Das Saison ist vorbei – für den Rennsport insgesamt ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Ein persönlicher Rückblick auf 2011.

Wie jedes Jahr schaut das Racingblog-Team auf die Motorsport-Saison 2011 zurück und pickt sich die Rosinen raus. Die persönlichen Rückblicke erscheinen weiter in den nächsten Tage.

Bestes Rennen
Das ist immer schwer, nach so einer langen Saison, aber auf meiner Liste stehen die 24 Stunden von Le Mans ganz weit oben. Das Rennen hatte wirklich alles, was man sich von einem Rennen wünscht, wenn man mal von den schweren Unfällen absieht. Ich erinnere mich noch genau, wie mit bangen Blick auf den Monitor starrte, wo das zerstörte Wrack von Rockenfeller schemenhaft zu erahnen war. Im Nachhinein ist alles gut gegangen und auch die Unfälle verlieren von ihrem Schrecken. Sie sorgen sogar ein wenig dafür, dass die Dramatik in der Rückschau noch größer ist. Und wie jedes Jahr kann man sich nicht vorstellen, dass die 24 Stunden noch spannender werden können.
Die Formel Eins hatte ebenfalls etliche gute Rennen, aber ganz weit oben steht vermutlich die GP von Kanada, wo ein entfesselter Jenson Button alles in Grund und Boden fahren konnte. Eine Fahrt, die man sich auch in vielen Jahren noch anschauen kann. (Minus die 2 Stunden Unterbrechung).
Auch die BTCC hatte einige spannende Rennen zu bieten, im Kopf hängen geblieben sind mir vor allem die letzten beiden Rennen in Knockhill, wo Jason Plato erst für Furore sorgte um dann von einem “Zigeuner” (O-Ton Plato) abgeschossen zu werden. Weit oben steht auch das sensationelle Rennen der ALMS in Road Atlanta, dass Muscle Milk ultraknapp für sich entscheiden konnte.

Bestes Finish
Normalerweise hätte man das letzte Rennen der NASCAR in Homestead in die Liste der besten Rennen aufnehmen müssen, aber es passt doch besser in diese Kategorie. Besser konnte ein letztes Rennen kaum sein. Mit merkwürdigen Strategie-Calls, Aufholjagden und einem Finish, in dem die beiden Titelaspiranten sich rundenlang um den Kurs trieben. Geradezu sensationell, was Stewart und Edwards da abgeliefert hatten. Ebenfalls toll war das Finish des zweiten WTCC-Laufes in Zolder, wo Seat-Mann Tarquini die Chevy-Armada hinter sich halten konnten. Wunderbar auch der Sieg von Franz Engstler in Oschersleben.
Die Indycars lieferten ebenfalls einige gute Zieleinläufe ab, darunter der Sieg von Ed Carpenter in Kentucky für das chronisch unterfinanzierte Team von Sarah Fisher.

Bester Fahrer
Eine der schwersten Fragen in einem Jahr, zu mal man ja meist nur die Top-Fahrer im Blick hat. Aber man wird in diesem Jahr nicht um Sebastian Vettel herum kommen. Er hat eine perfekte Saison abgeliefert, mehr muss man nicht sagen. Aber es geht heute nicht mehr alleine um die Fahrkunst, sondern auch darum, wie sehr sich ein Fahrer in seinem Team seinen Platz schafft und sich dort vernetzt. Und auch hier muss man Vettel die Note “1” geben. Er hat Webber, der ja viel länger im Team ist, locker verdrängt.
Ein zweiter Fahrer, den ich sehr lobend erwähnen möchte: Martin Tomczyk. Von Audi, nach einigen erfolglosen Jahren, in “B-Team” abgeschoben um dann mit Wut im Bauch doch Meister zu werden. Gute Leistung, man sah auch, wie viel Potenzial in Tomczyk steckt.

Bestes Team
Die logische Antwort müsste “Red Bull” heißen. Ich stimme aber für Audi Motorsport. Die haben einen komplett neuen Wagen mit neuen Werkstoffen an den Start gebracht und damit einen sehr beachteten Sieg in Le Mans heraus gefahren. Und das, obwohl man mit den beiden schweren Unfällen umgehen musste. Das man den Rest des Jahres alle Rennen verlor, ist allerdings mehr als ein Schönheitsfleck. Dennoch – für die Leistung mit dem neuen R18 gebührt Audi ein Preis.

Überholmanöver des Jahres
Bei den ganzen DRS-Manövern ist es schwer, “das” Überholmanöver zu finden. Ein Highlight war sicher der Zweikampf zwischen Button und Hamilton in der Türkei.

Freunde des Jahres
Da gibt es keinen Zweifel: Massa und Hamilton haben sich mit großem Abstand Platz 1 verdient.

Feinde/Duell des Jahres
Keine Prügeleien in der NASCAR, dafür viele, viele Scharmützel. Vor allem Kyle Busch und die Rennleitung wurden keine Freunde, zuletzt dann die Sache mit Ron Hornaday.

Szene des Jahres
Der sind in seine Carbon-Einzelteile zerlegende Audi R18 mit Alan McNish am Steuer.

Kostenpunkt des Jahres
Der “hot blown diffusor” in der F1. Nach dem klar war, dass die FIA ihn doch nicht verbietet, mussten alle Teams nachrüsten. Das bedeutete: komplett neue Auspuffführung, neues Heck, neuer Diffusor, neuer Unterboden und andere Teile. Und dies alles für eine halbe Saison.

Schönster Moment des Jahres
Der Sieg von Ed Carprenter gegen Dario Franchitti. Und die guten Meldungen, wenn es Unfälle gab.

Überraschung des Jahres
Das schlechte Abschneiden von Mark Webber war für mich die Überraschung des Jahres. Wir rätseln ja seit März, warum Webber so wenig Chancen hatte, eine seiner Form kann es nicht liegen. Eine weitere Überraschung war der NASCAR-Titel für Tony Stewart. Nach dem schlechten Jahr 2010 hätte ich gelacht, wenn mir einer im Februar gesagt hätte, dass Stewart den Chase dominieren wird. Grandiose Team-Leistung.

Enttäuschung des Jahres
Vermutlich wird er immer noch davon träumen: J.R. Hildebrandts Crash in der letzten Kurve der letzten Runde beim Indy 500, als er ohne Druck mit viel Abstand zum zweit platzierten es schaffte, einen Unfall zu haben. Das sieht man auch nicht jeden Tag.
Enttäuschend war auch die Performance von Mercedes in der F1. Man hat 2011 keinen Schritt nach vorne machen können, der neue Wagen wieder ein Flop. Im Grunde lief es 2011 noch schlechter als 2010, wenn man sich die Punkte anschaut.

Langweiligstes Rennen
Valencia, Pocono. Wie immer.

Racecontrol-Moment des Jahres
Davon hatte die DTM mal wieder sehr viele, aber das ist man ja gewöhnt. Unvergesslich dürfte allerdings die Entscheidung von Brian Barnhard in der Indycar sein, als seine Mannen im strömenden Rennen in Loudon einfach noch mal starten ließ. Das Ergebnis sah dann so aus:

Glückspilz des Jahres
Alle Fotografen beim Unfall von McNish. Grenz an ein Wunder, dass nichts passiert ist.

Sprüche des Jahres
“Räikkönen, da werden die Debriefings nicht lang dauern!” (Alex Wurz)
“Ich folgte ihm zur Rennmitte etwa 25 Runden lang. Ich denke, er hat alle Leitplanken rund um den Kurs berührt.” (Mark Webber über Kobayashis Fahrweise in Monaco)
“Die Leute haben mich manchmal für einen Klon von Ron gehalten. Ron selbst auch.” (Martin Whitmarsh über sich selbst)
“Florida drivers either drive like Michael Schumacher or Milka Duno… There is no in between!” (Alex Lloyd)
“Just had a rain storm in Montreal but now the sun is out again. Weather changes quicker than Bernie changes his mind” Adam Cooper beschwert sich übers Wetter.

Wünsche für 2012
Eine tolle Debüt-Saison für die WEC. Das jemand Red Bull einholt. Eine DTM, die den Namen wieder verdient. Und keine schweren Unfällen.

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