NASCAR: Analyse Martinsville Oktober 2012

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In Martinsville zog Brad Keselowski wie erwartet ein schweres Los, konnte aber trotz des Sieges von Jimmie Johnson den Schaden in Grenzen halten. Denny Hamlin dürfte sich durch seine technischen Probleme unterdessen aus der Titelentscheidung verabschiedet haben. Am Sonntag sah man ein abwechslungsreiches und turbulentes Rennen mit 11 Cautions.

Wie das halt auf einem Shorttrack immer so ist, gab es am Wochenende wieder viel Gerangel im Kampf um die so wichtige Track-Position. Die Kontrahenten waren sich oft nicht einig, was dann im üblichen Maß an Kleinholz und saurem Aufstoß endete. Eventuell ergibt sich hieraus ja noch die ein oder andere Privatfehde bis zum Jahresende. Besonders schwer hatten es daher diejenigen Fahrer, welche sich vom Ende des Feldes an die Spitze arbeiten mussten. Als beste Beispiele dafür kann man die Titelkandidaten Denny Hamlin und Brad Keselowski heranziehen: Während es bei Keselowski nach einem schlechten Qualifying aber eher gemächlich von Platz 32 auf 6 nach vorne ging, musste Hamlin innerhalb der Renndistanz gleich zwei Geschwindigkeitsübertretungen in der Boxengasse samt „tail end of the longest line“-Strafen wieder hereinfahren. Am Ende musste er sich aber mit einer großen Wahrscheinlichkeit trotzdem aus der Riege der Titelanwärter verabschieden:

In der Mitte der zweiten Rennhälfte geriet sein Toyota-Motor plötzlich ins Stocken und nahm kein Gas mehr an, was man zunächst mit einem Wechsel auf die Ersatzbatterie kurzfristig kurieren konnte. Zehn Runden später rollte die #11 allerdings komplett aus und musste in die Garage geschleppt werden. Hamlin beschrieb während seiner Schwierigkeiten einen leuchtenden Weihnachtsbaum in seinem Armaturenbrett, was die Fehleranalyse jetzt natürlich auch nicht einfacher macht. Gerüchte besagen lediglich, dass wohl der Hauptschalter der elektronischen Benzineinspritzung seine Arbeit eingestellt habe.

Auch wenn Hamlin gegen Rennende seine Fahrt noch einmal fortsetzen konnte, nützt ihm das wohl nichts mehr. Rang 33 ist nun gleichbedeutend mit 49 Punkten Rückstand in der Meisterschaft und so viel holt man für gewöhnlich in drei Rennen nicht mehr auf. Trotzdem bleiben wenigstens seine atemberaubenden Aufholjagden in Erinnerung, beim ersten Mal benötigte er nur gut 100 Umläufe, um von Platz 31 die Führung zu übernehmen. Dazu muss man aber sagen, dass Martinsville auch eine seiner erfolgreichsten Strecken ist und zudem neben Richmond eines seiner Heimrennen darstellt. Hamlin hätte also an diesem Wochenende auch durchaus in der Victory-Lane stehen können.

Gemächlicher lief die Aufholjagd für Brad Keselowski ab, der in Martinsville eine ganze Menge Schadensbegrenzung betreiben konnte. Der Shorttrack gehörte bisher nicht zu den Favoriten des Penske-Piloten und so markierte dann Platz 32 in der Qualifikation auch direkt die erste Ernüchterung im Hinblick auf den Sonntag. Über die Renndistanz hielt sich Keselowski aber schadlos und erreichte nach etlichen 2-Reifen-Stopps schließlich gegen Ende die Spitzengruppe. Ein weiterer, selbst erdachter Versuch, in der Schlussphase gar keine neuen Reifen mehr zu holen, schlug allerdings fehl. Ob Keselowski jedoch auch mit frischen Pneus noch in die Top5 hätte vordringen können, wage ich zu bezweifeln.

Immerhin konnte er mit Rang 6 noch einige Pünktchen gegen Jimmie Johnson retten, welcher in seinem „neuen Wohnzimmer“ nun schon die siebte Standuhr abgreifen konnte und jetzt auch mit 2 Zählern Vorsprung die Meisterschaft anführt. Johnson fuhr am Wochenende ein fehlerfreies Rennen und sicherte sich mit 193 von 500 möglichen Führungsrunden auch noch den Bonuspunkt für die meisten Umläufe als Spitzenreiter. Dabei hatte ich am Sonntag allerdings das Gefühl, dass Johnson in Martinsville deutlich aggressiver vorging als man das sonst von ihm gewohnt ist. Wenn er nicht in Führung lag, versuchte er mit allerlei Remplern wieder dorthin zu gelangen und wenn er an der Spitze fuhr, hatten selbst die Überrundeten nichts zu lachen.

Den am Ende der Führungsrunde liegenden Juan Pablo Montoya schickte Johnson zum Beispiel kurzerhand in einen Dreher, als es ihm zu bunt wurde, ständig aufgehalten zu werden. Ich will nicht sagen, dass Johnson unfair gefahren ist, aber seine Fahrweise hat mich zumindest sehr überrascht – das kennt man von ihm so eigentlich nicht. Montoya bekam dann zwar während der letzten Caution einen Lucky-Dog, allerdings reichte es nur noch zu Platz 20 für den weiterhin erfolglosen Kolumbianer. Etwas enttäuschend ist dieses Resultat natürlich schon, bedenkt man, dass Montoya in der ersten Rennhälfte lange Zeit in den Top10 mithalten konnte.

Den zweiten Platz hinter Johnson sicherte sich Kyle Busch, welcher in der Anfangsphase einen selbstverschuldeten Dreher auf den Asphalt legte und sich anschließend wie sein Teamkollege erst wieder vom Ende der Top30 an die Spitze vorarbeiten musste. Dort biss er sich aber gut fest und konnte in den Wirren der drei finalen Restarts noch einmal direkt bei Johnson anklopfen. Für einen Sieg hat es bei Busch nicht mehr gereicht und ich bin auch der Meinung, dass er nicht über das beste Auto des Tages verfügte. Das Endergebnis geht für Busch schon so in Ordnung.

Die Top5 komplettierten unterdessen Kasey Kahne, Aric Almirola und Clint Bowyer. Gerade Almirola überrascht in dieser Ergebnisliste durchaus, obwohl er auch schon in Kansas ein sehr gutes Rennen absolvieren konnte, bis er nach etlichen Führungsrunden wegen eines Reifenschadens ausschied. Dieses Top5-Ergebnis dürfte Almirola zudem die nächste Saison bei Richard Petty Motorsports gesichert haben, nachdem sich der eigentliche Spitzenkandidat Brian Vickers für ein weiteres Teilzeitjahr bei Michael Waltrip Racing entschieden hat.

Das letztgenannte Team trat mit Clint Bowyer am Wochenende wieder einmal besser auf als die direkte Toyota-Konkurrenz. Bowyer war mit seinen 154 Führungsrunden definitiv ein Siegkandidat, verlor die Spitzenplatzierung allerdings in der Boxengasse, weil er 150 Umläufe vor Schluss bei einem Green-Flag-Pitstop den Motor abwürgte. An Johnson kam Bowyer danach leider nicht mehr vorbei, konnte aber in einem erbitterten Schlusskampf mit Jeff Gordon wenigstens noch knapp die Top5-Platzierung retten. In der Meisterschaft kostete ihn dies zum Glück nicht zu viele Punkte und mit seinen 26 Zählern Rückstand auf die Spitze ist er auch noch nicht ganz aus der Anwartschaft gestrichen. Vermutlich braucht Bowyer aber noch einen weiteren Saisonsieg, um gleichzeitig auf Johnson UND Keselowski aufzuholen.

Kasey Kahne klammert sich mit seinem dritten Rang derweil heftig an die letzten verbliebenen Meisterschaftschancen, immerhin weist er nun schon einen Rückstand von 29 Punkten auf. Ebenso wie bei Bowyer ist das noch machbar, doch auch Kahne benötigt dazu dringend einen dritten Saisonsieg. In Phoenix sollte sich ihm diesbezüglich eine gute Gelegenheit bieten.

Generell hätte Hendrick Motorsports am Wochenende ein noch besseres Ergebnis einfahren können, immerhin lag man zwischenzeitlich geschlossen in den Top5. Jeff Gordon (7.) hatte jedoch Pech, dass er die letzten beiden Restarts auf der langsameren Außenbahn in Angriff nehmen musste,  während Dale Earnhardt Jr (21.) die Keselowski-Strategie anwendete und mit diesem gemeinsam die Führung übernahm. Auf der äußeren Linie verlor er mit den alten Reifen jedoch schnell an Boden und wurde zudem im Mittelfeld in ein Techtelmechtel mit Sam Hornish Jr und Carl Edwards verwickelt, was Junior sogar noch ein sicheres Top15-Resultat kostete.

Auch stark: Bobby Labonte (9.) erreichte für das kleine Team von JTG ein Top10-Ergebnis.

Etwas enttäuscht war ich wegen der Leistung von Brian Vickers, der 27 Führungsrunden einfahren konnte und dann am Ende trotzdem nur auf Platz 8 ins Ziel kam. Die letzten beiden Restart haben ihn dann seines verdienten Top5-Resultats beraubt. Sein Teamkollege Martin Truex Jr (23.) bekam nach einer Durchfahrtsstrafe kein Bein mehr auf den Boden und vergab ein ähnliches Ergebnis.

Ganz böse erwischt wurden Tony Stewart (27.) und Kevin Harvick (32.): Stewart trat überhaupt nicht in Erscheinung und fing sich glatte zwei Runden Rückstand ein, während Harvicks Chevrolet-Aggregat das Opfer eines Motorschadens wurde.

Auf die Situation in der Meisterschaft bin ich ja verstreut innerhalb des Artikels schon etwas genauer eingegangen, daher hier nur noch so viel: Jimmie Johnson führt nach seinem Sieg jetzt mit 2 Punkten vor dem überholten Brad Keselowski, während sich dahinter Clint Bowyer (-26) und Kasey Kahne (-29) an einem winzigen Strohhalm festklammern. Denny Hamlin dürfte mit 49 Zählern Rückstand aus der Entscheidung draußen sein. In der nächsten Woche geht es auf den 1,5-Meiler in Texas, bevor Phoenix und Homestead den Saisonabschluss bilden. Derzeit sieht im Finale alles nach einem SchlussDUELL aus.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!).

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