Nach dem Rennwochenende am Norisring spricht man in der DTM mehr über die Regeln und die Rennkommissare als über den Rennsieger.
Motorsports / DTM 4. race Nuernberg, Norisring
Vor dem Rennen in Ungarn hatten sich alle Hersteller geeinigt, dass Mercedes-Benz bis in den September weiterentwickeln darf, da man bisher nicht konkurrenzfähig war. Am Norisring gab es daraufhin direkt eine Mercedes-Dominanz im Qualifying und auch das Rennen konnte mit Robert Wickens ein Fahrer aus dem Mercedes-Lager für sich entscheiden. Berechtigterweise stellen sich jetzt Zuschauer und auch einige Fahrer die Frage, ob Audi und BMW einen Rückstand haben oder es eher an der Streckencharakteristik und am Wetter lag.

Außerdem waren einige Fahrer sehr unzufrieden bei der Bewertung einiger Rennsituation und den daraus folgenden Strafen. Vor allem eine klare Linie soll fehlen, da es keine dauerhaften Rennkommissare gibt in der DTM. Doch bevor es zur Bewertung der aktuellen Situation in der DTM kommt, sollte man erst auf die Rennen zurückschauen.

Im Qualifying konnten sich fünf Mercedes-Benz in die Top 6 fahren. Der einzige Pilot, der sich dazwischenschieben konnte, war Jamie Green, der von Platz 3 in das Rennen ging. Unglücklicherweise sollte es zu Rennbeginn so stark regnen, dass sich die Fahrer zusammen mit der Rennleitung für einen Start hinter dem Safety-Car entschieden. Vitaly Petrov nutzte die Gelegenheit direkt, um sich zu drehen. Am Ende sollte es für ihn nur für einen 19. Rang reichen. Nach vier Runden hinter dem Safety Car ging es dann los und es kam sofort zum ersten Zwischenfall zwischen Jamie Green und Paul Di Resta. Green drehte bei der Anfahrt zu Start-Ziel Di Resta und bekam nicht dafür eine 5-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe, sondern weil er angeblich die Linie des führenden (Robert Wickens) verlassen hat. Meiner Meinung nach hat jedoch Paul Di Resta die Linie verlassen und durch das Reinziehen kam es erst zu der Kollision. Für Paul Di Resta war danach das Rennen kaputt und es reichte nur für einen 15. Platz. Jamie Green hingegen konnte durch eine gute Taktik seinen zweiten Platz verteidigen.

Bereits in der sechsten Runde probierte man sich bei BMW an Boxenstopps. Sowohl Martin Tomczyk(DNF), Augusto Farfus(P14),Miguel Molina(P22) als auch António Félix da Costa(P20) brachte diese Taktik keinen Vorteil, da man auch mit neuen Regenreifen nicht schneller fahren konnte als zuvor. Währenddessen kam es auf der Strecke zu einigen Remplern und Drehern. So drehte sich unter anderem Daniel Juncadella(P13), und Joey Hand(P7) drehte Nico Müller(P18). Zudem begann die Strecke langsam abzutrocknen und es gab einige Probleme beim Überrunden der langsameren Fahrer. Daraufhin verteilte die Rennleitung einige Drive-Through-Strafen. Leider kann ich nicht sagen, inwiefern diese Strafen gerechtfertigt waren, da der normale Fernsehzuschauer keine Bilder zu sehen bekam von diesen Zwischenfällen.

Etwas überraschend verlor das Rennen dann schnell an Spannung und Action, da alle Fahrer ihre Position bezogen hatten und nur noch darauf warteten, dass man Slicks aufziehen konnte. Zuerst tat das in Runde 50 Bruno Spengler, und nach ein, zwei Runden waren die weichen Trockenreifen auch schneller als die Regenreifen der anderen Fahrer. Etwas schlechter entschied man sich bei Maxime Martin in Runde 48. Statt der Slicks zog man nochmal Regenreifen (bei der ARD auch bekannt als Regenräder) auf das Fahrzeug und war dadurch zu einem zusätzlichen Boxenstopp gezwungen. Für Martin sollte es am Ende nur für einen 17. Platz reichen.

Ab Runde 58 hatten alle Fahrer Slicks und so hätte es eigentlich noch zu einem Kampf um die Platzierungen kommen können. Bei dem Boxenstopp von Timo Glock macht man bei MTEK einen Fehler und Glock bekam eine Strafe für einen Unsafe Release. Am Ende reichte es für Glock nur noch für einen 16. Gesamtrang. Das einzige nennenswerte Überholmanöver war das von Marco Wittmann, als er an Mike Rockenfeller vorbeiging und so auf Platz 6 fahren konnte. Drama gab es allerdings für Christian Vietoris, der auf Platz 3 liegend wenige Runden vor Schluss mit einem losen Rad ausrollte und sich nur beschwerlich an die Box retten konnte. Das Podium konnte daher Matthias Ekström vervollständigen. Auf Platz 1 landete Robert Wickens, nachdem er ein absolut fehlerfreies Rennen abgeliefert hat.

Mercedes-Benz konnte nicht die Dominanz aus den Trainings und dem Qualifying mitnehmen, und so muss man die zwei Autos unter den Top 10 als Enttäuschung sehen, da das Rennen auf dem Norisring eventuell eine der wenigen Chancen für Mercedes war, viele Punkte einzufahren. Am Ende waren dann auch die Top-10-Vertreter von Mercedes eine Überraschung, handelte es sich doch nicht um die eigentlichen Topfahrer wie zum Beispiel Paul Di Resta und Gary Paffet. Insgesamt war die Streuung im Feld jedoch enorm und nur die ersten neun Fahrer kamen in der gleichen Runde an. Das Ergebnis war dann jedoch relativ passend zum Regenrennen, auch wenn einige Regenexperten nicht so richtig nach vorne kamen.

Für die Fahrerwertung sollte das Rennen nicht ausschlaggebend sein, da die Tabellenspitze fast gleich viele Punkte holte. Auch in der Teamwertung konnte kein Team extrem von den Bedingungen profitieren. Nur in der Markenwertung ist Audi ein riesiger Schritt nach vorne gelungen und man konnte einen ordentlichen Abstand zu BMW aufbauen.

Nach dem Rennen gab es dann vor allem von Timo Glock und Matthias Ekström verärgerte Aussagen, bei denen es um die Verbesserung von Mercedes und die ungerechte Strafenverteilung in der DTM ging. Wie so oft muss man Ekstörm bei seiner Aussage recht geben, da es nicht sein kann, dass Mercedes auf einmal wieder dominiert. Die Frage ist jedoch, ob der Wagen wirklich einigermaßen zur Strecke passt oder ob man in den letzten Wochen neue Teile gefunden hat, die den Wagen massiv schneller machen. Auch die Meinungen der anderen Fahrer sind enorm unterschiedlich und wirklich froh scheinen viele Piloten nicht zu sein. Eine endgültige Antwort, ob Mercedes schon auf der Höhe der anderen Hersteller ist, wird man wohl erst in Moskau bekommen.

Der andere Kritikpunkt war die ungerechte Strafenverteilung in der DTM. Auch hier muss man sich eine Lösung ausdenken, da es für Fahrer und Fans nicht transparent ist, wenn jedes Rennen unterschiedliche Rennkommissare die Entscheidungen treffen und es so zu unterschiedlich schweren Strafen kommt. Auch kann es nicht sein, dass aus blauen Flaggen verhältnismäßig viele Strafen resultieren. Wahrscheinlich wird die DTM aber wieder einige Saisons brauchen, bis man für diese Probleme Lösungen gefunden hat.

Auch hat man inzwischen bekannt gegeben, dass man nicht in Guangzhou antritt. Jedoch hat man noch keine neue Strecke genannt. Es kann allerdings eigentlich nur Zuhai oder die Formel-1-Strecke in Shanghai werden. Weiter geht es mit der DTM in zehn Tagen in Moskau. Man fährt die gleiche Kurzanbindung wie letztes Jahr und hoffentlich fährt man dieses Jahr auch das Qualifying zu Ende.

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