Besser hätte die Saison von Mercedes kaum laufen können. 16 von 19 Rennen gewonnen, mehr Punkte als im letzten Jahr und der Abstand zur Konkurrenz wurde auch vergrössert.

Motorsports: FIA Formula One World Championship 2015, Test in JerezEtwas unsicher war Toto Wolff zum Start der Saison ja schon. Nach den Wintertests hatte man gesehen, dass Ferrari ein ganzen Stück näher gerückt war. Wie nahe wusste aber keiner. Mercedes hatte über den Winter das Chassis aber in allen Bereichen verbessert. Mehr mechanischer Grip, weniger Reifenverschleiss, bessere Aerodynamik, ein stärkeres Hybridsystem. Aber hatte der Rest der Konkurrenz die Lücke geschlossen?

In Australien lautete die Antwort: Nein. Ferrari stellte sich zunächst nicht als der Verfolger heraus, den man erwartet hatte. Die Mercedes rollten zum Sieg und hatten am Ende 30 Sekunden Vorsprung. In Malaysia sah die Sache wieder anders aus. Ferrari dominierte die auf den „Soft“ bei heissen Temperaturen rumrutschenden Mercedes. Aber schon das nächste Rennen brachte dann wieder den alten Abstand.

Mercedes leistete sich drei Ausrutscher. Malaysia, Ungarn und Singapur. Ungarn hatte man erwartet, Malaysia und Singapur kamen überraschend. In beiden Rennen war es nicht nur heiß, auch die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch, was vor allem zu Lasten der Elektronik geht. Aus Vorsichtig hatte Mercedes bei diesen Rennen dann die Aerodynamik durch größere Lufteinlässe beschnitten und die Leistung des Motors zurück genommen. Dennoch bleibt: der Hauptschwachpunkt des Mercedes bleibt der Reifenverschleiss bei großer Hitze im Bereich „Soft“ und „Supersoft“.

Ein weiteres Problem stellten die Fahrer dar. Und besser gesagt: deren Auseinandersetzung. Wobei man sagen muss, dass es dieses Jahr auf Grund der Dominanz von Hamilton schon fast ruhig war. Rosberg kam das gesamte Jahr nicht in Schwung und haderte mich sich und seinem Wagen. Wo Lewis Hamilton leichtfüssig schien, wo er unbeirrt wirkte, da grübelte Rosberg über sich und seine Fahrweise nach. Er konnte einem schon fast leid tun.

Motorsports: FIA Formula One World Championship 2015, Test in JerezDas änderte sich erst gegen Ende des Jahres, als Mercedes gezwungen wurde am Start den Reifendruck zu erhöhen. Bisher war man mit einem zu niedrigen Druck gefahren, nur hatte das niemand kontrolliert und es gab auch keine Strafen dafür. Nach dem Rennen in Italien änderte sich das und schlagartig begannen die Probleme beim Briten. Der Vorteil des niedrigen Reifendrucks liegt darin, dass man den Reifen zum Start schneller auf Temperatur bringen kann, danach normalisiert sich das Arbeitsfenster. Diesen Effekt kann man auch über das Setup erreichen (Sturzwerte etc) aber genau hier hat Mercedes dann wohl etwas verändert, was Hamilton nicht schmeckte. Statt 3 Zehntel Vorsprung hatte er plötzlich 2 Zehntel Rückstand.

Rosberg genoss die drei Siege am Ende der Saison sichtlich, aber ihm wird auch klar sein, dass das nur ein Strohfeuer gewesen sein kann. Der wahre Test erfolgt dann 2016. Wenn ihn Hamilton erneut schlägt und Weltmeister werden sollte, wird Rosberg wie viele als vor ihm als talentierter, aber halt nicht ganz so schneller Pilot in die Geschichte eingehen. Mit anderen Worten: Er muss Weltmeister werden. Was den Druck auf ihn noch mal erhöht, während Hamilton mit seinen drei Titel im Rücken entspannt auffahren kann.