Das Rennen auf dem Flugplatz von Edmonton zeigte sich trotz fehlender Gelbphasen sehr abwechslungsreich. Vielleicht waren die nicht vorhandenen Caution aber auch der Grund dafür.

© Bridgestone Media

Am Ende hing dann einer im Zaun. Helio Castroneves war es und das ist normalerweise immer ein deutliches Zeichen dafür, dass er sich freut. Im Gegensatz zu 2010, da hing er am Kragen eines IndyCar Offiziellen, der ihm kleinkariert ein Blocking-Manöver vorwarf und den Sieg einkassierte. Helio hat sich seinen Sieg also zurück geholt und dies in einem sehr klug gefahrenen und strategisch durchdachtem Rennen. Und plötzlich liegt Castroneves auch in der Meisterschaft in einer guten Position. Auch Will Power konnte seine Tabellensituation verbessern, weil Andretti Racing in Edmonton patzte.

Irgendwie ist Castroneves in diesem Jahr unter meinem Radar gefahren. Seit zwei Jahren tut sich der Ex-Meister schwer, auch gegen seinen Teamkollegen Will Power, der die Meisterschaft zwar zu dominieren pflegte, diese aber gerne im letzten Rennen an Dario Franchitti abtrat. Tatsächlich hat Helio in diesem Jahr schon mal gewonnen, in St. Petersburg war es. Und ähnlich wie Mark Webber in der Formel Eins, brachte sich Helio durch fleissiges, aber unauffälliges Punktesammeln in eine gute Position.

Das Rennen sah aber zunächst Alex Tagliani an der Spitze. Von Platz 3 kommend, quetschte er sich in der ersten Kurve an allen vorbei und übernahm die Spitze. So richtig groß wurde sein Abstand auf die Konkurrenz nicht, aber es reichte um ca. 2/3 des Rennens die Spitzenposition zu belegen. Will Power musste wegen eines Motorenwechsel von P17 starten, kämpfte sich aber langsam durch das Feld. Sein Problem war, dass er dabei einige “Push to pass” Sekunden verbrauchte, die ihm am Ende im Finish fehlen sollten.

Ryan Hunter-Ray lag zu Beginn des Rennens um P11 herum, war aber auch auf der härteren Mischung gestartet. Er versuchte seine Postion zu halten, vermutlich ging man davon aus, dass eine Gelbphase das Feld wieder zusammen bringen würde. Mit neuen, weichen Reifen wäre er in der Schlussphase dann in einer guten Position gewesen. Doch die Caution kam nicht, und die Strategen an der Andretti-Box sahen sich erhöhtem Druck von Penske ausgesetzt. RHR schien mit stumpfen Waffen zu kämpfen, denn auch mit den weichen Reifen kam er später kaum vom Fleck. Im Gegensatz zu Will Power, der sich langsam aber sicher an die Top 5 heran robbte.

Das letzte Renndrittel wurde dann von der Strategie bestimmt. Tagliani kämpfte mit nachlassenden Reifen, aber das Herta-Team wollte den letzten Stopp so spät wie möglich setzen, damit man genügend Sprit hatte. Penske holte Castroneves dann schliesslich an die Box, was sich als Glücksgriff erweisen sollte. Tagliani kam zwar eine Runde später, aber da hatte Castroneves den Undercut mit frischen Reifen schon geschafft.

Doch damit war Helio noch nicht durch, denn von hinten nahte der im ganzen Rennen sehr stark fahrende Takuma Sato. Der Japaner waar vor allem auf der Bremse deutlich besser als Castroneves, der hatte aber wiederum mehr “Push to Pass” Sekunden übrig. Sato kämpfte verzweifelt, kam aber nie in eine Position, in der er hätte angreifen können. Helio hilt dem Druck stand und holte sich schließlich den wohlverdienten Sieg.

Will Power schaffte am Ende P3, während Hunter-Ray nur auf P7 ins Ziel lief. Das kostet den Andretti-Piloten wichtige Punkte und die Meisterschaft ist nun wieder völlig offen. Noch führt RHR mit 362 Punkten, doch dahinter lauern die Castroneves mit 339 und Power mit 336 Zählern. Vier Rennen stehen noch aus, bei jedem kann man 50 Punkte einsammeln. Die nächsten Rennen werden also entscheidend sein. RHR braucht für das letzte Rennen in Fontana ein satten Vorsprung, denn im Oval werden die Penske schwer zu schlagen sein.

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