Das IndyCar Finale entwickelt sich zu einem regelrechten Krimi. Nun greift auch noch Scott Dixon nach der Meisterschaft.

Das Rennen in Mid-Ohio wird nicht als Klassiker in die Renngeschichte eingehen, sorgte aber dafür, dass die Meisterschaft richtig spannend wird. Das liegt vor allem an Scott Dixon, der nach einem tadellosen Rennen endlich mal wieder einen Sieg für das Ganassi-Team einfahren konnte. Dabei sah es lange so aus, als ob Will Power das Rennen gewinnen konnte, doch dann patzte man beim letzten Boxenstopp. Richtig miserabel lief es für Ryan Hunter-Ray und Helio Castroneves, die beide nur um Hinterfeld unterwegs waren. RHR musste am Ende sogar den Wagen komplett abstellen.

Schon in der Qualifikation zeigte Ganassi, dass man die anfänglichen Probleme in der Saison scheinbar überwunden hat. Dario Franchitti prügelte den Ganassi-Honda auf P2 und wurde nur knapp von Will Power geschlagen. Dahinter überzeugte erneut Simon Pagenaud im Sam Schmidt Auto. Dixon startete von P5, RHR lag auf P8. Helio Castroneves hatte doppeltes Pech. Im Training hatte er sich bei einem Unfall an der Hand verletzt, dazu kam dann noch ein Motorwechsel, der ihn dann von P23 starten ließ.

Im Rennen tauchte Helio dann auch nicht mehr wirklich auf. Ob es an der Handverletzung lag, oder an einem schlecht abgestimmten Auto wurde nicht klar, aber mehr als P16 war am Ende nicht drin. Dabei reihte er sich sogar noch hinter Giorgio Pantano ein, der für Charlie Kimball im Ganassi saß. Pantano fuhr kein schlechtes Rennen, war jederzeit schnell und verbesserte sich von P24 auf P14. Die gute Fahrt dürfte einigen Teamchefs aufgefallen sein und vielleicht schafft der Italiener ja nächstes Jahr den Sprung in die IndyCar. Zu wünschen wäre es dem ehemaligen GP2-Meister allemal.

Vorne hielt Will Power die Konkurrenz zunächst locker in Schach. Teilweise betrug sein Vorsprung über 3 Sekunden, aber das Rennen bestimmte nicht allein die Geschwindigkeit. Die Renndistanz war gerade so ausgelegt, dass man mit zwei Stopps würde durchfahren können. Eine Drei-Stopp-Strategie war möglich, auf dem Papier wegen der langen Standzeiten in der IndyCar aber langsamer. Die Spitzengruppe beschloss unisono aufs Spritsparen zu setzen, was das Rennen dann leider sehr eintönig machte. Ryan Hunter-Ray sah im ersten Drittel schon früh seine Felle, bzw. Will Power wegschwimmen, und funkte verzweifelt an die Box, ob es nicht ein wenig schneller gehen würde. Die Antwort lautete immer “No” und den Push-To-Pass durfte er auch nicht einsetzen. Was er aber dennoch tat. Die Sorgen von RHR waren nicht unbegründet, denn er steckte in einer Kampfgruppe um P8 herum. Während Newgarden und Co fröhlich Gas gaben, musste RHR irgendwie seine Position verteidigen. Das zeigte sich in einer Situation, als in einem Kampf mit Newgarden und Patano geriert und unverschuldet in die Wiese geschickt wurde.

In Runde 54 gingen die Probleme dann richtig los, denn der Motor wollte nicht mehr so wirklich. Der Chevy-Motor hatte nur das Rennen aus Edmonton auf dem Buckel, stellte aber nach und nach seinen Dienst ein. RHR krebste um P22 herum, drei Runden vor Schluss musste er den Wagen komplett einstellen. Einen Nuller im Titelkampf kann man nun wirklich gebrauchen.

Vorne hatte sich mittlerweile Scott Dixon auf P2 gekämpft. Weniger mit Überholmanöver, auch bei ihm waren es späte Stopps, die ihn an der Konkurrenz vorbei schleusten. Zum letzten Stopp kamen dann beide Fahrer gleichzeitig. Dixon hatte die Box vor Power, konnte also gerade an seine Crew heranfahren, während Power um Dixon herum musste. Beim Stopp an der Penske-Box klemmte dann der Tankstutzen für einen Sekundenbruchteil. Der kleine Bogen und der Tankstutzen reichten Dixon, um die Führung zu übernehmen, die er bis zum Ziel nicht mehr abgab.

Hinter Dixon und Power landete Simon Pagenaud, der mal wieder ein sauberes Rennen hinlegte. Wirklich eingreifen konnte vorne nicht, zu dem hatte er Sebastian Bourdais im Nacken, der endlich mal wieder ein gutes Rennen zeigte. Pagenaud und Bourdais kämpften bis zu letzten Runde, aber auch hier spielte der Spritverbrauch bei beiden eine wichtige Rolle. Auf P5 kam James Hinchcliff, gefolgt von Tony Kanaan, der es mit einer Drei-Stopp-Strategie versuchte.

Für die Meisterschaft war das Ergebnis richtig gut. Der Stand:

Will Power: 379
Hunter-Ray: 374
Castoneves: 353
Scott Dixon: 351

Drei Rennen stehen noch auf dem Programm, alle mit einer unterschiedlichen Charakteristik: Zunächst geht es nach Sonoma, es folgt der Stadtkurs von Baltimore und am Ende steht das 500 Meilen Rennen in Fontana. Auf dem Papier gibt es da keinen Favoriten. Power hat auf den Ovalen immer noch mal Schwächen, da sollten Dixon und Helio besser sein, die aber etwas viel Abstand haben. Klar ist auf jeden Fall: Einen Ausfall kann sich keiner der vier Titel-Aspiranten leisten.

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