Alles sah nach einem eher langweiligen Nachmittag für Alonso aus. Führung, gute Strategie, die besseren Reifen am Schluss. Und doch ging es am Ende schief.

Das Grinsen im Gesicht von Mark Webber nach dem Rennen galt nicht allein seinem ziemlich hart erkämpften Sieg. Er hatte gleich drei Gründe sich zu freuen: 1. Sieg in England, 2. WM-Rückstand verkürzt, 3. Vorsprung auf Vettel ausgebaut. Besser kann ein Wochenende kaum laufen, und der Australier manövriert sich in eine Position, die ihm, in seinem vielleicht letzten Jahr bei Red Bull, noch einmal eine Titelchance geben könnte. Denn so langsam dünnt sich das Feld der Titelaspiranten aus, vor allem weil McLaren schwächelt. Deren Rennen in Silverstone war quasi zum vergessen, am Ende musste man beide Lotus ziehen lassen. Auch Mercedes sah nicht gut aus, das hatte man aber vor dem Rennen erwartet. Aber trotz des Sieges der Red Bull – Ferrari ist im Moment das Team, dass es zu schlagen gilt.

Nach zwei extrem verregneten Tagen in Silverstone schien beim Rennen dann endlich mal die Sonne. Das war dann für viele Teams eine Überraschung. Zwar hatte man erwartet, dass es am Sonntag nicht so viel regnen würde, aber ein paar Schauer waren laut Prognose doch drin. Da man kaum Runden mit den Slicks gefahren hatte, entschieden sich alle für eine Regen-Abstimmung, also mehr Flügel, weichere Abstimmung. Das ist im Regen nötig, auf trockener Strecke nimmt so eine Abstimmung aber die Reifen deutlich härter ran. Und das sollte sich noch für einige Team als problematisch herausstellen.

Die Startaufstellung sah die meisten auf den “Soft” Reifen, nur Alonso vorne probierte es mit der härteren Mischung. Ein durchaus denkbarer Versuch, denn damit konnte man einen längeren ersten Stint fahren. Das Regenrisiko war zwar zum Start schon gering, aber der längere erste Stint hatte Ferrari bei einigen Rennen schon geholfen. Alonso konnte Webber auch beim Start hinter sich halten und zog im Verlauf der Zeit weiter weg. Das war ein deutlicher Hinweis darauf, dass die weichen Reifen nicht wirklich etwas brachten. Theoretisch hätten sie auf der “grünen” Strecke die bessere Wahl sein sollen, aber wegen der weicheren Abstimmung schienen die harten Gummis durchaus gleichwertig zu sein.

Ferrari: Alles richtig gemacht

Ferrari verstand die Zeiten richtig. Im Grunde hatte man nach dem ersten Stint zwei Alternativen: Einen kurzen Zwischensprint mit der “Soft” Mischung, oder einen langen zweiten Stint mit einem weiteren Satz der Harten um dann die weichen Reifen am Ende zu habe. Auf dem Papier die schnellste Variante, zu mal man deutlich später als Red Bull zur Box fahren konnte. Webber kam zuletzt in Runde 33 an die Box und er nahm wieder die Harten. Alonso kam 4 Runden später und er hatte die Soften, die er 15 Runden um den Kurs tragen musste. Sein Vorsprung betrug knapp 5 Sekunden.

Doch Webber fuhr den Rückstand schon in den ersten Runden von Alonsos Stint einfach zu. Der F2012 und die weichen Reifen funktionierten überhaupt nicht, man sah vor allem am linken Vorderreifen immer wieder Spuren von Graining, was auf eine Überhitzung der Reifen hindeutete. Alonso hatte keine Chance, Webber flog schliesslich vorbei und gewann das Rennen problemlos.

Zu Verdanken hat er den Sieg aber nicht Ferrari, sondern seiner eigenen Leistung. Webber ließ Alonso kaum Ruhe und hielt den Abstand gering. Er pushte das gesamte Rennen, hielt sich Vettel vom Leib und wartete geduldig auch seine Chance, als es so weit war. Ein makellose Fahrt.

Red Bull war dabei am Wochenende aber nicht so stark, wie man es vielleicht erwartet hatte. Das lag sicher an den Bedingungen, aber auch im Rennen war man bei weitem nicht so überlegen, wie viele das befürchtet hatten. Der Speed war aber schon sehr hoch, da konnte eigentlich nur Ferrari mithalten. Vergessen darf man auch nicht, dass man Vettel nach einem eher mauen Start an Massa vorbei schieben konnte, der sich allerdings nicht abschütteln lassen wollte. Der Deutsche hatte im Rennen nicht die Geschwindigkeit seines Teamkollegen, jedenfalls konnte er nicht ausschliessen, so sehr auch pushte. Nach der Zieldurchfahrt war er dementsprechend unzufrieden, auch wenn P3 seine WM-Chancen konserviert.

Bestes Team hinter Red Bull und Ferrari war Lotus. Es war klar, dass man in Silverstone schnell sein würde, aber die mangelnden großen Updates am Auto machen sich langsam bemerkbar. Grosjean gelangen ein paar sensationelle Manöver, in denen er mal wieder sein Talent zeigen konnte, Räikkönen hatte einen schlechten ersten Stint, kam dann aber besser in Schwung. Am Ende hätte er fast noch Massa eingeholt. Lotus steht im Moment gut dar, was aber auch daran liegt, dass Mercedes und vor allem McLaren schwächeln.

McLaren: Weit, weit weg

Vor allem die Briten hatten ein ganz miserables Wochenende. Button blieb in Q1 hängen, Hamilton schaffte es trotz Regen nicht, den Wagen in die Top 5 zu bringen, was für den als Regenspezialisten bekannten Briten auch eher ungewöhnlich ist. Im Rennen lief es dann auch nicht besser. McLaren versuchte die Strategie mit dem kurzem Mittelstint auf weichen Reifen, aber Hamilton klebte hinter der Konkurrenz fest und musste nach wenigen Runden schauen, dass er wieder an die Box kam. Mit den harten Reifen sollte er dann 23 Runden durchfahren, was angesichts des Reifenverschleißes von McLaren eine recht optimistische Idee war. Prompt musste er Grosjean und Schumacher passieren lassen.

Warum der McLaren nicht geht, ist ein kleines Rätsel. Man hatte zu Beginn der Saison klar den schnellsten Wagen, muss aber irgendwann bei der Entwicklung der neuen Teile falsch abgebogen sein. Ob es die neue Nase ist? Das mal wieder umgebaute Heck? Jedenfalls steckt man in einer Sackgasse. Der Sieg aus Kanada darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass McLaren seit Spanien auf schnellen Strecken mit mindestens einem anspruchsvollen Sektor, abgeschlagen ist. Und zwar richtig. Wenn Schumacher, der auf einer ähnlichen Strategie wie Hamilton unterwegs war, in der Lage ist den Briten am Ende über den Reifenverschleiß zu schlagen, dann weiß man, wo McLaren gerade steht. Und man versteht, warum Lotus in der Team-WM nach Silverstone auf P3 vorgestossen ist. Das Dilemma von McLaren: Man weiß wohl selber nicht, wo die Probleme liegen. Man kann es einordnen, aber ist sich wohl nicht sicher, was man ändern soll. Dementsprechend wird man die Sommerpause herbeisehen.

Das Michael Schumacher den dritten Platz aus der Qualifikation nicht würde halten können, war klar. Zu deutlich ist der Unterschied zwischen dem Mercedes, dem Ferrari, Red Bull und auch den Lotus. Im ersten Stint tat Schumacher alles, um irgendwie vorne zu bleiben, aber auch weil der Wagen mit den Reifen zu hart umging, musste der Ex-Meister vorsichtiger fahren, als ihm lieb war. Im gelang das Kunststück ein paar Fahrer aufzuhalten, aber irgendwann musste er dann doch kapitulieren. Mercedes war in Sachen Rundenzeiten weit von der Spitze entfernt, vor allem gegen Ende der Stints. Der siebte Platz von Schumacher spiegelt exakt die Position wieder, in der man sich befindet. Das wird in Hockenheim auch nicht anders sein. Während Schumacher nach dem Rennen noch halbwegs zufrieden schien, war Rosberg sauer. Die Quali hatte er selber verbockt, im Rennen kam er, nach einigen Runden, dann aber gut nach vorne und lag in Reichweite der Punkte. Seine gute Fahrt wurde dann aber von einem klemmenden Schlagschrauber vernichtet, am Ende kam er hinter beiden Toro Rosso ins Ziel.

Um die letzten Punkte wurde dann heftig gerungen. Hülkenberg, Senna und Button langen rundenlang am Schluss zusammen und der Deutsche wehrte sich mit Händen und Füssen. Aber seine Reifen waren runter, irgendwann kamen Senna und Button vorbei. Das war abzusehen, erstaunlich war eher, wie lange Hülkenberg den Zug hinter sich aufhalten konnte.

Es war kein besonders guter Grand Prix, eher mittelmäßig, auch wenn in den letzten Runden dann noch mal Spannung aufkam. An guten Überholmanövern mangelte es nicht, aber weil vorne nur zwei Teams den Ton angeben konnte, fehlte das enge, dichte Feld. Die ersten 5 lagen am Ende in 10 Sekunden, das klingt aber enger, als es tatsächlich war. Schumacher fehlten dann schon 30 Sekunden, was der Rennbeschreibung näher kommt.

Was sonst noch war:

– Kobayashi kegelte beim seinem Stopp seine halbe Boxencrew um. Die wechselten zwar noch die Reifen, zwei Mechaniker mussten danach aber ins Streckenkrankenhaus. Ergebnis: Blaue Flecken und Prellungen, aber nichts gebrochen. Die Rennleitung verlangte nach dem Rennen vom Japaner 25.000 Dollar Strafe.

– Für Petrov war das Rennen schon in der Einführungsrunde beendet, weil sein Motor hoch ging. Lustigerweise twitterte RenaultSportF1 die säuerliche Meldung von Caterham dann auch noch. Nach dem Rennen hieß es, dass wohl ein Ventil die Ursache war. Leider wurde nicht kommuniziert, wie alt der Motor war.

– Pastor Maldonado hatte mal wieder einen Unfall. Dieses Mal nahm er Sergio Perez aus dem Rennen, der allerdings etwas optimistisch versuchte in Brooklands außen zu überholen. Das kann man machen, Platz genug ist, aber offenbar nicht, wenn Maldonado neben einem fährt. In Fahrerkreisen ist man sauer auf den Venezuelaner. Seine Unfallhäufigkeit kennen einige Piloten noch aus der GP2, in der F1 sieht es nicht anders aus. Die Rennkommissare sahen zwar einen Rennunfall, bestraften Maldonado aber mit 10.000 Dollar und einer erneuten Verwarnung.

Nebenbei: In Silverstone gab es das Gerücht, dass Williams das Geld für die Saison ausgeht. Schuld daran sollen auch die vielen Chrash (und damit verbundenen Neuteile) der beiden Piloten sein. Man sollte Senna da aber ein wenig Schutz nehmen, in England ein gutes Rennen fuhr und in letzter Zeit wenig Karbon verbraucht hat.


Bilder: FerrariF1, McLaren, Red Bull/Gepa, Toro Rosso/Gepa, Force India, WilliamsF1, SauberF1, HRT, Marussia, CaterhamF1, DaimlerAG

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