Ja – das Rennen heißt wirklich nur “Edmonton Indy”. Und wenn man nicht bald einen Sponsor findet, könnte der zweite Lauf auf der umgebauten Strecke auch schon wieder der letzte sein.

(c) INDYCAR/LAT USA

Das behaupten zumindest hartnäckige Gerüchte, die das zweite Rennen in Kanada schon für die kommende Saison auf der Abschussliste sehen – und das, obwohl man eigentlich erst 2011 einen neuen, mehrjährigen Vertrag abgeschlossen hat. Schade wäre es auf jeden Fall, denn die völlig erneuerte Strecke auf dem Flughafen der fünftgrößten kanadischen Stadt kann durchaus für spannende Rennen bescheren. Schöner anzusehen als ihr Vorgänger ist sie auf jeden Fall. Und die vielen Haarnadeln sorgen, wenn schon nicht für Überholmanöver, dann zumindest fast sicher wieder für Kleinholz. Man sollte aber nicht nur deswegen zusehen, denn auch die Meisterschaftsentscheidung ist nach Ryan Hunter-Reays jüngster Siegserie wieder richtig spannend geworden.

Nur noch fünf Rennen vor Schluss ist Hunter-Reay nämlich nach seinem jüngsten Erfolg, jenem von Toronto vor eineinhalb Wochen, ziemlich deutlich in Führung gegangen. Ganze 34 Punkte muss der unglückliche Will Power nach seinem nur 15. Rang dort aufholen. Noch weiter zurück liegt Helio Castroneves, dessen dritter Platz in der Meisterschaft anhand seiner zuletzt meist unauffälligen Zielankünfte dennoch eine Überraschung ist. Scott Dixon liegt mit 54 Punkten (also einem Sieg plus 4 Punkte) Rückstand nach seinem frühen Motorschaden in Toronto schon fast abgeschlagen zurück.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Neuseeländer zu allem Überfluss auch noch in der Startaufstellung zehn Plätze nach hinten versetzt wird. Er hat nämlich nach seinem Defekt nun keinen neuen Motor mehr übrig, und muss deshalb mehr als die von der INDYCAR erlaubte Anzahl von fünf Motoren einsetzen. Eine harte Strafe für den Piloten – vielleicht sollten sich die Verantwortlichen überlegen, ob man nicht für spätere Saisons einen Straf-Modus finden kann, der nicht den Piloten, sondern das Team trifft. Denn die Probleme, um die es hier geht, liegen nur in den wenigsten Fällen in den Händen der Fahrer.

Immerhin, könnte sich Scott Dixon sagen: Er ist ganz sicher nicht der einzige, den es trifft. Denn fast alle Fahrer waren bereits vor Toronto nahe am erlaubten Limit, und wohl kaum jemand wird es schaffen, bis Fontana mit nur fünf Aggregaten durchzufahren. Zumindest insofern kann man vielleicht doch von einer Art fairer Lösung sprechen – und jedenfalls ist es vorteilhafter, in Edmonton zehn Plätze zurückversetzt zu werden, als auf den danach folgenden Überhol-Killern von Mid-Ohio, Sonoma oder Baltimore.

Beim Thema Strecken: Besonders viel hat sich am spekulierten Kalender für die kommende Saison noch nicht getan, seitdem es nach Chinas ersatzloser Streichung einige Diskussionen gegeben hatte. Fix ist bisher nur, dass die IndyCar Series auf der ehemaligen Champ Car Strecke im Reliant Park von Houston einen neuen Austragungsort haben wird. Nicht fix ist dagegen, dass alle in dieser Saison angesteuerten Strecken auf dem Kalender bleiben: Hinter Texas steht etwa, nach jüngsten kritischen Tweets von Besitzer Bruton Smith, ein dickes Fragezeichen. Auch dass man nächstes Jahr wieder in Edmonton unterwegs sein wird, ist, wie oben schon geschrieben, alles andere als eine klare Sache.

Stellt sich also die Frage: Wo soll man sonst fahren, wenn man die von CEO Randy Bernard avisierten 19 Rennen zusammenbringen will? Road America wird es vermutlich auch 2013 nicht geben, weil die INDYCAR den beiden Austragungsorten in Detroit und Milwaukee wohl versprochen hat, kein weiteres Rennen in geographischer Nähe abzuhalten, weil man sonst die Fan-Ströme an diese beiden Strecken austrocknen würde. So weit, so “schade aber verständlich”. Gespräche mit dem Michgan International Speedway verlaufen wohl äußerst zäh, ebenso wie jene mit der Stadt Fort Lauderdale und der neuen Formel 1-Strecke in Austin, Texas.

Ernsthafte Diskussionen führt man angeblich mit dem Phoenix International Raceway. Unterschrieben ist aber auch hier (lange) noch nichts. Immer wieder gab es auch von beiden Seiten nicht dementierte Gerüchte, die IndyCar könnte an einem Rennen in Pocono interessiert sein.

Einen deutlichen Hinweis darauf, dass im kommerziellen Bereich der Serie nicht alles völlig in Ordnung ist, gab es in der vergangenen Woche. Da wurde nämlich bekannt, dass INDYCARs Chief Operating Officer (COO) Marc Koretzky völlig überraschend gekündigt hat.

Einen Neuzugang gibt es dafür beim übernächsten Rennen in Baltimore: Sebastian Saavedra hat wieder einmal das Geld für einen Auftritt bei AFS Racing zusammengekratzt, und wird daher auf dem Wüstenkurs im südlichen Kalifornien in einem IndyCar dieses Teams sitzen.

Noch eine weitere Neuigkeit gibt es zu vermelden – sie ist allerdings mit besonderer Vorsicht zu genießen. Eine italienische Motorsportzeitschrift hat in der vergangenen Woche berichtet, dass Coloni Racing an einem Wechsel in die IndyCar Series interessiert sein könnte. Hintergrund: Nach (bisher ziemlich mysteriösen) Streitigkeiten mit der GP2 Series hat das Team beschlossen, trotz länger laufendem Vertrag zu Ende der Saison aus der Nachwuchsserie auszusteigen. Die IndyCar Series könnte ein Ersatz für das nun völlig unbeschäftigte GP2-Team sein. Wie man allerdings das Geld für eine Übersiedlung in die USA aufstellen will, um dort in einer Serie aufzutreten, an der die bisherigen (europäischen) Sponsoren des Teams nur wenig Interesse haben dürften, ist bisher nicht geklärt.

Im TV

Übertragen wird das Rennen, man möchte fast sagen “endlich”, wieder von NBC Sports. Und die beweisen einmal mehr, wieviel Sendezeit sie der IndyCar Series trotz magerer Einschaltquoten immer noch zur Verfügung stellen. Am Samstag gibt es ein Live-Broadcast des Qualifyings, das um 0:30 Uhr in der Nacht auf Sonntag (MEZ) ausgetragen wird.

Die Rennübertragung beginnt um 18:00 Uhr mit der Dokumentation “IndyCar 36″, die sich diesmal James Hinchcliffe widmet. Um 18:30 folgt dann live das Rennen der Indy Lights. Die IndyCar Series beginnt um 20:00 Uhr, die grüne Flagge fällt dem Vernehmen nach 30 bis 45 Minuten später.

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