Halbzeit in der Formel Eins und es ist das letzte Rennen vor der langen Sommerpause. Vor dem Urlaub werden die Teams aber noch mal schwitzen.

Das Wetter in Ungarn dürfte am Wochenende einiges Team Kopfzerbrechen machen. 33 Grad sollen es werden, die Asphalttemperaturen dürften über 45 Grad liegen. Da Pirelli am Wochenende die Soft/Medium Variante mitbringt, dürfte die Strategie sehr interessant werden. Denn der Kurs in Ungarn hat wenig Grip, der Reifenverschleiss ist dementsprechend hoch. Das dürfte vor allem McLaren und Mercedes Kopfzerbrechen machen, deren Reifennutzung nicht gerade gering ist. Die hohen Temperaturen könnten aber auch bedeuten, dass der Medium-Reifen mehr Grip entwickelt, als sonst, was die Strategie zusätzlich verkompliziert. Schon die Tests am Freitag dürften interessant werden.

Hockenkeim-Sieger Fernando Alonso wird Ungarn mit gemischten Gefühlen entgegen sehen. Die Strecke selber sollte dem F2012 liegen, auch die hohen Temperaturen durften dem Wagen entgegenkommen. Ferrari hat seit Beginn der Saison Probleme mit der Temperatur in den Vorderreifen, das sollte in Ungarn eher kein Problem werden. Auf der anderen Seite neigt der Wagen dazu, die Hinterreifen zu stark zu belasten. In Hockenheim trug Alonso seinen Wagen mehr oder weniger durch den letzten Stint und hielt Button und Vettel gerade so weit auf Abstand, dass sie ihn in der DRS-Zone nicht überholen konnten. Dennoch könnte Alonso einen weiteren, wichtigen Sieg in der WM einfahren.

Red Bull ist normalerweise auf dem engen Kurs in Ungarn sehr stark. Der Sieg von Webber in Monaco hat gezeigt, dass der RB8 mit langsamen Strecken kein Problem hat. Etwas schwieriger könnte es für Red Bull werden, sollte das in Hockenheim verwendete und von der FIA beanstandete Mapping endgültig verboten werden. Das sorgte dafür, dass das Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich abgesenkt wurde, obwohl der Pilot das Gaspedal zu 100% durchdrückte. Eine Art Traktionskontrolle, die zu dem die Hinterreifen schont. Da Red Bull das Mapping ausgerechnet in Ungarn nicht einsetzen darf, bin ich gespannt, wie sie sich schlagen werden. Insgesamt scheint der RB8 etwa besser mit den Reifen umzugehen als der Ferrari, der Vorteil wäre aber dann etwas geschmälert. Grundsätzlich sollten Webber und Vettel aber vorne zu finden zu sein.

McLaren ist nach dem großem Update der Seitenkästen und Luftführung im Heck zuversichtlich. Sicher ist, dass Button in Hockenheim eines der schnellsten Autos hatte, aber gegen Ende kämpfte der Brite mit massiv abbauenden Reifen, was Vettel erlaubte, wieder ran zu fahren. Die hohen Temperaturen in Ungarn werden sind eher Gift für die McLaren, aber wenn es ihnen gelingt, in den Top 3 unterwegs und in “clean air” unterwegs zu sein, könnte mal wieder ein Sieg rausspringen. So richtig überzeugt bin ich davon allerdings nicht. Die Updates müssen in Ungarn auch erst einmal funktionieren. Klar ist aber, dass McLaren auf jeden Fall ein gutes Wochenende braucht. Hamilton ist nach seinem Ausfall letztes Wochenende eigentlich aus der WM raus, er braucht dringend einen Sieg und muss darauf hoffen, dass die Konkurrenz mal schlapp macht. Man wird auf Lotus hoffen.

Die sind, mal wieder, das Dark Horse des Wochenendes. Der E20 geht auf allen Strecken gut, man kann auch mit der Reifenstrategie spielen. In Valencia war auffällig, dass Räikkönen am Ende trotz gebrauchter Reifen den schnellsten Wagen auf der Strecke hatte. Problematisch für Lotus ist allerdings, dass der Wagen auf langsamen Strecken nicht so gut funktioniert. Ungarn könnte dem Lotus aber dennoch passen. So langsam wie Monaco ist die Strecke nicht, die aerodynamischen Vorteile des Wagen kommen hier besser zu Geltung. Wenn denn Lotus endlich mal wieder die Quali hinbekommen würde…

Selbiges gilt auch für Sauber. Nach dem sehr gutem Rennen in Hockenheim, ist man zuversichtlich, dass man auch in Ungarn die “Großen” wird ärgern können. Aber dann bin ich mir nicht so sicher. Der Sauber soll eines der besten Autos im Feld sein, vor allem was die Mischung aus Geschwindigkeit und Reifenverschleiss angeht, aber bisher erscheinen die Leistungen von Team und Fahrern nicht stabil zu sein. Aber eben weil der Sauber mit wenig Reifen auskommt, ist er in Ungarn ein Kandidat für eine Zwei-Stopp-Strategie, die einen langen ersten Stint beinhaltet. Das könnte dann wieder dazu führen, dass man Kobayashi und Perez in den Top 5 sieht.

Mercedes wird in Ungarn wohl kaum etwas reißen können. Die angesprochenen Reifenprobleme werden Schumacher und Rosberg zu schaffen machen. Wenn man schon Hockenheim bei mittleren Temperaturen in Probleme kommt, dürfte die Situation in Ungarn nicht besser werden. Aber dem Wagen liegen enge Kurse, wie man an Pole von Schumacher in Monaco gesehen hat. Mit frischen Reifen und einer freien Runde, könnte sich ein Mercedes wieder weit nach vorne schieben. Aber halten wird man diese Position dann nicht. Wie in Hockenheim dürfte man im Verlauf des Rennens wieder zurückfallen um irgendwas zwischen P6 und P10 ins Ziel zu fassen.

Da kann Mercedes froh sein, dass es den nicht minder schnellen Force India in Sachen Reifen ebenfalls nicht besser geht. So flott der Wagen mittlerweile ist, der Speed verpufft im Rennen, weil man entweder auf alten Reifen zu viel Zeit verliert, oder zu früh an die Box muss. Man wird an den Top 10 kratzen, mehr aber vermutlich nicht.

Für Williams lief es in den letzten Rennen nicht gut, und dies nicht nur, weil Maldonado den Rabauken auf der Strecke spielte. Der FW34 ist schnell, auch und gerade auf engen Kursen, aber er hat ebenfalls ein Problem mit den Reifen. In Hockenheim versackte man ins Mittelfeld, auch weil man eine falsche Strategie wählte. Es wird schwer für Williams, die zu dem aus Geldmangel schon jetzt eher kleinere Updates an die Strecke bringen.

Toro Rosso macht auch keinen Schritt nach vorne. Die Saison fing nicht schlecht an, aber in Sachen Weiterentwicklung hakt es doch gewaltig. Da sie im Nirvana zwischen Williams und Caterham hängen, fällt es auch schwer die Leistung der Piloten einzuschätzen.

Caterham, Marussia und HRT bilder weiter das Ende des Feldes. Sahen die Zeiten von Caterham vor dem letzten Rennen noch recht gut aus, war der Abstand in Hockenheim doch wieder eher erschreckend groß. Bei Marussia geht es auch nicht so recht voran, auch wenn man ein größeres Update am Wagen hat. Man muss eher aufpassen, dass HRT von hinten ran kommt.

Strategie:

Der Zeitverlust beim Boxenstopp hält sich in Ungarn einigermaßen in Grenzen, aber 20 Sekunden werden sein. Das gibt wenig Spielraum für eine Drei-Stopp-Strategie, die aber durchaus Sinn machen kann, wenn man denn am Ende zwei neue Satz weiche Reifen hat. Allerdings ist da noch der Verkehr, den man mit einberechnen muss. Die Spitze wird auf der Soft-Mischung an den Start gehen, der erste Stint dürfte recht kurz werden. Man könnte dann einen langen zweiten Stint auf den Medium drehen, in der Hoffnung, dass die Strecke übers Rennen hin sich deutlich verbessert und Gummi aufbaut. Danach zwei schnelle Stopps und Stint mit weichen Reifen könnten eine Alternative sein. Aber diese Strategie hat sehe viele Unabwägbarkeiten, daher wird die konservative 2-Stopp-Strategie die Lösung sein. Ein-Stopper sehe ich auf der Strecke nicht. Man müsste rund 35 Runden auf den weichen Reifen fahren, oder mehr als 40 auf den Medium. Das ist deutlich zu viel.

Das Rennen wird dementsprechend dann eine sehr lange, sehr ruhige Phase haben, in der man darauf achtet, so lange wie möglich mit den Medium Reifen unterwegs zu sein. Gegen Ende wird die Spannung wegen der unterschiedlichen Strategien dann wieder deutlich steigen.

Zahlen:

Aero-Setup: Hoher Abtrieb
Topspeed: 300 km/h (Mit DRS), 295 km/h (ohne)
Vollgasanteil: 58% (niedrig)
Spritladung: ca. 145 Kilo (niedrig)
Spritverbrauch: ca. 2 Kilo/Runde (niedrig)
Zeitverlust pro 10kg Benzin/Runde: 0,28 Sek (mittel)
Zeitverlust Boxenstopp: Ca. 20 Sekunden

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