An diesem Wochenende erwacht der japanische Motorsport aus der Le-Mans- und Sommerpause. Den Anfang macht die Formula Nippon, die ihren vierten Lauf auf der nach Suzuka bekanntesten Rennstrecke des Landes, dem Fuji International Speedway, austrägt. Nach den Pleiten, Pech und Pannen der drei stärksten Meisterschaftsanwärter, versucht Koudai Tsukakoshi das Momentum seines ersten Saisonsieges aus Autopolis auch an den Fuß des Fuji-san zu übertragen.

Pleiten, Pech und Pannen ist wahrlich die richtige Umschreibung für das Autopolis-Rennen von Titelverteidiger André Lotterer, JP de Oliveira sowie Kazuki Nakajima. Letzterer hatte dabei noch das meiste „Glück“, denn der Japaner konnte nach einer verkorksten Qualifikation (Startplatz 7) mit einer gewagten Strategie und intelligenter Fahrweise noch den fünften Platz erobern. Seinem Teamkollegen André Lotterer erging es hingegen deutlich schlimmer. Nach lediglich Startplatz 12 fiel der zweimalige Le-Mans-Sieger bedingt durch einen mysteriösen Aufhängungsschaden relativ früh im Rennen aus. Ein Schaden, der auch Tage nach dem Lauf dem Tom’s Team noch einige Stirnfalten bereitete.

Davon abgesehen war sich das komplette Team einig: In Autopolis war man nicht nur zu langsam, sondern fuhr sich auch durch schlechte Entscheidungen keine gute Ausgangsposition in der Qualifikation heraus. Nach einem technischen Schaden im Freien Training sowie zu wenig Zeit in der Qualifikation, war das Rennen von Joao Paulo de Oliveira bereits in der ersten Runde beendet, als er zusammen mit Ryo Orime und Koki Saga im Reifenstapel landete. Der Impul-Fahrer ist seit seiner Meisterschaftssaison und dem Finale in Suzuka 2010 sieglos, zudem verlor er durch diese Nullrunde, wie auch Lotterer, wertvolle Zähler auf Tabellenführer Tsukakoshi. Freilich ist in der Meisterschaft noch nichts entschieden, die Jagd auf den Docomo Team Dandelion Racing-Fahrer Tsukakoshi ist allerdings eröffnet. Vielleicht schafft es an diesem Wochenende de Oliveira, der diesen Freitag seinen Ehrentag hatte und sich somit selbst nachträglich ein Geschenk zum 31. Geburtstag machen könnte. Die Statistik spricht hingegen für Lotterer, der mit drei Siegen in Fuji diese Wertung im derzeitigen Fahrerfeld anführt. Weitere Sieger, mit jeweils einem gewonnen Rennen auf der ehemaligen F1-Strecke, sind JP de Oliveira, Loic Duval, Tsugio Matsuda und Kohei Hirate. Es dürfte auch nicht weiter überraschend sein, dass Toyota bei seinem Heimspiel natürlich eines ihrer motorisierten Fahrzeuge am Sonntag ganz oben auf der Rangliste sehen möchte.

Im Gegensatz zum letzten Jahr, als noch zwei Pflichtreifenstopps vorgeschrieben waren, wird die diesjährige Ausgabe eine andere, taktische herangehensweise erfordern. Zwar wurde der maximale Tankinhalt seitens der JRP zu Beginn der Saison reduziert, dennoch vermutete man bereits damals, dass einige Fahrer in Fuji eventuell ohne Stopps durchfahren könnten – letztlich ist der Spritverbrauch auf der flinken Strecke, insbesondere durch die lange Start-/Zielgerade deutlich geringer als auf den anderen Kursen des Kalenders. Dagegen könnte allerdings die von 220km auf 250km erhöhte Renndistanz sprechen. Dennoch sollte man allerdings insbesondere auf die Fahrer im Mittelfeld achten, die mit solch einer Strategie versuchen könnten, weiter nach vorne zu gelangen. Aber auch die Top-Fahrer, sollten sie erneut Probleme in der Qualifikation haben, könnte sich an dieser Taktik probieren, vorausgesetzt die Asphalttemperatur (bei einer prognostizierten Außentemperatur um die 27 bzw. 28 Grad) ist nicht zu hoch, was dem Reifenverschleiß nicht zu Gute kommen würde. Das Wetter sollte ebenfalls keine Rolle spielen. Am Samstag zur Qualifikation besteht eine leicht größere Chance auf kleinere Regenschauer, während es am Sonntag zum Rennen trocken bleiben soll.

Der Fuji International Speedway benötigt bedingt der Aufmerksamkeit durch die Formel 1 in den 70er Jahren, insbesondere aber durch die beiden Grand Prix’ in den Jahren 2007 und 2008, keine größere Vorstellung. Der Kurs wurde extra für die Rückkehr der Königsklasse von Hermann Tielke umgebaut und an die Sicherheitsstandards angepasst. Im Gegensatz zu anderen Strecken, hat er die Strecke mit der längsten Geraden im kompletten Formula-Nippon-Kalender aber nicht „vertielkt“, wenn auch die Abstinenz einiger Kiesbetten sowie die nahezu fast vollständige Eliminierung des „Bankings“ in einigen Bereichen der Strecke sehr bedauerlich ist. Der Kurs selbst liegt in der Shizuoka-Präfektur direkt am Fuße des Fuji-san, sprich man hat nicht nur von der Rennstrecke einen malerischen Blick auf das wohl bekannteste Wahrzeichen des Landes. Die Strecke hat nach der Neueröffnung im Jahr 2005 eine Gesamtlänge von 4.563 km und insgesamt 16 Kurven, wobei nicht alle einen Namen tragen. Nicht nur aufgrund der langen Start- und Zielgeraden (1,5km) gilt der Kurs als flink, beinhaltet zum Ende hin aber dennoch einige technisch anspruchsvolle mittelschnelle sowie langsame Kurven. Die Formula Nippon fährt die auch von der F1 genutzten Variante, sprich mit der S-Kurve nach der Dunlop-Kurve.

An diesem Wochenende begrüßt das Fahrerlager mit Yuhki Nakayama einen neuen Fahrer. Der 25-jährige Japaner hatte sich 2006 mit Gesamtrang 4 einen Namen in der Nachwuchsserie Formula Challenge Japan gemacht und fuhr von 2007 bis 2009 in der Japanese-Formula-3-Meisterschaft. Seitdem fährt er für Honda und Nakajima Racing in der Super GT, wo er zusammen mit seinem Teamkollegen in Fuji Anfang Mai im Regen die Pole Position eroberte. Nakayamas Formula-Nippon-Debüt wird allerdings nur von kurzer Dauer sein: An der Seite von Toshihiro Kaneishi wird er für HP Real Racing lediglich die Rennen in Fuji und im August auf dem Twin Ring Motegi bestreiten. Über ein weiteres Engagement gibt es derzeit noch keine weiteren, offiziellen Pläne. Besonders erfreulich dürfte hingegen die Ankündigung von Honda sein, dass Takuma Sato doch schon ein Rennen früher in seinen Boliden steigen wird. Wie zur Freude vieler japanischer Fans auf Twitter (und einem nicht zu übersehenden Medien-Echo) wird der tragisch in der letzten Runde des diesjährigen Indy 500 ausgeschiedene, ehemalige F1-Pilot bereits in Sugo im September teilnehmen – eine Woche nach dem IndyCar-Finale in Fontana. Ob Sato nach dem Saisonabschluss in Suzuka auch am JAF Grand Prix teilnehmen wird, ist hingegen noch nicht bekannt. Persönlich gehe ich aber stark davon aus.

Eine wirklich gelungene Promotion-Aktion organisierte die JRP Ende Juni. Vor der Fußball-Partie zwischen Kawasaki Frontale und Vissel Kobe in der J-League Division 1, fuhren Kazuki Nakajima und Koudai Tsukakoshi Demo-Runden, sehr zur Erheiterung der sowieso schon energischen Fans. Nach meiner bescheidenen Meinung eine tolle und gelungene Idee, die nicht nur bei den eigentlichen Fans starken Anklang fand. Auch die bezaubernde Formula-Nippon-Video-Reporterin Yuki Sugino war, wie ich in einem längeren Gespräch mit ihr  erfahren habe, sehr von dem Ganzen angetan. Wir beide waren uns allerdings sofort einig, dass es mit lediglich einer Promo-Aktion noch nicht getan ist. Möchte die Formula Nippon einen ähnlichen Popularitätsgrad wie etwa die Super GT erhalten, und damit an die Glanzzeit der 90er Jahren anschließen, muss mehr getan werden – nicht nur international. Diese Bemühungen gibt es für 2014, wenn auch das neue Auto sowie auch das KERS-ähnliche System E eingeführt werden soll. Diesbezüglich wird bereits im nächsten Jahr die Rennserie einen neuen Namen tragen, wohl auch um den FIA-Regularien entgegenzukommen, nach denen sich eine Rennserie, welche in mehr als drei Ländern unterwegs ist, nicht als eine nationale Rennserie identifizieren darf. Deshalb nannte sich beispielsweise auch die JGTC 2005 in Super GT um. Sollte sich die Trademark- und Co.-Anmeldung nicht weiter verzögert haben, wird die JRP wohl bereits an diesem Wochenende den neuen Namen, der anhand von Vorschlägen im Rahmen eines Gewinnspiels rausgesucht wurde, verkünden. Das J-League-Spiel ging übrigens 0:1 für Kobe aus. Im folgenden ein Video der Demo-Runden:

 

TV-Zeiten Fuji

Wie gehabt gibt’s von der Formula Nippon selbstverständlich nichts im deutschen Fernsehen zu sehen, weshalb man sich erneut an der unbeliebten Graualternative bedienen muss. Die Qualifikation findet erneut ohne Live-Übertragung statt (die zum Zeitpuntk des Erscheinens dieses Artikels übrigens noch voll im Gange ist); am Sonntag steigt J Sports 3 dieses Mal bereits um 6:30 Uhr deutscher Zeit in die Übertragung ein. Das Rennen wird 30 Minuten später um 7 Uhr gestartet. Aufgrund der Umstellung unseres Live-Blog-Plugins von Coveritlive! wird es dieses Mal zwar nicht den gewohnten Live-Blog, dafür aber einen Live-Ticker über unseren Live-Twitter-Account @RacingblogLive sowie auf unserer Webseite in einem separaten Artikel geben. Das Ganze hatten wir bereits erfolgreich zu den 24 Stunden von Le Mans erprobt. Der Live-Ticker startet um 6:40 Uhr.

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