Peugeot hat den ersten International Le Mans Cup mit einer beinahe blitzsauberen Bilanz gewonnen. Auch in Zhuhai konnte Audi nichts gegen die Franzosen ausrichten, auch wenn man selten so nah dran war.

Außer der Pole Position in Silverstone, die überraschend Allan McNish holte, hat Peugeot im drei Rennen umfassenden ILMC alles abgeräumt. Diesmal jedoch hatte Audi eine reelle Chance auf den Sieg in einem Rennen, das von der Reifentaktik dominiert war. Beide Teams versuchten, Doppelstints mit den Michelins zu fahren, doch dies gelang nicht konstant. So hatte Peugeot in der Anfangsphase des 1000km-Rennens einen Vorteil, in den mittleren Stunden jedoch bevorteilte die zunehmende Gummimenge auf der Bahn (am Samstag hatte es geregnet, der Gummi aus der Trainings war entsprechend weggewaschen) dann Audi, die die Führung übernahmen und schnellere Zeiten fuhren.

In der Schlussphase des Rennens waren beide etwa gleichauf, nur hatten sich die Boxenstopp-Rhythmen aufgrund der Reifenproblematik verschoben. Elf Runden vor Schluss musste so der führende Peugeot von Montagny und Sarrazin einen letzten Splash&Dash-Stop einlegen, um es über die Distanz zu schaffen. Gut 15 Sekunden stand der Wagen, bevor er auf die Strecke zurückkam – einige Sekunden vor der von Tom Kristensen gesteuerten #7.

Es hätte ein äußerst spannendes Finale werden können, nicht um den Cup, aber um den Rennsieg. Jedoch lag noch der zweiten Peugeot von Sebastièn Bourdais – nach einem Zusammenstoß mit dem #88-Porsche mit Rundenrückstand – zwischen den beiden Führenden. Blaue Flaggen werden in den Le Mans-Serien in dem Fall nicht gezeigt. Entsprechend gab sich Bourdais Mühe, Kristensen hinter sich zu halten, um seinem Teamgefährten Luft zu verschaffen. Wie sportlich man das nun in einer Situation, in der die Meisterschaft schon gesichert ist, findet, sei jedem selbst überlassen.

Jedenfalls machte der Franzose erst fünf Runden vor der Zielflagge in Turn 1 für den Audi Platz. Die verbleibende Distanz reichte jedoch zu dem Zeitpunkt nicht mehr aus, um die vier bis fünf Sekunden Rückstand auf Sarrazin aufzuholen. Und selbst wenn Kristensen mehr Zeit für die Jagd gehabt hätte: in der Schlussphase waren beide etwa gleich schnell, Überholen wäre also enorm schwieriges Unterfangen geworden. Doch dazu kam es schlussendlich nicht, Sarrazin und Montagny siegten mit 4,8 Sekunden Vorsprung, weitere 45 Sekunden zurück vervollständigten Rinaldo Capello und Romain Dumas das Podium.

Spannend war es auch in der GT2, obwohl der Schnitzer-BMW das klar stärkste Auto in China war. Jedoch forderten über die 1000km-Distanz mehrere Teams die Bayern heraus: anfangs mussten sich Müller und Werner mit den Ferraris von CRS und AF Corse duellieren, später dann war der #77 Felbermayr Proton-Porsche von Richard Lietz und Marc Lieb engster Verfolger. Jedoch schlug man diesen am Ende mit einer knappen halben Minuten Vorsprung.

Auf die Herstellerwertung hatte das Ergebnis keine Auswirkungen mehr, denn BMW lag bereits zu weit zurück und Porsche verlor die Chance auf den Gesamtsieg, als der Prospeed-911er mit defekter Kupplung in die Garage geschoben wurde. Die (weniger bedeutsame) Teamwertung sicherte sich Felbermayr Proton mit dem zweiten Rang.

Beeindrucken konnten die Stuttgarter jedoch vor allem mit dem 911 GT3 Hybrid. Davon abgesehen, dass der Wagen auch aufgrund des größeren Tanks mit weniger Tankstopps durch das Rennen kam, war er auch zeitweise um die zwei Sekunden pro Runde schneller, die schnellste Runde liegt mit 1’34:8 sieben Zehntel unter der schnellsten Zeit eines regulären GT2-Wagens (nämlich des AF Corse-Ferrari). Durch diese beiden Vorteile zusammen konnten Bergmeister und Long drei Runden Vorsprung vor dem BMW herausfahren. Die Strecke in Zhuhai ist mit den vielen engen Kehren und entprechend vielen harten Brems- und Beschleunigungsmanövern allerdings auch wie gemacht für ein Energierückgewinnungssystem.

In der „Gast“-Klasse GTC siegte nach Ausfall des United Autosports-Audi R8 eine halbe Stunde vor Schluss das Schwesterauto von KK Performance, gesteuert von Marchy Lee, Alex Yoong und Matthew Marsh, 20 Runden vor dem Aston Martin vom Team Hong Kong Racing.

Im Umfeld des letzten Saisonlaufs der Le Mans-Sportwagen gab es einige weitere Ankündigungen und Neuigkeiten. Mehr dazu am Mittwoch in den „Ferner liefen“-News.

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