Das war mal wieder ein schönes Beispiel dafür, was in der Formel Eins alles schief laufen kann, denn ehrlicherweise muss man sagen, dass das Rennen kaum Höhepunkte bot und nur gemächlich vor sich hin plätscherte. Woran das liegt? Zum einen am Kurs. Eckige Kurse wie der in Melbourne, die wenig schnelle Kurven haben, haben den Vorteil, dass das Feld lange eng zu zusammenbleibt, weil die Aerodynamik nicht eine so große Rolle spielt. Die Tielke-Kurse sind fahrerisch schön, haben aber den Nachteil, dass in Kombination mit der Aerodynamik der Formel Eins einfach nichts geht. Die “dirty air”, die jeder Wagen hinter sich her schleppt, macht ein Überholen so gut wie unmöglich. Man kann natürlich sagen: Es ist nur der Kurs. Aber das stimmt nicht. Wie man im Rennen der “Speedcarserie” gesehen hat, kann man auch auf dieser Strecke packende Rennen liefern, die sich erst in den letzten Kurven entscheiden. Aber moderne F1 Wagen werden ebenso konstruiert, dass sie eben nach hinten die Luft möglichst so verwirbeln, dass der Gegner einfach nicht rankommt, bzw. in den Kurven abreißen lassen muss, weil ihm sein Anpressdruck flöten geht. Das Problem sind also eher die Wagen und nicht der Kurs, obwohl Sepang jetzt nicht zu den Glanzstücken von Tielke gehört. Die FIA hat das Problem schon länger erkannt und ab 2009 soll die Aerodynamik um 50 % beschnitten werden, damit man auch mal wieder vernüdnftig hintereinanderher fahren kann. Zum Rennen kann man also nichts sagen, außer, dass ich Mühe hatte, mich wach zu halten.
Zu dem Teams gibt es dann schon mehr zu sagen. Das Ferrari das Rennen dominieren würde, war von Anfang an klar.
Es ging ja eher um die Frage, ob die Technik halten würde. Damit gab es keine Probleme, dafür machte Felippe Massa seinen zweiten schweren Fehler in dieser Saison. In der eher mittelschnellen Doppelrechts verlor er das Auto, weil zu weit auf den Randstein kam. Im der offiziellen Presseerklärung von Ferrari heißt es, dass man einen möglichen Bruch der hinteren Aufhängung noch untersucht. Aber auch wenn man da was findet – der Fehler lag so oder so beim Braslianer, der versuchte mit Kimi Raikkönen Schritt zu halten, was ihm offensichtlich nicht gelang. Ein wirklich böser Fehler, vor allem, weil er Ferrari nach dem Doppelausfall in Australien wichtige Punkte in der Konstrukteursmeisterschaft kostete. Es ist viel zu früh Massa abzuschreiben, aber bedenklich sind die beiden Fehler schon, zeigen sie doch auf, dass er sich sehr unter Druck setzt. Raikkönen selber zeigte seine Klasse. Wenn man die Rundenzeiten verfolgt hat, konnte man sehen, wie exakt er seine Runden abspulte. Das war schon eine Meisterleistung.
McLaren hatte halt die Probleme, die man hat, wenn man aus dem Mittelfeld raus startet. Dafür, dass Kovalainen nur als achter gestartet ist, ist sein dritter Platz allerdings schon eine hochgezogene Augenbraue wert. Er hatte ein wenig mehr Glück als Hamilton. Sowohl an der Box, als auch im Verkehr. Während Hamilton sich mit Mark Webber rumschlagen musste, fuhr der Finne davor seine Geschwindigkeit. Interessanterweise hatte Kovalainen seinen Teamkollegen gut im Griff. Da könnte sich noch was interessantes in diesem Jahr entwicklen, wenn man Kova nicht zurückpfeift. Wie erwartet war McLaren in Sepang ein Stück langsamer als in Melbourne. Offenbar trifft im Moment das zu, was ich mir an Hand der Testzeiten schon zusammengereimt hatte: Der McLaren ist auf den Tielke-Kursen nicht so gut aufgestellt. Ron Dennis selber meinte nach dem Rennen, dass man bis zum Rennen in Barcelona abwarten müsse wo man stehen würde.
BMW hatte Glück und Pech. Heidfeld war nach dem Start schon fast dritter, als er mit Trulli kämpfte, der ihn nicht sah und nach außen drängte.
Dadurch fiel der Deutsche weit zurück, hatte dafür aber dann später das Highlight, als er einfach die in einen Zweikampf verzahnten Alonso und Coulthard auf der Gegengerade außen überholte. Das war zum einen eines der besten Überholmanöver der letzten Zeit, und leider auch das einzige Highlight des Rennens. Das Kubica seinen zweiten Platz brav nach Hause fuhr war eine schöne Leistung, interessanterweise war man allerdings auf Augenhöhe mit den McLaren. Ohne die Probleme beim Start, wäre für BMW mehr drin gewesen. Der Wagen scheint mit seinen dreißig Millionen Flügelchen gut zu funktionieren und ich bin mal gespannt, wann die anderen Teams das Gefügel auf der Vorderachse kopieren.
Toyota war dagegen eine Überraschung. Trulli fiel nach dem Start auf Platz sechs zurück, profitierte aber massiv von dem Zweikampf zwischen Hamilton und Webber, die sich gegenseitig aufhielten. Dazu kamen die Probleme von McLaren und Red Bull beim Boxenstopp und schon war Trulli auf Platz vier. Klar – die Zeiten der McLaren und BMW konnten sie nicht erreichen, aber immerhin war man schnell genug, um die letzten Runden den Abstand zu Hamilton zu kontrolliere. Wer auf diesem Kurs schnell ist, dürfte gute Karten in der Saison haben. Die Grundkonzeption des Wagen stimmt also, was bei Toyota ja nicht so oft vorgekommen ist in den letzten Jahren. Und irgendwann kommt Timo Glock dann auch mal ins Ziel. Der wurde von Nico Rosberg abgeschossen, allerdings war die Tür auch arg weit offen, als Glock sich entschloss doch noch nach innen zu fahren.
Katastrophal war das gesamte Wochenende von Williams. Dazu muss man nur wenig sagen. Aber vielleicht hilft so ein Wochenende, dass man die eigenen Ansprüche etwas gerade rückt. Man war eigentlich von allen Teams ziemlich weit entfernt, was bedauerlich war. Im letzten Jahr lag man bei der schnellsten Rennrunde rund eine Sekunde hinter McLaren, in diesem Jahr waren es 1.5 Sekunden. Man schiebt das auf den neuen Asphalt in Sepang – naja. Wenn der Wagen in Bahrain auch nicht funktioniert, hat man wohl ein größeres Problem.
Der Rest der Teams fuhr im Nirwana. Vor allem Renault ist komplett außer Form. Man kommt nicht mal ansatzweise in die Nähe der Top 5, was schon erstaunlich ist. Sprach Alonso nicht vor der Saison von Siegchancen? Da muss wohl noch einiges passieren. Die Formel Eins wäre auch nicht die Formel Eins, wenn nicht sofort nach zwei Rennen das große Stühlerücken losgehen würde. Oder besser gesagt: die Gerüchte darüber. Zwei Fehler von Massa, ein Renault Team, dass von der Rolle ist, und schon sieht man den Fahrertausch vor Augen. Alonso bei Ferrari gegen Raikkönen- das wäre in der Tat eine Sache, die auch einem langweiligen GP wie heute etwas Pfeffer geben würde. Immerhin: ab 2009 muss man nicht mehr am Sonntag um kurz vor acht aufstehen. Ecclestone hat den Veranstaltern die Zusage abgerungen, dass man ein Nachtrennen veranstaltet. Bedeutet, dass man erst um 12.00 Uhr MEZ startet.
NASCAR – NW Rennen Nashville
Es geht also doch. Wenn denn mal die meisten Cup Fahrer Urlaub machen, dann kann auch mal ein Fahrer gewinnen, der ausschließlich in der NW Serie startet. Scott Wimmer hat es gestern in einem Benzinkrimi hinbekommen, besser als Clint Bowyer zu sein. Glückwunsch, so etwas passiert ja nicht oft. Aber die Sache mit dem Benzin in den letzten Runden war dann auch alles, was an diesem Rennen spannend war. Drei Cuations. Mehr muss man dazu nicht sagen.
Dominiert wurde das Rennen zunächst mal wieder von Kyle Busch, der klar das beste und stärkste Auto hatte. Aber wieder reichte es nicht zum Sieg. Diesesmal war er aber selber schuld. Als von hinten Clint Bowyer auf ihn auflief, weil der zu diesem Zeitpunkt den besseren Wagen bzw. die besseren Reifen hatte, versuchte Busch jr. alles um Bowyer auf dem zweiten Platz zu halten. Das resultierte dann in einen Dreher übers Infield, der ihn am Ende zwei Runde kostete. Kyle Busch ist ein Ausnahmetalent – keine Frage, aber ein etwas erfahrener Pilot hätte zu diesem Zeitpunkt im Rennen Bowyer vielleicht ziehen lassen. Immerhin war man nicht in den letzten drei Runden, sondern hatte noch massig Zeit. So hat Busch nicht nur den Sieg weggeworfen, sondern hat auch die Chance verpasst, in der Tabelle ein gutes Stück nach vorne zu kommen.
Ansonsten breite ich dann auch über dieses Rennen lieber den Mantel des Schweigens.
Und sonst?
Ich hätte ja auch gerne was über die GP2 Asia Serie geschrieben, aber dooferweise hat Eurosport 2 mal wieder in allerletzter Sekunde das Programm umgeworfen und sämtliche Wiederholungen der Rennen für heute gestrichen. Der Sender geht mir auf die Nerven. Ist ja nicht das erste Mal, dass sie das machen.
Vorne scheint es enger zu sein, als man angenommen hat, aber die Frage ist halt, mit welcher Strategie Ferrari und McLaren in die beiden ersten Sitzungen gegangen sind. Weiche Reifen habe ich nicht gesehen, also liegt die Vermutung nahe, das beide den Rennspeed ausprobiert haben. Da kommt dann raus, dass Ferrari nicht so weit vorne ist, wie ich es gestern noch vermuttet hatte. Statt zwei oder drei Zehntel, liegt man faktisch gleichauf. Raikkönen ist zwar insgesamt die schnellste Runde gefahren, aber im zweiten Training hätte es wegen des erhöhten Grips durch den Reifenabrieb deutlich schneller gehen müssen. Aber das beide Teams die schnellsten sein würden, war vorher schon klar.
Schon im ersten Training war Mark Webber der schnellste Verfolger, in Session Zwei war Webber gar auf Platz zwei, allerdings war der Abstand doch gehörig, wenn man die Zeiten des ersten Training nimmt. Und wer kommt dann? Renault? BMW, die den Freitag meist konservativ angehen? Toyota, die überraschend gute Zeiten hatten? Force India, deren Zeit aus der ersten Session in der zweiten für Platz sieben gereicht hat? Oder ist Williams doch besser als der Rest, aber die massiven technischen Probleme haben bessere Zeiten nicht zugelassen? Ehrlich gesagt: ich hab keine Ahnung. Sicher scheint wohl nur, dass Honda und Super Aguri um den letzten Platz kämpfen werden. Auch wenn Honda im zweiten Training besser war, der Abstand nach vorne ist phänomenal groß. Gewonnen hat Honda auf jeden Fall schon mal einen Preis: In diesem Jahr haben sie mit sehr weiten Abstand den Preis für die ekelerregendste Farbe bei der Teamkleidung gewonnen. Dieses merkwürdige Grün erinnert mich an Gallenflüssigkeit, aber vermutlich ist es auch genau das, was Ross Brawn gerade hochkocht.
Die Bodenwellen sind eine Pest und prügeln die Autos von der ersten Runde an durch. Dazu kommt, dass der Kurs sehr schnell ist. Die Strecke ist zwar knapp sechs Kilometer lang, trotzdem liegt die schnellste Rundenzeit bei 1:47 min. Zum Vergleich: in Spa, wo die Strecke einen Kilometer länger ist, aber mehr Geraden hat, fuhr die Formel Eins im letzten rund 1:48er Zeiten. Das zeigt, wie flott es in Sebring trotz einiger Haarnadelkurven voran geht. Kein Wunder, dass Peugeot sich nach Sebring getraut hat, denn hier kann man den Wagen in 12 Stunden Belastungen aussetzen, die man teilweise nicht mal in Le Mans erreicht. Allerdings haben die Franzosen nur einen Wagen am Start, während Audi zwei Boliden vor Ort ist. Immerhin nahm der 908 dem R10 in der Quali schon mal sieben Zehntel ab. Die beiden Hersteler werden sich wohl auch um den Sieg prügeln. Natürlich darf man die Porsche Spyder nicht vergessen, deren Standfestigkeit ausser Frage steht, aber nach den Regeländerungen der ALMS, dürften es die LMP2 Wagen ein Stück schwerer haben, den Sieg zu erringen. Spannend wird es auf jeden Fall. Unvergessen dürfte das legendäre Finish in der GT2 Klasse aus dem letzten Jahr sein, als Mika Salo in einem Ferrari nach 12 Stunden Rennen in der allerletzten Kurve den Porsche von Jörg Bergmeister niederrang. Ähnliches darf man auch dieses Jahr erwarten.
Die 20 Grad Banking sind es vermutlich, die den Rennen richtige Würze geben. Jedenfalls war es ein guter Kontrastpunkt zu dem lahmen Rennen in Fontana eine Woche zuvor. Von Anfang an ging es gut zur Sache. Es wurde um die Führung gekämpft, aber auch dahinter dauerte es lange, bis sich das Rennen einigermaßen gesetzt hatte. Durch die vielen Unfälle und Gelblichtphasen bekam das Rennen zu dem einen komplett anderen Dreh, weil plötzlich das halbe Feld, inkl. einiger Favoriten eine Runde zurück lag. Aus der Nummer kamen nur wenige raus, da es bei jeder Unterbrechung ja nur einen “Lucky Dog” gibt. Um diesen Platz wurde hart und sehenswert gekämpft. Vorne war lange Kyle Busch in guter Position, doch gegen Ende ging ihm die Luft aus. Ab Mitte des Rennens war klar, dass die Ford mal wieder sehr stark waren. Carl Edwards Crew machte einen Fehler, so dass er ans Ende der Führungsrunde musste, aber erkämpfte sich bald wieder in die Spitzengruppe. Wer gewinnen wollte, der musste Edwards schlagen. Die Crew von Junior probierte es mit einem mutigen Strategiespiel, in dem man Earnhardt einen Boxenstopp nicht machen ließ, so dass er in Führung lag. Vorher war um Platz 10 unterwegs gewesen und nicht wirklich nach vorne gekommen. Die Entscheidung ihn draussen zu lassen war mutig, denn er hatte gut 20 Runden auf seinen Reifen und der Tank war natürlich auch leerer als bei seinen Konkurrenten. Und dann blieb es sehr lange grün und Junior beklagte sich im Funk über ein immer schlechter werdendes Auto. Er wurde dann in letzter Sekunde durch eine “Debris” Caution erlöst. Am Ende hatte sich der Mut gelohnt, auch wenn er in den letzten Runden gegen Carl Edwards chancenlos war. Es war also ein sehr abwechslungsreiches Rennen und es brachte ein paar Erkenntnisse:
Der zweite Platz von Junior kann nicht darüber wegtäuschen, denn in den letzten Runden hatte Earnhardt jr. nicht den Hauch einer Chance gegen den späteren Sieger Carl Edwards und musste sich zu dem auch noch des heranstürmenden Greg Biffle erwehren. Nach dem Rennen machte Earnhardt auch einen extrem frustrierten Eindruck, was mich schon ein wenig überrascht hat. Aber der Frust rührte wohl daher, dass er einfach so knapp vor seinem ersten Sieg seit zwei Jahren gestanden und dann keine Chance hatte. Dabei war er noch im Glück. Jeff Gordon fiel wegen seines Unfalls ganz aus (siehe weiter unten), und Jimmie Johnson hatte ein rabenschwarzes Wochenende. Der Doppel-Meister kam nie in Schwung, fuhr mit die langsamsten Zeiten und auch langwierige Umbauten an seinem Wagen änderten nichts. Ein Wochenende zu vergessen für Johnson, Gordon und Hendrick Motorsport.
Wäre Kenseth nicht rausgeflogen, ein Dreifach Sieg wäre drin gewesen. Nach dem schwachen Auftritt in Daytona, kommt die plötzliche Ford-Dominanz im CoT schon etwas überraschend. Man hatte die sicher für die Short-Tracks und Betonbahnen auf dem Schirm, aber nicht für die ultraschnellen 1.5 Meilen Ovale. Roush/Fenway hat ein super Paket hingestellt und Edwards ist einer, dem man durchaus auch einen Meistertitel zutrauen würde.







