Ein grandioses Rennen im ersten Teil, ein starker McLaren und ein schwächelnder Red Bull sorgten für einen der abwechslungsreichsten Grand Prix der Saison.

Man kann nicht sagen, dass man bei Red Bull nach dem Rennen lange Gesichter machte, denn Platz 3 und 4 ist wahrlich kein schlechtes Ergebnis. Aber leichte Sorgenfalten konnte man bei Christian Horner schon sehen. Zu deutlich waren die Probleme, die Red Bull im Rennen hatte, vor allem, was den Drop Off der Pirelli Reifen in den letzten Runden eines Stints angeht. Auffallend war auch mal wieder, der merkwürdige Unterschied zwischen der Quali-Performance und dem Speed im Rennen des RB7. Auch wenn der am Ring etwas kleiner ausfiel, als das sonst der Fall war und Vettel mal nicht auf Pole fahren konnte, scheint der RB7 in der Quali immer noch einen kleinen Vorteil zu haben. Aber wenn das dazu führt, dass Ferrari, McLaren und Red Bull auf Augenhöhe kämpfen können, dann sind das keine schlechten Aussichten für den Rest der Saison. Die Unterschiede zwischen den drei Top Teams sind im Rennen marginal, aber auf eine lange Distanz doch sichtbar. Drei unterschiedliche Konzepte und doch liegt man gleichauf.

Die erste Hälfte des Grand Prix am Nürburgring kann man nur mit dem Wort “Sensationell” beschreiben. Drei Topfahrer in drei verschiedenen Autos, die um die Spitze kämpfen – was will man mehr. Was Webber, Alonso und Hamilton da vorne zeigten, war Motorsport auf allerhöchsten Niveau. Einen solchen Dreikampf um die Spitze sieht man selten, dabei blieben alle Drei fair und ließen sich genügend Platz. Und man sah auch, dass zu diesem Zeitpunkt im Rennen die drei Fabrikate absolut gleich schnell waren, was auch dadurch schon klar wurde, dass alle drei Fahrer für einen Moment an der Spitze liegen konnten. Alonso ließ sich zeitweise etwas hinter Webber fallen, blieb aber immer in dessen Reichweite und schonte dabei etwas seine Reifen. Doch vor den Stopps gelang es ihm, die Lücke wieder zu zufahren. Das lag aber auch daran, dass Webber gegen Ende des ersten Stints und zweiten Stints offenbar Probleme mit den weichen Reifen hatte, die schnell abbauten.

Das mag dann auch erklären, warum er im zweiten Teil des Rennens, als er auf P3 lag, plötzlich bis zu 8 Sekunden zurückfiel. Wegen des drohenden Regens musste man den zweiten Stint länger fahren, da ein zusätzlicher Wechsel das Rennen zerstört hätte. Red Bull schickte Webber offenbar die Meldung, dass er es ruhiger angehen lassen muss, sollten seine Reifen etwas länger durchhalten, doch der Abstand wurde dann etwas zu groß.

Alonso und Ferrari planten wohl im letzten Drittel des Rennens etwas ähnliches. Der Ferrari gilt als reifenschonend, vor allem bei den kalten Asphalttemperaturen. Da Hamilton vorne irgendwann auf die härtere Medium-Mischung wechseln musste, und die im Training rund eine Sekunde langsamer als die “Soft” waren, rechnete man wohl so, dass man den McLaren mit schnellen Runden am Schluss auskontern konnte. Aber zwei Dinge passten dann für Alonso am Ende nicht: Zum einen waren seine Reifen auch nicht die Besten, zum anderen hatte sich soviel Gummi aufgebaut, dass die Medium-Mischung schneller Grip fand, als man dachte. Hamilton war schon nach einer Runde im ersten Sektor 0,5 Sekunden schneller, als Alonso.

Von Vettel war im Rennen nicht viel zu sehen. Er verlor, wie Webber, am Start eine Position und steckte in einer schlechten Ausgangslage. Zwar gelang es ihm auf P3 vorzufahren, aber Alonso schnappte sich den Deutschen dann doch wieder. Erstaunlicherweise kam er mit dem Red Bull am gesamten Wochenende nicht so gut zu recht, wie sonst. Webber schlug ihn in der Quali, im Rennen schien er mit der Abstimmung zu hadern. Ein selbst verschuldeter Dreher beendete dann seine Siegchancen endgültig und er konnte nur noch mit Massa um P4 kämpfen. Zwar hielt Massa den Weltmeister im Rennen auch auf, aber die 47 Sekunden Rückstand am Ende sind dann doch recht deutlich. Während des Rennens forderte ihn die Box, die hinteren Bremsen zu entlasten, was sicher kein Vorteil war, seine Rundenzeiten wurden aber auch dann nicht besser, als sich das Bremsproblem mysteriöserweise wieder verabschiedete. Kein gutes Wochenende von Vettel, aber in Sachen WM-Vorsprung hat er nicht viel verloren.

Bei Mercedes konnte man mal wieder sehen, wo das Team steht. Gegen Ferrari hat man keine Chance, McLaren ist auch weit weg. Wäre Sutil nicht so ein grandioses Rennen gefahren, hätte man mal wieder die Positionen P6 und P7 eingenommen, was dem Leistungsstand auch entspricht. In der Quali hat den Abstand nach vorne etwas reduzieren können, da sind es jetzt noch rund eine bis 1.2 Sekunden. Was schon deutlich besser ist, als zu Beginn der Saison. Das spiegelt sich auch bei den schnellsten Rennrunden wieder, wo man rund 1.3 Sekunden langsamer ist. Man hat einen Schritt nach vorne gemacht, aber es reicht eben noch nicht ganz. Man müsste noch rund 0,7 bis eine Sekunde finden, um in Reichweite des Podiums zu kommen, was keine leichte Aufgabe ist.

Der Aufwärtstrend von Schumacher setzte sich am Ring fort. Zwar ist seine Quali-Performance immer noch schlecht, aber im Rennen läuft dafür um so besser. Wäre der Dreher nicht gewesen, hätte er vielleicht seinen Teamkollegen schlagen können, aber auch so lief es für ihn gut. Es scheint fast so, als ob Schumacher so langsam seine volle Leistung im Wagen wieder abrufen kann, was ein gutes Zeichen für 2012 ist. Rosberg hatte ein teilweise zähes Rennen. Er steckte in vielen Zweikämpfen, was in einige Zeit gekostet hat, aber an Sutil kam er komischerweise nie richtig ran. Dessen Zweistopp-Strategie war interessant, bedeutete aber auch, dass er die weiche Mischung lange fahren musste, ohne viel Zeit zu verlieren. Er kam dann auch etwas früher an die Box um die Medium-Reifen zu nehmen, profitierte dann aber offenbar wie Hamilton auch davon, dass genug Gummi auf der Bahn war und der Nachteil der härteren Mischung verblasste.

Die letzten Punkte holten dann der erstaunliche Kobayashi, den ich wirklich 2012 gerne in einem Top Team sehen würde, und Petrov, der den Renault nach einigem Zweikämpfen im Rennen auf P10 stellen konnte, was ein feines Ergebnis ist. Vielleicht wäre noch P9 drin gewesen, aber man darf nicht vergessen, dass Button ausgefallen ist, der sich vor ihm ins Ziel gekommen wäre. Renault kämpft im Moment nur um die Punkte-Krümel, selbst Force India scheint auf dem Niveau der Franzosen angekommen zu sein. Nick Heidfeld hatte ein schlechtes Wochenende. Mal wieder in Q2 hängen geblieben, dann eine Kollision am Start mit Di Resta. Die hätte dem Deutschen eine Durchfahrtsstrafe eingebracht, doch dann schob ihn Buemi auf Gras. Der Schweizer bekommt dafür im nächsten Rennen +5 in der Startaufstellung. Beide Toro Rosso waren am Ring nicht gut unterwegs und kamen nicht mal in die Nähe der Punkte.

Die interessante Zusammenfassung des Rennens und der Leistungsdichte an der Spitze lieferte nach dem Rennen Fernando Alonso bei der BBC ab. Er meinte, dass der Ferrari in drei Rennen, mit drei unterschiedlichen Wetterverhältnissen und mit drei Mapping-Einstellungen in der Lage war, um den Sieg zu fahren. Das mache deutlich, dass man konstant vorne mitfahren kann. Allerdings: Man braucht auch McLaren, die den Red Bulls die Punkte wegnehmen müssen, will man in der WM noch was reißen. McLaren wird das umgekehrt genauso sehen. Und so lange sich beide Teams die Punkte nehmen, kann Vettel beruhigt sein. Immerhin hat er in der WM noch 77 Punkte Vorsprung.

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