Formel 1: Barcelona Test II – Tage 3-5

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Die letzten Testfahrten vor der Saison 2011 sind vorüber. Und wie jedes Jahr gilt wieder: man weiß nur, dass man nichts weiß. Und das gilt auch für das Rätsel um die Dämpfer für den am Freitag vorgestellten HRT F111.

Eigentlich hätte am vergangenen Wochenende das erste Saisonrennen stattfinden sollen, doch bekanntermaßen machten die – nach wie vor andauernden – Unruhen in Bahrain die Austragung unmöglich. Ob es einen Nachholtermin geben wird, muss bis zum 1. Mai entschieden werden, das verlangt der FIA-Weltrat. Doch da, wie gesagt, die Situation im Königreich weiterhin instabil ist und auch in den letzten Tagen wieder Polizei und Demonstranten blutig aufeinandergetroffen sind, wird man sich hoffentlich dagegen entscheiden. So gibt es kein Rennen zu analysieren, sondern nur die letzten drei Tage der nach Barcelona verlegten Abschluss-Testfahrten. Und die sind deutlich weniger aufschlussreich als ein Rennen es hätte sein können; zumal es am Samstag, dem letzten Testtag, in Strömen regnete. 

Die „Überraschung“ des Tests ist Mercedes. Je mehr neue Teile angeschraubt wurden, desto besser wirkte das Upgrade-Paket, am Freitag fuhr Michael Schumacher eine beeindruckende Bestzeit von 1’21:268, mehr als eine halbe Sekunde schneller als Vettels Bestzeit vom Mittwoch. Bleibt die Frage: sind die neuen Teile wirklich so gut, dass man z.B. regelmäßig aufs Podium fahren könnte? Oder ging es eher darum, Herzinfarkt-Vorsorge für die Herrschaften in Stuttgart zu betreiben, nachdem die deutschsprachigen Motorsport-Redaktionen in den vergangenen Wochen vorzugsweise das Sorgenkind Mercedes auf die Titelseiten hoben? Wissen wird man es wohl erst in zwei Wochen, doch Nico Rosberg äußerte sich über die gesamten Testtage hinweg sehr positiv, auch wenn man noch nicht ganz mit den Top-Autos mithalten könne.

Nicht nur Mercedes hat sich zufrieden über seine Updates gezeigt, sondern auch Ferrari. Am Freitag kam Alonso bis auf dreieinhalb Zehntel an Schumacher heran und sowohl er als auch Teamkollege Massa, der mit dem hinzugewonnenen Abtrieb glücklich ist. Das Paket sei mehr oder weniger das, was man in Melbourne fahren werde.

Red Bull dürfte noch nicht seine wahre Stärke gezeigt haben, denn am Freitag, als die schnellsten Zeiten gefahren wurden, war man weit abgeschlagen. Auch von McLaren gab es keine positiven (aber auch keine neuen negativen) Signale, ebenso still war es in Barcelona um das Renault-Team. Sauber ließ am Donnerstag mit einer Bestzeit durch Sergio Perez (1’21:761) aufhorchen, was die wert ist, ist allerdings auch schwer zu sagen, wie überhaupt eine Rangordnung im Mittelfeld schwer herauszubilden ist.

Auch am Samstag fuhr Rosberg noch einmal Bestzeit (1’43:814), doch versuchten sich überhaupt nur noch drei Fahrer an gezeiteten Runden: Pastor Maldonado für Williams und Lews Hamilton. Der Regen war zeitweise so stark, dass die Bedingungen nicht einmal einen sinnvollen Test der Regenreifen zuließen (die nach Fahrer-Aussagen nicht besonders gut sein sollen).

Nicht nur wegen des Regens am Samstag hat HRT keinen einzigen Testkilometer zurückgelegt. Die Mannschaft von Colin Kolles stellte zwar am Freitagmittag ihren neuen Boliden F111 vor, doch steckten die Stoßdämpfer noch im spanischen Zoll fest, nachdem man sie rechtzeitig einzufliegen versucht hatte. Genauere Infos gibt es dazu nicht, auch nicht, woher man die Dämpfer geordert hat.

Der F111 ist nach Aussage von Teamchef Kolles zu 95% neu, was man ihm aber von außen nicht wirklich ansieht – es sei denn die gelungene neue Lackierung ist in die 95% eingerechnet. Die Nase scheint unverändert und hat weiterhin den auffälligen Knick, der Frontflügel am Präsentationswagen ist eine Neuentwicklung, aber im Vergleich zu den ausgefeilten, detailreichen Leitwerken der Konkurrenz erschreckend simpel. Die Seitenkästen sind kompakter geraten als im Vorjahr und auch der Auspuff wurde von deren Oberseite verlegt, vermutlich wie bei der Konkurrenz nach unten nah über den Diffusor. Das Getriebe kommt bekanntermaßen von Williams und auch die zentrale Heckflügel-Halterung hat man von den Briten übernommen. (Mehr Details zum F111 – sowie zu technischen Details der anderen Wagen – hier bei ScarbsF1)

Diese zentrale Stütze hat Williams aber bereits Probleme bereitet, die Fahrer klagten bei den früheren Tests über einen sich seitwärts bewegenden Heckflügel. Diese Schwäche wurde aber inzwischen mit einer zusätzlichen Stütze ausgemerzt.

Außerdem gab es bereits an den ersten Testtagen Probleme mit dem KERS-System. Für diese konnten Sam Michael und Co. Jedoch inzwischen eine Lösung finden, wie das Team via Twitter verkündete. Es habe ein Problem zwischen E-Motor und Batterie vorgelegen, nachdem das beseitigt ist, soll das KERS nun in Australien sicher zum Einsatz kommen.

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