Getreu nach dem Motto „Wenn die ersten beiden Reihen sich streiten, freut sich die dritte!“ übernahm Jeff Gordon beim letzten Restart die Führung und wurde kurz danach aufgrund des erneut einsetzenden Regens zum Sieger gekrönt. Grund zum Feiern gab es jedoch eher weniger, denn das Unwetter forderte unglücklicherweise ein Todesopfer auf Seiten der Fans.

Aus diesem Grund schieben wir die Analyse ein wenig nach hinten und sprechen kurz über die unschönen Vorfälle nach dem Abbruch des Rennens. Dazu zunächst ein Zeitablauf der Geschehnisse: Spätestens zur Halbzeit der Veranstaltung war klar, dass sich eine weitere Unwetterzelle der Strecke näherte und das Rennen möglicherweise nicht bis zum geplanten Ende würde absolviert werden können. Aus Gründen der Sicherheit informierte der Streckenbetreiber daher die anwesenden Fans bereits um 16:12 Uhr über die Unwetterwarnung, während die Wagen natürlich noch munter auf dem Oval um Positionen kämpften. Eine knappe halbe Stunde später begann dann der Regen und sorgte innerhalb einer Runde recht schnell – um 16:44 Uhr – für eine Unterbrechung des Rennens.

Weitere zehn Minuten später stand dann Sieger Jeff Gordon in einer eher provisorischen Victory-Lane, da man die Strecke zur vorgerückten Stunde schließlich aufgeben musste. Zum Trocknen hätte man nach dem Gewitter nämlich weitere zwei Stunden benötigt, weshalb das Oval erst zur Dämmerung und damit ohne Flutlicht viel zu spät wieder einsatzbereit gewesen wäre. Um 17:01 Uhr ereignete sich dann die erwähnte Tragödie, als Brian F. Zimmerman aus Moosic, Pennsylvania auf dem Parkplatz an seinem Auto lehnend vom Blitz getroffen wurde. Außerdem wurden neun weitere Personen bei diesem und einem weiteren Einschlag verletzt. Zunächst möchte ich natürlich der Familie des Opfers unser aller Beileid aussprechen und ihnen alles Gute in dieser schwierigen Zeit wünschen.

Erst jetzt kommen wir nun zu der Frage, ob alle Beteiligten richtig gehandelt haben: Es gab also tatsächlich eine Warnung an der Strecke, was auch erklärt, warum die Tribünen zum Finish nur noch zur Hälfte gefüllt waren, während sie am Anfang des Rennens nahezu ausverkauft aussahen. Warum haben sich nicht alle Fans in Sicherheit begeben? Ed Klima, der Verantwortliche für den Rettungsdienst am Dover International Speedway brachte es wohl am besten auf den Punkt, indem er sagte: „it’s very difficult to get people to leave if there’s still cars going around the racetrack.“

Vielleicht sollte man an dieser Stelle überlegen, das Rennen bei einem so offensichtlich nahenden Unwetter schon vorher zu unterbrechen. Brian Neudorff, der selbsternannte inoffizielle Meteorologe der NASCAR, blies in ein ähnliches Horn: „If lightning is eight to 10 mile away, clear the stands. If lighting is present, NASCAR should red flag the race. If you can hear thunder, you can be struck by lightning. Obviously, fans would not be very appreciative of evacuating, especially if it’s not raining at the time. But safety first.“

Als etwas schwach empfand ich jedoch die offizielle Reaktion der NASCAR, welche lediglich in Form eines Statements per Marketing-Sprecher David Higdon erfolgte und besagte, dass die Sicherheit der Fans letztlich in der Verantwortung der Streckenbetreiber läge. Er fügte hinzu, dass in Pocono niemand der Verantwortlichen unaufmerksam gewesen wäre und es auf vielen Strecken für diesen Fall zudem überhaupt gar kein Sicherheitskonzept gäbe. In der Zukunft würde man aber sicherlich genau die Vorgehensweisen überprüfen und notwendige Änderungen umsetzen. Naja, klingt für mich ein wenig schwammig, vielleicht sollte man ein Rennen einfach wirklich früher unterbrechen oder die Evakuierung der Tribünen strenger forcieren.

Analyse Pocono

Das Rennen entschied etwas überraschend wie erwähnt Jeff Gordon für sich, nachdem es lange Zeit danach aussah, dass Jimmie Johnson das Geschehen fest im Griff hat. Die entscheidende Szene ereignete sich jedoch beim letzten Restart in Runde 91, nachdem zuvor Kurt Busch durch seinen Mauereinschlag aufgrund eines geplatzten Reifens die Caution auslöste. Der Führende Johnson sprintete gemeinsam mit Matt Kenseth zur grünen Flagge, gefolgt von Brad Keselowski und Greg Biffle in der zweiten Reihe sowie Kasey Kahne und Gordon in der dritten.

Am Hendrick-Chevrolet mit der #48 verabschiedete sich sofort in Turn 1 der rechte Hinterreifen, was sich wohl auch während der Aufwärmphase für den Restart angekündigt hatte. Johnson bekam direkt massives Übersteuern und nahm Kenseth mit ins Verderben, wobei auch Keselowski, Biffle und Kahne einigen Schwung verloren. Einzig Jeff Gordon hatte freie Fahrt und konnte sich an die Spitze setzen, wo er auch verblieb, da wenige Runden später unter der erneuten gelben Flagge der gefürchtete Regen einsetzte.

Kasey Kahne (2.) und Brad Keselowski (4.) konnten sich immerhin in den Top5 halten, wobei Kahne noch sehr viel Glück hatte, da er einige Trümmerteile der vorausfahrenden Wagen aufsammelte, die ihm einen Plattfuß bescherten. Wegen des nahenden Abbruchs ließ er aber keine Reifen mehr wechseln. Für Matt Kenseth (23.) war die Party nach dem Zwischenfall quasi vorbei, da er vom nachfolgenden Denny Hamlin (29.) torpediert wurde und somit nach Indianapolis die zweite Woche in Folge frühzeitig aufgrund eines nicht selbst verschuldeten Unfalls aufgeben musste. Kenseth konnte sein beschädigtes Auto aber immerhin bis zum Abbruch am Ende der Führungsrunde halten.

Jimmie Johnson fing seinen übersteuernden Chevrolet übrigens äußerst spektakulär ab und cruiste unter Gelb noch auf Platz 14 ins Ziel. Seine Platzierung dort stieß allerdings Greg Biffle etwas sauer auf, den NASCAR seinerseits während der Gelbphase nur auf Rang 15 gesetzt hatte. Natürlich gab es auf der anderen Seite auch einige Abstauber bzw. Profiteure von dieser rennentscheidenden Situation, so konnte z. B. Martin Truex Jr. einen dritten Platz nach Hause fahren.

Auch die beiden Piloten von Stewart-Haas Racing rutschten noch weiter nach vorne und belegten die Ränge 5 (Tony Stewart) und 6 (Ryan Newman). Die Top10 komplettierten unterdessen Carl Edwards (7.), Clint Bowyer (8.) und etwas überraschend Regan Smith (9.) sowie Marcos Ambrose (10.).

Nicht so gut lief es erneut für das Team von Earnhardt-Ganassi Racing, welches immerhin Juan Pablo Montoya (20.) auf die Pole-Position brachte. Der Chevy mit der #42 war im Renntrimm allerdings so unterlegen, dass die Führung schon nach sieben Runden wieder verloren war. Im weiteren Verlauf des Rennens fiel er sukzessive zurück und landete gerade noch so in den Top 20, die auch für seinen Teamkollegen Jamie McMurray (17.) das Höchste der Gefühle waren. Bei EGR besteht also weiterhin massiver Nachholbedarf und die Äußerungen von Montoya nach dem Qualifying fand ich da auch eher amüsant: „We know we’ve been working in the right direction. We know we’ve been working hard, and we feel that the cars are getting a little better, but to actually get out there and get a pole…“ Immerhin hat man nicht ernsthaft mit der Pole-Position gerechnet.

Ganz übel erwischte es an diesem Wochenende ausgerechnet Dale Earnhardt Jr. (32.), welcher in den Wochen zuvor mit einer Marke von 21 die bisher längste Serie der NASCAR-Geschichte von Zielankünften in der Führungsrunde aufbaute.  In Runde 50 machte ihm allerdings das Getriebe seines Hendrick-Chevrolets einen Strich durch die Rechnung und so verlor er die meistgenutzten Gänge 3 und 4. Dabei hatte man wie eigentlich alle Teams aufgrund der besonderen Umstände in Pocono (Schalten in den Turns) extra vor dem Qualifying noch das Getriebe gewechselt. Die Reparaturpause kostete Junior zwar 20 Runden, aber wegen des Pechs vieler seiner Verfolger in der Meisterschaft glücklicherweise nicht die Führung in der Fahrerwertung.

Die erste der insgesamt drei Cautions löste übrigens Kyle Busch (33.) aus, der in Runde 19 nach einem offensichtlichen Defekt in die Mauer von Turn 1 abbog und bei den anschließenden Arbeiten am Auto ganze 24 Umläufe auf die Konkurrenz einbüßte. Diese Gelbphase diente dann auch gleich als Competition-Caution, welche ohnehin für Runde 20 geplant war, damit die Teams den Reifenverschleiß auf der grünen Strecke überprüfen konnten. Das Rennen wurde nämlich wegen eines weiteren Regenschauers kurz vor dem Start mit knapp zwei Stunden Verspätung angegangen.

In puncto Chase-Qualifikation hat sich durch den Sieg von Jeff Gordon natürlich einiges geändert, weil der Artikel aber schon eine stattliche Länge erreicht hat, werde ich darauf in der Vorschau für Watkins Glen am Freitag genauer eingehen. An dieser Stelle vielleicht noch so viel: Gordon rückte gleich um zwei Plätze nach vorne und steht nun gemeinsam mit Kasey Kahne in den Playoffs. Allerdings ist die #24 punktgleich mit Ryan Newman (ebenfalls ein Saisonsieg), welcher jedoch im Gegensatz zu Gordon über einen fünften Platz weniger verfügt, der in diesem Falle ausschlaggebend ist. Weiter vorne ist es ebenso eng, da die Top4 nach Pocono innerhalb von nur acht winzigen Punkten liegen.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!).

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