverständlich) in die “Dubai Holding” involviert. Mit anderen Worten: nach dem erfolgreichen Investment in die A1 sucht Dubai, die ja ab dem nächsten Jahr einen eigenen Grand Prix haben werden, eine Investionsmöglichkeit in der Formel Eins. Dahinter steckt wahrscheinlich der Wunsch, beim GP vom Dubai mit einem eigenen Team an den Start zu gehen.

Was das für die Zukunft von Super Aguri heißt? Der Deal soll am 31.03.08 endgültig von allen Parteien unterschrieben werden. Bisher gibt es nur einen “Letter of intent”, aber beide Seiten sind sich grundsätzlich einig. Klar ist, dass Super Aguri damit seinen Status als “All-Nippon-Team” verlieren wird. Ich denke mal auch, dass sich der Name des Teams verändern wird. Vielleicht nicht mehr in diesem Jahr, aber spätestens 2009. Aguri Suzuki selber wird wohl Teamchef bleiben, aber man wird sich von Honda abnabeln, die nur noch den Motor in den nächsten Jahr liefern werden. Das bedeutet auch, dass die beiden Fahrer sich Sorgen machen müssen. Takuma Sato ist ein Honda-Mann, ebenso Anthony Davidson, der ehemalige Testfahrer von Honda. Die DIC wird nicht einfach nur Geld versenken wollen, obwohl man das sicher kann. Man will aber auch Erfolge sehen. Vielleicht keine Siege, aber Punkte sollten drin sein. Dafür muss man wohl im Moment rund 80 bis 100 Millionen Euro pro Saison investieren. Bei Davidson kann ich mir noch vorstellen, dass man ihn halten wird, auf der anderen Seite gibt es im Moment eine Menge Bewegung auf dem Fahrermarkt. Vor allem in Sachen Red Bull. Ein Mark Webber oder auch ein David Coulthard wären sicher zwei Namen, die den Arabern gefallen würden.