Das Rennen gehörte eher zu den schwächsten der Saison, hat dafür aber die WM etwas spannender gemacht Hamilton hat wieder Chancen und Kimi Räikkönen ist auch dran.

Wenn Jacques Schulz bei sky von einem “Taktik-Klassiker” spricht, dann kann mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass sich auf der Strecke nicht viel tut. Und so war es dann auch in Ungarn, wo der versprochene Regen nicht kam und die Teams im Rennen lange auf ihre Reifen achten mussten. Aber dennoch gab es viel Bewegung im Feld, was vor allem Kimi Räikkönen zu verdanken war, der ein grandioses Rennen hinlegte. Damit zeigte er auch, dass er und Lotus auch in der WM ein Wörtchen mitreden wollen. Die Gegner sollten aufpassen, denn Kimi liegt nur noch 48 Punkte hinter Alonso und das große Update mit dem Doppel-DRS wird erst in Spa im Rennen eingesetzt. Den Sieg verschenkte Lotus aber mal wieder in der Quali.

Während Romain Grosjean auf P2 fahren konnte, blieb Räikkönen auf P5 stecken – und damit mitten im Gewühl um Alonso, Button und Vettel. Daraus resultierte dann ein ziemlich großer Zeitverlust, den Räikkönen erst wieder wett machen musste. Zeitweise lag er, ohne Boxenstopp-Bereinigung, 13 Sekunden hinter dem Lewis Hamilton, während Grosjean den Abstand zum Briten einigermaßen klein halten konnte. Dem Franzosen fehlen im Rennen aber immer noch die Erfahrung und die Fehlerlosigkeit, die einen Kimi Räikkönen auszeichnen. Wäre der Finne von P2 gestartet, hätte er siegen können. Der Lotus konnte mit den weichen Reifen längere und schnellere Stints fahren, als der McLaren. Räikkönen dampfte den Vorsprung von Hamilton vor dem letzten Reifenwechsel von 9 auf 3 Sekunden ein. Man kann sich vorstellen, was er gemacht hätte, wenn er wie Grosjean auf P2 gelegen hätte. Sensationell war auch sein Manöver gegen den Teamkollegen nach seinem letzten Stopp. Auf brandneuen Reifen, bremste er vor der Haarnadel spät und drängte Grosjean nach außen. Der musste da klar Lehrgeld zahlen.

Der Franzose fuhr dabei nicht mal ein schlechtes Rennen. Er verteidigte seine Position am Start klug und ließ Hamilton nie aus den Augen. Nach dem ersten Stopp versuchte er mit seinen weichen Reifen den McLaren unter Druck zu setzen, doch Lewis konnte sich vorne schadlos halten. Ein Grund dafür war auch, dass man in Ungarn nicht überholen kann, wenn der Gegner keine Fehler macht. Auch die Vorverlegung der DRS-Linie um knapp 200 Meter änderte daran nicht. Das Problem: Man kommt zwar an Gegner auf bis einer halben Sekunde ran, danach ist aber Schluss, weil man in den Kurven zu viel Abtrieb auf der Vorderachse verliert. Die Folge: Untersteuern, überhitzte Vorderreifen woraus sich ein Teufelskreis ergibt. Hamilton wäre es genauso ergangen, hätte er hinter Räikkönen gelegen.

Das Lotus stark sein würde, hatte man erwartet. Auch das Red Bull, nach dem Verbot des Drehmoment-Mappings, nicht ganz vorne mitspielen konnte, war keine Überraschung. Das Ferrari aber so große Probleme hatte, war dann schon überraschend. Die schlechte Quali-Performance war eine Sache, aber auch im Rennen ging nichts nach vorne. Alonso konnte im ersten Stint Vettel nicht halten und musste sich eher nach hinten orientieren. Nach dem Rennen bekannte er, dass einfach nicht mehr drin. Dabei waren die hohen Temperaturen durchaus nicht schlecht für Ferrari, aber es war wohl der Kurs, mit dem der F2012 nicht klar kam. Die Ferrari-Führung hatte so etwas vor dem Rennen schon befürchtet, nach der Sommerpause wird es wohl weitere Updates geben. Immerhin – mal abgesehen vom Rennen in Singapur folgen nur noch Strecken, auf denen der Wagen besser aussehen wird.

Red Bull kämpfte, versuchte es mit einer 3-Stopp-Strategie, die aber nichts brachte. Webber war nach dem Start auf P7, am Ende landete er hinter Senna auf P8. Da hatte man sich eindeutig verzockt. Bei Vettel lief es besser. Er verlor den Start gegen Button, den man aber auch auf die riskante 3-Stopps setzte und der zu allem Übel nach seinem zweiten Stopp hinter Perez hängen blieb, was ihm etliche Sekunden kostete. Damit rückte P3 wieder in Reichweite, wäre da nicht Räikkönen gewesen, der an Vettel und Button mit seinem grandiosen Mittelstint an der Box vorbei schlüpfte. Red Bull sah zu keiner Sekunde so aus, als habe man eine Chance auf den Sieg, weder in der Quali, noch im Rennen. Da wartet viel Arbeit in der Sommerpause.

Mercedes spielte erwartungsgemäß keine Rolle. Man hielt sich bedeckt bei der öffentlichen Begründung, und sprach von allgemeinen Problemen. Vielleicht stimmt das, wenn man den Wagen als “allgemeines Problem” nimmt. Die Rundenzeiten waren kaum der Rede wert. Rosberg schob sich mit einem guten Start auf P11 vor und schnappte sich dann Hülkenberg für P10. Das war es dann auch schon. Schumacher verursachte einen Start-Abbruch, weil sein Motor ausgegangen war, startete aus der Boxengasse, bekam dann auch noch eine Durchfahrtsstrafe und stellte den Wagen, auf P17 liegend, dann kurz vor Ende des Rennens ab. Ein Debakel, vor allem wenn man sieht, dass vor Rosberg dann ein Bruno Senna lag. Der neue Aerodynamiker, Mark Ellis, wird eine Menge Arbeit haben.

Die Force India fuhren beide ein unauffälliges Rennen. Für Hülkenberg wäre mehr drin gewesen, wenn er in Q3 nicht gepatzt hätte. Der zehnte Startplatz war einfach nicht gut genug, der notorisch hohe Reifenverschleiss des Wagens ließ kaum Spielraum bei der Strategie. Mit einem Startplatz um P6 rum, was zeitlich drin gewesen wäre, hätte er auf der Höhe von Senna gelegen.

Dem Brasilianer gebührt ein großes Lob. Am Williams wird es nicht mehr allzu viele große Updates geben, daher sind die Punkte, die man jetzt einfährt, um so wichtiger. Während Maldonado weiter seiner Form hinterher fährt, kommt Senna immer besser in Fahrt. Er schaffte den Sprung in Q3 und konnte im Rennen auch dem Druck von Webber standhalten, der auf besseren Reifen hinter ihm lag. Maldonado kämpfte lange um P11 herum und ärgerte sich mit Paul di Resta herum. Mit einem Überraschungsangriff setzte sich der Williams neben den Schotten und schob ihn am Kurvenausgang leicht raus. Das Manöver war hart, aber auch nicht schlimmer als das, was Räikkönen mit Grosjean angestellt hatte. Weil der Venezuelaner gerade auf Kriegsfuss mit der Rennleitung steht, verpasste diese ihm einen Durchfahrtsstrafe. Eine zu harte Bestrafung, absolut unnötig. Auch wenn Maldonado auf der Strecke schon mal den Rüpel gibt, diese Aktion war völlig ok.

Von Sauber war in Ungarn nichts zu sehen. Nachdem sehr guten Rennen in Hockenheim, ging das Team aus der Schweiz in Ungarn ziemlich ein. Weder in der Quali noch im Rennen konnten Perez und Kobayashi vernünftige Rundenzeiten in den Asphalt brennen. Vermutlich litt der Wagen wie der Mercedes unter der Hitze, aber am Reifenverschleiss kann es nicht gelegen haben. Vielleicht hat man in der kurzen Testzeit am Freitag ein falsches Setup gewählt.

Der Sieg von Hamilton hätte für McLaren zu keinem späteren Zeitpunkt kommen dürfen. In der Team-WM liegt man 53 Punkte hinter Red Bull und nur 1 (!) Punkt vor Lotus. In der Fahrer-WM sieht es jetzt so aus:

Alonso 164
Webber 124 (-40)
Vettel 122 (-42)
Hamilton 117 (-47)
Räikkönen 116 (-48)

Wie man sieht, ist es durchaus noch eng. Bei noch acht ausstehenden Rennen, kann einiges passieren, auch wenn Alonso weiterhin eine sehr beruhigende Führung hat. Und man sieht, wie gut Räikkönen in diesem Jahr ist. Wer hätte gedacht, dass er zur Mitte der Saison auf WM-Kurs liegt?

Die F1 geht in eine vierwöchige Sommerpause und startet wieder Ende August mit dem Rennen in Spa. Von mir gibt es in den nächsten eine kleine Halbzeit-Analyse.

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