NASCAR: Vorschau Dover Juni 2012

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Am Wochenende beschließt Rennen Nummer 13 in Dover die erste Hälfte der Chase-Qualifikation und zugleich auch die Übertragungsstrecke von FOX in diesem Jahr. Die Strecke ist weder Shorttrack noch Intermediate-Oval, geht aber nicht gerade zimperlich mit den Reifen um. Das könnte am Sonntag vielleicht der Spannung mal wieder etwas zuträglicher sein.

Das erste Saisondrittel ist nach dem Coca-Cola 600 mittlerweile absolviert und auch der Weg zum Chase hat sich damit fast halbiert. Nach dem Rennen am Wochenende stehen den Fahrern noch 13 weitere Meisterschaftsläufe zur Verfügung, um sich mit Top-Resultaten für die NASCAR-Playoffs ab Rennen #27 von 36 zu empfehlen. Gefahren wird am Sonntag auf dem Dover International Speedway, der sich mit einer Länge von einer Meile zwischen Shorttrack und Intermediate-Oval bewegt. Man bezeichnet Dover übrigens auch gerne als großen Bruder von Bristol. Warum? Das wird in folgendem Zitat aus der oben verlinkten Streckenbeschreibung begründet, wobei Letztere wie immer auch noch weitere interessante Informationen bereithält:

„Die „Monster Mile“ in Dover zählt mit ihrem Banking von 24° zu den spektakuläreren Shorttracks und ist ähnlich steil wie Bristol, allerdings mit einer Meile Streckenlänge doppelt so groß. Zwar haben die beiden Geraden noch 9° Kurvenüberhöhung, jedoch ergibt sich beim Herausbeschleunigen eine ähnliche Katapultwirklung wie in „Thunder Valley“. Der Wechsel von 24° auf 9° verläuft ziemlich abrupt, so dass man schnell in der Mauer ist. Eine weitere Gemeinsamkeit mit Bristol ist die Geschichte des Streckenbelags beider Rennpisten: Nachdem zunächst die übliche Asphaltdecke zum Einsatz kam, änderte sich dies Mitte der 90er-Jahre an beiden Orten. In Dover und Bristol finden nun die einzigen Cup-Rennen auf einer Betonfahrbahn statt.“

In diesen Zahlen liegt meine Hoffnung begründet, dass wir am Sonntag mal wieder etwas mehr Action und Spannung zu sehen und zu spüren bekommen. Der Streckenbelag ist für die Ingenieure von Goodyear schon länger ein durchaus heißes Pflaster und so testet man für gewöhnlich jedes Jahr auf der Betonbahn, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Damit ist Dover übrigens bisher die einzige Strecke, auf welcher 2011 und 2012 eine Versuchsfahrt stattgefunden hat, ohne dass etwas an der Konfiguration verändert wurde. Das 1-Meilen-Oval könnte also die Holzreifen endlich mal wieder zum Brennen bringen.

Natürlich meine ich damit keine Reifenplatzer am laufenden Band, sondern eher ein schwierigeres Fahrverhalten und Pneus, bei denen sich das Alter dann auch mal irgendwann bemerkbar macht. Man sieht ja nicht zuletzt an den schlechten Einschaltquoten des Coca-Cola 600, welches in diesem Jahr erstmals seit geraumer Zeit wieder dem Indy 500 unterlegen war, dass dringend etwas passieren muss. Vermutlich sind aber auch die CoT-Silhouetten an der Misere Schuld, an denen die Crew-Chiefs wohl mittlerweile jede Stellschraube auswendig kennen. „2013 FTW“ lautet das Motto, denn ab der nächsten Saison gibt es bekanntlich wieder eine teilweise neue Aerodynamik.

In Dover fällt es besonders schwer, einen Sieger vorherzusagen, denn alle vier Hersteller konnten sich seit Einführung des CoT bereits mindestens eine Fahrt in die Victory-Lane sichern. Die folgende Liste verdeutlicht die für NASCAR-Verhältnisse sehr ausgeglichene Situation:

2007/1: Martin Truex Jr (Dale Earnhardt Inc, Chevrolet)
2007/2: Carl Edwards (Roush Fenway Racing, Ford)
2008/1: Kyle Busch (Joe Gibbs Racing, Toyota)
2008/2: Greg Biffle (Roush Fenway Racing, Ford)
2009/1: Jimmie Johnson (Hendrick Motorsports, Chevrolet)
2009/2: Jimmie Johnson (Hendrick Motorsports, Chevrolet)
2010/1: Kyle Busch (Joe Gibbs Racing, Toyota)
2010/2: Jimmie Johnson (Hendrick Motorsports, Chevrolet)
2011/1: Matt Kenseth (Roush-Fenway Racing, Ford)
2011/2: Kurt Busch (Penske Racing, Dodge)

Da war jetzt also wirklich alles dabei, was in der NASCAR Rang und Namen hat. An dieser Liste kann man vielleicht höchstens ablesen, dass Richard Childress Racing einen gewissen Nachteil in Dover zu haben scheint und der Team-Leader Kevin Harvick sich in diesem Jahr auch eher mit den bekannten konstanten Ergebnissen in die Top7 der Meisterschaft gefahren hat. Der Durchbruch fehlt RCR 2012 bisher noch, aber wer weiß.

Jimmie Johnson erscheint mir nach dem Run von Hendrick Motorsports über die letzten drei Wochen der größte Favorit zu sein und immerhin konnte er in Dover schon sechs Mal gewinnen, was man ja auch nicht mal so eben macht. Spannend wird auch die Fahrt von Kasey Kahne werden, bei dem sich insbesondere die Frage stellt, ob sein Momentum nach dem Sieg im Coca-Cola 600 (in jeglicher Hinsicht) anhält.

Von Roush-Fenway Racing erwarte ich so langsam aber sicher mal wieder einen Sieg, denn alle drei Fahrer haben sich die letzten Wochenende doch zu sehr in den Top10 versteckt. Die Positionen in der Meisterschaft zeigen nämlich bei aller Unauffälligkeit die wahre Stärke der Ford-Mannschaft: Während Greg Biffle und Matt Kenseth nach wie vor die Tabelle anführen, steht Carl Edwards auf Platz 7 noch knapp im Chase.

Versteckt haben sich in letzter Zeit auch die Mannen von Michael Waltrip Racing und wenn Bristol ein guter Indikator für den Sonntag sein kann, dann darf man Großes von Clint Bowyer, Martin Truex Jr sowie Mark Martin erwarten. Leider ist Brian Vickers erst wieder in New Hampshire im Start, obwohl gerade er in Bristol ja ordentlich auftrumpfen konnte. Wenn man bei MWR den Chase sicher erreichen will, muss man dringend wieder zulegen, denn Bowyer ist bereits bis auf Platz 12 zurückgefallen.

Als Überleitung zu Joe Gibbs Racing kommt jetzt noch was aus der Abteilung „Trivia“: Wer hätte gewusst und/oder gedacht, dass Denny Hamlin und sein Teamkollege Kyle Busch in den vergangenen fünf Rennen jeweils vier Top4-Ergebnisse eingefahren haben? Richtig, ich auch nicht! Mir kam das Duo in den letzten Rennen eher etwas unauffällig vor, auch wenn man viele Führungsrunden absolvierte. Weil beide Fahrer übrigens während dieser Serie auch jeweils einen Sieg geholt haben, konnten sie sich mit den Plätzen 3 (Hamlin) und 8 (Busch) gut in der Meisterschaft in Stellung bringen. Was Dover bringt, wird man sehen müssen – ich würde aber sicher nicht gegen die beiden Piloten wetten.

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und ein TV-Zeitplan für das Wochenende.

Dieses Mal sind nach längerer Zeit wieder alle drei nationalen Rennserien gemeinsam unterwegs, was einen vollgepackten Schedule schon am Vorabend verspricht. Nach den harten letzten drei Wochen bleiben wir zum Glück auch vorerst von Flutlicht und Spätschicht verschont. Eine bittere Pille muss dennoch geschluckt werden, denn FOX verabschiedet sich nach Dover bis zum nächsten Daytona 500 und überreicht wie gehabt die Fackel für sechs Rennen an TNT. Die starten natürlich gleich mit dem Kronjuwel (nicht) der NASCAR-Saison in ihre Übertragungsstrecke: Pocono!

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 01.06.
16:00 Uhr, Truck Series Qualifying, SPEED
17:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
18:30 Uhr, Nationwide Series Final Practice, SPEED
20:45 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED
22:30 Uhr, Truck Series Rennen (Lucas Oil 200), SPEED

Samstag, 02.06.
16:30 Uhr, Nationwide Series Qualifying, ESPN2
18:00 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED
19:30 Uhr, Nationwide Series Rennen (5-hour Energy 200), ESPN

Sonntag, 03.06.
19:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (FedEx 400), FOX

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2 Kommentare zu “NASCAR: Vorschau Dover Juni 2012

  1. 1 Juni, 2012 at 12:47

    Zum Thema Reifen hat Dustin Long auf Google+ geschrieben: New tire at Dover for NASCAR teams: Left side features a construction change to give teams more grip while also bringing it into line with what is run at other speedways. … Right side features compound change to help control track rubbering process … Tire set up came from Goodyear tire test April 17-18 with Marcos Ambrose, AJ Allmendinger, Kevin Harvick, Ryan Newman, Kurt Busch and Martin Truex Jr. … Teams ran these right-side tires at Kentucky last year.

    Man hat also den links verstärkt und damit dürften die Reifen wieder wenig überraschendes bieten.

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  2. KristianStooss
    1 Juni, 2012 at 22:15

    @ DonDahlmann: Danke für diese sehr interessante Ergänzung! Wenn das mal keine Hiobsbotschaft deluxe ist… NASCAR bzw. Goodyear will sich wohl offenbar keine Mühe geben! Äh, willst du vielleicht die Analyse übernehmen? :P

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