Formel Eins: Testfahrten 23.2.2012

Red Bull, McLaren und Mercedes waren heute in Barcelona wieder mit Longruns beschäftigt. Den Zeiten nach liegt man nicht weit auseinander. Bei Williams gab es heute Vorstandszeiten: Tagesbestzeit für Maldonado.

Eines gleich vorweg: Die Tagesbestzeit von Pastor Maldonado dürfte auch heute wieder nur sehr wenig Wert haben – sie resultiert aus einer Qualifying-Simulation. Und wenn man sich die sonstigen Zeiten des Autos ansieht, könnte man zum Schluss kommen, dass dafür womöglich auch noch einiges an Ballast “vergessen” wurde. Denn Michael Schumacher im neuen Mercedes war bei seinem Ein-Runden-Versuch eine ganze Sekunde langsamer. Und deutlich schneller, als der Williams dürfte der Mercedes auch in diesem Jahr allemal sein. Ob man allerdings auch den Anschluss an die Spitze geschafft hat, ist weiterhin etwas unklar. Erste Hinweise gibt es aber seit heute Nachmittag – Schumacher und Webber haben nämlich netterweise zeitgleich eine Renndistanz simuliert.

Das Ergebnis scheint auf den ersten Blick eindeutig: Schumachers durchschnittliche Rundenzeiten waren etwa eine Sekunde langsamer als die von Webber. Allerdings: Schumacher fuhr etwas mehr Runden (und etwas längere Stints) als Webber – man sollte also im Hinterkopf behalten, dass Schumacher mit neuen Reifen wohl etwas mehr Sprit im Tank hatte, und mit leeren Tank dann etwas verbrauchtere Reifen. Der Mercedes liegt offenbar vor Ferrari und hinter dem vermutlichen Führungsduo von Red Bull und McLaren. Der tatsächliche Rückstand ist zwar vermutlich substanziell – es könnte aber sein, dass er doch ein wenig unter der errechneten Sekunde liegt.

Ein etwas anderes Programm als Red Bull und Mercedes verfolgte heute McLaren – statt einer kompletten Renndistanz fuhr man 10-15 Runden lange Stints, die insgesamt etwas langsamer waren als die, die man gestern gezeigt hatte. Das Vorgehen deutet darauf hin, dass man heute irgendetwas neues getestet hat. Den Zeiten sollte man also noch weniger Beachtung schenken als sonst.

Etwas merkwürdig auch Ferrari, für die heute Felipe Massa unterwegs war. Auch bei den Italienern standen heute einige Stints mittlerer Länge auf dem Programm – und die Zeiten, die man dabei fuhr, waren gar nicht so übel. Nach außen hin gibt man sich weiterhin zugeknöpft und vermittelt ein etwas unzufriedenes Gefühl. Auch, dass man immer noch keine wirklichen Long-Runs zusammenbekommt, man einen etwas wackligen Eindruck. Abschreiben sollte man Ferrari aber noch nicht. Es scheint nämlich durchaus denkbar, dass man langsam beginnt, den Wagen etwas besser zu verstehen. Dass man zudem durchaus Potenzial sieht, scheint auch Fernando Alonsos etwas kryptische Aussage von gestern anzudeuten, dass man zwar “nicht das schnellste Auto” habe, aber “sicherlich auch nicht das langsamste”.

Um den letzteren Titel scheinen sich nach aktuellem Stand eher Caterham und – trotz Tagesbestzeit – Williams zu duellieren. Bei den Malaysiern war heute abermals Neuerwerbung (bzw. eigentlich das Gegenteil – “Neubezahler”?) Vitaly Petrov am Lenkrad. Der fuhr Testeinheiten in der Länge von fünf bis sechs Runden, und lag dabei im Vergleich zu ähnlichen Programmen der Spitzenautos gut drei bis vier Sekunden zurück – und auch deutlich hinter den möglichen Mittelfeldteams Sauber, Force India und Toro Rosso. Rund vier Sekunden Rückstand und der letzte Platz auf dem Tableau sprechen für sich. Auf der anderen Seite der Zeitenliste fand sich Pastor Maldonado, der seine schnellste Runde ebenfalls mit superweichen Reifen erzielte. Die Zeiten, die der Williams auf längeren Runs fuhr, sehen allerdings weniger rosig aus – mit diesem Programm lag man etwa eine Sekunde von den Zeiten, die Timo Glock im Marussia aus dem Jahr 2011 erzielte.

Bleiben Force India, Toro Rosso und Sauber – alle drei dürften irgendwo im Mittelfeld liegen, sind aber weiterhin schwer einzuschätzen. Vor allem Sauber scheint auf eine schnelle Runde aber ganz gut zu liegen: Unter ähnlichen Voraussetzungen lag Kamui Kobayashi heute nur zwei Zehntel hinter Michael Schumacher. Auch Sergio Pérez zeigte sich via Twitter mit dem Wagen ziemlich zufrieden. Allerdings fuhr man ganztags nur kurze Einheiten. Und man sollte nicht vergessen: Die Autos von Sauber sind im Moment noch ziemlich weiß – man könnte mit den positiven Aussagen also auch noch den einen oder anderen Sponsor ködern wollen. Paul di Resta im Force India und Jean-Eric Vergne fuhren heute ebenfalls einige Stints von mittlerer Länge, waren dabei flink aber auch etwas unauffällig, und scheinen im Bereich des Mittelfeldes recht gut platziert zu sein.

Die Zeiten:

1  Maldonado (106 R.) Williams  1.22,391
2  Schumacher (127 R.) Mercedes  1.23,384 +0,993
3  Kobayashi (99 R.) Sauber  1.23,582 +1,191
4  Button (114 R.) McLaren  1.23,918 +1,527
5  Vergne (78 R.) Toro Rosso  1.24,433 +2,042
6  Webber (97 R.) Red Bull  1.24,771 +2,380
7  Massa (84 R.) Ferrari  1.24,771 +2,380
8  Di Resta (83 R.) Force India  1.25,646 +3,255
9  Glock (108 R.) Marussia (2011)  1.26,173 +3,782
10  Petrov (70 R.) Caterham  1.26,448 +4,057

 

Achtung: Die Fotos sind wie immer in HD.

Fotos: Ferrari, Mercedes GP, Force India, Caterham F1, Red Bull, Toro Rosso, Williams F1, Sauber Motorsports AG.

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  1. Deutscher Auto Blogger Digest vom 23.02.2012 | "Auto .. geil" - 24. Februar 2012

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