Die Le-Mans-Serien beiderseits des Atlantiks haben sich für dieses Wochenende zwei wunderschöne Rennstrecken für ihre Events ausgesucht.

2013ALMS Lime RockMosport und der Red Bull Ring – beide Rennstrecken haben eine bewegte (jüngere) Vergangenheit hinter sich. Genauer gesagt heißt der Mosport Park nahe Toronto auch nicht mehr so, sondern seit dem Besitzerwechsel Canadian Tire Motorsport Park. Die neuen Eigentümer um den Ex-Rennfahrer Ron Fellows investieren allerdings auch viel Geld in die alte Anlage, um sie für die Zukunft fit zu machen. Nach dem Umbau des Paddock-Zufahrtstunnels im Winter 2011/12 war nun ein großes Sicherheits-Update dran: Der Auslauf der schnellen Rechtskurve nach Start/Ziel sowie die darauffolgende Bergab-Links Clayton Corner wurden weitläufig asphaltiert. Das mag optisch nicht unbedingt schön sein, doch es sollte die Sicherheit deutlich erhöhen – vor allem in der zweiten Kurve, wo es bislang nicht mal ein Kiesbett gab, sondern sich eine Rasenfläche bis zu den Reifenstapeln erstreckte.

Die optischen Defizite sind zu verschmerzen, wenn so das Streckenlayout unverändert erhalten bleiben kann, denn in meinen Augen handelt es sich hier um eines der besten der Welt: schnell und flüssig mit vielen Kuppen und Senken, komprimiert auf knapp unter 4 km. Die Sportwagen der ALMS sind hier immer wieder eine Augenweide. Gelohnt haben sich die Umbauten auch insofern, als dass man den internationalen Kalender um ein NASCAR-Truck-Series-Rennen erweitern konnte (das findet übrigens am 1. September statt).

Das Rennen an der Spitze ist schon vor dem Start so gut wie entschieden, denn nach Rebellion Racing hat nun auch Dyson Racing die laufende Saison aufgegeben, um sich auf 2014 vorzubereiten. Zwar wird der Lola-Mazda weiterhin am Start sein, doch mit dem Gentleman-Driver-Duo Burgess/McMurry ist gegen die Vollprofis Luhr/Graf nichts auszurichten, wenn deren Muscle Milk-HPD hält. Die Meisterschaft haben sie sowieso schon so gut wie sicher. Auch der kränkelnde Delta Wing mit seinem Panoz/Elan-Motor ist keine Konkurrenz.

Die LMP2 wurde in Lime Rock zur Farce, da die IMSA eine im vergangenen Winter geänderte Regel umsetzte und dem Klassensieger seinen Sieg ließ, obwohl dieser erschummelt war: Ryan Briscoe im Level 5-HPD dreht wenige Runden vor Schluss den führenden Guy Cosmo (Extreme Speed Motorports) von hinten um, bekam jedoch im Rennen keine Strafe mehr. Die nach dem Rennen ausgesprochene Strafe kostet Level 5 zwar die Punkte, doch den Sieg dürfen Briscoe und Tucker offiziell behalten. Die Zuschauer sollen an der Strecke den Sieger auf dem Podium gesehen haben, daran wird nicht gerüttelt – eine typische US-Regel. Schlimmer ist allerdings: Nur die Top 3 behalten bei einer nachträglichen Strafe ihre Position im offiziellen Resultat, ab Platz 4 würden sie diese verlieren. So bekommt Extreme Speed Motorsport also den verdienten zweiten Saisonsieg nicht zugesprochen, darf allerdings die volle Punktzahl dafür kassieren. In Mosport wird das LMP2-Rennen hoffentlich ohne Strafen und Abschüsse vor sich gehen, denn dann könnte es ein spannender Kampf zwischen den vier LMP2-Hondas – je zwei pro Team – werden.

Von den GT-Teams kam RLL-BMW im Lime Rock Park am besten klar, Müller/Edwards siegten, Dirk Müller führt deutlich die Meisterschaft an. In der Teamwertung sind Corvette Racing und RLL gleichauf. Mosport ist eine weitläufigere, noch schnellere Strecke, doch auch hier dürften die beiden Z4 wieder vorn mitspielen. Im Vorjahr konnte hier Extreme Speed Motorsport im Ferrari seinen ersten Sieg einfahren, im Jahr davor siegte eine der Corvettes. Patrick Long und Tom Kimber-Smith im Core Autosport-Porsche 911 wurden in Lime Rock Dritte, mit dem noch relativ frisch zusammengestellten Team muss man auch wieder rechnen. Änderungen an der Balance of Performance gab es nicht, da das Kräfteverhältnis in den letzten Rennen so ausgeglichen war, wie es erwünscht ist.

ELMS – Red Bull Ring

In der Steiermark ist das Tilke’sche Layout von 1995/96 unangetastet geblieben; Pläne, wieder mehr vom alten Österreichring in die Streckenführung einzubeziehen, mussten ad acta gelegt werden, um überhaupt wieder eine genehmigungsfähige Anlage herzustellen. Die alte Haupttribüne wurde im letzten Umbau auch abgetragen, die neuen Zuschauerplätze sind in den Lärmschutzwall integriert. Doch es ist schön, dass Österreich dank Dietrich Mateschitz wieder eine Rennstrecke hat, die für Serien wie die DTM und die ELMS taugt und letztere feiert nun ihr Debüt dort, gemeinsam mit der World Series by Renault. Der Kurs bietet bekanntlich vor allem eine gute Überholmöglichkeit mit der Spitzkehre am Ende der langen Bergauf-„Geraden“, aber auch schnelle Passagen und dürfte für die Zuschauer mit Sportwagen mindestens so viel Spaß machen wie mit Formelautos.

27 Fahrzeuge sind für das Rennen gemeldet, leider sind einige Teams nach Le Mans abgesprungen. So hat Greaves Motorsport kurzfristig einen Sponsor verloren (leider wurde nicht offiziell kommuniziert, welchen), aber da man keinen zahlungskräftigen Ersatz finden konnte, muss das Team zumindest diesen Lauf auslassen. Auch HVM Status Grand Prix fehlt nach dem schweren Unfall in Le Mans in der Entry List (wobei unklar ist, ob das Team an weiteren Saisonrennen teilgenommen hätte) und DKR Engineering setzt auch mindestens in Österreich aus.

Neu dabei in der LMP2 ist dagegen das russische Team SMP Racing – nach nur einem Rennen in der GTC-Klasse wagt man bereits den Aufstieg. Als Fahrer des Oreca-Nissan sind Maurizio Mediani und Serguey Zlobin gemeldet. Geänderte Fahrerbesetzungen gibt es außerdem bei Murphy Prototypes, wo neben Brendon Hartley mit Jonathan Hirschi nun ein zweiter Youngster anstatt eines älteren Paydrivers am Start ist, und bei Boutsen Ginion Racing, wo nun Lokalmatador Dominik Kraihamer (der 2011 schon einmal für das Team fuhr) und der deutsche Thomas Holzer ins Lenkrad greifen. Beide fahren sonst aktuell für das Kolles-Lotus-Team.

Siegfähig sind vor allem drei der acht LMP2-Teams: Thiriet by TDS ist wieder mit seiner starken Stamm-Besetzung Beche/Thiriet unterwegs, Murphy Prototypes sollte mit zwei Jungprofis vorn mitmischen und Dolan/Turvey im Jota-Zytek können auf jeden Fall am Ende auch oben stehen. Morand, Boutsen Ginion, Race Performance und Signatech Alpine sind allesamt Podiums-Kandidaten. Wo sich SMP Racing einsortiert, muss sich zeigen.

In der GTE-Klasse sind fünf Ferraris und vier Porsches am Start. Ram Racing wird versuchen, seine starke Performance in der Debüt-Saison fortzusetzen und den Imola-Sieg (Mowlem/Griffin) zu wiederholen. Der AF Corse-F458 mit Perrazini/Cioci/Leo ist ebenfalls stark besetzt. Neu zur Porsche-Armada hinzugestoßen ist das zweite Proton-Auto mit den beiden Horst Felbermayrs Jr. und Sr. Stärker sind allerdings die Teamkollegen Ried/Roda/Tandy einzuschätzen, die auch im Regen von Silverstone triumphierten.

Von den GTC-Teilnehmern hat das Momo Megatron-Team seinen Audi zurückgezogen, übrig bleiben fünf Starter. SMP Racing (zwei Ferrari 458) hat gleich beim ersten Rennen in Imola siegen können, der Ecurie Ecosse-BMW Z4 stand in Silverstone ganz oben und führt auch die Meisterschaftswertung an. Hier ist der Ausgang völlig offen.

Wann und wo?

Leider gibt es wieder einen Kalender-Konflikte, was man ja eigentlich zwischen den Le-Mans-Serien zu vermeiden versucht; doch das Jahr hat einfach nicht genug Wochenenden, um alles perfekt zu regeln. Dass betrifft jedoch nur Fahrer, die eventuell beiderseits des Atlantiks antreten würden, der geneigte Fan kann beide Rennen live schauen, denn die ELMS startet bereits am Samstag um 16:30 in ihr 3h-Rennen, während die ALMS am Sonntag um 17:45 Uhr deutsche Zeit startet und 2h 45min lang fährt. Beide Rennen werden auf der jeweiligen Serien-Webseite gestreamt (ELMS & ALMS), Live Timings und weitere Infos gibt es dort auch.

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