Eine kleine FAQ zum Thema NASCAR. Die wichtigsten Fragen und Antworten sollten hier zu finden sein. Sollten weitere Fragen oder Unklarheiten bestehen, einfach die Kommentare nutzen. Bitte keine Fragen zu Streams oder wie man einen Stream auf seinem Rechner öffnen kann. Hier geht es nur um die Regeln der NASCAR, für eine Übersicht über alle NASCAR-Strecken bitte hier schauen.

Seit wann gibt es die NASCAR und wofür steht die Abkürzung?
Welche NASCAR Klassen gibt es?
Wo fährt die NASCAR ihre Rennen?
Was sind das für Autos, die die NASCAR verwendet?
Welche Motoren werden benutzt?
Was ist ein(e) “restrictor plate”?
Warum fährt man mit so steinalter Technik rum?
Fährt man nur Ovale, oder auch Rundstrecken?
Wie läuft ein normales Qualifying ab?
Was für spezielle Qualifyingformate gibt es für einige Rennen?
Wie lange dauern die Rennen?
Was ist so spannend daran, Leute so lange im Kreis fahren zu sehen?
Wie werden die Punkte verteilt?
Wie viele Rennen gibt es und was ist der “Chase?
Was ist eine “Caution”?
Was ist ein “Big One”?
Wie funktionieren die Boxenstopps?
Was ist ein “Green White Checkered” (GWC)?
Was ist ein “Lucky Dog”?
Was macht ein Crew Chief?
Was macht ein Spotter?
Warum wechseln die Wagen in der Saison Sponsoren und Farben?
Warum fährt die NASCAR nicht bei Regen?
Wer sind die Stars der NASCAR?
Fahren auch Piloten, die man in Europa kennt?
Wie beliebt ist die Serie in den USA?
Wo kann man die NASCAR in Europa sehen?

Seit wann gibt es die NASCAR und wofür steht die Abkürzung?
NASCAR ist eine Abkürzung und steht für “National Association for Stock Car Auto Racing”. Die Geschichte der NASCAR ist tatsächlich legendär. Wenn man sehr weit zurück geht, dann gehen die Rennen auf die Prohibition in den USA zurück. Damals brachten Fahrer schwarzgebrannten Alkohol an ihren Bestimmungsort und lieferten sich dabei regelmäßig Wettrennen mit der Polizei. Nach dem Ende der Prohibition hatten die Fahrer nicht mehr viel tun, trafen sich aber regelmäßig zu Wettrennen, um sich zu messen. Ein Treffpunkt war der Strand von Daytona Beach, weil man dort die Höchstgeschwindigkeit der Wagen vergleichen konnte.
Bill France Sr, ein Mechaniker, nahm an den Rennen teil und organisierte selber welche, was dann aber durch den zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Erst ab 1946 gab es wieder regelmäßigere Rennen, France gründete 1948 die NASCAR. Es war bei weitem nicht die einzige Serie, die es damals gab, allerdings setzte sich France mit seiner Serie durch, weil es ihm gelang die besten Fahrer und Strecken mittels Preisgelder an sich zu binden. Lange wurden die Rennen nur auf “dirt tracks” gefahren, also Sandpisten oder ehemaligen Galopprennbahnen, woraus sich auch die ovale Form der Strecken gebildet hat.
Bis Anfang der 70er Jahre war die NASCAR eine Serie, die nur in den Bundesstaaten North/South Carolina, Virgina, und Georgia stattfanden. Die sogenannten “Redneck” Staaten feierten Rennen mit viel Bier und einem Barbeque, Fernsehen gab es selten.
Dann gelang es NASCAR, die Serie auch im Fernsehen zu vermarkten und man schaffte den Aufstieg zur wichtigsten und größten Motorsportserie der USA.

Welche NASCAR Klassen gibt es?
Unter dem Banner der NASCAR laufen etliche Rennserien. Die wichtigsten sind sicher diese hier:

NASCAR Sprint Cup

Das ist die “Königsklasse” der NASCAR, hier fahren alle Stars, hier gibt es das meiste Geld.

NASCAR Nationwide Serie
Die “2.Liga”, so was wie die GP2. Allerdings starten hier nicht nur junge Nachwuchsfahrer, sondern auch die Stars des Sprint Cups. Zum einen gibt es hier auch Geld zu holen und zum anderen ist der Titel der Serie durchaus wichtig.

NASCAR Camping World Truck Serie
Eine Serie, in der mit stark modifizierten Pick-Ups gefahren wird. Hier treten die Stars selten an, aber man findet schon den ein oder anderen bekannten Namen.

Dazu kommen noch weitere Serien, wie die NASCAR Ableger in Kanada (Canadian Tire Series), Mexiko (Toyota Series) und die Whelen Euro Serie in Frankreich/Europa. Es gibt noch diverse regionale Dirt-Track Serien, die einerseits Nachwuchs fördern, andererseits den Breitensport darstellen.

Die NASCAR hat dazu eine Kooperation mit der zweiten großen Stock-Car Serie der USA, der ARCA. Die ARCA fährt mit alten Chassis aus der NASCAR und auch hier werden Nachwuchstalente ausgebildet, da die ARCA die meisten Ovale der NASCAR mit nutzt.

Wo fährt die NASCAR ihre Rennen?
Der Sprint Cup fährt seine Rennen ausschließlich in den USA. Zwar ist die Serie mittlerweile auch in Kalifornien und Arizona unterwegs, doch die meisten Rennen werden weiterhin im “Herzland” der NASCAR, den oben genannten Redneck-Staaten, gefahren. Hier gibt es eine Übersicht über alle Strecken auf denen der Sprint Cup unterwegs ist.
Die Truck Serie macht immerhin einen Ausflug nach Kanada, wo man auf der Strecke in Bowmanville, Ontario unterwegs ist.

Was sind das für Autos, die die NASCAR verwendet?
Auf den Wagen steht zwar die Namen der Hersteller (Ford, Chevy, Toyota) aber im Grunde handelt es sich um ein Einheitschassis, dass von der NASCAR entwickelt wurde. Die Abmessungen sind genau vorgegeben, so dass die Teams keinen Spielraum haben. Nur das “Gesicht” des Wagens samt Kühlergrill, kann angepasst werden, damit der Wagen einem Strassenmodell ähnlich sieht. Da muss man aber schon genau hinsehen. Die Vorschriften der NASCAR sind wirklich sehr eng und umfassen sogar die Materialstärke der Außenhaut des Chassis.
Im Prinzip handelt es sich bei der NASCAR um eine Silhouetten-Serie, wie man sie aus der DTM kennt.

Welche Motoren werden benutzt?
Es werden V8 Motoren mit 5.5 Liter Hubraum eingesetzt. Allerdings handelt es sich nicht gerade um die neueste Technik. So werden die Ventile nicht über eine Nockenwelle, sondern über Stössel bewegt, auch setzt man in der Nationwide und der Truck Serie noch auf einen Vergaser. Im Sprint Cup verwendet man eine elektronische Einspritzung mit einer einheitlichen ECU. Dazu kommt ein 4-Gang Getriebe, wobei man aber sagen muss, dass auf den Ovalen nicht geschaltet wird. Der Motor kommt auf eine Höchstdrehzahl von ca. 9600 U/min was am Ende ca. 750 PS ausmacht. Dabei wird die Leistung mittels einer “restrictor plate” reguliert. Das ist ein “Luftmengenbegrenzer”, mit dem die Leistung eines Motors eingestellt werden kann. Die NASCAR misst in unregelmäßigen Abständen die Motorleistung der Hersteller und passt sie mittels der “plates” an, damit alle ungefähr auf einem Niveau liegen.

Was ist ein “restrictor plate”?
Das Benzin/Luftgemisch, dass über den Vergaser/die EFI den Motoren zugegeben wird, entscheidet über die Leistung. Reduziert man den Sauerstoff, sinken die PS-Zahlen. Die “restrictor plate” ist im Grunde eine Art Luftmengenbegrenzer. Normalerweise fährt man über die gesamte Saison mit ein und demselben Begrenzer, das gilt allerdings nicht für die Rennen und Daytona und Talladega. Weil die Fahrzeuge auf den extrem überhöhten Ovalen ohne Begrenzer schon Ende der 80er Jahre Geschwindigkeiten von über 350 km/h erreicht haben, beschloss man der Speedorgie ein Ende zu machen. Die Leistung der Fahrzeuge werden mittels des Begrenzers von 750 auf ca. 450 PS runter geschraubt. Trotzdem erreichen die Piloten auch hier die magische 200 mph (320 km/h) Grenze. Weil alle Fahrzeuge die gleiche Leistung haben, ist das Feld hier besonders eng zusammen. Bei Teams und Fahrern sind die Rennen auf beiden Strecken nicht sonderlich beliebt, weil die Unfallträchtigkeit hier besonders hoch ist. Die Fans lieben die Rennen dafür um so mehr.

Warum fährt man mit so steinalter Technik rum?
Das hat keineswegs traditionelle Gründe. Viel mehr möchte die NASCAR nicht, dass die Entwicklungskosten explodieren. Das enge Reglement sorgt dafür, dass man eben wenig am Motor machen kann. Das bedeutet nicht, dass man gar nichts macht. Alle paar Jahre bringen die Hersteller neue Motoren, die auf dem bestehenden Regelment aufbauen. Aber man verändert viel im Bereich des Reibungsverlustes oder bei der Kühlung. Der Leistungewinn ist meist gering (ca. 10 PS), aber neuere Motoren haben meist ein breiteres Leistungsband und mehr Drehmoment, was beim Rausbeschleunigen aus den Steilkurven hilft.

Fährt man nur Ovale, oder auch Rundstrecken?
Die NASCAR fährt auch auf Rundstrecken. Der Sprint Cup hat im Moment 2 im Kalender: Sonoma und Watkins Glen. Für diese Rennen setzen einige Teams Fahrer ein, die sich auf Rundkurse spezialisiert haben, um eine gute Platzierung zu erreichen (die sogenannten “road course ringer”).

Welche Ovale gibt es?
Es gibt im Grunde drei Arten von Ovalen:
- Short Tracks
Das sind Ovale, die zwischen einer halben und einer Meile lang sind.

- Speedways
Das sind Ovale, die zwischen einer und zwei Meilen lang sind. Die meisten “klassischen” Ovale sind 1.5 Meilen lang.

- Superspeedway
Davon gibt es nur zwei: Daytona und Talladega. Die sind ca. 2.5 Meilen lang und haben eine Kurvenüberhöhung von 33 bis 36%.

Was fast alle Ovale auszeichnet ist die Kurvenüberhöhung. Man fährt Steilkurven, die je nach Strecke unterschiedlich hoch sind. Es gibt Ovale, deren Kurvenüberhöhung bis 36 Grad beträgt (Talladega, Bristol), es gibt quasi flache Strecken, wo die Kurvenüberhöhung im einstelligen Bereich ist (Phoenix, Martinsville). Je höher und weiter die Steilkurve ist, desto schneller kann man durchfahren. In Daytona und Talladega fährt man die gesamte Runden “flat out”, also Vollgas. Man lupft nicht und gebremst wird auch nicht.

Anders ist es zum Beispiel in Indianapolis, dem in Europa bekanntesten Oval. Hier sind die Geraden zwar lang, die Kurven aber eng und wenig überhöht, so dass die Fahrer stark bremsen müssen.

Wie läuft ein normales Qualifying ab?
Die Qualifikation bei den meisten Rennen ist recht einfach. Es gibt ein Einzelzeitfahren, jeder Fahrer hat zwei fliegende Runden, wer am Ende der schnellste ist, der steht auf der Pole. Es dürfen insgesamt 43 Wagen an einem Rennen teilnehmen. Meist gibt es aber mehr Starter als Startplätze. Um das zu regeln gibt es ein paar Besonderheiten, die “Top35″ Regel und die “Champion’s Provisional”. Genauer gesagt, sieht das so aus:
Die Wagen, die in der Konstrukteurswertung (nicht Fahrerwertung!) unter den ersten 35 Wagen liegen, haben einen garantierten Startplatz, egal auf welchem Platz sie sich qualifizieren. Die Wagen, die ab Platz 36 liegen, müssen sich über die schnellste Zeit qualifizieren. Das führt zu, auf den ersten Blick, verwirrenden Ergebnissen. Ein Beispiel:

Es gibt 43 Startplätze, 35 Wagen sind wie erwähnt schon sicher im Rennen. Dazu kommen 10 weitere Teams, macht 45 Wagen für 43 Startplätze. Würden diese 10 Teams die Plätze 1 bis 10 belegen, müsste der neunte und der zehntplatzierte Fahrer wieder nach Hause fahren, obwohl sie schneller als die Top 35 gewesen sind. Denn nur die acht schnellsten der nicht Top 35 Teams dürfen starten.

Dazu kommt die “Champions Provisional”. Ist ein ehemaliger Champion am Start, der nicht in den Top 35 ist, dann kann er pro Saison sechsmal einen Startplatz verlangen auch wenn seine Qualifikationszeit eigentlich zu langsam ist. Ist die Quote aufgebraucht, muss er sich wie alle anderen qualifizieren.

Die Punkte der Top 35 werden über die Saison gesammelt. In den ersten fünf Rennen einer Saison gilt der Stand des Vorjahres, danach wird die neue Wertung genommen.

Was für spezielle Qualifyingformate gibt es für einige Rennen?
Es gibt vor allem beim Daytona 500 ein höchst kompliziertes Reglement. Es gibt eine Quali eine Woche vor dem Rennen, in dem aber nur die beiden ersten Startplätze vergeben werden. Der Rest wird in zwei weiteren Rennen am Donnerstag vor dem 500, den Gatorade Duels ausgeknobelt. Im ersten Rennen werden die ungeraden Startplätze, im zweiten die geraden ausgefahren. Das ist derartig unübersichtlich, dass sich auch die Kommentatoren auf die Listen der NASCAR verlassen müssen.

Bei den Road Course Rennen gibt es kein Einzelzeitfahren, anstatt dessen fährt man das Qualifying in 5-6 Gruppen, unterteilt nach Geschwindigkeit im Training, die schnellste Runde in diesen Gruppenzeitfahren zählt.

Wie lange dauern die Rennen?
NASCAR-Rennen sind Langstreckenrennen. Die meisten Rennen sind zwischen 400 und 500 Meilen lang, also richtige Riemen. Die Rennen dauern meist um die 3 Stunden, es geht, je nach dem wie oft unterbrochen wird, auch mal eine Stunde länger. Dazu kommt das Vorstart-Prozedere, das auch noch mal eine halbe Stunde benötigt und natürlich die Siegerehrung. Alles in allem kann so eine Übertragung schon mal gut vier Stunden dauern manchmal geht es auch etwas länger.

Was ist so spannend daran, Leute so lange im Kreis fahren zu sehen?
Der Reiz der Rennen liegt nicht im kurzfristigen Sprint. Formel Eins-Rennen dauern rund 90 Minuten, da hat die NASCAR manchmal nicht mal die Hälfte des Rennens hinter sich. Langstreckenrennen haben ihren eigenen Reiz und ihre eigene Dynamik. Zum einen haben die Teams die Gelegenheit den Wagen zu verändern. Es passiert oft, dass ein Team die Abstimmung im Training verwachst hat, dann im Rennen zunächst weit zurück fällt, um sich dann mittels der Änderungen wieder nach vorne zu arbeiten.
Dazu kommt, dass die Leistungsdichte extrem eng ist. Die Rundenzeiten der Top 10 liegen meist nur wenige Zehntel- oder Tausendstelsekunden auseinander. Das Feld liegt oft sehr dicht beieinander und man fährt nicht nur hintereinander her, sondern in Zwei- oder gar Dreierreihen nebeneinander.

Die Faszination der Rennen erschliesst sich oft erst, wenn man die Serie eine Zeit verfolgt und lernt, wie die Dramaturgie aufgebaut ist

Wie werden die Punkte verteilt, bzw. wie funktioniert das Punktsystem?
In der Nascar gibt es Punkte für die Platzierung und für die Anzahl an Führungsrunden. Die Punkteverteilung für die Positionen sieht so aus:

  1. 46
  2. 42
  3. 41
  4. 40
  5. 39
  6. 38

43. 1

Für seine erste gefahrene Führungsrunde bekommt der Fahrer 1 Punkt. Noch einen Punkt bekommt er, wenn er die meisten Führungsrunden eines Rennens absolviert.

Wie viele Rennen gibt es und was ist der “Chase?
Es gibt 36 Rennen die zur Meisterschaft zählen. Nach 26 Rennen wird der Cut zum Chase gemacht. Dazu gibt es zwei weitere Rennen, die nicht zur Meisterschaft zählen. Das ist das “Budweiser Shootout”, ein reines Rennen für den Sponsor eine Woche vor dem Daytona 500 und das “All-Star-Rennen” im Mai, ebenfalls eher eine Sache für den Sponsor.
Der Chase ist eine Art Play-Off-System der NASCAR. Nach dem 26. Saisonrennen kriegen die ersten 12 Fahrer der Punktewertung 2000 Punkte und 3 weitere für jeden vorher heraus gefahrenen Rennsieg. Sie sind somit uneinhohlbar für den Rest des Feldes und machen die Meisterschaft in den letzten 10 Rennen unter sich aus. Die Preisgelder werden natürlich weiterhin unter allen teilnehmenden Fahrzeugen und Teams verteilt.

Was ist eine “Caution”?
Eine Caution beeinhaltet den Einsatz des Safety-Cars, welches sich vor das Feld setzt, und es verlangsamt, um somit das Gefahrenpotenzial zu minimieren. Während der Caution dürfen weder andere Fahrzeuge noch das Safety-Car (außer nach Aufforderung), überholt werden. Auch getankt werden darf erst, nachdem die Boxengasse von der Rennleitung geöffnet wurde. Eine Caution kann viele Ursachen haben wie Teile auf der Strecke, einen Unfall oder Regen.
Eine besondere Form der Caution ist die “Competition Caution”. Diese wird von der Rennleitung vor oder während des Rennens für eine bestimmte Runde festgesetzt. In dieser Runde wird dann die gelbe Flagge geschwenkt, die dem Feld neben den gelb-blinkenden Lichtern am Rand der Fahrbahn symbolisiert, dass das Safety-Car auf die Strecke kommt und das Feld verlangsamen muss. Eine “Competition Caution” wird zum Beispiel festgesetzt, wenn es geregnet hat und die Teams deshalb nicht trainieren konnten. So wird allen Teams ohne viel Zeitverlust die Möglichkeit gegeben, ihr Fahrzeug bei einem Boxenstopp zu verbessern.

Die Cautions sind nicht ganz umunstritten. Klar, wenn es einen Unfall geben hat, steht die Bergung des Fahrers im Vordergrund, aber oft werden auch “Spannungs-Caution” gegeben. Wenn das Rennen zu lange ohne Unterbrechung läuft, “entdecken” die Offiziellen gerne mal Trümmerteile, die angeblich im Weg im liegen und unterbrechen das Rennen. Das gibt einerseits den TV-Stationen die Möglichkeit einer gefahrlosen Werbeunterbrechnung, andererseits führt es das Feld zusammen und macht das Rennen wieder etwas spannender.

Cautions sind ein elementarer Bestandteil der Dramaturgie. Meist gibt es viele in der Startphase, in der Mitte eines Rennens, wenn man Runden abspult, aber wenige. Gegen Ende eines Rennens wird die Sache wieder hektischer, weil die Fahrer wieder verstärkt um Positionen kämpfen, dementsprechend kracht es öfter. Auf Short Tracks gibt es auf Grund der Enge viele Unterbrechungen, auf breiten und langen Ovalen wie in Fontana passiert das eher selten.

Was ist ein “Big One”?
Darunter versteht man einen Unfall, der meist mehr als fünf Fahrzeuge umfasst. Die passieren entweder in einer Start-bzw. Re-Start Phase oder auf den Superspeedways, auf denen mit restrictor plates gefahren wird. Weil hier alle Fahrer gleich schnell sind, klebt man im Zentimenterabstand aneinander und wenn es kracht, dann gibt es eben den “Big One”. Der kann dann schon mal mehr als 10 oder gar das halbe Feld betreffen.

Wie funktionieren die Boxenstopps?
Da gibt es strenge Regeln. Zum einen ist die Menge der Pit Crew, die über die Mauer darf, begrenzt. Für jede Achse gibt es ein Team aus “Tire Carrier” und “Tire Changer”. Ersterer kümmert sich um den Transport der Reifen und letzterer um das Lösen und Festziehen der Radmuttern. Dazu kommt der “Jackman”, der mittels altmodischem Wagenheber die Autos per Hand in die Höhe pumpt. Ein weiterer, der “Gas Man” kümmert sich um die manuelle Betankung mittels zwei großer Kanister.  Der “Rear Tire Carrier” nimmt zusätzlich bei Bedarf Einstellungen an der Hinterachse vor. Dazu wird ein Schraubenschlüssel in einem der drei Löcher der Heckscheibe plaziert, wo sich mehrere Stellschrauben verbergen. Alle Stopps werden von zwei “Schiedsrichtern” an jedem Wagen beobachtet. Rollt ein Reifen in die Boxengasse, gibt es eine Strafe. Steht der Wagen nicht in der vorgeschriebenen Position, gibt es eine Strafe. Die Räder haben keine Zentralmutter wie der Formel Eins, sondern ganz altmodisch fünf Muttern.
Die Muttern müssen also erst gelöst werden, dann kommt der neue Reifen. Auf dem neuen Rad sind die Muttern leicht fest geklebt, so dass man sie nicht einzeln einlegen muss. Übersieht man allerdings eine Radmutter, gibt es ebenfalls eine Strafe. Ein perfekter Stopp dauert meist trotzdem nur um die 14 Sekunden. Angesichts der fehlenden Zentralmutter, und dass man um den Wagen herumlaufen muss, um die anderen Seite zu wechseln, ist das eine sehr gute Zeit.

Was ist ein “Green White Checkered” (GWC)?
Wenn in die letzten drei Runden eines Rennens eine Caution fällt, gibt es die Regel, dass man drei Versuche startet, das Rennen nicht unter “Gelb” zu beenden, wo die Position des Feldes ja eingefroren ist. Die Runden der GWC werden auf die Renndistanz aufaddiert. Ist die Strecke wieder frei, wird die grüne Startflagge geschenkt. Eine Runde später zeigt man die weiße Flagge, welche die letzte Runden anzeigt, in der Folgerunde kommt die Zielflagge. Sollte es in diesen Runden einen weiteren Zwischenfall geben, wird das Rennen unter “Gelb” beendet. Die elektronische Zeitmessung bestimmt dann den Sieger.

Was ist ein “Lucky Dog”?
Kommt es zu einer Caution, dann darf sich der Fahrer zurückrunden, welcher in der Zeitentabelle als erster eine Runde zurückliegt. Das ist der “Lucky Dog”. Ist der betreffende Fahrer allerdings Schuld an der Caution, dann wandert das Recht an den nächsten Fahrer weiter.

Was macht ein Crew Chief?
Der Crew Chief ist quasi der Teammanager. Er ist für alles verantwortlich. Für die Technik, für die Strategie, für die Änderungen an der Abstimmung und die Kommunikation mit dem Fahrer während des Rennens. Aber auch hinter den Kulissen ist er der wichtigste Mann, denn beim ihm laufen alle Fäden zusammen. Er hat verschiedene Helfer, quasi Abteilungsleiter, die für den Bau des Chassis, der Motoren, die Ausbildung der Crew usw. verantwortlich sind. Aber letztendlich trägt er die volle Verantwortung für einen Renneinsatz. Er fungiert auch als Stellvertreter des Teambesitzers an der Strecke. Manchmal, aber nicht bei allen Teams, ist er auch für das Marketing und die Sponsoren zuständig. Das gilt aber nur für die “kleinen” Teams. Bei den Top Teams übernimmt diese Aufgabe der Teambesitzer oder ein Geschäftsführer.

Was macht ein Spotter?
Der Spotter ist eine der wichtigsten Personen für den Fahrer. Der Spotter steht auf einem erhöhten Punkt, meist auf dem Dach der Tribünen in einem Oval, und beobachtet, was um den eigenen Fahrer herum und vor ihm passiert. Auf großen Ovalen werden manchmal zwei Spotter eingesetzt. Während des Rennens hält der Fahrer permanent Funkkontakt zu seinem Spotter. Dieser informiert den Fahrer über das Renngeschehen um ihn herum, dass heißt wer über ihm, unter ihm, hinter ihm oder vor ihm fährt und wer ihn überholen will, beziehungsweise wen er überholt. Auch bei Unfällen, die vor dem Fahrzeug seines Fahrers passieren, hat der Spotter die schwierige Aufgabe seinem Fahrer einen Weg durch die Trümmer und andere Fahrzeuge zu weisen.

Warum wechseln die Wagen in der Saison Sponsoren und Farben?
Es gibt wenige Teams, die über das Jahr hinweg den gleichen Sponsor haben. In der Formel Eins schreibt die FIA vor, wie die Lackierung des Wagens über das Jahr zu sein hat. Man darf die Farben nicht wechseln, was die Sache einfach macht. In den USA ist man da großzügiger, ein Team kann bei jedem Rennen andere Sponsoren haben, was die Lackierung eben verändert. Selbst Top Teams mit jeder Menge Geld fahren verschiedene, in den USA sogenannte “Paint Schemes”, Lackierungen.

Warum fährt die NASCAR nicht bei Regen?
Die NASCAR fährt abgesehen von 2 Rennen alle auf Ovalen. Auf Ovalen ist es schlichtweg zu gefährlich bei Regen zu fahren. Schwere Unfälle wären vorprogrammiert. Die NASCAR hatte bis vor einigen Jahren Regenreifen, welche man aber auf Grund des seltenen Gebrauchs auf Rundstrecken aus Kostengründen nicht mehr verwendet. In der Nationwide Series hingegen werden noch Regenreifen eingesetzt. Allerdings fährt man auch hier nicht auf Ovalen sondern nur auf Rundstrecken, wenn es regnet. Bei den Geschwindigkeiten, die erreicht werden, machen Regenreifen einfach keinen Sinn, dazu kommt, dass der Regen in den Steilkurven quasi in Sturzbächen runter läuft. Das ist insgesamt zu gefährlich.

Wer sind die Stars der NASCAR?
Die meisten Namen sagen den Europäern erst mal nichts. Aber wichtige Persönlichkeiten sind: Jeff Gordon (mehrfacher Champion), Jimmie Johnson (gewann sechs der letzten acht Meisterschaften), Tony Stewart (Ex-IRL Champion, dreifacher NASCAR-Meister), Dale Earnhardt Jr, Mark Martin, Kyle Busch, sein Bruder Kurt Busch, Carl Edwards, Kasey Kahne, Denny Hamlin, Matt Kenseth, Jeff Burton, Kevin Harvick, Bobby Labonte und Bill Elliott (Ex-Meister).

Fahren auch Piloten, die man in Europa kennt?
Der bekannteste Fahrer aus europäischer Sicht war der ehemalige Formel Eins Pilot Juan Pablo Montoya, der allerdings nach einigen Jahren im vorderem Mittelfeld inzwischen wieder in die Indycar zurück wechselte. Gelegentliche Einsätze hat Max Papis (Ex-F1, Ex-GT-Pilot) in der Truck Serie. Auch bekannt sein dürfte die IRL-Pilotin Danica Patrick, die seit letztem Jahr versucht sich im Sprint Cup zu etablieren. Es hat einige IRL Piloten gegeben, die das versucht haben, darunter der aus der DTM bekannte Dario Franchitti, aber der Versuch scheiterte 2008. Auch der Ex-F1-Weltmeister Jacques Villeneuve hat sich in der NASCAR versucht, konnte aber nicht genügend Sponsoren finden, die ihn unterstützen wollten.

Wie beliebt ist die Serie in den USA?
In Sachen Motorsport gibt es in den USA keine Serie, die der NASCAR das Wasser reichen kann. Die Formel Eins läuft in den USA unter “ferner liefen”, die IRL ist weiterhin nur noch ein Schatten ihrer alten Tage. Die Einschaltquoten der NASCAR liegen ungefähr auf dem Niveau eines Baseball Play-Off-Spiels, aber weit unter denen der NFL. Ein Spiel zweier NFL-Spitzenmannschaften hat ca. die fünffache Menge an Zuschauern. Eine Ausnahme ist das Daytona 500, das ungefähr auf die Hälfte der Zuschauer eines NFL-Spitzenspiels kommt. Mit den Playoffs oder gar den Superbowl kann aber kein Rennen der NASCAR konkurrieren. Verglichen mit der Formel Eins in Deutschland, sind die Quoten der NASCAR je nach Rennen auf einem Niveau. Man darf aber nicht vergessen, dass die NASCAR 36 Rennen im Jahr fährt, da sieht die Reichweite dann schon wieder anders aus.

Wo kann man die NASCAR in Europa sehen?
Die TV-Präsenz der Nascar in Europa ist unterschiedlich. Das Wichtigste zuerst: Der NASCAR Sprint Cup ist im Moment in Deutschland auf Motorvision TV (Sky Welt Paket) zu sehen. 25 Rennen live, darunter alle Chase Rennen, der Rest in Zusammenfassungen. Die Nationwide Serie ist live/as-live auf Motors TV (leider nur Unitymedia/Kabel BW/Alice bzw Sky UK) zu sehen. In Großbritannien überträgt dazu Premier Sports (Sky UK Sender) den Sprint Cup als auch die Truck Series. Eine weitere Möglichkeit NASCAR in Deutschland zu sehen sind Internet-Streams, deren Legalität umstritten ist, mehr Informationen hier.

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