Formel Eins – Ross Brawn & Honda
Von auen betrachtet wohl die Hammermeldung, aber innerhalb des Formel Eins Zirkus wohl schon erwartet: Ross Brawn kehrt nicht zu Ferrari zurck sondern wechselst zum Honda Team und wird dort der neue Teamchef. Das ist natrlich schon etwas berraschend, aber ich hab mich vor ein paar Wochen mit einem Menschen unterhalten, der im Sponsorgeschft innerhalb der Formel Eins ttig ist und der meinte damals schon, dass Brawn sicher nicht zu Ferrari gehen wrde. Mit Honda hat er allerdings auch nicht gerechnet. Sein Tipp war Toyota. Warum Ross Brawn nicht zu seiner alten Liebe zurckkehrt, obwohl er auch in diesem Jahr immer wieder betont hat, dass er seine Pause nur dann unterbrechen wrde, wenn er zu Ferrari geht, ist dann eine andere Frage.

Es wird vermutet, dass die Stimmung zwischen Brawn und Jean Todt schon lnger nicht mehr die allerbeste gewesen ist. Und zwar schon vor 2006. Offensichtlich war man in den Jahren 05 und 06, in denen man den WM Titel verlor, sehr unterschiedlicher Meinung ber die weitere Entwicklungsarbeit. Brawn wollte mehr Einfluss auf das Team nehmen, was wiederum Jean Todt nicht wollte. Nicht wenige glauben, dass das “Sabbatical” von Brawn eher darauf zurckzufhren ist, dass es eine stille Abmachung zwischen Todt und Brawn gab. Der Franzose wrde noch ein Jahr das Team fhren, dann wrde er sich aus dem Team zurckziehen und die Gesamtleitung von Ferrari bernehmen. Brawn sollte dann Teamchef werden. Doch wie sich gezeigt hat, braucht man die englische Fraktion in Maranello wohl nicht, also hat sich wohl einiges in diesem Jahr veschoben und es ist auch in dem Zusammenhang nicht weiter verwunderlich, dass Ferrari heute leichte Vernderungen in der Teamstruktur bekannt gab. Es wurden nur Italiener befrdert.

Nun ist Brawn also bei Honda, allerdings ohne seine bisherigen Mitarbeiter um sich herum. Der bisherige Honda Team Chef Nick Fry wird Geschftfhrer des Teams, der bisherige Motorenchef Shuhei Nakamoto wird Brawn Stellvertreter. Das Honda Team ist ja nun nicht gerade auf Rosen gebettet und es ab auch immer wieder heftige Auseinandersetzungen innerhalb des Teams. Vor allem zwischen dem Vizeprsident des Teams, Otmar Szafnauer, und Leuten wie Geoff Willis kam es zu heftigen Machtkmpfen. Szafnauer, ein in Rumnien geborener US Brger, setzte damals dem technischen Direktor Willis einfach einen “Senior Technical Director” in Form von Nakamoto vor die Nase, und ordnete angeblich an, dass der Englnder in Zukunft nicht mehr bei den Rennen anwesend sein msse.

So wie es aussieht, hat Szafnauer seit Ende letzten Jahres die Struktur, die er gerne haben wollte, allerdings ist die nicht besonders erfolgreich. Ich bin gespannt, was Brawn bei Honda verndern wird, aber fr die 2008er Saison kommt er eigentlich schon zu spt. Das neue Auto drfte fertig sein und bis er sich eingelebt und die Leute an den Positionen hat, die er haben will, wird es wohl noch ein paar Monate dauern. Interessant wird sein, wen Brawn sich holt. Eine wichtige Frage wird sein, ob er den ehemaligen Benetton und Ferrari Designer Rory Byrn nochmal aus der Pension holen wird. Auf jeden Fall hat Honda jetzt den vermutlich besten Strategen und Teammanager eingekauft, den es in der Formel Eins gibt.

Ein Grund etwas professioneller zu werden, auch bei der Pressebetreuung. Denn auf der Media Seite von Honda steht ausgerechnet heute “Media Site Temporarily Unavailable”.

NASCAR – Jimmie zum Zehnten
Ein mdes Rennen war das gestern. Obwohl es immerhin zehn Unterbrechnungen gab, baute sich im Rennen nie so recht Spannung auf. Nur gegen Ende, als Jimmie Johnson pltzlich an der Spitze auftauchte, gab es so etwas wie Spannung. Was auch daran lag, dass Jeff Gordon seinen Wagen mal wieder nicht so hinbekommen hatte, wie es htte sein mssen. Er kmpfte quasi mit stumpfen Waffen und Johnson berholte den vierfachen Meister gleich mehrfach. Ich hatte ja schon leztte Woche davon gesprochen, dass Gordon unter Druck steht und merkwrdige Strategieentscheidungen trifft und diese Woche war es genauso. Er ging wieder “off sequenze” und versuchte mit erhhten Risiko seinen Teamkollegen eine Runde in Rckstand zu bringen, aber das gelang nicht.

Ansonsten wechselten sich vorne Matt Kenseth und Martin Truex jr. ab, die anfangs noch von Carl Edwards unter Druck gesetzt wurden, aber der hatte dann leider schon frh einen kapitalen Motorschaden. Ein noch schlechteres Rennen hatte Dale Earnhardt jr., der schon in der Quali miserabel unterwegs war und nur auf Platz 29 kam. Im Rennen ging es langsam nach vorne, aber auch nicht so richtig, und irgendwann berfuhr er den total bersteuernden DEI Wagen und krachte in die Mauer. Er machte sich nicht mal mehr die Mhe, noch mal an die Box zu fahren um zu sehen, ob noch was geht. Im Interview konnte man bei jedem Wort hren, dass er es nicht mehr erwarten kann, endlich in einem Hendrick Auto zu sitzen.

Das Rennen pltscherte so vor sich hin, aber immerhin sorgte Tony Stewart mal wieder fr Unterhaltung. Der war von Platz 21 gestartet und pflgte sich immmer mal wieder durchs Feld. Sein Auto ging prchtig auf der Kurzstrecke, aber sobald das Rennen lnger dauerte, fiel er wieder zurck. Er hatte also eine Menge zu tun gestern und kam am Ende auf einen guten vierten Platz. Sein Teamkollege Danny Hamlin hatte dagegen einen eher mauen Tag und wurde nur 16. Schwer tat sich auch Clint Bowyer, der whrend des ganzen Rennens nicht so richtig in Schwung kam. Er pendelte meist so um Platz zehn rum und hatte keine Chance in den Kampf vorne einzugreifen. Nach diesem Rennen ist er auch mathematisch aus dem Rennen um die Meisterschaft raus.

Es war also mal wieder ein typisches Johnson Rennen. In der ersten Hlfte des Rennen hielt er sich in den Top 5, sein Wagen lief ruhig und gut und die Boxenstopps waren perfekt. Als es dann darauf ankam, war er vorne diesmal sogar etwas frher als sonst, denn immerhin fhrte Johnson 55 von 314 Runden. Er “campte” also nicht, wie sonst. Fr Jeff Gordon ist die Meisterschaft damit so gut wie gelaufen. Er hat 86 Punkte Rckstand auf Johnson. Fr das Abschlussrennen in Miami am kommenden Wochenende bedeutet das: Wenn Jeff Gordon das Rennen gewinnt und die meisten Runden fhrt, muss Johnson 18. oder besser werden. Natrlich ist ein Ausfall immer mglich. Aber der letzte Unfall/Ausfall von Johnson geschah beim Brickyard 400 Ende Juli in Indianapolis. Jeff Gordon meinte gestern nach dem Rennen “It’s over”. Auerdem wolle er keinen Titel gewinnen, nur weil der andere Pech haben wrde. Johnson und sein Team htten die bessere Arbeit gemacht, Thema erledigt. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass Gordon ohne das Chasesystem schon lngst Meister wre. Auf der anderen Seite hat Johnson zehnmal in der Saison gewonnen, Gordon “nur” sechsmal. In so fern ist der Meisterschaftsstand schon ok.

Ein Wort noch zu Premiere gestern. Man brachte zwar noch das Interview mit Johnson nach dem Rennen, das von Jeff Gordon, dass direkt im Anschluss kam, zeigte man aber nicht mehr. Stattdessen gab es die blichen “Bilder des Rennens”. Das fand ich schon sehr unschn. Die 30 Sekunden, die ein Gordon Interview dauert, htte man ja nun auch noch dranhngen knnen. Ich habs mir dann bei SpeedTV angeschaut.

ChampCar – Mexico
Das Rennen war ein hbsches Spiegelbild der Saison. Am Anfang fhrte Will Power, der mit einem angeknacksten Handgelenk ins Rennen ging, vor Sebstastian Bourdais, doch nach rund einem Drittel der Renndistanz drehte der Franzose den Spie um und gewann das Rennen am Ende. Ein schner Abschluss seiner auerordentlichen Karriere in den USA, in der er Rekorde gesetzt hat, die wohl so schnell niemand mehr wird knacken knnen. Das wird auch der Grund sein, warum die ChampCar Verantworlichen nicht so ganz unglcklich sein werden, dass Bourdais die Serie verlsst. Ohne ihn wre die Saison nmlich bis zum letzten Rennen ziemlich spannend geworden. Fr die Serie kann man nur hoffen, dass es nchstes Jahr dann auch spannend wird, und vielleicht ein Graham Rahel in den Titelkampf mit eingreifen kann, damit endlich mal wieder spannung aufkommt. Ich geh aber auf den Zustand der Serie im Jahresrckblick nochmal genau ein.

ELMS – Interlagos
Den Ausflug htte man sich ja auch sparen knnen. Zwar war wirklich schn, die Autos auf der Strecke zu sehen, aber da nur das halbe Feld angereist war, war nun wirklich nicht viel los. Dazu kam, dass sich die Regie nur auf die LMP1 konzentriert hat. In der GT2 ging es heftiger zur Sache, aber darauf ging man nur selten ein. Nun ist ein 1000 Meilen Rennen am Fernseher per se keine Angelegenheit, bei der man ngelkauend daneben sitzt. Ich hatte es nebenbei laufen und zwischendrin auch mal drei Stunden weggeschaltet. Die Spannung bezog sich ja einzig aus der Frage, ob der Peugeot mit der Startnummer “8” das Rennen durchsteht, und ob der Pescarolo im Falle eines Ausfalls des Peugeot auf Platz drei gekommen wre. Tatschlich hatte die “8” immer mal wieder Probleme und musste lange in der Box stehen. Aber ein regelrechter Ausfall lag nicht in der Luft, zumal man den Wagen wirklich nur ins Ziel schleppen musste, um Meister zu werden. Das schaffte man dann auch, aber es war schon erstaunlich, dass beide Peugeot am Ende der 1000 Meilen echte Probleme hatten. Audi wird mit Freude gesehen haben, denn so sind die Franzosen keine echte Konkurrenz.
In der GT1 gab es auch einen berraschungssieger. Nicht die Corvette gewann, sondern der Aston Martin. Die Corvette stand stundenlang in der Box rum, weil man das Getriebe wechseln musste, und so hat der Aston Martin den vielleicht letzten Sieg in einer GT 1 Klasse erreicht, denn Anfang Dezember wollen der ACO und die FIA entscheiden, wie es mit den GT Klassen weitergeht.

Und sonst?
Vorschau auf das nchste Wochenende: NASCAR Miami, WTCC Macau, V8 Supercars Symmons Plain

12.11.2007

Aufz. 15:50 Uhr ELMS Interlagos MotorsTV
Aufz. 18:10 Uhr NASCAR Busch Phoenix PREM
Aufz. 19:05 Uhr NASCAR Nextel Phoenix PREM
Aufz. 19:50 Uhr F3 Masters Zolder MotorsTV
Aufz. 20:00 Uhr FIA GT 3 Brnn PREM
Aufz. 21:00 Uhr A1 GP Zandvoort PREM
Aufz. 21:00 Uhr British F3 Saison 2007 MotorsTV
Aufz. 22:30 Uhr NASCAR Nextel Phoenix PREM
Aufz. 22:50 Uhr British GT Saison 2007 MotorsTV