Das erste Rennen der neuen NASCAR-Saison ist Geschichte und wir schauen direkt auf Atlanta am kommenden Wochenende. Vorerst müsst ihr also leider mit einem Artikel die Woche auskommen, da ich nun alleine die Stellung für US-V8-Racing halte. An dieser Stelle möchte ich Steffen noch einmal ganz herzlich für die kompetente Unterstützung in der Vergangenheit danken. Nun steht direkt der Kombi-Artikel Daytona/Atlanta an.

Analyse Daytona 500 2016

DIS_NSCS_Checkered_2_022116Das Daytona 500 konnte 2016 mit einigen Rekorden und Überraschungen aufwarten: So krönte sich zum Beispiel Chase Elliott nicht nur zum bisher jüngsten Polesitter des Great American Race, sondern tat dies auch noch wie in den vergangenen Jahren ausgerechnet als derjenige Pilot, über den aktuell am meisten geredet wird – die Verschwörungstheorien lassen wieder grüßen. Zusätzlich würde ich behaupten, dass nach der Einführung des nicht unumstrittenen Charter-Systems zugleich das vermutlich kleinste Feld mit nur 40 Fahrzeugen auf dem berühmtesten aller Superspeedways unterwegs war. Immerhin mit meiner Einschätzung, dass das Past-Champions-Provisional eingestampft werden würde, lag ich richtig. Jedoch vergab NASCAR die vier Open-Startplätze nicht komplett in den beiden Can-Am-Duels, sondern jeweils nur einen, und ließ zusätzlich die Top-2 der nicht qualifizieren Teams des Einzelzeitfahrens ins Hauptrennen einziehen.

Letzteres überraschte mit einer besonnenen Ruhe unter den Akteuren, so gab es erstmals seit Jahren wieder ein sauberes Finish und keinen einzigen Big-One. Damit blieb uns dann zum Glück auch der Einsatz der Unlimited-Overtime erspart, die in Bezug auf Rückschritte in der Konsequenz der Green-White-Checkered-Regelung absolut ihresgleichen sucht. Man beendet das Rennen im Falle eines Crashs nun nämlich nicht mehr frühestens bei der weißen Flagge, sondern schon nach der Green-Flag auf Gegengeraden und wird den Fans damit statistisch gesehen häufiger ein richtig geliebtes Finish unter Gelb zumuten. Wer auch immer sich dieses Update ausgedacht hat, sollte keinen Preis dafür verliehen bekommen. Das „Unlimited“ im Namen kann an dieser Stelle nicht über die genannte Tatsache hinwegtäuschen.

Am Ende folgte dann der engste Zieleinlauf in der Geschichte des Daytona 500, denn nach 200 Runden setzte sich Denny Hamlin mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur einer Hundertstelsekunde gegen Martin Truex Jr. durch, während Kyle Busch das Top-3-Ergebnis für Toyota perfekt machte. Der erste Erfolg des japanischen Herstellers im Great American Race erfolgte also gleich mit einem riesigen Echo. Der eigentliche Favorit Matt Kenseth musste seinen geplanten dritten Erfolg in der letzten Runde begraben, als Hamlin und Truex den Routinier von beiden Seiten aufs Korn nahmen. Ein Blockversuch erwies sich als unmöglich und schickte Kenseth folgerichtig in die Mauer. Als weiterer Top-Contender ließ Dale Earnhardt Jr. knapp 30 Runden vor Schluss Federn und musste das Rennen nach einem Unfall beenden. Polesitter Chase Elliott geriet nach einem Crash in Umlauf 20 ins Hintertreffen und holte sich einen riesigen Rundenrückstand ab.

Insgesamt fiel auf, dass gerade Joe Gibbs Racing durchgehend von sich reden machte, immerhin holte die siegreiche Toyota-Truppe satte 154 der 200 möglichen Führungsrunden – dazu kamen dann noch zwei Umläufe von Martin Truex Jr.. Hendrick Motorsports brachte überhaupt kein Rad auf den Boden, das zeigte sich nicht zuletzt in der Tatsache, dass ausgerechnet Kasey Kahne am Ende als bestplatzierter Pilot des Chevrolet-Quartetts abgewinkt wurde. Team Penske war vor allem mit Joey Logano konstant vorne vertreten, konnte allerdings nicht eine einzige Meile an der Spitze des Feldes verbringen. In Erinnerung geblieben ist mir außerdem Kyle Larson, der nach 500 Meilen ebenfalls eine konsequente Top-10-Zugehörigkeit vorweisen konnte. Große Überraschungen im Klassement gab es dann aber eigentlich keine, normalerweise findet man ja sonst bei den Restrictor-Plate-Rennen ein paar kleinere Teams am Ende recht weit vorne.

Das gesamte Rennergebnis kann bei Jayski inklusive weiterer Statistiken noch einmal nachgeschaut werden. Es folgen wie gewohnt die Fahrerwertung und die Owner-Punkte, die Bildergalerie befindet sich am Ende des Artikels.

Vorschau Atlanta 2016

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Am kommenden Wochenende geht es dann direkt weiter auf dem Atlanta Motor Speedway, einer der ältesten Strecken im Cup-Kalender. Das recht typische 1,5-Meilen-Quad-Oval gleicht mit seinem Banking in Höhe von 24 Grad fast wie ein Ei dem anderen, bezogen auf die Schwesterstrecken in Charlotte und Texas natürlich. Uns steht damit das erste richtige Kräftemessen ins Haus, denn mit Restrictor-Plates „kann ja jeder“ am Ende in der Victory-Lane landen. Die zusätzliche Besonderheit des Rennens am Sonntag ist das mehr oder weniger neue Aero-Paket, welches 2015 bereits zweimal zum Einsatz kam und in Darlington sowie in Kentucky vollends überzeugen konnte. Hoffentlich bringt der verringerte Abtrieb auch auf allen anderen Strecken mehr Bewegung ins Feld und reduziert die Macht der Clean-Air an der Spitze etwas.

Das Gespräch der Woche liefert uns allerdings eher der am Mittwoch verkündete Wechsel von Stewart-Haas Racing zu Ford – ein richtig schöner WTF-Moment. Gerade so einen eingefleischten Chevrolet-Piloten wie Kevin Harvick soll man 2017 in einem Ford wiedersehen? Ohne das Ende der Fahrerkarriere von Tony Stewart wäre dieser Wechsel doch komplett undenkbar gewesen, das war schon beim Switch seines Ex-Teams Joe Gibbs Racing zu Toyota klar zu erkennen. Smoke musste für diesen Move erst das Cockpit räumen, eine andere Möglichkeit sehe ich da nicht. Dass er seinen Rücktritt aber nur aufgrund dieser Gegebenheit verkündete, das wage ich mal zu bezweifeln.

Kompetitiv betrachtet ist der Herstellerwechsel natürlich eine interessante Angelegenheit, denn Roush-Fenway Racing muss sich dann mal richtig strecken. Ford brauchte einfach einen befeuernden Konkurrenten für Team Penske und das kann RFR derzeit einfach nicht leisten, von Richard Petty Motorsports und Front Row Motorsports mal ganz zu schweigen. Für Chevrolet und vor allem Hendrick Motorsports öffnet sich nun die Tür, um Chip Ganassi Racing in einer technischen Partnerschaft noch weiter zu unterstützen, vielleicht kommt aber auch HScott Motorsports in den Genuss einer Aufwertung. Dass Richard Childress Racing sein eigenes Motorenprogramm aufgibt und sich Rick Hendrick anschließt, sehe ich eher nicht, doch wer hat schon den Wechsel von Stewarts Team zu Ford erwartet.

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die die Entry-List und ein Zeitplan für das TV-Programm am Wochenende. Da nur 39 Teams gemeldet haben, muss niemand vorzeitig nach Hause fahren – ein Plätzchen ist sogar noch frei für spätentschlossene Kandidaten.

Freitag, 26.02.
15:00 Uhr, XFINITY Series Practice, FS1
16:00 Uhr, Truck Series Practice, FS1
17:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, FS1
18:30 Uhr, XFINITY Series Practice, FS1
19:30 Uhr, Truck Series Practice, FS1
20:30 Uhr, XFINITY Series Final Practice, FS1
22:00 Uhr, Truck Series Final Practice, FS1
23:30 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, FS1

Samstag, 27.02.
14:30 Uhr, XFINITY Series Qualifying, FS1
16:00 Uhr, Truck Series Qualifying, FS1
17:30 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, FS1
19:30 Uhr, XFINITY Series Rennen (Heads Up Georgia 250), FS1 ab 19 Uhr
22:30 Uhr, Truck Series Rennen (Great Clips 200), FS1 ab 22 Uhr

Sonntag, 28.02.
19:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Folds of Honor Quik Trip 500), FOX & Motorvision TV ab 18:30 Uhr