Formel Eins: Vorschau 2012 Teil 1: Teams

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Wie in jedem Jahr, gibt es auch 2012 unsere große F1 Vorschau. Zunächst sind die Teams an der Reihe, auf die Fahrer gehe ich in einem eigenen Artikel ein.

2012 markiert keine große, aber doch sichtbare Veränderung im Regelwerk der Formel Eins. Sichtbar vor allem an den wohl hässlichsten Formel 1 Wagen seit dem man die Serie kennt. Die Stufe in der Nase resultiert aus dem Wunsch der FIA, die Wagen sicherer zu machen. Die Nasen sind in den letzten Jahren immer weiter noch oben gerutscht, damit die Fahrzeuge mehr Luft unter das Auto bekommen. Gleichzeitig ist so eine hohe Nase aber auch ein Sicherheitsrisiko, wenn es um einen Seitenaufprall geht. Also hat die FIA angeordnet, dass die Nase 10 cm niedriger sein müsse, als vorher, während das Monocoque, also da, wo die Nase angebracht wird, weiterhin die alte Höhe haben darf. So entsteht halt eine Stufe, die einige Team elegant (Lotus), praktisch (Red Bull) oder gar nicht gelöst haben (Der Rest, abgesehen von McLaren und Marussia). Das McLaren keine Stufe hat, liegt daran, dass man das gesamte Monocoque niedriger gebaut. Immerhin gewinnt man damit schon mal recht leicht den Schönheitspreis 2012 in der Formel Eins. Ob die Lösung aber auch schnell ist?

Als Basis der Liste dient Konstrukteurs-Wertung aus dem letzten Jahr.

1. Red Bull [Twitter]
Die Weltmeister der Jahre 2010 und 2011 sollten naturgemäß auch 2012 ganz vorne zu finden sein. Man ging mit einem deutlichen Vorsprung in den Winter und wird den auch nicht komplett eingebüßt haben. Bei den Tests sah Red Bull gut, aber nicht sensationell gut aus. Schnelle Zeiten sah man selten, was viele Gründe haben kann. Der komplett Umbau des Hecks zwei Tage vor Ende der Testläufe stimmt mich aber etwas vorsichtig, was die Form des Teams angeht. Die Chance, dass sich Adrian Newey beim RB8, der im Prinzip eine Evolution des RB7 ist, total verhauen hat, ist sehr gering. Aber die Möglichkeit, dass man noch viel Arbeit vor sich hat und in den ersten Rennen vielleicht nicht ganz vorn steht, ist durchaus da. Aber selbst wenn das der Fall sein sollte: Newey hat in der Vergangenheit immer wieder beweisen, dass er schnell Lösungen für Probleme finden kann und das Red Bull in Sachen Entwicklungsgeschwindigkeit die Nase ganz weit vorne hat.

2. McLaren [Twitter]
In den letzten Jahren sich eine Sache oft wiederholt. Teams, die am Ende der Saison sehr stark aussehen, transportieren dieses Momentum auch in die neue Saison. Das war bei Ferrari (1998), bei Renault (2004) und Red Bull (2009). McLaren sah 2011 nicht schlecht aus und offenbar gibt es etwas, dass ihnen 2012 einen großen Vorteil bringen könnte. Gerüchte besagen, dass schon das 11er Chassis teilweise nach den 13er Regeln, vor alle, was die Front betrifft. Die Briten sind, mal wieder, aerodynamisch einen komplett eigenen Weg gegangen, was bei Tests aber ziemlich gut aussah. Mein Einschätzung (besser Bauchgefühl) sagt, dass McLaren im Moment das Team ist, dass es zu schlagen gilt. Im Team scheint im Moment alles zu stimmen, die Entwicklungsgeschwindigkeit ist auch hoch genug, um mithalten zu können. Für den Saisonstart steht McLaren bei mir ganz oben auf der Liste.

3. Ferrari [Twitter]
Nachdem der letztjährige Einsatzwagen sich als unreparierbar herausstellte, schmiss Ferrari schon ab dem Sommer alles Geld in die Neuentwicklung. Pat Fry, experimentierfreudiger Ex-McLaren-Mann, löste Aldo Costa ab. Dem Chefdesigner warf man vor, dass er nicht mutig genug sei. Heraus gekommen ist der hässlichste Ferrari F1 seit Menschengedenken, der sich bei den Tests als Krücke herausstellte. Fry selber gab zu, dass man nicht mal an ein Podium denken würde, stattdessen soll es im Mai ein großes Update (auch B-Version genannt) geben. Also wieder nichts bei Ferrari? Vorsicht, denn langsam war der Ferrari nicht. Die Probleme liegen beim Reifenverschleiss und beim Abtrieb- aber zumindest letzteres ist etwas, was in den Griff bekommen kann. Dazu kommt, dass die Aerodynamik des F2012 so komplex ist, dass man Probleme mit der Abstimmung hat. Ein Durchbruch ist aber auch hier leicht erreicht. Dennoch: Die ersten Rennen wird Ferrari abschreiben können.

4. Mercedes [Twitter]
Nachdem der W02 noch schlechter war, als sein Vorgänger und man den 4.Platz nur halten konnte, weil Renault letztes Jahr komplett verwachst hatte, ist der W03 auf jeden Fall ein Schritt nach vorne. Der Speed stimmt, die Longruns sehen sehr gut, und das mit allen Reifenmischungen. Einige Beobachter sehen in Mercedes das “dark horse” des Jahres, auf der anderen Seite war der Reifenverschleiss bei den Tests sichtbar zu hoch. Aber dafür meinen einige Journalisten eine einfache Lösung gefunden zu haben: Mercedes sei mit jeder Menge Ballast im Wagen unterwegs gewesen. Tatsächlich kann das stimmen. Gewicht lässt sich relativ leicht aus den Daten rechnen, wenn man weiß, wie viel schwerer der Wagen als normal war. Und der Ballast lässt sich für ein paar Runden auch mal ausbauen. Ich sehe Mercedes im Moment auf Platz 3 und man hat den Abstand nach vorne reduziert. Was mal 1.5 bis 1.7 Sekunden waren, könnten jetzt zwischen 0.8 und 0.5 Sekunden sein. Das reicht noch nicht für Siege, aber auf manchen Strecken für ein Podium. Dazu kommt, dass Mercedes als einziges Team mit einem “passiven F-Duct” am Frontflügel fährt. Bei hohen Geschwindigkeiten wird der Luftstrom und Abtrieb auf dem Flügel unterbrochen und man erreicht eine höhere Endgeschwindkeit. Im Zusammenspiel mit DRS und den langen Tielke-Geraden sollte das ein kleiner Vorteil sein. Fazit: Schlechter geworden sind sie nicht, ein Podium in den ersten Rennen ist durchaus drin.

5. Lotus (Ex-Renault) [Twitter]
Neuer Name, neue Fahrer, neues Auto. Nach dem Irrweg mit dem Frontauspuff hatte Lotus im letzten Jahr schon früh die Flinte ins Korn geworfen und sich ans 2012er Chassis gewagt. Und das offenbar mit Erfolg. Denn bei den Tests zeigte der Lotus einen erstaunlichen Speed. Sowohl in Jerez, als auch in Barcelona war man nicht nur schnell, auch die Longruns waren von fast beängstigender Gleichmäßigkeit bei guten Zeiten. Das kann natürlich alles nur ein “Show Off” gewesen sein. Vielleicht ist Lotus “echte” Zeiten gefahren, während der Rest gemauert hat. Sehen wird man das alles spätestens in Australien, aber der Eindruck, dass Lotus etwas nach vorne aufgeholt hat, ist schon da. Problematisch ist die neue Fahrerbesetzung. Bei Räikkönen weiß man nie was so kommt, Grosjean ist unbestritten schnell, aber auch schwer einzuschätzen. Lotus könnte in der Lage sein, die großen Vier zu ärgern, auch schon zum Saisonstart.

6. Force India [Twitter]
Die Inder liefern seit drei Jahre zwar keine spektakuläre, aber saubere Arbeit ab. Die Autos sind meist Durchschnitt, haben aber den ein oder anderen technischen Kniff, den sich dann andere wieder gerne abschauen. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders. Bei den Tests fehlten ein wenig die richtig schnellen Zeiten, was einige Beobachter zu der Vermutung führte, dass FI ein Problem haben könnte. Allerdings gab es da einige Longruns von Hülkenberg, die Top5 Niveau hatte. Man muss bei den kleinen Teams immer etwas vorsichtig sein, in der Analyse. Da man eh nicht um den Sieg fährt, kann es gut sein, dass man einen Wagen konstruiert, der zwar in der Quali um P12 liegt, im Rennen aber dank niedriger Verschleisswerte und konstant schnellen Runden plötzlich um P6 auftaucht. FI ist das Kunststück im letzten Jahr durchaus mal gelungen. Ansonsten erwarte ich da keine großen Überraschungen. Der Kampf mit Sauber, Toro Rosso und so weiter ist so eng, dass man eh nicht viel sagen kann.

7. Sauber [Twitter]
Im Prinzip gilt für Sauber das, was ich über Force India geschrieben habe. Die bisherigen Wagen waren allesamt keine Offenbarung, der siebte Platz im letzten Jahr sogar eine herbe Enttäuschung. Man wäre gerne “best of the rest” mit der Chance, die “Großen” mal zu ärgern. In diesem Jahr hat man sich überraschend von Designer-Wunderkind James Key getrennt und seine Position auch nicht weiter besetzt. Ob das eine Schwächung ist, oder ob die Konzepte von Key einfach nicht zu Sauber gepasst haben und man ohne ihn mehr Ruhe ins Team bekommt, bleibt abzuwarten. Die Testfahren sahen nicht schlecht aus, teilweise war Perez richtig schnell unterwegs. Wie immer bei Sauber sahen die Verschleisswerte recht gut aus, auch hier wird man einige 2-Stopp-Rennen sehen. Der generelle Eindruck ist, dass die Schweizer etwas besser vorbereitet sind, als noch vor einem Jahr.

8. Scuderia Toro Rosso [Twitter]
Zu sagen, STR wäre die “B-Variante” von Red Bull ist falsch. Seit einiger Zeit bauen die Italiener ihre eigenen Chassis und dies ja durchaus mit Erfolg. Der neue Wagen macht einen fast konservativen Eindruck und fiel bei den Tests durch eine gewisse Unzuverlässigkeit auf. An Speed fehlt es Toro Rosso nicht, aber die Longruns, so es denn welche gab, waren jetzt nicht gerade die Stärke des Wagens. Man wird sich mit den beiden neuen Fahrern Vergne und Ricciardo vermutlich nicht sofort im Rennen weit vorne sein, aber STR hat im letzten Jahr bewiesen, dass man durchaus entwickeln kann und man so in die Punkte kommt. Aber mein Eindruck ist, dass es dieses Jahr für Toro Rosso mit Punkten richtig schwer wird, weil das Mittelfeld noch enger zusammen gerückt ist.

9. Williams [Twitter]
Schlechter, als im 2011, kann es für Williams einfach nicht laufen. Das sind schon mal die guten Nachrichten. Die schlechte ist: Williams sieht auch in diesem Jahr nicht gut aus. Der FW34 ist nicht ganz so lahm wie sein Vorgänger, aber es fehlt wohl massiv an Abtrieb auf der Vorderachse. Hieß es zumindest in Barcelona. Dazu kommt, dass man mit dem Duo Senna/Maldonado auch nicht unbedingt ein Fahrerpaket geschnürt hat, dass unter dem Verdacht steht, einen Wagen nach vorne entwickeln zu können. Ebenfalls neu ist fast das gesamte Designteam und auch bei der Teamführung hat sich einiges bewegt. Oder anders gesagt: 2012 wird ein Aufbaujahr für Williams, in dem man aber zumindest regelmäßig Punkte wird holen müssen. Sonst laufen die Sponsoren endgültig weg und ob das Team dann noch zu retten sein wird?

10. CaterhamF1 (Ex-Lotus) [Twitter]
Tony Fernandes war im Sommer letzten Jahres “not amused” der Lotus des Jahres 2011 war kein Schritt nach vorne, man knabberte den Sekundenrückstand im Zehntelbereich ab. Mike Gascoyne sah sich unter hohem Druck und lieferte dann im Winter einen Wagen ab, der wieder nicht den Eindruck macht, als sei man weit nach vorne gekommen. Erstaunlicherweise behauptete Heikki Kovalainen nach den Tests, dass man am Mittelfeld um 0,3 Sekunden dran sei. Eine Wunschvorstellung, meiner Meinung nach. Caterham ist bei den Test in den Longruns die mit Abstand schlechtesten Zeiten gefahren. Der Abstand nach vorne müsste weiter so um die 2.5 bis 3 Sekunden betragen, was einfach zu viel ist, um im Mittelfeld was ausrichten zu können. Neuzugang Vitaly Petrov war nach den ersten Runden wohl mittelprächtig geschockt. So wenig Abtrieb habe es nicht mal beim letzjährigen Renault gegeben und das solle was heissen. Q2 wird also schwer für Caterham, denen man aber wünschen würde, dass sie den Anschluss schaffen. Aber, wie gesagt: Da sehe ich eher schwarz.

11. HRT [Twitter]
Alles neu bei HRT. Sogar der Koch, wie man irgendwann per PR-Meldung freudig angekündigte. Wichtiger ist jedoch, dass Colin Kolles, der hervorragende Arbeit geleistet hatte, beim Team raus ist und HRT nach Madrid umziehen will. Der Wagen wurde schon mal nicht zu den Tests fertig, mit dem alten Wagen hatte man auch keine Lust zu testen, obwohl Pirelli ja neue Mischungen mitbringt. Schwer zu sagen, ob man sich vorne bewegen wird, vermutlich eher nicht.

12. Marussia [Twitter]
Auch hier wurde der Neuwagen nicht fertig und man kam nicht zum testen. Blöd, denn das neue Chassis ist erste Frucht aus der Zusammenarbeit mit McLaren. Und die läuft offenbar recht intensiv, denn Marussia ist neben dem McLaren der einzige Wagen, der auf eine Stufe in der Nase verzichtet. Ebenfalls verzichtet man aufs KERS, weil Cosworth keins hat. Für Marussia geht es wohl eher um die Frage, ob man endlich in der WM-Wertung mal HRT schlagen kann.

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About DonDahlmann

Don Dahlmann ist Journalist, Gründer & Chefredakteur des Racingblog.

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