Das wohl schnellste und kürzeste Rennen steht auf dem Programm. Monza ist eine einzige Hochgeschwindigkeitsorgie. Hinter den Kulissen wartet alles auf eine Entscheidung von Lewis Hamilton.

Schon fast traditionell verabschiedet sich die Formel Eins mit dem Rennen in Monza aus Europa. Die Strecke braucht man nicht mehr vorstellen und auf den ersten Blick sieht es nach einer leichten Strecke aus. Aber der Teufel liegt auch in Monza im Detail, bzw. in beiden Lesmo-Kurven und der Parabolica. Erstaunlich, wie viele Fehler man in diesen drei Ecken jedes Jahr sieht. Allerdings gewinnt und verliert man hier auch die Zeit, denn der Vollgasanteil in Monza beträgt atemberaubende 75%. 11% der Zeit steht man auf der Bremse, den Rest rodelt man durch die Kurven. Mit anderen Worten: Die Zeit holt man über die Traktion, die Kurvengeschwindigkeit und die Bremse. Und natürlich den Topspeed, denn man erreicht gleich vier Mal die 300er Marke, am Ende der langen Start/Zielgerade werden es so um die 330 km/h sein. Ohne DRS. Dementsprechend sind die Wagen klar im Vorteil, die einen guten Topspeed haben.

Doch ganz so einfach ist das nicht, wie man im letzten Jahr gesehen, als Red Bull gewinnen konnte. Der RB7 war auf der Geraden bis zu 12 km/h langsamer, Vettel gewann das Rennen dennoch. Möglich wurde dies durch den angeblasenen Diffusor und die flexiblen Frontflügel von Red Bull, die dem Wagen derartig viel Abtrieb geben gaben, dass Vettel einfach schneller aus den Kurven raus kam. Der Verlust beim Topspeed fiel dann nicht mehr ins Gewicht.

Der angeblasene Diffusor ist, ebenso die Flexi-Wings und das extreme Motor-Mapping sind aber Geschichte und wie man in Spa sehen konnte, hilft der Topspeed dann doch. Sichtbar war das ausgerechnet an den Telemetriedaten, die Hamilton gepostet hatte. Mit dem Heckflügel, der mehr Abtrieb erzeugte, verlor er die meiste Zeit die Kemmel Gerade hinauf, im zweiten Sektor holte er dann wieder auf. Für Monza bedeutet dies, dass die Teams alle Flügel abschrauben werden.

Schaut man sich die Geschwindigkeiten aus Spa an, sieht man, dass Ferrari sehr schnell war, aber grundsätzlich lag man dicht beieinander. Die TV-Bilder zeigten, dass Mercedes und Ferrari einen guten Topspeed hatten, McLaren fiel nicht weiter auf, aber Button lag ja auch die gesamte Zeit an der Spitze. Red Bull war nicht schlecht unterwegs, aber Webber und Vettel steckten oft im Windschatten und kamen trotzdem nicht vorbei. Lotus war ebenfalls nicht sonderlich schnell.

Dazu kommen noch Toro Rosso, Force India und Sauber, die auf den Geraden sehr gut unterwegs waren. Dementsprechend könnte man in Monza ein sehr gemischtes Starterfeld sehen, mit einigen Überraschungen auf den ersten Plätzen. McLaren scheint im Moment das beste Paket zu haben, das sollte in Monza auch nicht anders sein. Aber Sauber und Mercedes sind durchaus eine Gefahr, und das nicht nur in der Qualifikation. Pirelli spielt in Italien die sichere Karte und bringt wie in Spa die harte und medium Mischung an die Strecke. Das ist nachvollziehbar, besonders weil man ja nie weiß, wie heiss es in Monza wird. Die harten Mischungen liegen mittlerweile fast allen Autos, hier sollte es also keine großen Unterschiede geben.

Bei den Boxenstopps wird es keine Überraschungen geben: Wie schon immer, werden die meisten Teams mit einem Stopp auskommen, mehr macht aus zwei Gründen keinen Sinn. Zum einen ist der Zeitverlust zwischen den Medium und den Hart nicht sehr groß, er liegt bei 0,2 Sekunden und wird vermutlich geringer, wenn die Strecke genug Gummi hat. Zum anderen kostet ein Stopp in Monza richtig viel Zeit, weil man mit 80 km/h durch die Box schleicht, während die Konkurrenz mit 310 km/h draussen vorbei rauscht. Problematisch könnten aber die Temperaturen werden, es soll bis 30 Grad warm werden. Die Reifen werden in Monza wegen der hohen Geschwindigkeiten extrem belastet, es ist die einzige Strecke, auf der man schon mal Blasen auf den Reifen sehen kann. Die Teams werden vor allem am Freitagnachmittag austesten, wie lange man die Medium-Reifen fahren kann.

Insgesamt wird man sich auf ein spannendes und sehr enges Rennen einstellen können. Ich vermute, dass die Abstände sehr gering sein werden, dazu kommt, dass man, wie in Spa gesehen hat, mit den Wagen mittlerweile auch recht dicht in den Kurven an den Vordermann ranfahren kann. Der Einsatz von KERS und die DRS-Zone (Start-Ziel und zwischen der letzten Lesmo und der Ascari) werden entscheidende Bedeutung haben. Ein Auge sollte man auf Jerome D’ Ambrosio werfen, der den gesperrten Romain Grosjean ersetzt. Monza ist eine gute Strecke für einen Einsatz, zum dem kennt der ehemalige Marussia-Pilot die Strecke sehr gut. Man wird von ihm nicht erwarten, dass er in Q3 kommt, aber irgendwas um P10 herum wäre schon nett.

Es fällt schwer, einen Favoriten zu bestimmen. McLaren vielleicht, eventuell überrascht wieder einmal Sauber. Mercedes hat, wenn sie denn nicht wieder in Reifenprobleme kommen, eine Chance auf das Podium. Lotus wird sich schwer tun und ich vermute auch Ferrari. Ein Alonso-Sieg in Monza wäre für die Fans eine schöne Sache, aber die Chancen stehen eher nicht so gut.

Hinter den Kulissen bewegt sich auch einiges. Wie im Podcast schon besprochen, scheint Hamilton im Moment in ernsthaften Gesprächen mit Mercedes zu sein. Das macht für Hamilton sportlich gesehen auf den ersten Blick wenig Sinn. Langfristig betrachtet aber vielleicht schon. Der W03 ist nicht sonderlich gut, aber besteht kein Grund zur Annahme, dass das Team um Ross Brawn die Fehler nicht ausmerzen kann. Wie schnell sich die Gewichte in der F1 verschieben hat man in diesem Jahr gesehen. Dazu kommt, dass ab 2014 neue Motoren kommen, vermutlich will man dann in einem Werkswagen sitzen. Die Gerüchteküche besagt zu dem, dass Mercedes, dank arabischer Unterstützung, 25 Millionen pro Saison auf den Tisch legen will. Alle Seiten halten sich im Moment bedeckt, es gibt aber auch keine Dementis. An der Sache ist also mehr dran, als man denkt.

Gerüchte gibt es auch um Nico Hülkenberg (ebenfalls siehe Podcast). Meinen Informationen nach ist noch nichts fest, aber Ferrari sucht wohl einen Fahrer, der für ein Jahr Massa ersetzen kann. 2014 will man Perez in den Wagen heben und ihn als Alonso-Nachfolger aufbauen, der 2015 oder 2016 aufhören möchte. Für Hülkenberg ist das natürlich eine Chance, aber offenbar ist er im Moment sowieso sehr begehrt. Wenn Hamilton McLaren verlässt und die Briten nicht Räikkönen bekommen (Lotus hat das schon kategorisch ausgeschlossen), wird man an Hülkenberg interessiert sein. Oder Paul di Resta, aber der Deutsche macht im Moment im Rennen den besseren Eindruck. Sollte Räikkönen aber dennoch zu McLaren wechseln wollen (und können) steht der Deutsche wiederum wohl auch weit oben auf der Liste von Lotus. Bewegung wird in die ganze Sache aber erst reinkommen, wenn sich Hamilton entschieden hat.

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