Wir hatten die Chance, beim Auftakt des Volvo Ocean Race in Alicante vor Ort zu sein und uns einen kleinen Eindruck zu verschaffen.Volvo_Ocean_Race_2014_jpg125
Das Volvo Ocean Race wird dieses Jahr in der zwölften Ausgabe ausgetragen, und nachdem Volvo viele Jahre lang nur als Namensgeber in Erscheinung trat, bringt man momentan die eigenen Modelle als optimierte “Volvo Ocean Race”-Versionen auf den Markt. Dies war für uns einer der Gründe, zum Start des Rennens in Alicante anwesend zu sein und die Frage zu klären, warum ein Auto-Hersteller ein Segelrennen sponsort und als Mitveranstalter auftritt.

Das Volvo Ocean Race ist ein bisschen wie die WEC des Wassers. Zwar gibt esVolvo_Ocean_Race_2014_jpg295 ähnlich wie beim Americas Cup auch kurze Rennen in der Nähe des Hafens, doch die Kunst besteht in den langen Etappen, die teilweise von Kontinent zu Kontinent führen. Dabei hat das Rennen mit ähnlichen Themen wie fast alle Motorsportserien zu kämpfen. Man probiert, noch mehr Teilnehmer zu bekommen, und auch dafür sollen die Kosten eingespart werden. Deshalb gibt es dieses Jahr zum ersten Mal mit der Volvo-Ocean-Race65-Klasse eine Einheitsklasse, sodass sich keine Mannschaft mehr den Sieg durch ein besseres Boot “erkaufen” kann. So wird das Budget für die diesjährige Ausgabe nur bei 15 Millonen Euro liegen, während sie noch vor zwei Jahren bei bis zu 80 Millionen Euro lag.

Durch die Einheitsboote sollen die Rennen jedoch nicht minder spektakulär werden, sondern man will sich vom Fahrverhalten mehr dem Americas Cup annähern. Zudem hat man sehr zuverlässige Boote geschaffen, was wohl auch das Wichtigste bei einem neun Monate langen Segelrennen sein dürfte.Volvo_Ocean_Race_2014_jpg173 Dabei hat ein von Langstrecke geprägtes Segelrennen seine ganz eigenen Regeln und Probleme. So muss der Skipper entscheiden, wann die Crew sich schlafen legen darf und man eventuell mal nicht so schnell fahren muss, und wann man ein besonders hohes Tempo einschlagen muss. Das heisst für die Crew extrem wenig Schlaf über die komplette Distanz und auch den Verlust der Privatsphäre auf den verhältnismäßig kleinen Schiffen. Dieses wird noch extremer als die letzten Jahre sein, da die Boote zum einen kleiner wurden und zum anderen auch die Crews jetzt keine Entschuldigung mehr haben, wenn es mal nicht so gut läuft. Denn nur noch die Mannschaften sind für den Erfolg und Misserfolg verantwortlich und nicht ein vermeintlich schwächeres Boot.

Ein weiterer positiver Aspekt ist das Einsparen von Crew-Mitgliedern, die Reparaturen an den Booten vornehmen. Auch dies wird in der zwölften Auflage des Rennens zentral durchgeführt.
So waren früher bis zu 48 Personen bei einem Team angestellt, jetzt sind dagegen 48 Leute für den kompletten Reparatur-Service zuständig, und auch bei der Logistik gibt es Kosteneinsparungen.P1020257 Durch ein geschicktes System müssen jetzt Ersatzteile nicht mehr per Charterflug (bis zu 1.000.000€) eingeflogen werden, sondern werden per Containerschiff zwischen den Austragungsorten transportiert (10.000€). Diese Kosteneinsparungen haben schon etwas gebracht, denn man hat wieder eine wachsende Teilnehmerzahl, und man hat sogar nach über einem Jahrzehnt Pause wieder eine Frauenmannschaft mit dabei. Auch ein chinesisches Team ist zum ersten Mal mit dabei und konnte direkt mit einer etwas wirren Pressekonferenz auftrumpfen. Man könnte sagen, dass es zumindest unterhaltsam war.

Der Umgang mit den Veranstaltungsorten ist jedoch deutlich anders, als man es vom professionellen Motorsport kennt. Die Organisation stellt sich jedesmal auf den Gastgeber ein und nicht der Gastgeber auf die Organisation. So erhielt das Stadtrennen in Alicante einen spanischen Flair, und z.B. die Zwischenstation in Abu Dhabi wird dann mehr nach der arabischen Kultur er- und gelebt.

Noch 1-2h bis zum Start. #VolvoOceanRace

Ein von Max Albrecht (@maxalexalbrecht) gepostetes Foto am

Natürlich darf man sich die Frage stellen, warum Volvo ein Segelrennen sponsort und nicht das Geld z.B. in den Motorsport (WTCC) steckt. Dabei muss man bedenken, dass beim Volvo Ocean Race sowohl Volvo Cars als auch Volvo Trucks mit drin steckt. Auch hat man garantierte PR, denn wer die letzten Tage/Wochen mal beim einzigen deutschen Sportnachrichtensender oder der Tagesschau reingeschaltet hat, wird dort wahrscheinlich auch etwas über das Volvo Ocean Race gesehen haben.

Auch kommt man mit der Vermarktungsplattform “Volvo Ocean Race”P1020267 auf alle Kontinente und kann dort die Volvo “Ocean Race”-Fahrzeuge vorstellen. Diese haben eine etwas bessere und höherwertigere Ausstattung als die Volvo-Standardmodelle. Zudem versprühen die Fahrzeuge etwas vom maritimen Flair des Volvo Ocean Race. Dies spiegelt sich in Ausstattungsmerkmalen sowie speziellen Farben wieder. Auch erschließt man damit eine neue Zielgruppe, die man sonst anderen Marken überlassen würde.

5 Minuten bis zum Start. #VolvoOceanRace #Alicante #Sailing

Ein von Max Albrecht (@maxalexalbrecht) gepostetes Foto am

Auch das Starterfeld ortientiert sich an neuen Zielgruppen. So hat man zum ersten mal seit mehr als einem Jahrzehnt ein Frauenteam am Start, und es gibt zum ersten Mal ein chinesisches Team. Dieses wird vom LKW-Hersteller Dongfeng gesponsort und tritt zum Teil mit chinesischen Seglern an.Volvo_Ocean_Race_2014_jpg331 Dabei war es für alle Beteiligten auch noch eine besondere Herausvorderung, da ein Großteil des Teams davor kein English konnte (gilt übrigens auch für die anderen auf dem Boot). Dies kam zu dem normalen ca. 90-tägigen Zusammenwachsen des Teams noch als zusätzliche Arbeit auf das Team zu. Zudem muss noch mindestens ein Segler pro Boot einen ausführlichen Erste-Hilfe-Kurs machen, falls es mal zu einer Verletzung kommt. Während der Fahrt zwischen den Austragungsorten können die Boote nämlich nur sehr schwer angesteuert werden.

Doch genügend zu den Hintergründen des Volvo Ocean Race. Die Faszination des Rennens macht die Mischung aus den kurzen, sprintartigen Inport-Rennen und der darauffolgenden Fahrt bis zum nächsten Hafen aus, die mehrere 1000 Kilometer betragen kann.Volvo_Ocean_Race_2014_jpg321 Für die Gesamtwertung sind zwar die Inport-Rennen wichtiger, doch wenn man mal ein Problem am Boot bekommt auf dem Weg zur nächsten Station, bringen auch gute Inport-Ergebnisse nur noch wenig. Die Inport-Rennen sind dabei ähnlich gestaltet wie die Rennen beim Americas Cup. Man muss eine abgesteckte Strecke abfahren, jedoch nicht auf Zeit, sondern im direkten Kampf gegen die Konkurrenz. Diese Rennen können sich dann nicht nur die Fans im Hafen anschauen, sondern es gibt auch immer einen Livestream. Alternativ gibt es das Rennen auch wenige Stunden später komplett bei Youtube. Hier schon mal das erste Rennen, welches bis zum Ende spannend war.

Doch nicht nur die Inport-Rennen sind spannend. Auch auf den Verbindungsstrecken gibt es permanente Kämpfe, und auf der aktuellen Route von Alicante nach Kapstadt ist der Abstand im Spitzenkampf knapp mehr als eine Minute. Alle Daten und aktuellen Ergebnisse kann man zudem in einem Live Timing mit einsehen. Nachdem die aktuelle Etappe nach Kapstadt geht, macht man eine Asien-Ozeanien-Tour, bevor es dann über Amerika zurück nach Europa geht. In Europa legt man nochmal in Den Haag an, und das ist wohl die beste Chance, um sich selbst einen Eindruck von dem Rennen zu verschaffen. Bei der nächsten Ausgabe in zwei Jahren wird man eventuell auch in Deutschland Station machen, und es ist auch denkbar, dass ein deutsches Team zum Teilnehmerfeld stößt.

Insgesamt kann man also sagen, dass das Volvo Ocean Race eine gute Vermarktungsplattform ist und zudem auch noch guten Sport bietet. Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn Volvo auch noch mehr in den Motorsport kommt, nachdem man sich schon in der STCC und bei den V8 Supercars engagiert.

Weitere Berichte zum Volvo Ocean Race gibt es bei den Kollegen von Autogefühl, Drivers Groove und Fyle.

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Ich war auf Einladung von Volvo Deutschland vor Ort. Es wurde kein Einfluss auf meine Meinung genommen.