NASCAR – Und der Verlierer ist…
Nein, nicht Jeff Gordon. Der hatte vorher schon gewußt, dass nur ein Unfall oder ein mechanischer Defekt seinen Teamkollegen würde stoppen können. Auch nicht Junior oder Tony Stewart, die beide im letzten Saisondrittel völlig untergingen. Selbst Richard Childress Racing ist kein Verlierer, obwohl man mit den etablierten Stars nicht voran kam und ein quasi Newcomer den Chase wenigstens mathematisch spannend hielt. Nein, der Verlierer der diesjährigen NASCAR Saison war meiner Meinung nach ESPN und ABC. Ohne die Ratings von gestern zu kennen, gehe ich mal davon aus, dass der Rückgang der Quote vermutlich wieder im zweistelligen Bereich war. Und das im Vergleich zu der desaströsen und lustlosen Übertragung von NBC aus dem letzten Jahr.

Das Rennen gestern war sicher nicht das allerbeste. Klassisches 1.5 Meilen Oval halt mit teilweise eher müden Piloten, die die Saison abschliessen wollten. Dennoch hat ESPN es tatsächlich geschafft selbst in diesem eher statischen Rennen, in dem es wenig Cautions gab, große Teile des Rennens einfach zu verpassen. Tony Stewart zum Beispiel tobte im ersten Teil des Rennens durchs halbe Feld. Erst fiel er zurück, dann lag er plötzlich auf Platz zwei, dann ging es wieder nach hinten. Zu sehen war davon in der Berichterstattung nichts. Junior startete als letzter und war elfter, als es zum ersten Boxenstopp ging. Man sah von seiner Aufholjagd nichts. Ricky Rudd fuhr sein letztes Rennen. Im Bild war er nur Sekunden zu sehen, seine letzte Zieldurchfahrt zeigte man nicht und ein Interview war nicht zu sehen. (Was aber auch an Premiere liegen kann, dazu gleich noch was). Stattdessen konzentrierte sich ESPN mal wieder nur auf die ersten fünf Fahrzeuge, nur Jimmie Johnson wurde ab und an gezeigt. Aber auch als er mitten im Pulk um Platz 18 hing zeigte man ihn nur kurz. Plötzlich war er wieder in Top Ten und zu sehen war davon wieder nichts. Wenn sich ESPN darüber wundert, dass ihnen die Zuschauer abhanden gehen, dann hat das sicher etwas damit zu tun, wie der Sender die NASCAR Rennen präsentiert. Man sollte sich einfach mal abschauen, wie FOX das macht, die auch mit langweiligen Kursen wie Fontana zu kämpfen haben. Wenn vorne nichts los ist, dann zeigt man eben die Plätze 15 bis 25 wo immer was geht. Man kann wirklich nur hoffen, dass ESPN 2008 etwas mutiger an die Übertragungen rangeht. Es ist jedes Mal eine kalte Dusche wenn man von den herzerfrischenden und zumeist treffenden Anaylsen von “SpeedTV” zu ESPN umschaltet. Während “Raceday” eine zweitweise alberne, aber immer herzerfrischende Sendung ist, kommt man sich bei ESPN manchmal wie in einem Seniorenheim vor. Dabei beweist ESPN bei den Baseball und Football Übertragungen, dass man es auch anders kann.

Wie erwähnt, war das Rennen gestern keine große Show. Spannung gab es vorne leider nicht viel, was an der erdrückenden Überlegenheit von Matt Kenseth lag, der mit seinem Ford jederzeit die Kontrolle zu haben schien. Und das von der erste Runde an. Einzig Kurt Busch, Martin Truex, später Danny Hamlin und zwischenzeitlich Jeff Gordon lieferten schöne Positionskämpfe, die viel Spaß machten. Das Rennen war kein Abklatsch der Saison, da die Hendrick Wagen mal nicht dominierten, aber es war ein Beispiel dafür, dass es nicht unbedingt am CoT liegt, wenn sich wenig in Sachen Spannung tut. Das man Ende mit Matt Kenseth ein Ford die “Ford 400” gewonnen hat, dürfte den Sponsor gefreut haben.

Premiere hat in diesem Jahr eine guten Job gemacht. Bis auf weniger Ärgernisse im Frühsommer, als man die wegen Regen verschobenen Rennen teilweise überhaupt nicht zeigte, muss man dem Sender schon ein gutes Zeugnis ausstellen. Es wäre zwar schön, wenn die Kommentatoren vor Ort und nicht im Studio in München wären, und auch die gefakten Liveschaltungen sind überflüssig, aber im Grunde muss man froh sein, dass Premiere die Rennen überhaupt live zeigt. Die Sachkenntniss die Jacques Schulz, Klaus Graf und Christian Kuhn an den Tag legen ist wirklich famos und wären sie live vor Ort, hätte die Übertragung sicher F1 Niveau. Das Schulz keine Lust hat zusätzlich zu seinem F1 Engagement auch noch durch die USA zu düsen ist verständlich. Ein großes Ärgernis gibt es aber: Seit einigen Rennen steigt Premiere immer sehr früh aus der Übertragung nach dem Rennen aus. Man bekommt gerade noch das Siegerinterview, aber damit hat es sich auch. Gestern zeigte man nicht einmal die Übergabe des Pokals an Jimmie Johnson, was ich außerordentlich schwach fand. Die zehn Minuten hätte man nun wirklich noch drauf bleiben können, das macht um die Uhrzeit auch nichts mehr aus.

Jetzt ist sie also vorbei, die NASCAR Saison 2007. Sie hat mit Jimmie Johnson einen würdigen Meister gefunden. Das meine ich ehrlich, auch wenn ich kein besonders großer Fan von ihm bin, weil mir seine Rennstrategie, so erfolgreich sie auch sein mag, einfach nicht zu sagt. 90% des Rennens in den Top 10 zu “cruisen” um dann am Ende zuzuschlagen mag genial sein, denn man muss auch erst einmal die Fähigkeit dazu haben, sich nach vorne zu kämpfen, aber sie ist eben auch wenig langweilig, weil man dauernd das Gefühl hat, dass der “falsche” am Ende auf Platz Eins steht. Dennoch: er hat 10 Rennen gewonnen und knapp ein Drittel aller Rennen einer Saison gewinnt, der hat eben das beste Auto und das größte Talent.

2008 wird die Serie komplett anders aussehen. Junior bei Hendrick, Tony Stewart in einem Toyota, ebenso Kyle Busch. Dazu das quasi Sieben-Wagen-Werksteam von Ford und hoffentlich findet Dodge auch wieder zu alter Stärke zurück. Aber dazu in werde ich den nächsten Wochen noch was schreiben.

WTCC – Macau
Ähnlich ärgerlich wie die Entscheidung von Premiere, schon vor der Meisterschaftszeremonie aus der Übertragung auszusteigen, war die Entscheidung von Eurosport den ersten Lauf aus Macau am Sonntagnachmittag einfach nicht mehr zu zeigen. Denn genau dort passierte alles, was die Meisterschaft am Ende zugunsten von Andy Priaulx entschied. Im zweiten Rennen passierte überhaupt nichts mehr, und man bekam bei der Aufzeichnung auch nichts mit, was genau denn im ersten Rennen so wahnsinnig aufregendes passiert war. Und wo zum Teufel Yvan Muller abgeblieben war. So schön das Rennen in Macau war, so nervig auch mal wieder diese Entscheidung von Eurosport. Und warum an autf Euro 2 das zweiten Rennen innerhalb von 180 Minuten gleich zweimal zeigte, den ersten Lauf aber überhaupt nicht, ist auch so eine Sache. Man kann sich als Hostbroadcaster seine Serie auch selber kaputt machen. Eurosport behauptet ja weiter, man sei “Motorsportsender Nr.1” was bei der steigenden Lustlosigkeit mit der man Motorsport in der Senderfamilie zeigt, auch eher ein Scherz ist. Und vermutlich schon längst nicht mehr stimmt, wenn man MotorsTV nur zum Vergleich nimmt. Sollen sie doch komplett aussteigen und den Krempel MotorsTV ganz überlassen. Dann hat man Sonntags mehr Zeit für Leichtathletik und Snooker (Nix gegen beide Sportarten, schaue ich auch gern) und die Kommentatoren bei Motors und Eurosport sind eh dieselben.

Und sonst?
Gestern Nacht gejammert, am kommenden Wochenende gäbe es nichts Neues zu sehen. Stimmt nicht. Die A1 ist in Sepang unterwegs, und wenn ich das richtig sehe, zeigt Premiere die Rennen live und sie bringen auch mehrere Aufzeichungen über den Tag verteilt.

Am Dienstag hat MotorsTV einen Saisonrückblick der F3 Euro Serie im Programm angekündigt, aber ich bin mir nicht sicher, ob Motors die auch in Deutschland ausstrahlt.

19.11.2007

Aufz. 18:10 Uhr NASCAR Busch Miami PREM
Aufz. 20:30 Uhr NASCAR Nextel Miami PREM
Aufz. 21:00 Uhr   V8 Supercars   Symmons Plains   MotorsTV
Aufz. 23:50 Uhr   F3 Masters   Zolder   MotorsTV

20.11.2007

Aufz. 14:00 Uhr   F3 Euro   Saison 2007   MotorsTV ?
Aufz. 17:00 Uhr NASCAR Nextel Miami PREM
Aufz. 19:00 Uhr   ELMS   Interlagos   MotorsTV
Aufz. 20:00 Uhr NASCAR Nextel Miami PREM
Aufz. 21:30 Uhr   Super GT   Fuji   MotorsTV