Die WM ist praktisch auf Null gestellt, die letzten 5 Rennen müssen die Entscheidung bringen. Und Korea ist eine Strecke, auf der man Vor- und Nachteile der Teams schwer einschätzen kann.

In der Kategorie der “Nein, das ist kein wichtiges Teil, das macht uns nicht schneller” Aussagen führt in diesem Jahr eindeutig Red Bull. Zu Beginn der Saison, als die angeblasenen Doppel-Diffusor verboten wurden, hieß es “Ach was, sooo wichtig war das nicht.” Und das galt auch für das Mapping, die Flexi-Wings und die Löcher im Unterboden. Und dieses Mal ist es das extrem einfache, aber ebenso geniale Doppel-DRS, mit dem Red Bull in Japan aufgetaucht ist. “Nein, nein,” sagte Christian Horner, “das bringt gar nicht so viel”. Also kann man davon ausgehen, dass es, zusammen mit einer komplett neuen Nase, doch einiges bringen wird. Und in Korea ist das D-DRS auch nicht gerade unwichtig.

Die Strecke gehört jetzt nicht unbedingt zu den Glanztaten von Hermann Tielke. Zu dessen Verteidigung muss man aber auch sagen, dass die Koreaner die Strecke so haben wollten. Immerhin sollte da ja mal eine ganze Stadt nebst Hafen um den Kurs gebaut werden. Wie es da heute aussieht wird man Freitag sehen. Aber viel ist da vermutlich nicht passiert. Im letzten Jahr fanden die Teams die Vorräte im Kühlschrank, die man im Jahr zuvor zurück gelassen hatte.

Im Grunde hat die Strecke genau zwei Überholstellen: Ende Start/Ziel und am Ende der danach folgenden langen Geraden. Eine kleine Möglichkeit ergibt sich in Turn 4, sollte der Vordermann sich in T3 verbremst haben. Das war es dann aber auch schon. Der Rest der Strecke ist zwar schön zu fahren und bietet den Fahrern einige Chancen einen Fehler zu machen, aber überholen kann man da sicher nicht. Um etwas mehr Action zu bekommen hat die FIA die einzige DRS-Zone in diesem Jahr verlängert. 80 Meter früher darf man auf der Gegengeraden den Heckflügel flachstellen. Das ist einerseits nett, andererseits ist gerade die Stelle nicht so ungefährlich, wie man in den letzten Jahren immer wieder gesehen hat. Die Boxeneinfahrt liegt genau auf der Ideallinie.

Ausgehend von der Strecke mit ihren sehr vielen mittelschnellen Kurven, sollte Red Bull in Korea die Nase vorne haben. Dank des D-DRS kann man etwas mehr Abtrieb aufs Auto packen, was ein Vorteil sein sollte. Dennoch sollte man sich in Erinnerung rufen, das der Red Bull mit mittelschnellen Kurven in diesem Jahr nicht immer so gut klar gekommen ist.

Was die Chancen für McLaren wieder erhöht. Warum das Team in Suzuka so schlecht war, hat man nicht kommuniziert. Es könnte an den harten Reifen gelegen haben, aber auch daran, dass man sich grundsätzlich im Setup vertan hatte. Rätselhaft ist es allemal, zu Mal man nicht mal an den Speed der Sauber heran kam. Die WM-Chancen für Hamilton, der 42 Punkte hinter Alonso liegt, kann man eh nur noch als marginal bezeichnen. McLaren wird sich darauf konzentrieren, ein paar Siege zu holen.

Bei Ferrari hängt man mit den Updates hinterher, was deren schlechte Leistung in den letzten Rennen teilweise erklärt. Wie erwähnt hat man den eigenen Windtunnel dicht gemacht und testet jetzt bei den Ex-Kollegen von Toyota in Köln. Das ist dennoch nicht optimal, zum einem wegen der Entfernung, zum anderen, weil man die System vermutlich nicht zu 100% aufeinander angestimmt hat. Der Unterschied zwischen den CFD-Simulationen und der realen Welt ist dann doch größer, wie Nick Wirth von Marussia schon mal feststellen konnte. Die Probleme bringen Ferrari etwas ins Hintertreffen und das zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Während Red Bull weiter an der Update-Schraube dreht, kann Ferrari das Tempo nicht mit gehen. Das verzögert zu dem die Entwicklung für das nächstjährige Fahrzeug. Grundsätzlich liegen dem F2012 die mittelschnellen Kurven aber besser als die schnellen aus Suzuka.

Lotus bringt in Korea endlich den neuen Auspuff im Stil von Sauber, McLaren und Red Bull. Man war das letzte Team aus der Spitzengruppe, dass noch auf die alte Lösung gesetzt hat. Aber wie man bei Mercedes sehen kann, bringt das Update nicht zwingend einen Schritt nach vorne. Lotus musste das gesamte Heck umbauen, was auch bedeutet, dass man neue Abstimmungswerte suchen muss. Räikkönen ist zwar noch nicht ganz aus der WM raus, aber er braucht schon sehr viel Glück und Lotus müsste rund 1 Sekunde finden, wenn man die WM für sich entscheiden möchte.

Bei Mercedes wird man die Saison schon abgehakt haben. Spätestens seit der Verpflichtung von Hamilton sollten die gesamte Konzentration auf der Entwicklung der 2013er Autos liegen. Dementsprechend wird man in den letzten fünf Rennen vermutlich keinen Blumentopf gewinnen. Interessant wird sein, ob man das komplizierte F-Duct/D-DRS Dings einsetzen wird, mit dem man in Magny-Cours unterwegs war

Die Deutschen werden sich sowieso eher an Sauber und Force India orientieren müssen. Sauber hat nach dem dritten Platz in Suzuka schon angekündigt, dass man gerne mehr Podien sehen würde und sich dazu auch in der Lage fühlt. Ob das in Korea der Fall sein, ist dann eine andere Frage. Die Leistungen des Saubers schwankten über die gesamte Saison wie ein betrunkener Seemann nach dem ersten Landgang.

Force India wirkt dagegen etwas stabiler, auch wenn sie nicht ganz auf dem Niveau von Sauber unterwegs sind. Die Inder kämpfen weiterhin mit einem etwas höheren Reifenverschleiss, auch wenn dies bei den harten Reifen weniger ins Gewicht fällt. Vom Speed her sollten sie auf jeden Fall in Top Ten Reichweite sein.

Das gilt allerdings auch für Williams, zumindest für Pastor Maldonado. Es ist mittlerweile ein offenes Geheimnis dass Williams im nächsten Jahr nicht mehr auf Bruno Senna setzen wird. Stattdessen soll Valeri Bottas zum Zug kommen, der ja praktischerweise von Williams-Mitbesitzer Toto Wolff gefördert wird. Der Kurs sollte dem FW34 liegen, eine Überraschung durch Maldonado in der Quali halte ich nicht für ausgeschlossen.

Strategie:

Pirelli bringt die Mischungen Soft/Supersoft an die Strecke. Auch wenn die Belastung wegen der sehr kurvenreichen Sektoren 2 und 3 sehr hoch ist, die Temperaturen sind normalerweise um die Jahreszeit nicht. Die Mischungen bevorzugen eindeutig Fahrer, die sanft mit den Reifen umgehen. Jenson Button wird sich freuen. Im letzten Jahr hielten die Supersoft ungefähr 10 Runden, in diesem Jahr könnte es etwas mehr sein. Bleibt die Frage, ob man zweimal oder dreimal stoppt. Der Zeitverlust an der Box ist wegen der langen An- und Abfahrt relativ groß, so dass auf dem Papier die Zwei-Stopp-Strategie besser sein sollte. Der Zeitunterschied zwischen beiden Mischungen dürfte bei 0,6 bis 0,8 Sekunden Sekunden liegen.

Wegen der mangelnden Überholmöglichkeiten werden wohl nur wenige Teams das Risiko eingehen im letzten Stint auf die Supersoft zu setzen. Sauber und evtl. Jenson Button könnten sich diese Strategie erlauben, was für eine interessante Schlussphase sorgen könnte.

Wenn denn nicht das Wetter die ganze Sache wieder auf den Kopf stellt. Bis Samstag sehen die Prognosen einen schönen Spätsommertag mit bis zu 22 Grad. Über Nacht soll regnen und auch während des Rennens können leichte Schauer auftreten. Das wird man aber erst Sonntag genau wissen.

Die Übertragungszeiten sind wie in Japan und im TV-Planer zu finden.

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