Der Däne Allan Simonson kam beim 24H Rennen von Le Mans ums Leben, als er mit seinem Aston Martin in der vierte Runde verunglückte.

Allan SimonsonNach nicht einmal zehn Minuten war die Geschichte des 24H-Rennes geschrieben. Allan Simonsen, ein Fahrer, der seit Jahren in vielen Serien unterwegs war, der viel Erfahrung mitbrachte und Le Mans durch seine bisherigen sechs Starts seit Jahren gut kannte, knallte mit seinem Aston Martin, Startnummer #95, seitlich in Tertre Rouge in die Leitplanken. Der Aufprall war heftig, das konnte man sofort sehen. Als der Wagen zum Stehen kam, fehlte ein Rad, die Fahrertür klaffte weit offen. Aber wir, die Zuschauer, sind das ja gewöhnt, dass der Fahrer, einmal gut durchgeschüttelt, das Auto entweder sofort oder nach ein paar Minuten verlässt. Die GT3 entsprechen den höchsten Sicherheitsstandards. Aber Allan Simonsen stieg nicht aus. Er starb nur zwei Stunden später im Streckenhospital.

Simonson war in der GT-Szene kein Unbekannter. Wie viele andere Fahrer zog er seit Jahren von Serie zu Serie. Lange fuhr er in der australischen Supercars Serie, dann wieder in Europa. Er ging dahin, wo sich die Gelegenheit ergab, für gutes Geld seinem Beruf und seiner Berufung auf Top-Niveau nachzugehen. Das machte den Dänen zu einem Allrounder, der sich nicht nur auf vielen Strecken, sondern auch mit vielen unterschiedlichen Autos auskannte. Das führte aber auch dazu, dass er nicht die typische Karriere hinlegte. Mal hatte er bei der Wahl seiner Arbeitgeber Glück, mal musste er ein “verlorenes” Jahr einstecken. Doch gerade in den letzten Jahren lief es deutlich besser für ihn. Es gelang ihm, bei Aston Martin unterzuschlüpfen, die in diesem Jahr besonders viele Einsätze geplant haben, da die Firma ihr 100jähriges Jubiläum feiert. Vor wenigen Wochen machte er erneut auf sich aufmerksam, weil er zusammen mit Pedro Lamy, Stefan Mücke und Darren Turner beim 24H Rennen am Nürburgring antrat und zusammen mit seinen Teamkollegen lange die Spitze halten konnte.

Nun also Le Mans, eine Strecke, die er auswendig kannte. Immerhin gelang ihm hier schon in der alten LMGT2 im Jahr 2007 ein dritter Platz. Zusammen mit Christopher Nygaard und Kristian Poulsen bildete er ein starkes Team in der GTE-Am und er holte für das Team auch die Pole. Die #95 hatten alle auf dem Zettel, wenn es um einen Tipp um den Klassensieg ging. Und dann kam die vierte Runde…

Der Tod des Dänen nur Minuten nach dem Start lag bleischwer über dem Rennen. Weil man angespannt wartete und die ausbleibenden Meldungen schon nichts Gutes ahnen ließen. Weil jede weitere halbe Stunde einen nervöser machte. Ich war kurz davor, zum Media-Zelt von Aston Martin zu gehen, das ungute Gefühl ließ mich kaum ruhen. Aber statt zu Aston Martin zu gehen, verharrte ich eine halbe Stunde im Paddock, traf einen Kollegen, der auch nichts wusste und nur meinte, dass Dave Richards eine Nachrichtensperre verhangen hatte. Die Nachricht erreichte mich dann wie viele um kurz nach 18:00 Uhr via Radio Le Mans. In dem Moment, in dem John Hindhaugh sagte “I am reading this word for word…” war das Unfassbare klar.

Als die FIA den Tod offiziell verkündete, brach Schweigen im Fahrerlager aus. Ich sah Mechaniker von Audi, die die Garagen neben Aston Martin hatten, die ihre Kollgen in den Arm nahmen. Auch von anderen Boxen und Teams kamen Abgesandte. Die GT-Szene ist ein Dorf, man kennt sich seit Jahren oder auch Jahrzehnten. Der Konkurrenzkampf hat klare Grenzen. Die niedergeschlagene Stimmung verflog im Laufe des Rennens etwas und brach erst zur Zieldurchfahrt wieder aus. Vielleicht, weil die vorher herrschende Anspannung noch alles überdeckt hatte und ihr Fehlen nun Platz für die Trauer machte. Man konnte viele Tränen im Fahrerlager sehen. Man hat nicht nur einen Fahrerkollegen verloren, sondern auch einen Freund.

Es ist noch zu früh, um über eventuelle Ursachen zu spekulieren. Der ACO, die FIA und Aston Martin werden für die notwendige Aufklärung sorgen. Wohl aber wird man über die Sicherung der Strecke reden müssen, was wir im Artikel über das Rennen machen werden.

Bis dahin bleibt jedem Fan und Motorsportfreund nur übrig, der Familie und den Freunden von Allan Simonsen viel Kraft und Hoffnung zu wünschen.