Formel Eins: Hamilton zu Mercedes, Perez zu McLaren

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Da ist die Entscheidung. Hamilton wird also zu Mercedes wechseln. McLaren hat sich etwas überraschend Sergio Perez und geschnappt. Und Schumacher ist aus allem raus, tritt aber, zunächst, nicht zurück.

Die erste, relativ sichere Meldung, dass Lewis Hamilton zu Mercedes wechseln würde, lieferte Ross Brawn gestern in einem Interview mit BBC. Jedes ambitionierte Team würde gerne einen Top-Fahrer haben, die Entscheidung für oder gegen Schumacher sei schwierig. Heute hat man dann, fast wie erwartet, einen der momentan besten F1-Fahrer verpflichtet, den man bekommen kann. Angedeutet hatte sich die Sache schon im Frühsommer, Eddie Jordan machte die Sache publik und Bernie Ecclestone bestätigte den Wechsel mehr oder weniger im Vorbeigehen beim Rennen in Spa, als er meinte, dass es schade sein, dass man Schumacher verlieren würde. Natürlich hatte Ecclestone sich nicht verplappert, er hatte seine eigene Agenda. Zum einen sind derartige Spekulationen für die F1 immer gut, zum anderen hatte Mercedes zu diesem Zeitpunkt das neue Concorde Agreement nicht unterschrieben. Und hier wurde die Sache dann kompliziert.

Offenbar konnte/wollte Lewis Hamilton nicht bei Mercedes unterschreiben, wenn diese nicht als Mercedes in der Formel Eins unterwegs sein würden. Gerüchte, dass man den Namen Mercedes streichen und AMG dafür einsetzen würde, hatte es über den Sommer genügend gegeben. Gleichzeitig schwelte ein Streit zwischen Mercedes und Ecclestone in Sachen Geld und Beteiligung. Bekanntermaßen wollte Bernie den Deutschen weniger geben, als die wiederum wollten. Die Situation war festgefahren, man setze daraufhin Niki Lauda (!) als Mittelsmann ein.

Im Grunde hing die Sache dann an der Entscheidung des Vorstandes. Der tagte wiederum letzten Mittwoch. Offenbar fiel dort die Entscheidung das Concorde Agreement zu unterschreiben und Hamilton den Vertrag (und das Geld) zu geben. Die späte und für McLaren scheinbar überraschende Entscheidung von Lewis Hamilton, lässt McLaren mit einem großen Problem zurück: Es gibt keine erfahrenen Topfahrer auf dem Markt.

McLaren betonte heute, dass man erst am Mittwoch von der Entscheidung Hamiltons gewusst habe. Aber das stimmt nicht so ganz. Martin Whitmarsh muss im Sommer geahnt haben, was da auf ihn zukommen würde. Vor drei Wochen war Sergio Perez in Maranello. Da schien völlig klar zu sein, dass bei Ferrari den angeschlagenen Massa mit Perez ersetzen würde. Tatsächlich hatte McLaren aber Perez ein Angebot gemacht, dass sich dieser allerdings von Ferrari absegnen lassen musste, weil der Mexikaner zur Ferrari Nachwuchsförderung gehört. Offenbar war es auch eine “Wenn, dann” Entscheidung. Also wenn Hamilton McLaren wechseln würde, dann würden wir gerne Perez haben.

Entscheiden hat sich dann alles am Mittwoch, nach der Entscheidung des Daimler Vorstandes. Ein Wunder, dass das zwei Tage unter Verschluss bleiben konnte. Da die Tragweite der Entscheidung für beide Teams aber so groß ist, musste man auch schnell handeln. Sicher hätte man mit der Bekanntgabe lieber bis Japan gewartet.

Was bedeutet das für die einzelnen Teams?

Mercedes:
Keine Entschuldigung mehr. Man hat einen der drei besten Fahrer der Welt, dazu einer, der auch mit nicht ganz so gutem Material vorne fahren kann. Der Vertrag läuft drei Jahre, vermutlich ist das letzte Jahr nur eine Option die Erfolgsabhänig ist. Damit ist klar, das man innerhalb zwei Jahren den WM-Titel sehen will. Und ich vermute mal, dass dies auch eine Vorgabe des Vorstandes ist.
Schumacher ist damit raus aus dem Team. Das war zu erwarten und für Mercedes eigentlich die einzige Chance, Schumacher ohne großen publizistischen Aufruhr los zu werden. Hätte man zum Beispiel Hülkenberg für Schumacher genommen, wäre das Entsetzen groß gewesen. Aber Hamilton?
Ob sich Mercedes mit Hamilton einen Gefallen getan? Sicher, er ist schnell, intelligent und ehrgeizig. Dazu kommt, dass er vor allem in Asien Popstar-Status hat. Einen besseren Werbeträger kann man sich gar nicht vorstellen. Auf der anderen Seite: Hamilton gilt als launisch, seine Manager ist Simon Fuller, der eigentlich nur Popstars unter seine Fittiche nimmt und andere Interessen verfolgt, als ein traditioneller Fahrermanager. Wenn Hamilton abgelenkt ist und keine Lust, kann es auch mal so wie 2011 laufen.

McLaren
Als McLaren Wind davon bekam, dass Hamilton gehen möchte, war es schon zu spät. Webber war vom Markt, Vettel nicht zu haben, Rosberg sicher bis 2015 bei Mercedes. Die Situation für Whitmarsh war nicht schön, zumal der Hauptsponsor Vodafone Ende 2013 vermutlich aussteigen möchte. Der Verlust des Top-Piloten hilft da nicht. Die Optionen für McLaren lauteten: Sutil, Hülkenberg, Di Resta, Perez. Sutil fällt raus wegen seiner Vorstrafe und der Tatsache, dass er keine Erfahrung mit den diesjährigen Reifen hat. Ich hatte fest auf di Resta gesetzt, aber die Entscheidung von Whitmarsh für Perez macht mehr Sinn.
Nicht weil der Mexikaner unbedingt schneller ist als di Resta, aber hinter Perez steht Carlos Slim, dem wieder Telmex gehört, das größte Telekommunikationsunternehmen in Südamerika. Geht Vodafone, besteht also die Möglichkeit, dass Telmex übernimmt.
McLaren geht ein Risiko ein. Ob Perez wirklich so gut ist, wird sich zeigen. Klar ist jetzt schon, dass man eine schwierige Saison 2013 haben wird. Button ist WM-Kandidat, ist aber in der Quali selten so schnell wie Hamilton. Perez wird seine Zeit brauchen und es wird sich zeigen, ob er wirklich so schnell ist, wie alle glauben. Seine mangelnde Erfahrung, er fährt erst seine zweite Formel Eins Saison, kommt hinzu.

Sauber
Heute tauchte die Vermutung auf, dass Sauber Schumacher ein weiteres Jahr einsetzen wird. Das wäre nett, wird aber nicht passieren. Im Moment gibt es zwei Gerüchte: Entweder holt man sich Kovalainen von Caterham, oder man schnappt sich Alguersuari. Der Spanier tweetete letzte Woche, dass er 2013 wohl in der F1 sein wird.

Schumacher
Eine Pole geholt, auf dem Podium gestanden. Aber ein Cockpit hat er nicht. Wann ist das einem Fahrer zu letzt passiert? Die bisherigen Aussagen von Schumacher klangen nicht nach Rücktritt. Sauber hatte angedeutet, dass man Schumacher gerne im Management sehen würde, aber da will Schumacher, nach seinen Erfahrungen bei Ferrari, wohl nicht hin. Bleibt die Frage: Wo könnte er hin gehen? Als einziges Team fällt mir da Williams ein, die eventuell Senna ersetzen wollen. Ich sehe aber nicht, dass Toto Wolff, der bei Williams mehr oder weniger das Sagen hat, Schumacher haben will. Eher möchte er seinen Schützling Valeri Bottas einsetzen, an dessen Einnahmen er beteiligt ist. Auf der anderen Seite: Schumacher könnte Sponsoren für das arg gebeutelte Team anlocken.

Die Variante Ferrari (für Massa) scheint so absurd, dass sie unvorstellbar ist. Aber auf der anderen Seite… wer hätte zu Beginn der Saison gedacht, dass Sergio Perez zu McLaren wechselt?

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About DonDahlmann

Don Dahlmann ist Journalist, Gründer & Chefredakteur des Racingblog.

5 Kommentare zu “Formel Eins: Hamilton zu Mercedes, Perez zu McLaren

  1. nepomunich
    28 September, 2012 at 13:21

    hm, da wird munter drauf los spekuliert und du reimst dir da vieles zusammen. eine Analyse sollte deutlich argumentationsstärker sein

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  2. DK
    28 September, 2012 at 15:51

    “Die Variante Ferrari (für Massa) scheint so absurd, dass sie unvorstellbar ist.”

    Ja, das wärs doch. Schumi noch eine Abschiedssaison bei dem Team, welches er wieder groß gemacht hat (ok, zusammen mit Todt/Brawn) und seine größten Erfolge gefeiert hat. Da könnte er zugleich seine Erfahrung einsetzen, um einen jungen Fahrer für 2014 aufzubauen (z.B. Bianchi), da ja jetzt die Option Perez weggefallen ist. Ist halt nur die Frage, ob das Schumacher soviel wert sein könnte, als dass er sich vom etablierten Alonso bügeln lässt…

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  3. Flo aus N
    28 September, 2012 at 16:48

    @nepomunich: Die Sache mit der Vorstandssitzung und dem nicht unterzeichneten Concorde Agreement ist bei Leibe nichts erfunden. Hamilton wird wohl kaum bei einem Team unterschreiben, welchen das CA nicht unterschrieben hat, denn das könnte darauf hinauslaufen, dass er zwar nen Vertrag hat, MGP aber keinen mit Bernie, was seinen wiederum stark entwertet.

    @DK: Jules Bianchi war mal im Förderprogramm für Ferrari drin, viel dann aber Ende 2011 aus jenem heraus und spielt damit wohl keine Rolle mehr. Auch mit Perez dürfte es eng werden, denn wenn jener wirklich nen Vertrag über mehrere Jahre bei McLaren unterschrieben hat, dann wird sich auch Ferrari hart tun, an ihm heranzukommen. Von daher seh ich eher Massa noch 1 Jahr bei Ferrari fahren, was aber nur eine Verschiebung des Problems eines 2. guten Fahrers bedeuten würde, denn ich wäre mir auch nicht so sicher, dass Paul Di Resta einfach so von Force India bzw. Mercedes weg kann.

    Auch seh ich Schumacher sicher nicht bei Ferrari, denn das Tuch dürfte zwischen ihm und Montezemolo doch etwas stärker zerrissen sein, da Luca zum einen Kimi verpflichtet hatte und somit Schumacher zum Rücktritt zwang, zum anderen, da die Zeit als Berater wohl vor allem gegen Ende nicht mehr ganz so glücklich verlief. Auf jeden Fall hat Ferrari nun ein relativ großes Problem was nun nochmals größer wurde, da der Wunschkandidat nun weg ist: einen guten 2. Fahrer zu finden.

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  4. nona
    28 September, 2012 at 16:58

    Mercedes hatte auch vorher keine Entschuldigung(en), realistisch betrachtet. Rosberg gehört zu den (noch) jungen Top-Fahrern mit viel Erfahrung, und ein Schumacher ist auch jenseits der 40 nun nicht gerade ein Nasebohrer. Seit Mercedes beim Brawn-Team involviert ist war praktisch zu jedem Zeitpunkt offensichtlich, dass das Auto der begrenzende Faktor ist, nicht die Fahrerpaarung. Wirklich *konsistent* besser als das maximal viertbeste Team im Feld waren sie mit diesem Material eigentlich bis jetzt nie.

    Schumacher hat’s natürlich irgendwo selbst verzockt. Hätte er sich im Sommer mit Mercedes hingesetzt und die Verlängerung fix gemacht, wäre die Sache gegessen gewesen – sofern er denn überhaupt noch wirklich fahren will, er scheint ja durchaus noch mit sich zu ringen. Um Geld geht’s bei ihm ja nicht, nur um Rahmenbedingungen und eigene Motivation.

    Perez bei McLaren hielt ich zunächst für abwegig, aber mit etwas Überlegung macht das doch Sinn. Von der Sponsorensituation mal abgesehen ist das unter den jungen aufstrebenden Fahrern mit Anfangserfahrung der offensichtlichste Kandidat für ein Topteam, das ein Cockpit mit Zukunftspotential und Perspektive an der Seite eines älteren erfahrenen Piloten zu besetzen hat. Sicherlich weit naheliegender als einer der diversen Test-/Reservefahrern oder Leute aus den Förderprogrammen.

    Von wegen Fahrermarkt, ich werfe mal einen Namen in die Runde: Nick Heidfeld. Der hat seine Fühler zwar durchaus auch breiter ausgestreckt, aber sollte sich in der F1 ein Cockpit für einen schnellen erfahrenen Entwicklungspiloten auftun, ist der definitiv interessiert zurückzukehren. Meines Erachtens naheliegender als andere ausdrücklich Interessierte die sich immer wieder mit Aussagen ins Spiel bringen, wie z.B. Buemi oder Alguersuari. Aber wer weiss was sich zum Ende der Saison hin durch Abgänge nicht noch alles für Cockpits auftun (sagen wir mal: Petrov).

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  5. Wolli
    28 September, 2012 at 17:08

    Der Name Heidfeld dürfte verbrannt sein nach dem Renault Ersatzfahrer Debakel.

    Grosser Verlierer für mich ist Ferrari. Da man selber kein nenneswertes Förderprogramm fährt, muss man wie immer Fahrer von anderen Teams einkaufen. Und da haben viele gute Verträge bzw keine Erfahrung mit der 2012 Reifengeneration. Und Buemi oder Alge bei Ferrari? Da wird man wohl mit Massa weitermachen und so tun, als sei das schon immer die ganz gute Lösung gewesen.

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