Mittlerweile ist es mir gelungen, dass Budweiser Shootout dann auch mal zu sehen. Ein Satz, den ich vermutlich im Zusammenhang mit den anderen Rennen in diesem Jahr noch häufiger schreiben werden, denn es dauert dann doch meist zwei Tage bis die Rennen im Netz auftauchen usw. Dafür war ich über die Qualität des Files wirklich angenehm überrascht.

Das Rennen selber war höchst amüsant und sehr spannend. Dabei spielte das CoT eine große Rolle, denn offenbar ist tatsächlich das eingetreten, was sich die NASCAR erhofft hat. Zumindest bei den Restrictor Plate Rennen haben viele Teams Siegchancen. Praktisch das halbe Feld hätte gewinnen können, auch wenn vorne fast ausschließlich Dale Earnhardt jr. und Tony Stewart zu finden waren. Aber auch Michael Waltrip, Dave Blaney, Kurt Busch und Reed Sorenson hatten gute Chancen. Einzig die Ford Teams schienen etwas Probleme zu haben, ganz nach vorne zu fahren. Beängstigend gut war Tony Stewart unterwegs. Er beim letzten Restart in Front und Junior wäre niemals an ihm vorbei gekommen, wenn Johnson ihm nicht den nötigen Schubser gegeben hätte. Während Junior mit Übersteuern zu kämpfen hatte, lag Stewarts Wagen wie ein Brett und er konnte seine Linie bequem halten. Im Shop von Gibbs scheint man gute Arbeit geleistet haben, den Toyota Motor auf die Charakteristik des CoT anzupassen.

Aber auch die Dodge war überraschend schnell unterwegs. Kurt Busch fuhr gleich zweimal durch das gesamte Feld. Einmal, weil er von hinten starten musste, ein anderes Mal, weil er außerplanmäßig die Box ansteuerte. Leider drehte er sich kurz vor Schluss, so dass ein Top 5 Ergebnis verloren ging.

Beim Sieg von Junior zeigte sich wieder Mal, wie groß seine Fangemeinde ist. Man konnte vor lauter Jubel die Autos fast nicht mehr hören, so sehr gingen die Fans mit. Das Rennen war ein schöner Vorgeschmack, was am kommenden Wochenende los sein wird. Bei den 500 wird es vielleicht in der Mitte etwas ruhiger werden, aber schon jetzt ist klar, dass man seinen Wagen in den Top 15 haben muss, will man am Ende um den Sieg mitfahren. Im Mittelfeld geht es derartig deftig zur Sache, dass man da nicht unbedingt drinstecken will. Der “Big One” am nächsten Wochenende ist schon fast vorprogrammiert.

Das liegt an zwei Dingen. Zum einen bietet das CoT mehr Windschatten, was bedeutet, dass die Überschussgeschwindigkeit größer geworden ist, gleichzeitig hat die NASCAR die Löcher in den Luftmengenbegrenzer ein wenig vergrößert. Dadurch sind die Wagen nicht schneller geworden, aber sie haben mehr Luft zum atmen bei der Beschleunigung. Man konnte bei den Inboardaufnahmen deutlich hören, dass viele Fahrer in den Kurven mehrfach vom Gas gingen. Das gab es beim alten Fahrzeug nicht. Das führt aber dazu, dass die Wagen im Moment des Lupfens etwas instabiler werden. Es gab zudem in den letzten Tage etliche Zwischenfälle, wo Fahrer sich beim Einscheren verschätzt haben, was einfach daran liegt, dass die höhere Geschwindigkeit im Windschatten dafür sorgt, dass die Lücke schneller dicht sind. Wo eben noch genug Platz schien, ist eine Sekunden später die Lücke schon wieder dicht.

Besonders darf man sich jetzt schon auf die Gatorade Duels am Donnerstag freuen. Wenn es so eng ist, dann werden die Fahrer, die um den Einzug ins Daytona 500 kämpfen, keine Rücksicht nehmen.

Die Einschaltquote hat letzten Samstag jedenfalls gestimmt. Man konnte um 7.1% gegenüber dem Vorjahr zulegen und dank des Sieges von Junior wird das am kommenden Wochenende nicht anders sein.

F1 – Retro-Trend
Seit einigen Wochen schon gibt es diverse Gerüchte darüber, dass das ein oder andere Team im vorderen Bereich der Aerodynamik noch mit einer Überraschung aufwarten wird. Klar ist – kaum einer hat das Aerokit auf dem Auto, mit dem man in Australien an den Start gehen wird und alle bastlen an der Vorderachse und am Frontflügel rum. Die bemerkenswerteste Lösung hat bisher BMW geliefert, als man vorne eine Art Hirschgeweih installierte. Jetzt hört man aus verschiedenen Rennställen, dass man wohl überlegt, die Nase nicht mehr geschlossen zu halten, sondern ein Loch rein zu bohren. Wie groß dieser Lufteinlass sein wird, ist unklar, aber sehen wird man ihn wohl schon. Das wäre das erste Mal seit der Saison 1978 dass wieder neue Autos mit einem Lufteinlass vorne sieht. Und wenn man sich die Wagen aus dem Jahr anschaut und mit den Lösungen der Designer aus diesem Jahr rund um die Vorderachse vergleicht, fallen vor allem der Arrows FA1 und der Woldf WR4 auf, die damals schon Lösungen hatten, die den heutigen zumindest nicht unähnlich sind, auch wenn sie natürlich längst nicht so ausgefeilt sind. Offenbar haben ein paar Designer aber mal die Geschichtsbücher aufgeschlagen, um sich inspirieren zu lassen. War ja nicht alles schlecht, damals.

Warum man überhaupt so viele Probleme mit der Vorderachse hat? Durch den Wegfall der Traktionskontrolle verändert sich nicht nur das Verhalten der Hinterachse. Die Elektronik hatte auch dafür gesorgt, dass der Wagen beim Bremsen stabiler blieb. Jetzt haben die meisten Teams wohl mit dem Problem zu kämpfen, dass der Wagen beim Einlenken untersteuert, weil das Heck zu sehr drückt. Das Problem ist u.a. damit zu lösen, dass man vorne mehr Anpressdruck bekommt, aber da die FIA die Größe der Flügel vorgeschrieben hat, muss man sich was anderes einfallen lassen. Zum Beispiel die Luft in die Schnauze leiten, wo sie möglichst Abtrieb herbei schaffen soll, sich aber auch ohne weitere Probleme wieder entsorgen läßt. Ein Kanal durch die Nase, wäre eine Lösung.

CCWS – Die Tage scheinen gezählt
Aus den USA kommen unschöne Nachrichten, und so wie es aussieht, ist das, was bisher wie ein Merger aussah, eher eine Rettungsaktion seitens der IRL. Denn SpeedTV berichtet, dass die ChampCar Serie in den nächsten ein bis zwei Tagen Konkurs anmelden muss. Als Quelle wird ausgerechnet die neue PR Dame der Serie, Pat Caporali, genannt, die ihren neuen Job wohl gar nicht erst antreten konnte. Ein kompletter Zusammenbruch der Serie würde die Sache mit dem Merger einfacher machen, aber ich vermute mal sehr, dass die Gespräche überhaupt nur wegen der finanziellen Probleme der CCWS in Gang gekommen sind. Die CCWS Verantwortlichen werden ja nun nicht erst seit gestern wissen, dass der Laden den Bach runter gehen könnte. So wie es aussieht bemüht sich Tony George wenigstens die Überseerennen (außer Europa) und die lukrativen Veranstaltungen in den Rennkalender reinzubekommen, damit nicht auch noch die Veranstalter pleite gehen. Es würde mich nach den Meldungen der letzten Tage mehr als wundern, wenn wir dieses Jahr noch ein ChampCar Rennen sehen würden. Die interessante Frage ist jetzt, wie das gemeinsame Kind genannt wird. Wieder zurück zu CART? Oder IndyCart?

Und sonst?
– Ich hab die F1 auch ein wenig vernachlässigt in den letzten Tagen, aber bis zum Start der Saison sind es ja noch vier Wochen. Aber so langsam steigt die Spannung, deswegen sind die Testzeiten aus Jerez von heutigen Tag schon interessant.

In Abwesenheit von Ferrari legte Lewis Hamilton die schnellste Zeit hin (1:19.102), die auf der Strecke jemals in einem 08er Wagen gefahren wurde. Hinter ihm lag de la Rosa, dann folgte Kubica mit einem Respektabstand von 4 Zehnteln (1:19.539). Immerhin gab BMW mal ein Lebenzeichen. Hinter Kubica ging es eng zu. Coulthard als wurde 10. mit einer Zeit von 1:20.176. Dazwischen tummelten sich die Williams, Renault und Red Bull. Das Williams die guten Zeiten halten kann, ist ein erfreuliches Zeichen, ebenso aber auch das Aufrücken von Renault, BMW und Red Bull. Die waren wieder mit dem merkwürdigen Heck unterwegs, aber offenbar bringt das was. Zwar sind die Österreicher noch ein Stückchen von BMW und Co entfernt, aber man steht deutlich besser da, als im letzten Jahr. Da Ferrari und Toyota nicht anwesend waren, fehlt noch ein wichtiges Puzzlestück, aber es schält sich dann doch langsam heraus, dass das Mittelfeld in diesem Jahr sehr, sehr eng und sehr breit sein wird. Es dürfte zu Beginn der Saison da nur wenige Unterschiede zwischen Williams, Renault, BMW und Red Bull geben. Ein Stück dahinter hängt noch Toyota, aber da würde ich die Hoffnung mal nicht aufgeben. Torro Rosso hat den neuen Wagen auch noch nicht, schwimmt mit dem Übergangsmodell aber durchaus in der Mitte rum. Abgeschlagen: Honda, die immer noch zwei Sekunden langsamer sind, als der Rest der Welt und Force India, was nicht überrascht. Ganz am Ende dürfte Super Aguri stehen, die die Wintertests ja komplett ausfallen lassen und mit dem neuen Wagen vermutlich erst in Australien aufkreuzen.

– Achja, wer ein paar Euro zu viel in der Portokasse hat und unbedingt los werden will, der sollte sich am 19. Februar zum Zürich-Kloten Flughafen begeben und nach Schildern Aussschau halten auf denen “Versteigerung Sauber F1” zu lesen ist. Aus Platzgründen verkauft das Team etliche Formel Eins Wagen aus den letzten Jahren, darunter auch den Wagen, in dem Kimi Räikkönen seine erste Saison absolvierte. Da ich selber im Moment meine Portokassen nicht finden kann – Geschenke werden gerne entgegen genommen.

– Kein TV Programm heute, eh nix los.