Jimmie Johnson machte am Sonntag keine Gefangenen und fuhr souverän zu seinem vierten Indianapolis-Sieg. Die Konkurrenz in Form von Roush-Fenway Racing sowie Joe Gibbs Racing kämpfte dagegen mit dem Pech und Fahrfehlern. Positiv für die NASCAR und Hendrick Motorsports: Seit diesem Wochenende führt Dale Earnhardt Jr die Fahrerwertung an!

Gegen Jimmie Johnson war auf dem Brickyard kein Kraut gewachsen und so dominierte der fünffache Meister das Geschehen teilweise nach Belieben. 99 Führungsrunden brannte Johnson in den Asphalt und befand sich somit weit über die Hälfte des Rennens an der Spitzenposition. Lediglich Denny Hamlin und Brad Keselowski konnten neben dem Hendrick-Piloten jeweils mit etwas mehr als 20 Führungsrunden signifikant in Erscheinung treten. Polesitter Hamlin konnte seinen Startplatz nur bis zu den ersten Green Flag Pitstops nach gut 25 Runden verteidigen, während Keselowski zur Halbzeit mit einer alternativen Spritstrategie zu punkten versuchte. Die frühen Boxenstopps waren dabei der Streckenlänge von Indianapolis geschuldet:

Weil man sich bei einem Besuch der Pitcrew unter grüner Flagge für gewöhnlich keinen Rundenrückstand auf dem 2,5-Meilen-Oval einfängt, rechneten die Teams ähnlich wie bei den Rundkursrennen vom frühestmöglichen Zeitpunkt an mit dem Verbrauch rückwärts. Brad Keselowski begann seine Fahrt außerhalb der Sequenz während der ersten Caution in Runde 41, als der Rest des Feldes nach einem halben Fuelrun bereits erneut zum Tanken kam. Weil die Gelbphasen in der Folge zum einen ungünstig fielen und zum anderen nicht sehr zahlreich waren, konnte seine Strategie nicht aufgehen. Beim Restart nach Caution #3 in Umlauf 101 verlor Keselowski auf seinen älteren Reifen gleich sechs Positionen, die er nie wieder aufholen konnte. Am Ende war für ihn nicht mehr als Platz 9 möglich.

Denny Hamlin verlor seine Führung wie erwähnt während der ersten Green-Flag-Pitstops, weil Johnsons Crew einfach schneller arbeitete als die Mannschaft der #11. Ohne Clean-Air war der Gibbs-Toyota dann nicht mehr konkurrenzfähig genug, um erneut nach der Spitzenposition zu greifen. Dazu gesellte sich ein Fahrfehler direkt beim ersten Restart in Runde 46: Hamlin kam in Turn 1 auf die – vom Gripniveau her – äußerst ungünstige obere Linie und war damit seine Position innerhalb der Top10 erstmal los. Insgesamt dauerte es dann ganze 60 Umläufe, bis Hamlin sich wieder in die Top5 zurückgekämpft hatte. Den vierten Platz konnte er zwar über weite Strecken halten, musste beim letzten Restart zwanzig Runden vor Schluss aber noch mal zwei Konkurrenten ziehen lassen und sich mit Rang 6 begnügen.

Als Zweiter hinter Johnson sammelte Kyle Busch gute Punkte auf dem Weg zur Chase-Qualifikation. Das gesamte Rennen über konnte er sich in den Top5 halten, hatte im Finale als einzig verbliebener Johnson-Kontrahent aber keine Pfeile mehr im Köcher. Zwischenzeitlich stand es um seinen Toyota-Motor auch nicht so richtig gut, denn der spuckte nach einem der ersten Boxenstopps plötzlich schwarzen Rauch aus dem Auspuff. Ein Neustarten des Aggregats erwies sich als korrekter Lösungsweg und weitere Probleme blieben danach glücklicherweise aus. Busch hätte sich vermutlich lieber den Sieg geholt, weil er mit Platz 11 in der Meisterschaft bei nur einem Saisonerfolg ja immer noch Gefahr läuft, von Ryan Newman oder Joey Logano weiter hinten in der Tabelle kurzfristig geschnappt zu werden.

Richtig katastrophal lief es dagegen bei Roush-Fenway Racing ab, wo einzig Greg Biffle einen starken dritten Rang nach Hause fahren konnte. Biffle nahm in der vorletzten Gelbphase bei den letzten Boxenstopps in Runde 124 nur zwei neue Reifen, konnte damit aber schlecht den kompletten Fuelrun über bis zum Ende konkurrenzfähig bleiben. Dass er dann nur zwei Positionen abgeben musste, lässt schon auf eine gute Leistung des Fahrers in Kombination mit Grundspeed des Autos schließen.

Weniger Glück hatten seine Teamkollegen Carl Edwards und Matt Kenseth, die beide unverschuldet aus der Entscheidung genommen wurden. Edwards bekam direkt nach dem Start des Rennens Probleme mit dem Motor, dabei vermutete man teamintern eine Fehlfunktion am Krümmer. Ein langer Tag im Büro und lediglich Platz 29 bei vier Runden Rückstand waren die unmittelbaren Folgen – für seine angestrebte Chase-Qualifikation natürlich ein herber Rückschlag.

Matt Kenseth wurde in Umlauf 132 unglückliches Opfer eines Drehers von Joey Logano: Letzterer lieferte sich mit Trevor Bayne einen Zweikampf, welcher so eng zuging, dass Logano auf der Innenbahn plötzlich loose wurde und sich weiter nach innen in Bobby Labonte drehte. Kenseth versuchte oben vorbeizugehen, doch Reflektor Labonte bugsierte den Gibbs-Toyota direkt vor die Stoßstange der #17. Für Logano und Kenseth war das Rennen daraufhin außerhalb der Top30 beendet.

Der Kenseth-Ausfall brachte direkte Auswirkungen in der Meisterschaft mit sich: Weil in Person von Dale Earnhardt Jr der direkte Konkurrent des Roush-Piloten in Indianapolis auf Platz 4 ins Ziel kam, übernahm dieser die Führung in der Fahrerwertung und das mit 14 Punkten sogar recht deutlich. Für die NASCAR ist diese Situation natürlich so ziemlich das Beste, was der Rennserie passieren kann und zudem ist es auch bei weitem nicht unverdient. Junior hat gemeinsam mit seinem Teamkollegen nun 15 Top10-Resultate (bei bisher 20 Rennen) in diesem Jahr eingefahren und hält mit dieser Bestmarke natürlich völlig zu Recht die Führung in der Meisterschaft inne.

Etwas Boden konnte auch Jeff Gordon gutmachen, der die Indy-Top5 komplettierte. Bei noch 79 Punkten Rückstand auf Platz 10 in der Fahrerwertung hätte er sich aber vermutlich genauso wie Busch gerne einen Sieg abgeholt. Die entscheidenden Positionen verlor Gordon zwar bei den letzten Boxenstopps, jedoch verfügte er nicht über DAS Siegerauto wie Johnson.

Noch ein paar Randnotizen:

Michael Waltrip Racing brachte alle Fahrer in die Top15 und lieferte dabei mit Martin Truex Jr (8.), Mark Martin (11.) sowie Clint Bowyer (15.) einen soliden Punktetag für die Chase-Qualifikation ab.

Ryan Newman (7.) und Tony Stewart (10.) fuhren zwar Top10-Ergebnisse ein, traten aber so gut wie nicht in Erscheinung. Lediglich Lokalmatador Stewart kam als In-Race-Reporter für ESPN auf ein paar TV-Minuten.

Kasey Kahne kam auf Platz 12 ins Ziel und hat mit seinen zwei Saisonsiegen weiterhin eine gute Ausgangsposition für die Playoff-Qualifikation.

– Vorjahressieger Paul Menard konnte das Rennen nur auf Rang 14 beenden, einen Platz hinter seinem Teamkollegen Kevin Harvick, der weiterhin einigermaßen sicher auf Chase-Kurs ist. Der dritte Fahrer im RCR-Bunde, Jeff Burton (32.), erlebte durch einen Reifenplatzer einen herben Rückschlag.

Der Rest vom Schützenfest vor den eher unterfinanzierten Teams bildete wieder einmal die Truppe von Earnhardt-Ganassi Racing: Juan Pablo Montoya (21.) und Jamie McMurray (22.) kamen geschlossen hinter der ebenfalls enttäuschenden Mannschaft von Richard Petty Motorsports ins Ziel, für die Aric Almirola (19.) und Marcos Ambrose (20.) nach zuletzt einigen guten Rennen nur gerade so die Top20 entern konnten. Die Probleme bei EGR sind aber bei weitem größer, auch wenn man davon ausgeht, im nächsten Jahr mit unveränderten Fahrer-Sponsoren-Paarungen antreten zu können.

Was das Team – eigentlich nicht erst – seit der kompletten Umstrukturierung in der Winterpause aufbietet, ist bei den eigenen eher hohen Ansprüchen nur noch peinlich! Wenn Chip Ganassi nicht bald einen Weg findet, in der NASCAR eine ähnliche Leistung abzuliefern wie bei den IndyCars, dann kann er den Laden auch dicht machen. Gerade erst letzte Woche lamentierte man noch von sichtbaren Verbesserungen, doch dieses Gerede kann ich so langsam einfach nicht mehr ernst nehmen. Teresa Earnhardt erscheint ja schon länger nicht mehr als Owner der #1, vielleicht gibt es innerhalb des Teams auch größere Spannungen, die jeglicher guter Moral und Motivation völlig entgegenwirken.

Im Vergleich dazu eher kleinere Probleme gibt es auch weiterhin bei der NASCAR und den Zuschauerzahlen, denn die Tribünen am Indianapolis Motor Speedway waren am Wochenende ja nun wirklich beachtlich leer. Dazu muss man allerdings sagen, dass die Strecke weit über eine Viertelmillion Besucher fassen kann. Je nach Tribünenkonfiguration gibt es da Aussagen, die von bis zu 400.000 Zuschauerplätzen sprechen. Somit dürften am Sonntag zum Cup-Rennen vermutlich noch mindestens 100.000 Menschen vor Ort gewesen sein, was auf vielen anderen Ovalen ja schon ein volles Haus bedeutet. Trotzdem empfand ich gerade am Brickyard die wenig gefüllten Tribünen etwas befremdlich.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!).

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