Sommer, Sonne & reiche Menschen. Mal abgesehen von Singapur, gibt es kein Rennen, dass besser zur Formel Eins passt, als das Rennen in Monaco. Wäre da nicht die Strecke.

Natürlich – Monaco ist, neben Monza, der Klassiker im Programm der Formel Eins. Als einzige Strecke überhaupt ist sie seit Anbeginn im Kalender, und die Strecke ist mehr oder weniger gleich geblieben über die Jahre. Die Streckenabschnitte tragen Namen, die der F1-Fan auswenig kann: Sainte Devote, Mirabeau, Casino, Portier, Tabac, Schwimmbad, La Rasscass. Und man hat die Strecke vermutlich selber schon so oft im Fernsehen gesehen und auf der Konsole gespielt, dass man sie blind im Kopf hat. Um Monaco ranken sich wüste Geschichten aus der Vergangenheit, als Männer wie James Hunt am Abend vor dem Rennen noch in der TipTop-Bar verschwanden. Aber auch heute sind die Partys in Monaco legendär und die besten werden auf den unzähligen Schiffen der besonders Reichen gefeiert. Vor lauter Sponsoring- und Marketingparty verkommt dass Rennen fast zu einen Nebensache. Doch ein Sieg in Monaco ist vielen Fahrern mehr wert, als anderswo auf der Welt. Monaco ist aber auch unberechenbar, was die Vorhersage in diesem Jahr noch schwerer macht.

Nach dem dann doch eher etwas überraschenden Sieg von Pastor Maldonado in Spanien, tauchte der Name des Williams-Piloten allerdings erstaunlich oft auf, wenn es um einen Kandidaten für Platz Eins ging. Einige Fahrer berichteten, dass der Williams vor allem aus den langsamen Kurven hervorragend gut heraus beschleunigte, vor allem Fernando Alonso konnte da ein Lied von singen. Nun ist Traktion auf dem Strassenkurs schone eine nützliche Sache, der Gesamtabtrieb aber auch. Und da zeigte sich der FW34 schon in Australien nicht schlecht, immerhin lag Maldonado bis zur letzten Runde auf Platz 6. Dazu kommt, dass Maldonado Monaco mag. Seine Bilanz aus vier Starts in seiner GP2 Zeit: 2 x erster, 1 x zweiter, 1 x auf P11. Das Rennen, in dem er zweiter wurde, gewann im übrigen ein gewisser Bruno Senna.

Man wird mit den Williams also rechnen müssen, die sich im übrigen immer noch nicht komplett vom Brand erholt haben. McLaren leiht ihnen ein wenig Equipment, aber man berichtete schon, dass die fehlende IT die Vorbereitungen etwas behindert hätten. Und natürlich ist Williams nicht alleine.

Mindestens ebenso siegverdächtig ist Red Bull. Die haben zwar Probleme auf den schnellen Strecken, aber mit der Traktion hat der RB8 keiner Probleme. Der Renaultmotor bietet ein gutes Drehzahlband, was auch nicht unwichtig ist, also sollte die Fahrbarkeit des Wagens für Vettel und Webber kein großes Thema sein. Etwas spannender dürfte die Frage sein, mit welchem Heck Red Bull am Wochenende unterwegs sein wird. Bisher hat man drei Variante gefahren, vielleicht zaubert Adrian Newey ja noch eine vierte für Monaco aus dem Hut. Und so viel auch zum Thema: Freiwillige Kostenbeschränkung.

Bei McLaren bin ich mir nicht so sicher. Die Performance war in den letzten Rennen eher schwankend, aber in Australien gewann man schließlich. Hamilton mag Monaco, auch Button hat hier schon gewonnen. Das Team hat vor und nach Spanien einige Umbaumaßnahmen am Wagen vorgenommen, aber ob die auch ihr Ziel erreicht haben. Ich hatte eher den Eindruck, dass vor allem die neue Nase problematisch ist, vor allem für Button. Die Aerodynamik mag in Monaco zwar nicht so die große Rolle spielen, aber gerade die Passage zwischen der Hafenschikane über Tabac, Schwimmbad bis Rasscass fordert dann doch einiges.

Ferrari bastelt weiter an den Updates rum. Einiges hat in Spanien gut funktioniert, einiges, so Ferrari selber, warf Rätsel auf. Die verbockte Vorderradaufhängung wird man eh dieses Jahr nicht mehr los, aber man sollte nicht vergessen, dass der Eindruck, der Ferrari sei eine rollende Bastelbude, etwas täuscht. Immerhin führt Alonso gemeinsam mit Vettel die WM an. Gefühlsmäßig traue ich Ferrari und dem Spanier in Monaco einiges zu. Weit aus weniger gefühlsmäßig, sondern sehr ernsthaft, hat Ferrari nach dem Rennen in Spanien Felippe Massa an den Pranger gestellt. Man erwarte, so die Pressemitteilung, dass Massa in Monaco wieder seine “normale” Form zeigen würde. Das ist dann schon sein deutlicher Warnschuss in Richtung des Brasilianers, der mit mickrigen 2 Punkten in der WM da steht. Ferrari braucht die Punkte aber in Sachen Team-WM und je länger man mit einer Entlassung wartet, desto schwieriger wird es für den Nachfolger. Das Massa die Saison überlebt ist also unsicher, dass er 2013 woanders fahren wird, vermutlich nicht.

Auch bei Mercedes macht man sich so seine Gedanken. Man rechnet in Monaco eher nicht mit einem Sieg, der lange Radstand des Wagens macht das wohl eher schwierig. Man stapelt tief vor dem Rennen, was bei Mercedes schon ein Zeichen dafür ist, dass man sich auch nicht viel erwartet. Die Kritik am Team wird dagegen durchaus lauter. Nach dem Sieg war kurz Ruhe, jetzt fragt man sich, warum in Spanien unter “ferner liefen” fiel und sich auch noch Sauber überholen lassen musste. Auch Schumacher steht nach seinem erneuten Crash in der Kritik. Norbert Haug ließ die Woche schon mal fallen, dass man Paul di Resta durchaus beobachten würde. Der Vertrag von Schumacher läuft Ende des Jahres aus, eine Option gibt es aber für 2013.

Auch Lotus hat in Sachen Sieg schon abgewunken. Die Strecke liegt dem E20 nicht, vielleicht kann Räikkönen, der sie wiederum mag, was rausreißen. Aber generell sieht man sich nicht in der Lage, ums Podium zu fahren.

Sauber ist, wie in den letzten Rennen oft, durchaus ein Kandidat fürs Podium. Perez hatte in Spanien Pech, als Grosjean ihm den Hinterreifen aufschlitzte. Der Mexikaner lag auf P4 zu dem Zeitpunkt, das Rennen hätte also einen interessanten Verlauf nehmen können. Bekanntermaßen sind die Sauber sehr sanft zu den Reifen, was auch in Monaco ein Vorteil sein könnte.

Der Rest des Feldes wird sich um die Plätze 12 bis 24 kloppen, wobei Caterham vermutlich weiter keine Rolle spielen wird. Die Updates, die man in Mugello ausprobiert hat, funktionieren noch nicht so richtig, der gesamte Wagen produziert zu wenig Abtrieb, was in Monaco wirklich ärgerlich ist. Mittlerweile hat Tony Fernandes seiner Designer Mike Gasconye in den Hintergrund geschoben und die halbe Entwicklungsmannschaft umgebaut. Sein eigentliches Ziel in diesem Jahr war, dass man in Richtung P10 vorstossen kann, aber davon ist man locker 1.5 Sekunden entfernt

Zur Strategie: Pirelli bringt die Mischungen Soft/Supersoft nach Monaco. Die Supersoft Mischung hat, im Gegensatz zu Soft/Medium und Hart unverändert gelassen, nur die Flanken wurden verstärkt. Der Abstand zwischen den Soft/Supersoft dürfte auf einer Runde rund 0,6 Sekunden betragen, im Rennen, wenn Gummi auf der Strecke ist, deutlich weniger. Man kann mit den Soft, wie Hamilton in Spanien gezeigt hat, relativ lange unterwegs sein. Monaco nimmt die Reifen zu dem auch nicht sonderlich hart ran. Entscheidend wird der erste Stopp sein. Je länger man die Supersoft quetschen kann, desto besser. Der Verkehr ist in Monaco bekanntermaßen ein Problem, also bringt ein früher Stopp nichts, weil man dann im Pulk zu viel Zeit verliert. 15 Runden ist das Minimum, was man fahren muss, danach sollte man theoretisch mit den Soften durchfahren können. Vettel hat das letztes Jahr gemacht, die Chancen, dass das auch dieses Jahr geht, sind recht groß. Möglich ist auch eine asynchrone Zwei-Stopp-Strategie. Man fährt einen langen ersten Stint und legt zwei Stopps so, dass man eine Lücke im Verkehr hat, wenn die anderen an der Box sind. Dafür muss man sich aber einen Vorsprung von 20 bis 25 Sekunden auf den Hintermann raus fahren.

Ein paar kleine Änderungen gibt es auch an der Strecke. Die Bodenwelle Ausgangs der Schikane, die beim Anbremsen im letzten Jahr Perez zum Verhängnis wurde, hat man entfernt. Die TecPro-Barrieren stehen nun 15 Meter weiter hinten. Die TecPro-Dinger stehen jetzt auch am Schwimmbad, was sicher eine gute Idee ist. Die Boxenausfahrt wurde deutlich verbreitet. Man hat ein paar Bäume entfernt und die Wagen können jetzt leichter beschleunigen. Was die Ausfahrt nach Saint Devote sicher interessanter machen wird. DRS kann man einsetzen, allerdings nicht im Tunnel. Die DRS-Zone dürfte die Start/Zielgerade sein. Kann man aber in Monaco getrost vergessen, die Geraden sind allesamt nicht lang genug.

Achtung: Die freien Trainingssession sind schon am Donnerstag!

Streckeninfos:

Topspeed: 295 km/h (mit DRS) 287 km/h (ohne)
Aerodynamisches Setup: Hoch (oder auch: Alles was drauf geht aufs Auto)
Vollgasanteil: 45% (niedrigster Wert im Jahr)
Bremsanteil: 12% (hoch)
Bremsverschleiss: Mittel
Benzin: 120 kg (sehr niedrig)
Verbauch: 1.55 kg/Runde (sehr niedirig)
Zeitverlust: 0,28 Sek (pro 10kg/Runde)
Boxenstopp: 25 Sekunden (könnte weniger sein mit der neuen Ausfahrt)

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