Der Saisonauftakt der V8 Supercars am vergangenen Wochenende wird vielen noch für einige Zeit in Erinnerung bleiben. Grund dafür war der sintflutartige Regen, der sich im Hauptrennen am Sonntag gleich zwei Mal über Adelaide ergoss. Es folgten eine verwirrte Rennleitung, aufgebrachte Crewchiefs, die mit dem Regelwerk in der Hand den Technical Director belagerten, und ein Sieger, den vorher wohl niemand auf der Rechnung hatte.

clipsal500logoDoch natürlich gab es noch die beiden Rennen am Samstag und auch die fanden unter besonderen Bedingungen statt. Es waren Temperaturen weit über 30°C vorhergesagt, weshalb vorher sichergestellt wurde, dass die Fahrer vor und während des Rennens ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und auch die Funktion der Cooling Suits wurde überwacht. Sollte dieser bei einem Fahrer ausfallen, hätte die Rennleitung entsprechend reagieren und ihn an die Box zitieren können. Glücklicherweise kam es aber nicht so weit.


Rennen 1

Für das erste Rennen hatte sich Scott Pye (DJR-Penske) überraschend die Pole Position gesichert – seine erste bei den V8 Supercars. Von Platz zwei ging Jamie Whincup (RBRA) ins Rennen, vor Scott McLaughlin (Polestar-GRM), Mark Winterbottom (PRA) und James Courtney (HRT). Red-Bull-Neuzugang Shane van Gisbergen startete von Platz sechs, gefolgt von Todd und Rick Kelly (Nissan).

Den Start des Rennens konnte Whincup für sich entscheiden und er bog vor Pye in die Senna Chicane ein, hinter den beiden blieben die Positionen zunächst unverändert. Winterbottom verlor nach acht Runden allerdings zuerst seinen vierten Platz an van Gisbergen und fiel kurz darauf auch hinter Courtney zurück. Frosty hatte während des Rennens mit Untersteuern zu kämpfen und kam auch nach den Boxenstopps nicht mehr richtig in Fahrt. Der Titelverteidiger beendete das Rennen schließlich nur auf dem achten Rang.

In Runde 14 sorgte dann eine etwas kuriose Szene für eine Caution. Tim Slade (BJR) stand in Turn 9 und konnte den Rückwärtsgang nicht finden. Da an dem Wagen aber kein Schaden vorlag, versuchte er, den Marshals zu erklären, dass man ihn nicht abschleppen solle. Die ließen sich von ihrem Vorhaben aber leider nicht abbringen und luden die #14 auf ihren Truck, was Slade sichtlich verärgerte. So war das Rennen für ihn beendet und die Chance auf Punkte dahin.

An der Spitze nutzte Whincup die Gelegenheit für seinen eigenen Pitstop. Eine Runde zuvor waren mit Pye und McLaughlin seine beiden Verfolger an die Box gekommen, hatten dort allerdings Zeit verloren. McLaughlin fiel hinter Courtney und van Gisbergen zurück und war somit nur noch Vierter. Noch schlimmer erwischte es aber Pye. Der linke Hinterreifen war noch gar nicht richtig aufgezogen, als man das Auto bereits wieder herunterließ. Dieses Missgeschick warf ihn aus den Top 10, am Ende wurde er nur Zwölfter.

Beim Restart genau zur Rennmitte wurde es an der Spitze nur kurz spannend. Courtney versuchte sich ein paar Mal an Whincup, musste anschließend aber abreißen lassen. Mehr Bewegung gab es allerdings hinter den beiden. Garth Tander (HRT), der von Platz neun gestartet war, überholte in der zweiten Rennhälfte noch Winterbottom, Craig Lowndes (RBRA) und Todd Kelly und sicherte sich somit Platz fünf.

Und auch um die hintersten Positionen wurde eifrig gekämpft. Nick Percat (LDM), Andre Heimgartner (LDM), Lee Holdsworth (CSR) und Tim Blanchard (BJR) lieferten sich mit teils waghalsigen Manövern einen rundenlangen Fight um Platz 21; so fuhr man beispielsweise den schnellen Rechtsknick von Turn 8 zu dritt nebeneinander an. Erstaunlicherweise sahen aber alle vier Fahrer das Ziel.

Jamie Whincup bekam davon aber gar nichts mit und gewann souverän vor James Courtney und Shane van Gisbergen. Scott McLaughlin wurde Vierter. Todd Kelly landete im besten Nissan auf Platz sechs und damit noch vor Craig Lowndes und Mark Winterbottom.

Ergebnis Rennen 1
Highlights Rennen 1


Rennen 2

Chaz Mostert (PRA) hieß der Polesitter für das zweite Rennen. Ein schönes Erfolgserlebnis für ihn, denn es war sein erstes Rennwochenende seit seinem schweren Unfall in Bathurst im vergangenen Jahr. Hinter ihm reihten sich Jamie Whincup, Scott McLaughlin und James Courtney ein. Mit Michael Caruso auf Platz sechs startete zudem wieder ein Nissan aus den Top 10.

Der Start verlief ohne große Probleme und Mostert konnte seine Führung behaupten. Auf Platz zwei folgte dann bereits Courtney, der sehr gut vom Fleck kam und sich gegen Whincup und McLaughlin durchsetzen konnte. Die vier bildeten dann eine sehr enge Spitzengruppe, in der McLaughlin fast noch Whincup umgedreht hätte. Doch bevor es zwischen ihnen noch ernster werden konnte, gab es bereits die erste Caution.

Chris Pither (SuperBlack) hatte in Runde zwei einen leichten Mauerkontakt in Turn 8, der allerdings ausreichte, um die Lenkung an seinem Ford zu beschädigen. Der Wagen bog darauf hin scharf rechts ab und krachte fast ungebremst in die Betonmauer. In Turn 9 kam Pither dann endlich zum Stehen – zum Glück ohne Verletzungen. Das Auto war aber hinüber und konnte im dritten Rennen nicht mehr eingesetzt werden. Auch die Rennen im Rahmen des F1-Grand-Prix in Melbourne wird SuperBlack auslassen. Beim Tasmania Supersprint in Symmons Plains wird man wieder an den Start gehen.

Der Restart in Runde acht brachte an der Spitze keine Veränderungen. Lediglich Shane van Gisbergen machte eine Position gut und zog an Caruso vorbei auf den fünften Rang und machte nun Jagd auf McLaughlin. Diese musste er aber bereits eine Runde später wieder beenden, da es bei seinem Pitstop Probleme gab und er so einige Plätze zurückfiel. Noch schlimmer erwischte es Tander – was noch Folgen haben sollte.

Erst würgte er sein Auto ab und musste in die Garage geschoben werden. Nach einigen Minuten schickte man ihn wieder raus, leider mitten in eine Gruppe Hinterbänkler. Um einem Unfall aus dem Weg zu gehen, machte Tander so viel Platz wie möglich und fuhr von der Strecke. Trotzdem schaffte es Tim Blanchard (BJR), Tander ins Heck zu krachen. Blanchard gab später Tander die Schuld an dem Unfall, ich sehe das jedoch ein bisschen anders. Natürlich hätte man Tander, der nur von Platz 18 gestartet war, ein paar Sekunden länger an der Box lassen können, um die Gruppe vorbeifahren zu lassen, da er ja bereits mehrere Runden Rückstand hatte. Tander tat meiner Meinung nach aber alles ihm Mögliche, um einen Unfall zu vermeiden. Im Replay sah es eher danach aus, dass Blanchard so oder so niemals sauber durch Turn 1 gekommen wäre. Er rutschte von der Strecke und Tander ins Heck. Für mich war es – bei allem Respekt – eher ein Fehler von Blanchard als von Tander. Außerdem kommt es etwas schlecht rüber, erst mit einem Auto zu kollidieren, welches sich nicht mal auf der Strecke befindet, und dessen Fahrer dann noch die Schuld zu geben.

Der Unfall sorgte dann für die zweite Caution des Rennens und nach dem Restart (Runde 20) entwickelte sich ein wahrer Thriller. Courtney musste nur eine Runde warten, als sich ihm die Gelegenheit bot, an Mostert vorbei in Führung zu gehen. In Turn 9 setzte sich Courtney neben ihn und zwang ihn eine weite Linie zu fahren. Whincup nutzte dies aus und ging ebenfalls an Mostert vorbei.

Was dann folgte, war Tourenwagensport der allerbesten Sorte. Mit Courtney und Whincup kämpften zwei der besten Fahrer bis zum Schluss auf der allerletzten Rille um den Sieg. Whincup klebte am Heck von Courtney und war bereit, jede noch so kleine Chance zu nutzen, um an ihm vorbeizugehen. Diese sollte er aber nicht bekommen, selbst dann nicht, als Courtney in der letzten Runde quer (!) durch Turn 8 fuhr. Der Topspeed des HRT schien um einen entscheidenden Tick höher zu sein, sodass Whincup auf der folgenden Geraden auch in dieser Situation keine Chance hatte.

Courtney gewann also diesen Lauf vor Whincup und Mostert. Scott McLaughlin und Shane van Gisbergen komplettierten die Top 5 und scheinen sich auch 2016 wieder regelmäßig auf der Strecke in einem direkten Duell wiederzufinden. Michael Caruso holte als Sechster das nächste Top-10-Ergebnis für Nissan. Es folgten Scott Pye, Jason Bright (BJR), Will Davison (Tekno) und Craig Lowndes auf den Plätzen sieben bis zehn.

Ergebnis Rennen 2
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Rennen 3

Kommen wir nun also zum kontroversen Hauptrennen. In der Qualifikation war die Welt noch in Ordnung. Fabian Coulthard (DJR-Penske) startete erstmals für seinen neuen Arbeitgeber von Startplatz eins. Die erste Startreihe teilte er sich mit Chaz Mostert. Shane van Gisbergen startete von Platz drei und Scott McLaughlin befand sich wieder einmal direkt neben ihm. Von den Plätzen fünf bis sieben starteten Jamie Whincup, Rick Kelly und Mark Winterbottom. Michael Caruso startete von Platz 11, Garth Tander von 13 und Nick Percat von 15. Auf diese drei werde ich später noch zurückkommen.

Doch erstmal zum Start. Bereits am Morgen zu den Rahmenrennen war es in Adelaide sehr stickig gewesen und noch während der Startvorbereitungen begann es zu regnen. Und innerhalb von wenigen Minuten wurde aus einem kleinen Schauer fast schon eine Sintflut. Die meisten hatten noch vor dem Start die Regenreifen aufgezogen. Andere holten das am Ende der Einführungsrunde nach und mussten aus der Box starten. So auch Winterbottom und Aaren Russell (Erebus), die allerdings bereits die Mauer touchiert hatten.

Als das Grid dann zum Start bereit war, wurde dieser abgebrochen und das Safety Car setzte sich an die Spitze des Feldes. Die Rennleitung entschied sich für einen Safety-Car-Start und hier entstand bereits das erste Problem. Laut Regelbuch gilt das Rennen erst als gestartet, wenn das Safety Car an die Box abgebogen ist und der Führende die Startlinie überquert. Das offizielle Timing begann erst weit in der zweiten Safety-Car-Runde, beigefügt war die Mitteilung, das Rennen wäre bereits gestartet. Zu diesem Zeitpunkt hatten Winterbottom, Percat und Caruso allerdings das erste Mal gestoppt, um sich die ersten der insgesamt 140 vorgeschriebenen Liter Sprit abzuholen. Sie waren also in Runde 0 an der Box und so machten sich die Crewchiefs von Red Bull, Nissan und Prodrive mit Regelbuch in der Hand auf zum Technical Director der V8 Supercars David Stuart und jeder erklärte ihm seine Sichtweise der Regeln. Stuart nickte nur und sagte, er gebe es an die Race Control weiter.

Irgendwann wurde das Rennen auch freigegeben, offiziell in Runde sieben. Die ersten Runden unter Grün waren ziemlich chaotisch und man kam kaum mit dem Geschehen auf der Strecke mit. Fabian Coulthard konnte seine Führung zunächst behaupten und sich aus dem Gröbsten heraushalten. Hinter ihm drehte erst Courtney Whincup, was diesen auf Rang 15 zurückwarf. Später hatten auch Mostert und Rick Kelly Kontakt.

Die Führung wechselte in den folgenden Runden zunächst zwischen van Gisbergen und Coulthard. Doch Letzterer konnte sich nicht allzu lange in der Spitzengruppe halten und fiel kontinuierlich zurück.

James Courtney konnte in Runde 13 in Führung gehen, wurde dann aber wieder von van Gisbergen gedreht. Craig Lowndes war der lachende Dritte und führte nun seinerseits das Rennen an. Hinter ihm folgten Courtney, van Gisbergen und Mostert.

Die Sonne kam nun wieder zum Vorschein und das Geschehen beruhigte sich allmählich. Nach der nächsten Runde der Pitstops führten Lowndes, Courtney und Mostert das Rennen an, mit einigen Sekunden Abstand folgte Scott McLaughlin. Schnellster Mann auf der Strecke aber war van Gisbergen, der teilweise über eine Sekunde schneller fuhr als die Spitzengruppe und auch dementsprechend schnell wieder an McLaughlin vorbeikam.

In Runde 28 kam der Regen zurück, erst nur in den Turns 8 bis 10, später stand dann wieder die gesamte Strecke unter Wasser. Opfer der Bedingungen wurde Chaz Mostert, der in Turn 8 die Mauer touchierte und ausschied. Unabhängig von diesem Unfall hatte die Rennleitung aber bereits wieder das Safety Car auf die Strecke geschickt. Nur wenige Sekunden zu spät für Mostert.

In Runde 32 schien sich das Wetter wieder beruhigt zu haben und es folgte ein weiterer Restart. Der Regen wurde aber fast sofort wieder schlimmer und diesmal erwischte es mit James Courtney den Führenden. Auch er kollidierte mit der Mauer in Turn 8, er hatte aber immerhin so viel Glück, dass er es noch an die Box schaffte und seine Crew den Schaden beheben konnte. Der Sieg war natürlich dahin, aber mit Platz 21 rettete er immerhin ein paar Punkte.

Die Rennleitung schaute sich das Geschehen noch einige Runden an, irgendwann blieb ihr aber nichts mehr anderes übrig, als das Rennen zu unterbrechen. Aus der Pitlane war fast ein Fluss geworden und zeitweise war sogar der Strom ausgefallen, ganze Streckenteile standen unter Wasser und um die Strecke schlugen Blitze ein. Auch ein Marshall war wohl davon betroffen, von ernsten Verletzungen habe ich aber nirgends gelesen.

Die Autos wurden also unter roter Flagge in die Boxengasse gebracht, wo sie sich hinter dem Safety Car aufreihten, was zu weiteren Diskussionen führte. Einigen war nicht klar, ob man nun an den Autos arbeiten dürfe, was meiner Meinung nach eindeutig erlaubt gewesen wäre. Schließlich war das Rennen während einer Safety-Car-Phase unterbrochen worden, und die Autos stellten sich regelkonform in der Fastlane der Boxengasse auf. In diesem Fall ist das Regelwerk sehr eindeutig: An den Autos darf gearbeitet werden, nachtanken und Reifen wechseln ist allerdings verboten. Es sei denn die Rennleitung erlaubt dies ausdrücklich, zum Beispiel aufgrund sich ändernden Wetters. Dann darf man von Slicks auf Wets, oder umgekehrt, wechseln. Siehe dazu auch Abschnitt D10.1 im Regelbuch (PDF).

Aber auch eine andere Regel sorgte für reichlich Gesprächsbedarf. Wie bereits erwähnt müssen in einem Rennen 140 Liter Benzin aufgenommen werden. Andernfalls bekommt man nach Ende des Rennens 30 Sekunden aufaddiert. Zum Zeitpunkt des Abbruchs waren aber gerade einmal 42 Runden, also etwas mehr als die Hälfte der Renndistanz, absolviert worden. Als das Rennen wieder gestartet wurde, waren nur noch knapp fünf Minuten auf der Uhr und nur ein paar Fahrer hatten bereits genug getankt. Darunter Percat, Caruso und Tander, aber auch Bright und Cameron Waters (PRA).

Also suchten in der verbliebenen Zeit die meisten Fahrer erneut ihre Boxen auf, um sich ihren restlichen Sprit abzuholen. Andere wie Pye und Coulthard, die auf Podiumskurs lagen, blieben trotzdem draußen und wurden entsprechend bestraft.

Ein überglücklicher Nick Percat gewann also (verdient) das Rennen für das kleine LDM-Team vor Michael Caruso, der nun die Fahrerwertung anführt, und Garth Tander. Cameron Waters wurde Vierter, gefolgt von David Reynolds (Erebus), Todd und Rick Kelly. Jason Bright wurde als Achter gewertet.

Ergebnis Rennen 3
Highlights Rennen 3

Weiter geht es bei den V8 Supercars am Wochenende vom 01. bis 04. April auf dem Symmons Plains Raceway. Nächste Woche stehen zwar noch die Rennen in Melbourne auf dem Programm, die zählen aber wie erwähnt nicht zur Meisterschaft. Zum Abschluss gibt es an dieser Stelle wie immer noch die Links zur Fahrer- und Teamgesamtwertung sowie der Stewards Summary der V8 Supercars.