BTCC/WTCC: Analyse Knockhill & Valencia

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In Knockhill gab es drei recht brauchbare Rennen, während bei der WTCC in Valencia Rob Huuff einen kleinen Schock erlebte.

Das Wetter in Schottland war gut, und das ist schon allein eine kleine Sensation. Die andere war, dass beim ersten Rennen Max Chilton auf der Pole stand und Rob Austin seinen Audi A4 in die zweite Reihe bugsieren konnte. Weniger überraschend war der Startplatz von Jason Plato, der als bester S2000 Wagen auf P6 stand. Aber es war klar, dass das Rennen für ihn zäh werden würde, da die NGTC-Turbos auf der Bergaufgeraden einfach einen Vorteil hatten. Der Start zum ersten Rennen lief auch einigermaßen gesittet hab, seit man mal davon ab, dass sich Frank Wrathall und Mat Jackson ein wenig ins Gehege kamen. Beide konnten aber weiterfahren. Doch für Mat Jackson sollte es kein gutes Rennen werden.

Derweil legte Chilton von Runde zu Runde weiter zu. Matt Neal, der auch P2 lag, hatte nicht den Hauch einer Chance und musste sich nach hinten gegen Gordon Shedden wehren, der ihn mächtig unter Druck setzte. Das Rennen wurde dann kurz unterbrochen, weil Rob Austin und Onslow-Cole eine unangenehme Begegnung hatten, die für beide nicht gut ausging. Austin zerstörte sich sein Heck, der Wagen von Cole schlug seitlich ein und sah nicht wirklich gut aus. Beiden Fahrer passierte aber nichts.

Nach der SC-Phase zog Chilton wieder weg, während Neal und Shedden ihren Zweikampf fortsetzten. Dahinter robbte sich dann Frank Wrathall im Toyota ran, der die Unstimmigkeiten im Honda Team aber nicht nutzen konnte.

Jason Plato steckte im Mittelfeld, wo man wenig bis keinen Respekt vor dem amtierenden Meister zeigte und ihn massiv unter Druck setzte. Plato erlaubte sich dann Ausgangs Turn 3 einen winzigen Fehler als er etwas weit raus kam und schon schlüpften Mat Jackson und James Nash durch. Später musste er auch noch Rob Collard passieren lassen, der sich von relativ weit hinten nach vorne gearbeitet hatte. Collard profitierte aber auch von Pech von Mat Jackson.

Der führte vor dem Rennen in der Meisterschaft, hing aber im Rennen weit zurück. Nach und nach arbeitete er sich nach vorne, doch dann kam das Pech. Kurz vor Schluss platzte der rechte Vorderreifen beim Anbremsen der Haarnadel. Jackson schaffte es noch an die Box, aber damit war klar, dass er keine Punkte bekommen würde.

Das Rennen blieb dann eher ruhig und Chilton konnte einen Vorsprung von 5 Sekunden herausfahren. Auf den Rängen folgten: Neal, Shedden, Wrathall, Collard, Nash, Plato, Boardman, Jordan, Smith, Foster, MacDowell, O’Neill, Neate, Newsham, Smith, George, James, Jackson.

Rennen 2

Zunächst lief auch im zweiten Rennen wieder alles für das Ford Team mit Tom Chilton. Der konnte sich trotz seines Siegballast am Start gegen Matt Neal durchsetzen und übernahm die Führung. Auch sonst gab es zunächst kaum Bewegung in den Top 5. Shedden blieb auf P3, Wrathall im Toyota einen Platz dahinter. Nur Collard, Plato und Boardman lagen im Infight, denn Plato am Ende verlor.

Das Rennen plätscherte dann etwas vor sich hin, ohne dass sich vorne etwas tat. Nur Mat Jackson sorgte wieder für einen aufregenden Moment. Er hatte sich vom letzten Startplatz schon auf P13 vorgefahren, als er es in der Schikane etwas übertrieb und mit der linken Front in die Reifenstapel einschlug. Der Kühler war hin und damit natürlich auch erneut sein Rennen.

Martin Byford versenkte seinen Golf dann nachhaltig in den Reifenstapel der Haarnadel, so dass das SC raus kommen musste. Der Restart lief gesittet ab, aber Chilton konnte sich nun nicht mehr so gut absetzen, wie zuvor. Neal blieb an dem Focus dran und man konnte in den Onboards gut sehen, dass die Hinterreifen des Ford hinüber waren. Der Wagen hatte massives Übersteuern und kam fast aus allen Ecken quer raus. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen und so dauerte es nicht lange, bis die Honda-Armada über ihn herfiel. Neal setzte sich neben ihn und Shedden schlüpfte auch durch. Zu guter letzt schnappte sich auch noch Frank Wrathall den Focus, so dass Chilton auf P4 zurückfiel, wo er Rob Collard und Tom Boardman hinter sich hatte.

Matt Neal konnte sich vorne aber auch nicht absetzen. In einem brillanten Manöver schnappte sich Gordon Shedden seinen Markenkollegen. Ausgangs der Schikane konnte er eine engere Linie fahren und setzte sich neben Neal. Der versuchte dagegen zu halten, aber Shedden hatte die bessere Linie und übernahm die erste Position. Neal konnte das Tempo von Shedden nicht halten, so dass dieser als Lokalmatador einen verdienten Sieg feiern konnte. Frank Wrathall wurde dritter und holte somit das erste Podium für einen echten NGTC Wagen.

Der Einlauf lautete dann: Shedden, Neal, Wrathall, Chilton, Collard, Boardman, Plato, Nash. Der reverse Grid ergab dann P7, so dass Plato für das letzte Rennen die Pole hatte.

Rennen 3

Die Aufstellung lautete: Plato, Boardman, Collard, Chilton, Wrathall, Neal, Shedden und Nash. Der Chevrolet kommt eher mau weg, Boardman kann aber nicht profitieren und muss sich auf P2 einreihen. Dann folgte der Rest.

Plato hatte vor dem Rennen noch gehofft, dass er als erster mit “clean air” eine Chance gegen die Turbos haben würde. Aber dem war dann nicht so. Boardman blieb knapp hinter Plato, auf der Bergaufgeraden hatte er mit dem besseren Drehmoment seines Turbos aber deutlich Vorteile. Er konnte sich zweimal neben den Cruze setzen, aber Plato bremste extrem spät und Boardman kam nicht vorbei. In der dritten Runde wieder das gleiche Spiel, nur kam Boardman etwas besser in T1 rein und stupste Plato an, der abflog. Der meinte nach dem Rennen, dass Boardman einfach Mist gebaut habe. Zudem müsste die TOCA dafür sorgen, dass die Chancengleichheit besser werde. Seine Meisterschaft sei damit gelaufen.

Nach dem Ende der SC-Phase (Platos Wagen musste weggeräumt werden) gab es gleich den nächsten Aufreger. Boardman hatte sich mit dem SC verschätzt und war zu nahe dran. Er bremste seinen Wagen ab, während hinten aber schon wieder Gas gegeben wurde. Das Ergebnis: ein schrottreifer Vectra und viele, viele Teile auf der Strecke. Das SC konnte gleich draussen bleiben.

Der nächste Restart ging dann gut. Boardman blieb dann vorne, Collard dahinter. Wrathall konnte im Laufe der Zeit das Tempo vorne nicht halten und fiel zurück. Chilton schaute sich zwischendrin die Wiesen von Knockhill an, was ihn hinter die Honda warf, die wie üblich miteinander beschäftigt waren.

Mat Jackson war abermals von ganz hinten gestartet, pfeilte aber durchs das Feld, als hätten die 30 PS weniger. Er schaffte es schnell in die Top Ten und lag auf P7, hinter Chilton. Doch er machte erneut einen folgenschweren Fehler und bremste die Haarnadel viel zu spät an. Er rauschte in Chilton, der Shedden anschob, der wiederum Neal anstupste. Während alle weiterfahren konnten, war das Rennen für Jackson erneut beendet. Etwas übermotiviert und das kann ihn die Meisterschaft gekostet haben.

Boardman hielt sich vorne dann in aller Ruhe Collard vom Hals, der mit seinem Saugmotor nicht wirklich eine Chance hatte, auch wenn seine Reifen am Ende besser waren.

Ergebnis: Boardman, Collard, Wrathall, Neal, Shedden, Chilton, Jordan, Cole, Foster und MacDowell.

In der Meisterschaft führt jetzt Gordon Shedden mit 1 Punkt vor Matt Neal. Unglücksrabe Mat Jackson liegt 23 Punkte zurück, aber das heißt noch nichts. Mit Rockingkam, Brands Hatch und Silverstone folgen noch neun Rennen.

WTCC – Valencia

Gleich zum Start des ersten Rennen gab es mächtig Ärger. Der erste Start musste abgebrochen werden, weil Rob Huff zu viel Abstand ließ. Der zweite Start ging dann gut, aber zunächst nur aus Sicht der Seat. Denn Tarquini boxte sich an den Cruze von Muller und Huff vorbei und ging erst einmal in Führung. Dann stand Rob Huff plötzlich quer und verlor mächtig Plätze, weil Alain Menu ihn angestupst hatte. Menu selber hatte allerdings auch einen Schubs von hinten bekommen. Trotzdem eine Katastrophe für Huff, der ins Mittelfeld zurückfiel.

Es entwickelte sich ein schönes Duell zwischen Tarquini und Muller, aber in Runde 3 bremste der Chevy-Pilot in einer Kurve extrem spät und ging innen durch. Und Muller zog sofort weg, während Tarquini mit Alain Menu zu tun hatte. Monteiro lag auf P4, dahinter kamen dann schon die Privatiers, vor allem die BMWs, denen aber im ersten Rennen der Speed für ganz vorne etwas fehlte. Robert Dahlgren hatte nach einer miserablen Qualifikation viel Arbeit, um sich aus dem hinteren Mittelfeld nach vorne zu arbeiten. Immerhin erreichte er dann noch die Top Ten, was das Potenial des Wagens zeigt.

Rückwärts ging es dann leider nur noch für Tarquini, der ein technisches Problem hatte und musste an die Box kommen. Auch Tiago Monteiro rutschte nach und nach weiter nach hinten, was die BMW Meute ausnutze. Rob Huff erreichte nach viel Kampf dann noch P5, was ihm in der Meisterschaft auch nicht viel weiter hilft.

Ergebnis: Muller, Menu, Coronel, Poulsen, Huff, Villa, Michelisz, Monteiro, Dahlgren, D’Aste

Rennen 2

Franz Engstler stand auf Pole, doch leider würgte er den Wagen am Start ab und nur mit Glück fuhr im keiner in den Wagen. Vorne hatte Tom Coronel einen grandiosen Start und konnte die Führung übernehmen, dahinter lagen zwei weitere BMW mit Villa und Michelisz. Die Chevy kamen von weiter hinten und man war sich über die Vorfahrt überhaupt nicht einig. Muller lag vorne, aber Huff konnte in den ersten Kurven neben den Meisterziehen, der ihn dann allerdings mit einem bösen Manöver fast in einen Dreher schickte. Muller riß das Lenkrad einfach nach rechts und schoss Huff beinahe ab. Keine nette Aktion, die schon strafwürdig war.

Damit hielt Muller seinen Konkurrenten aber erst einmal auf Distanz und machte sich auf die Jagd nach Norbert Michelisz, aber so richtig kam er an die BMW nicht ran. Dafür machte Javier Villa Druck auf Tom Coronel, dessen Reifen offenbar schon früh schlapp machten. Jedenfalls lag der BMW von Coronel sehr unruhig auf der Hinterachse.

Muller kam nicht wirklich ran, allerdings schaffte es auch Rob Huff nicht näher an seinem Konkurrenten zu kommen, was etwas erstaunlich war. Muller nahm damit Huff mal wieder wichtige Punkte weg. Und so sah es eigentlich nach einem BMW 1-2-3 aus, doch dann ging mal wieder alles schief. Javier Villa war klar schneller als Coronel und schnappte sich dessen Führungsposition. Doch der Niederländer wollte nicht nachlassen und hielt etliche Kurven dagegen. Das musste in Tränen enden, und das tat es auch. Coronel berührte Villa hinten rechts und schickte diesen ins Kies. Das Chaos nutzte Muller aus, um an Michelisz vorbei zu gehen und so übernahm er noch die Führung, weil Coronel sich erst einmal sortieren musste.

Bei BMW raufte man sich die Haare, bei Chevrolet grinste man übers ganze Gesicht. Immerhin hatte BMW aber noch Michelisz auf P2, der sich brav aus dem Chaos raus gehalten hatte. Der setzte zeitweise sogar Muller unter Druck, kam aber nie wirklich in eine Position, die den Cruze hätte gefährden können. Immerhin hielt sich der Ungar Rob Huff vom Leib, der von hinten Druck machte.

Das sah alles recht gut aus, aber dann kam die letzte Kurve und Michelisz verlor unerklärlicherweise seinen Wagen aus Ausgang der letzten Kurve. Er drehte sich nach innen und die Chevy Mannschaft sagte “Danke”, denn jetzt kam man in der Reihenfolge Menu, Huff und Menu rein. Coronel belegte immerhin noch P4, es folgten Tarquini, Poulsen, Michelisz, Oriola, Dahlgren und Engstler.

In der Meisterschaft führten die Ergebnisse dazu, dass Muller sich weiter von Huff absetzen konnte. der Brite wird sich für die restlichen Rennen etwas einfallen lassen müssen, wenn er noch Meister werden möchte.

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About DonDahlmann

Don Dahlmann ist Journalist, Gründer & Chefredakteur des Racingblog.

1 Kommentar zu “BTCC/WTCC: Analyse Knockhill & Valencia

  1. StefanTegethoff
    5 September, 2011 at 13:44

    Weil ich gestern noch ne halbe Stunde Bespaßung beim Geschirrspülen brauchte, hab ich mir das dritte Rennen der BTCC mal angesehen.

    Die Aktion von Tom Boardman gegen Jason Plato war alles andere als in Ordnung und ich bin überrascht, dass es dafür keine Strafe gab. Auf der Geraden ist ein Bump okay, aber wenn man jemandem in der Kurve hinten auf die Ecke fährt, fliegt er halt ab und sowas sollte (auch im Tourenwagensport) nicht als normales Rennmanöver durchgehen, das ist ein Abschuss!

    Dass es keine Strafe für sowas gibt, hat mich noch mehr gewundert, nachdem ich in der August-Ausgabe der britischen MotorSport gelesen hatte, dass de BTCC mittlerweile einen “Driving Standards Advisor” eingesetzt hat, weil man selbst schon erkannt hat, dass manchen Piloten anscheinend der Sinn dafür fehlt, was man machen kann und was nicht – der hat gestern nachmittag aber anscheinend geschlafen…

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