Auch zum Jahreswechsel 2012/13 schauen die Racingblog-Autoren auf das vergangene Jahr zurück und stellen ihre persönliche Highlights und Enttäuschungen zusammen.

2012 war ein schwieriges Motorsport-Jahr für mich – aufgrund des Studiums konnte ich insgesamt nur weniger Rennen schauen als ich gern gesehen hätte, gleichzeitig begeisterten mich viele Rennen und Serien in diesem Jahr nicht so sehr wie in den Vorjahren. Die erste WEC-Saison war schwierig und die Formel 1 hat für meinen Geschmack einfach zu viele Rennen, 15-16 würden mir völlig ausreichen. Dem gegenüber standen Highlight wie die WEC-Rennen in Le Mans und Silverstone, bei denen ich live vor Ort war und das tolle Formel 1-Finale mit drei sehr unterschiedlichen, aber gleichermaßen aufregenden Rennen zum Schluss. Hier also meine Liste:

Bestes Rennen: Der Formel 1-Grand Prix in Austin. Eigentlich waren die letzten drei Rennen alle wirklich sehr gut, jeweils auf eine andere Art, aber für mich ist der US-GP das beste Rennen gewesen, weil es einfach ein toller Zweikampf zwischen zwei grandiosen Fahrern war, der nicht von Safety Cars oder Regenlotto beeinflusst wurde. Die neueste Tilke-Kreation funktionierte super und auch das Event als Ganzes schien zu funktionieren, mit netten Ideen wie den Pirelli-Stetsons und Mario Andretti auf dem Podium.

Als „honourable mention“ möchte ich gern noch einmal das ELMS-Rennen in Donington erwähnen. Was das kleine LMP2-Feld an dem Tag über sechs Stunden geboten hat, war wirklich klasse und zeigt, wie gut eine kostenbegrenzte Pro/Am-Klasse funktionieren kann. Da kann man nur hoffen, dass die Serie mit dem Relaunch im kommenden Jahr ein besseres Feld zusammenbringt, damit es auch in den anderen Klassen Action und Spannung gibt.

Bestes Finish: Auch hier muss ich nochmal die ELMS nominieren. Beim Saisonauftakt in Le Castellet traten ganze zwei Autos in der GTE-Pro-Klasse an, JMW Motorsport und AF Corse, jeweils mit einem Ferrari 458, aber auf unterschiedlichen Reifen und mit unterschiedlichen Evolutionsstufen des Wagens (JMW noch ohne Wippenschaltung).

Trotz unterschiedlicher Strategien ergab es sich so, dass 8 Minuten vor Schluss des 6h-Rennens Jaime Melo (AF Corse) nach dem letzten Splash&Dash-Tankstopp direkt hinter Jonny Cocker (JMW) wieder auf die Strecke zurückkam. Diese letzten Minuten waren dann entsprechend heiß umkämpft und es machte Spaß, den beiden GT-Assen bei der Arbeit zuzuschauen. Melo versuchte die Auslaufzonen mehr und mehr einzubeziehen, doch Cocker konnte ihn bis zur karierten Flagge hinter sich halten und so zusammen mit James Walker einen grandiosen Sieg für das britische Team einfahren. Schön war der auch deswegen, weil es Cockers erstes Rennen nach einem unfreiwilligen Jahr Pause war.

Leider ist das Video nicht mehr im Netz zu finden…

Bester Fahrer: Fernando Alonso, ganz ohne Frage für mich. Von der NASCAR habe ich nichts gesehen in diesem Jahr, darum kann ich die nicht einbeziehen, aber Alonso stach in diesem Jahr wirklich heraus für mich und hätte den dritten Titel mehr verdient gehabt als Vettel seinen dritten. Was er in den ersten Rennen aus einem nicht besonders guten Ferrari herausholte, und auch seine Konstanz über die gesamte Saison, waren beeindruckend. Wäre es nicht Adrian Newey und seinem Team gelungen, für die Asien-Rennen perfekte Updates an Vettels Red Bull zu bringen, und wäre er in Spa von Grosjean abgeräumt worden, hätte die Saison anders ausgehen können. Auch wenn ich kein Fan von Fernando Alonso bin, hoffe ich, dass er 2013 wieder eine Chance auf den Titel hat.

Bestes Team: Für mich gebührt diese Auszeichnung ganz klar der Toyota Motorsport GmbH. Dafür, dass sie im Debütjahr durch den überraschenden Peugeot-Ausstieg in die schwierige Situation gedrängt wurden, Audi herausfordern zu müssen, und angesichts des Rückschlags durch den Testunfall, der sie einen Wagen und die Spa-Teilnahme kostete, liefen der Einstieg in die WEC und die 24h von Le Mans als allererstes Rennen grandios. Dass man von den sechs Rennen, in denen man gegen Audi antrat, 50% gewann, hätte ich nicht so erwartet und lässt auf eine spannende Saison 2013 hoffen – diesmal von Beginn an!

Überholmanöver des Jahres: Nicolas Lapierres Überholmanöver gegen Benoit Treluyer in Le Mans. Es mag – trotz zweier Räder im Gras – nicht das spektakulärste aller Manöver gewesen sein, doch es zeigte, dass Toyota geschafft hat, was sie sich vorgenommen hatten: beim Debüt in Le Mans aus eigener Kraft das Rennen anzuführen. Leider dauerte das Glück nur wenige Sekunden an, bevor Anthony Davidson seinen schweren Unfall hatte und nach der Safety Car-Phase geriet bekanntlich der übrige Toyota mit dem Delta Wing aneinander, was für beide sehr schade war.

Duell des Jahres: Audi vs. Toyota, Power vs. Hunter-Reay, Vettel vs. Alonso… es gab einige schöne Duelle in diesem Jahr, einen klaren Sieger kann ich hier nicht benennen.

Szene des Jahres: Der heldenhafte Versuch des Satoshi Motoyama, den verunfallten Delta Wing hinter der Leitplanke allein zu reparieren. Alle Anweisungen und Trost des Teams durch den Zaun halfen nichts, nach einigen Stunden war das Projekt zunächst gescheitert – umso schöner, dass es dann beim Petit Le Mans nach einem problemlosen Rennen zum fünften Gesamtrang reichte, auch wenn Motoyama und seine Co-Piloten aus Le Mans, Marino Franchitti und Michael Krumm, nicht mehr dabei waren.

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Kostenpunkt des Jahres: Stephane Ratel hat sicherlich einiges in die fehlgeschlagene GT(1/3)-WM hineinbuttern müssen, das hat er ja auch selbst mal angedeutet. Aber das Konzept war von Beginn an wenig erfolgversprechend, auch dank der nicht vorhandenen Kooperation des ACO. So gibt der GT-Sport mal wieder ein trauriges Bild ab und man darf hoffen, dass die neue „GT World Tour“ mehr Zugkraft hat.

Schönster Moment des Jahres: Le Mans, Samstagmorgen, Warm-Up, im Regen an der Tertre Rouge, als die Autos aus der Box gefahren kamen. Das war cool. Und natürlich auch der Hubschrauberflug über die Strecke am Nachmittag. Nochmal ein großes Dankeschön an Nissan für diese Highlights!

Überraschung des Jahres: Kimi Raikönnens Comeback, auch in Kombination mit der Leistung des Lotus-Teams, hat mich überrascht, mit beidem hätte ich so nicht gerechnet.

Enttäuschung des Jahres: Gemessen daran, dass ich ihn vor der Saison als Titelfavoriten in der Formel 1 auf meiner Liste hatte, gebührt Jenson Button diese Ehre. Trotz überzeugender Rennsiege in Melbourne und Spa passte das diese Saison meist nicht so wirklich mit Fahrer, Auto und Reifen, und wenn es nicht passt, dann ist Button leider der falsche Mann im Auto.

Langweiligstes Rennen: Es gab in diesem Jahr eine ganze Reihe von Rennen, die mich nicht zu begeistern vermochten. Ein einzelnes herauszupicken, fällt mir gerade wirklich schwer. Es gab sicherlich das ein oder andere WTCC-Rennen, das ich zum Zeitvertreib eingeschaltet habe, ohne ihm dann aber irgendeine Beachtung zu schenken, weil in den paar Minuten nichts nennenswertes passiert. Auch der indische Grand Prix war ziemlich unspannend und unspektakulär, aber ob es nun wirklich das langweiligste Rennen war, das ich in diesem Jahr gesehen habe, weiß ich nicht, schließlich neigt man auch dazu, die öden Rennen zu vergessen… ;-)

Racecontrol-Moment des Jahres: Ein spezieller Moment fällt mir hier nicht ein, aber die Strafen der Formel 1-Stewards sind wie so oft wieder einmal ein Diskussionspunkt gewesen. Dass man härtere Strafen wie die Sperre für Grosjean verhängt, finde ich an sich begrüßenswert, aber die Abstufung und Begründung sollte besser sein. Maldonado nur aufgrund früherer Vergehen für jeden Rennunfall zu bestrafen, ist unsinnig.

Aber auch die 12h von Sebring verdienen hier eine Nennung. Die Einteilung in neun separate Klassen und die entsprechende getrennte Wertung machten die ganze Idee eines gemeinsamen Rennens zunichte. Wenn das drittplatzierte mit Profis besetzte GTE-Auto nach einem spannenden Rennen trotzdem die vollen 25 Punkte für den Sieg bekommt, weil die beiden Wagen davor in der ALMS antreten, finde ich das nicht richtig. Das gleiche gilt auch für die Rennen in Spa und Silverstone, bei denen Gaststarter dabei waren, die für die Punktewertung schlichtweg unsichtbar waren. Wenn man schon nur an die Full Season-Teams Punkte vergeben möchte, dann wenigstens die der Position entsprechende Zahl – und wenn ein Gaststarter die Klasse gewinnt, bekommt eben niemand die 25 Zähler, aber bitte nicht der Zweitplatzierte!

Spruch des Jahres: Nachdem Brendon Hartley beim WEC-Lauf in Silverstone unterwegs ein Rad verlor und mit drei Rädern zurück an die Box humpelte, begrüßte ihn sein Teamchef Greg Murphy mit diesen Worten: „I told you to drive the wheels of it, but not literally, you kiwi Numpty!”

Glückspilz des Jahres: Fernando Alonso und Narain Karthikeyan, die beide Glück hatten, weil ihnen Autos über oder beinahe durch das Cockpit flogen. Ich will jetzt keine Debatte über geschlossene Cockpits entfachen, aber es ist gut, dass die FIA ein Auge darauf hat und über die Option nachdenkt und forscht.

Wünsche für 2013: Ich wünsche mir eine Saison, die mich in ihrer Gesamtheit wieder mehr begeistert als es die 2012er getan hat. Die Formel 1 vermag mich im DRS-Zeitalter nur noch selten wirklich zu fesseln, aber von der WEC erhoffe ich mich eine spannende Saison und ich hoffe, dass der ELMS-Relaunch geliegt und man ein ansehnliches Feld zusammenbringt. Und möglichst verletzungsfrei sollte die Saison selbstverständlich auch verlaufen, das ist das Wichtigste! Auch in diesem Jahr gab es wieder zu viele angeknackste Rückenwirbel und den einige Todesfälle, wenn auch nicht in den Serien, die ich verfolgt habe.

 

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