Zwei Wochen nach der Formula Nippon kehrt auch die Super GT aus ihrer Sommer- und Le-Mans-Pause zurück. Rennen 4 der Meisterschaft findet im Sportsland Sugo statt, einer von Yamaha Motor betriebenen, wunderschönen Naturrennstrecke, auf der es in der nahen Vergangenheit immer zu packenden Zweikämpfen kam. Gleichzeitig dient der Lauf auch als Generalprobe für das am 19. August stattfindende 1000-km-Rennen in Suzuka. Nach drei erfolgslosen Rennen sollte Nissan das Zepter in der GT500 an sich reißen, um nicht noch mehr Boden in der Meisterschaft zu verlieren, während in der GT300 der Toyota Prius Hybrid-Zuwachs aus dem Hause Honda erhält.

Bevor wir uns allerdings mit dem Rennen beschäftigen, muss leider erneut das mir persönlich schon etwas leidige Thema der DTM-/Super-GT-Kooperation aufgegriffen werden. Leidig deshalb, weil sich diesbezüglich seit Anfang des Jahres nichts getan hat, außer das von jeweils der deutschen wie auch japanischen Seite keine allzu konkreten Aussagen kommen. Stattdessen befinden sich die Gespräche respektive die offiziellen Informationen, die seitens der ITR bzw. der GTA bekannt gegeben werden, in einem scheinbar endlosen Kreis.

Grund für die erneute Aufnahme des Themas ist ein aktuelles Interview mit Hans-Werner Aufrecht, indem allerdings nichts Neues bekannt gegeben wurde, was er nicht schon im April dieses Jahres verkündete. Ich werde die Thematik (und die Probleme dahinter) nicht erneut erläutern, dies habe ich schließlich schon an mehreren Stellen getan. In wie fern eine Kooperation, die scheinbar noch viele Baustellen besitzt – größter Streitpunkt scheint nach wie vor die Motorenfrage zu sein –, bereits unter Dach und Fach sein kann, obwohl man noch keinen Vertrag unterschrieben hat, sich aber sehr sicher ist, dass dies sicherlich bald geschehen wird, bleibt fraglich und jedem selbst überlassen. Abwarten, Tee trinken – die 5 Euro ins Phrasenschwein nicht vergessen! – und auf neue Infos seitens der GTA warten, eventuell sogar schon an diesem Wochenende. Denn bislang hat die GTA auf ihren Pressekonferenzen lediglich, grob zusammengefasst, verkündet, dass zwar nach wie vor Interesse an einer Kooperation bestehe, dabei aber weder die Identität der Super GT noch die japanischen Ingenieurskunst verloren gehen dürfte. Mit anderen Worten: Die japanischen Hersteller und Teilezulieferer, die allesamt mit einer großen Produktionskette verbunden sind, dürfen nicht missachtet oder benachteiligt werden. Im Falle eines Einheitschassis wäre man etwa bei Dome (vom engl. [dəʊm], jap. Dōmu) in Kyoto ( [kjo:to] ) sicherlich nicht sonderlich erfreut. Dass es in irgendeiner Form zur Kooperation kommen wird, steht nach meiner bescheidenen Meinung außer Frage. Lediglich über den Umfang schwebt ein großes Mysterium.

Wie bereits erwähnt liegt das Sportsland Sugo in einer sehr gebirgigen Gegend in der Miyagi-Präfektur, keine 40 Kilometer von der Stadt Sendai entfernt, jene Gegend, die im März 2011 vom schrecklichen Erdbeben am schwersten getroffen wurde. Dementsprechend traurig war der Anblick für alle Beteiligten, die sich in den letzten Tagen gen Sugo begaben und an den einst bewohnten Flächen vorbeifuhren. Bereits im letzten Jahr spendete die Super GT einen Großteil ihrer Einnahmen den Opfern der Naturkatastrophe, auch in diesem Jahr möchte man ein erneutes Zeichen setzen und diese schlimme Zeit hinter sich lassen, stattdessen den Fans und Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die Charakteristik der Naturstrecke von Sugo sollte dabei helfen. International eher unbekannt, obwohl zwischen 1988 und 2003 die Superbike-Weltmeisterschaft in Sugo fuhr, ist der 3,737km lange Kurs eine kleine Achterbahnfahrt – im wahrsten Sinne des Wortes. So ist die Start- und Zielgerade nicht eben, sondern führt zunächst bergauf. Die Steigung wird dabei, anders als bei anderen Strecken, gut von den TV-Kameras eingefangen. Die Gegengerade führt hingegen wieder bergab. Die spannendste der insgesamt 12 Kurven stellt die langgezogene 110R dar, die direkt wieder auf Start/Ziel führt und gerne auch als Mutkurve bezeichnet werden darf. Side-by-Side-Duelle sind hier zwar möglich, erfordern aber höchste Konzentration beider Fahrer, damit der Wagen auf der äußeren Linie nicht ins Kies und die Reifenstapel rutscht. Sugo ist auch jener Ort, an dem eines der geschichtsträchtigsten 3-Wide-Manöver der Super GT geschah. Und wie sollte es auch anders sein, leitete dies die 110R ein:

Im folgendem außerdem eine Onboard-Runde mit dem Evangelion Shiden (GT300) aus dem Jahr 2010:

 

Der technisch anspruchsvolle Kurs mit seinen mittelschnellen bis schnellen Kurven liegt insbesondere dem Honda HSV-010, aber auch dem Nissan GT-R. Nachdem der Weider Honda HSV-010 wie auch im letzten Jahr siegreich aus Malaysia zurückkehrt, liegt es nun an Nissan, sich im vierten Lauf den ersten Sieg des Jahres zu sichern. Andernfalls könnte bereits zur Halbzeit die Titelverteidigung für die Marke, aber auch für das Duo Yanagida / Quintarelli in weitere Ferne rücken, die bereits im letzten Jahr in Sugo ihren S Road Mola GT-R (Startplatz 6 am Sonntag) in die Mitte des Podiums stellten und damit einen wichtigen Schritt gen Meisterschaft tätigten. Bis 2008 war Nissan bislang in Sugo sieglos, konnte aber mit dem Update des GT-R in den letzten Jahren sich zwei Siege sowie drei Pole Positions sichern. Am stärksten in diesem Jahr einzuschätzen sind insbesondere Satoshi Motoyama und Michael Krumm im Motul Autech GT-R (Startplatz 2 am Sonntag), die in den letzten drei Rennen positiv auf sich aufmerksam machten, aber durch kleinere Probleme wie entweder zu stark abbauenden Reifen oder das nicht auf Temperatur bringen jener Pneus sich quasi selbst ausbremsten. Für alle drei Nissans herrscht damit sicherlich eine Art von Siegpflicht, während der D’Stadion Advan GT-R nach zwei schwachen Rennen in Okayama und Fuji sowie einem Reifenschaden in Sepang noch null Zähler auf dem Konto hat. Zusammen mit dem Epson HSV-010 von Nakajima Racing sind beide Fahrzeuge die einzigen, die noch ohne Gewichts-Handicap in der GT500 an den Start gehen.

Mit 70kg Zusatzballast ist der Raybrig HSV-010 das derzeit am schwersten beladende Fahrzeug. In wie fern das Duo Takuya Izawa und Naoki Yamamoto um den Sieg in Sugo mitreden können, bleibt fraglich, letztlich sollten die 70kg in den Kurven etwas hinderlich sein. Am Sonntag gehen sie von Position 10 ins Rennen. Prognosen in der Super GT sind allerdings immer ein relativ schwieriges Thema, nichts desto trotz sollte bei den Honda-Fahrzeugen insbesondere auf den Weider HSV-010 (Startplatz 11) aber auch den Keihin HSV-010 (Startplatz 8) ein Augenmerk gelegt werden. Der Keihin ist mit 40kg Ballast 12kg leichter als die Fahrerpaarung Kogure / van Dam, was einen kleinen Vorteil bedeuten sollte. Generell fällt nach der Qualifikation auf, dass die Fahrzeuge mit weniger Zusatzballast einen leichten Vorteil, insbesondere auf eine Runde, besitzen. In wie fern sich das auf das 300km lange Rennen auswirkt, wird sich zeigen.

Seit 2006 ist Lexus sieglos in Sugo. Normalerweise sollte es Toyotas Edelmarke, dessen SC430 in den Kurven langsamer als etwa der HSV-010 ist, auch in diesem Jahr schwer haben. Tatsächlich scheinen die Updates zu Beginn des Jahres dem zweitältesten Wagen nach dem GT-R im GT500-Feld aber sehr geholfen haben. In Okayama sicherten sich Yuji Tachikawa und Kohei Hirate im Zent Cerumo SC430 (Startplatz 7 am Sonntag) in einem packenden Duell den Sieg, auf einer Strecke, die wie auch Sugo dem SC430 normalerweise nicht liegt. Einen Monat später in Fuji gewann schließlich der Denso Kobelco SC430 (Startplatz 9 am Sonntag) mit Juichi Wakisaka und Hiroaki Ishiura, womit Lexus mit bislang zwei Siegen die derzeit siegreichste Marke in diesem Jahr ist. Auf beide Fahrzeuge sollte auch in Sugo geachtet werden, zumal Lexus auch in Malaysia nicht nur die Plätze 2-4 hinter dem siegreichen Weider Honda HSV-010 belegte, sondern durchaus Chancen auf den Sieg hatte. Die Chancen für das Rennen stehen zudem nicht schlecht, denn der bisherige Dominator des Wochenendes stammt aus dem eigenem Werk. In Sepang noch 3. gewesen, werden Daisuke Ito und Kazuya Oshima am Sonntag im Eneos Sustina SC430 (24kg Gewichts-Handicap) von der Pole Position ins Rennen gehen. Auffallend sind die vielen, kleineren Updates, insbesondere die neuen, flacheren und aerodynamischen Außenspiegel, die sowohl Lexus als auch Nissan wie bereits in Fuji auch dieses Mal verwendet. Zudem wurden einige Veränderungen an den Motorhauben wie am hinteren Teil der Fahrzeuge vorgenommen. Zu viele, kleinere Detailänderungen, die teilweise auch nur in Vergleichbildern zu erkennen sind, aber allesamt letztes Wochenende an zwei verregneten Testtagen in Suzuka getestet wurden.

Die große News in der GT300 ist der erstmalige Renneinsatz des neuen Honda CR-Z, einem Hybrid-Wagen, der damit in direkter Konkurrenz mit dem Toyota Prius steht. Der Serienbeitritt zu Rennen 4 in Sugo war von Honda zu Beginn des Jahres verkündet worden. Als verantwortliches Team zeichnet sich das bekannte und in der Vergangenheit erfolgreiche Team Mugen aus, die neben Hideki Mutoh, der bis zum letzten Jahr noch für ARTA in der GT500 fuhr, auch Kazuki Nakajimas jüngeren Bruder Daisuke Nakajima verpflichteten, der für Nakajima Racing in der Formula Nippon unterwegs ist und an diesem Wochenende sein Super-GT-Debüt feiert. Als einen sogenannten Mittelmotor hat Mugen den HR28TT (2.8L V6 Twin turbo) verbaut, dessen Entwicklung auf dem J35Z, Hondas LMP2-Motor, basiert. Der Hybrid-Antrieb generiert 35kW (50kW maximal) und wurde mit dem Hintergedanken zu einem möglichen, zukünftigen Einsatz in der GT500 in Zusammenarbeit von Honda und Zytek entwickelt. Als Reifenzulieferer wählte Mugen Bridgestone aus. Anders als etwa die Pneus des ARTA Garaiya (GT300) ähneln die Reifen von der Größe her jenen in der GT500. Des Weiteren scheint die aerodynamische Verarbeitung des Hecks sehr vom HSV-010 inspiriert worden zu sein. Interessanterweise ist das Hybrid-System des CR-Z knapp um die Hälfte leichter als das des Prius. So wiegt das System des CR-Z 57kg, während Toyotas Pendant 105kg auf die Waage bringt. Der Air Restrictor ist der nach der BoP-Einstufung der GTA beim Prius hingegen ein wenig größer.

Für Honda heißt beim ersten Einsatz sowieso nicht, die Muskeln spielen zu lassen, sondern das Rennen unbeschadet zu beenden. Ein erstes Ausrufezeichen setzte Hideki Mutoh aber bereits in der Qualifikation, als er in der Super Lap (Einzelzeitfahren der Top 10 aus der regulären Qualifikation) den CR-Z auf Position 9 stellte; der Prius qualifizierte sich auf Position 3. Die Pole Position in der GT300 sicherte sich der Hankook Porsche, was nicht sonderlich überraschend ist, da der Wagen bereits im Vorfeld eine Favoritenrolle zugesprochen wurde. Neben ihm in Startreihe eins gesellt sich zum ersten Mal der bislang punktlose (und damit ohne Gewichts-Handicap ausgestattete) MonePa Lamborghini GT3. Erfreulich ist außerdem der fünfte Startplatz des GreenTec & Leon SLS. Die Favoriten auf den Rennsieg neben dem Hankook Porsche sind aber weiterhin die alten Bekannten wie etwa der Endless Taisan 911 (Startplatz 4 und mit ganzen 66kg Zusatzballast auch gleichzeitig der schwerste GT300 im Feld) oder aber auch der triple A Vantage GT3 (Startplatz 8). Der neue GT3-Aston-Martin hatte bereits in Fuji und Malaysia eine gute Figur gemacht. Trotz der eher schlechten Qualifikation auf P14 sowie P15, sollte man den Gainer R8 sowie den Hatsunemiku BMW Z4, der in der Sommerpause das 2012er Update von BMW spendiert bekam, nicht abschneiden. Nobuteru Taniguchi und Tatsuya Kataoka haben in Malaysia, bedingt durch eine sehr gewagte Strategie, den mit 62kg vollgeladenen Z4 bis auf Position 2 geprügelt, als ihnen in der letzten Runde unglücklich das Benzin ausging. Gepokert und doch verloren, aber dafür für Stirnfalten bei der Konkurrenz gesorgt. Ein Auge sollte man auch auf den Evangelion Shiden werfen, der in der Vergangenheit in Sugo immer eine relativ gute Figur machte und am Sonntag von Position 10 ins Rennen gehen wird.

Nicht am Rennen teilnehmen werden der Racerbook Audi R8 LMS (Michael Kim / Hideto Yasuoka) sowie der R’Qs Vemac 350R (Hisashi Wada / Masaki Jyonai). Aufgrund der etwas kleineren Boxenanlage in Sugo, konnten sich erstmals in dieser Saison lediglich 38 der 40 gemeldeten Fahrzeuge fürs Rennen qualifizieren (die Top 12 des vorangegangenen Jahres sind automatisch qualifiziert). Für Kim und Yausoka ist es besonders bitter, da diese aufgrund des Auslösens einer roten Flagge ihre Zeit gestrichen bekamen, während der Vermac aufgrund technischer Probleme erst gar nicht in die Qualifikation eingriff. Aus gleichem Grund wie der Racerbook Audi R8 wurden auch dem Iwasaki Moda Kuroco apr R8 alle Zeiten gestrichen. Weil der Wagen wie auch der Verity Bomex Lambo RG3 (ebenfalls aufgrund eines technischen Problems in der Garage geblieben) aber automatisch qualifiziert war, hieß es für beide Teams noch mal Glück im Unglück. Kuriosum am Rande: Aufgrund eines kleinen Asphalt-Aufbruches musste die Qualifikation für ein paar Minuten unterbrochen werden.

TV-Zeiten

Wie diesen Zeilen zu entnehmen ist, fand die Qualifikation bereits heute früh statt. Das komplette Ergebnis ist auf der offiziellen Webseite einsehbar. Das Rennen wird wie immer ausschließlich auf J Sports 4 ab 6:30 Uhr deutscher Zeit übertragen, weshalb man sich erneut der unbeliebten Graualternative bedienen muss. Der Rennstart ist für 7 Uhr deutscher Zeit vorgesehen; unseren exklusiven Live-Ticker starten wir gegen 6:40 auf @RacingblogLive sowie in einem separaten Eintrag hier auf der Webseite.

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