NASCAR: Analyse Watkins Glen 2010 / News

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Nach drei Jahren konnte Juan Pablo Montoya endlich seinen zweiten Sprint-Cup-Sieg feiern. Einziger Wermutstropfen: Watkins Glen ist eben kein Oval, sondern eine Rundstrecke. Für Marcos Ambrose reichte es nach seinem Nationwide-Erfolg wieder nicht für den ersten Cup-Sieg.

Noch am Samstag berief Chip Ganassi beim Team von Juan Pablo Montoya eine Krisensitzung ein. Zu viele Fehler wurden in der Vergangenheit von allen Beteiligten an der #42 gemacht: Neben nicht selbstverschuldeten Ausfällen kam es zu Fehlentscheidungen von Crew Chief Brian Pattie, sowie Fahrfehlern von Montoya. In der Meisterschaft verlor man dadurch wertvollen Boden, der Chase ist in weite Ferne gerückt. Das Machtwort des Teamchefs scheint gefruchtet zu haben, beim Rennen in Watkins Glen lief ausnahmsweise mal alles glatt. 74 von 90 Runden führte der Kolumbianer und gewann das Rennen so auf eine dominante Art und Weise.

Polesitter Carl Edwards war seine Führung bereits nach kurzer Zeit los, denn Jamie McMurray ging mit Teamkollege Montoya im Schlepptau schon in Runde 2 an der #99 vorbei. Wenige Umläufe später kämpfte sich Montoya dann an die Spitze und gab den Platz an der Sonne bis kurz vor Rennhalbzeit nicht mehr ab. Der einzige ernsthafte Gegner der #42, Marcos Ambrose, musste von Platz 11 starten und sich erst mühsam nach vorne kämpfen, bevor er Montoya in Runde 40 dann überholen konnte. Lediglich eine Gelbphase unterbrach zwischenzeitlich diese erste Hälfte des Rennens.

Zwei Runden später kam dann die zweite Caution raus, weil Bobby Labonte auf der Strecke liegen geblieben war. Beim Neustart verschaltete Ambrose sich und musste die Führung noch in der ersten Kurve wieder an Montoya abgeben. Er fiel bis auf Platz 4 hinter Kurt Busch und AJ Allmendinger zurück. Vier Umläufe später hatte er die zweite Position zwar bereits wieder zurückerobert, doch auf die #42 konnte er nur langsam Boden gutmachen.

Nach zwei Dritteln der Renndistanz standen dann Boxenstopps unter grüner Flagge an, direkt gefolgt von einer Caution wegen Trümmerteilen auf der Fahrbahn. Dabei kam es aber zu keinerlei Veränderungen an der Spitze. Beim Restart in Runde 65 begann dann die turbulente und entscheidende Phase, als unter anderem klar wurde, dass nur noch ein weiterer Tankstopp zu absolvieren sein würde. Eine Runde hielt das Glück, bis Boris Said in den „Esses“ von Tony Stewart umgedreht wurde, nachdem der Red-Bull-Gastfahrer zuvor Stewarts #14 bei einem Überholversuch fast von der Strecke schob – ein klassisches Revanchemanöver also.

Fünf Runden später erfolgte der nächste Startversuch, doch auch dieses Mal ging es nicht lange gut: Jimmie Johnson drehte sich und räumte dabei Denny Hamlin mit ab. Hamlin war mit Johnsons Aktion später nicht wirklich zufrieden, was schon rechtzeitig vor dem Chase eine Fehde zwischen den beiden größten Meisterschaftsfavoriten einleiten könnte.

In Runde 75 begann der Schlussspurt über 15 Umläufe, welchen Montoya gefolgt von Ambrose, Kurt Busch, AJ Allmendinger und Jamie McMurray beim Schwenken der grünen Flagge einleitete. Ambrose erwischte wieder keinen optimalen Start und musste die zweite Position kurzzeitig und letztlich ganz und gar an Busch abgeben. Montoya gelang es aber, den Abstand auf seine Verfolger immer weiter anwachsen zu lassen. Auf dem Weg zu seinem zweiten Sprint-Cup-Sieg führte er dabei 74 der 90 Runden und dominierte das Rennen fehlerfrei.

Vom Speed her war die #47 von Marcos Ambrose vielleicht sogar der #42 überlegen, doch der einzige ernsthafte Konkurrent von Montoya erwischte zwei schlechte Restarts und schmiss so einen möglichen Sieg weg. Nach drei aufeinanderfolgenden Nationwide-Series-Siegen in Watkins Glen und dem Pech im Frühsommer in Sonoma hätte sich auch Ambrose am Sonntag ein persönliches Happyend verschaffen können.

Kurt Busch beendete ein sauberes Rennen auf dem zweiten Platz, gefolgt von eben Marcos Ambrose. Ebenfalls unauffällig unterwegs war AJ Allmendinger, der im besten Ford den vierten Rang holte. Damit waren alle vier Hersteller in den Top4 vertreten und der fünfte Platz von Carl Edwards beweist, dass Ford nun endgültig wieder vorne mit dabei ist. Der zweite Wagen von Earnhardt-Ganassi Racing mit Jamie McMurray landete auf Rang 6, gefolgt von Tony Stewart, der damit eine außergewöhnliche Serie von ersten und zweiten Plätzen in Folge beendete. Kyle Busch hatte noch vor dem Start des Rennens massive technische Probleme. Nachdem seine Crew den Wagen wieder flott gemacht hatte, konnte er noch bis auf Platz 8 nach vorne fahren. Jeff Burton und Jeff Gordon komplettierten die Top10. Der Führende in der Meisterschaft Kevin Harvick beendete das Rennen auf Platz 11 und wurde damit seiner unglaublichen Konstanz wieder einmal gerecht.

Nicht so gut lief es bei den oben erwähnten Jimmie Johnson und Denny Hamlin: Während für Hamlin das Rennen nach 70 Runden beendet war, konnte Johnson wenigstens noch am Ende der Führungsrunde Schadensbegrenzung betreiben. Nur zwei Plätze vor ihm kam sein Teamkollege Dale Earnhardt Jr ins Ziel, der über das gesamte Rennen sein Fahrzeughandling nicht in den Griff bekam. Zwar ist Junior kein „road racer“, doch ist Rang 26 für seine Chase-Ambitionen deutlich zu wenig. Greg Biffle, der Sieger des letzten Rennens, erlebte ebenfalls einen sehr schlechten Tag. War er zu Anfang noch in den Top5 zu finden, so verlor er nach einem Restart im letzten Renndrittel sagenhafte 17 Plätze in einer Runde, um am Ende auf Rang 24 abgewinkt zu werden.

In der Fahrerwertung ist es im Kampf um die letzten Chase-Plätze auch wieder etwas enger geworden, weil die bisherige rote Laterne der Top12, Clint Bowyer, nur auf Platz 32 ins Ziel kam. Von seinem Auto brach ein Teil ab, was eine Gelbphase auslöste und für die Mannschaft der #33 eine längere Reparaturpause bedeutet. Der direkte Verfolger Mark Martin witterte daraufhin seine Chance und versprach per Funk, er würde sich „Mühe geben, seinen Wagen nicht zu zerstören“. Platz 19 von Martin war daraufhin natürlich zwar etwas suboptimal, brachte den Routinier aber zurück in die Chase-Ränge. Damit befinden sich nun wieder drei Fahrer innerhalb von 100 Punkten hinter den Top12, siehe Grafik unten. Montoya hat nach seinem Sieg 205 Punkte Rückstand, allerdings dürfte es unmöglich sein, dieses Polster noch zu egalisieren. Bei der #42 wird man sich eher auf weitere Rennsiege konzentrieren, zumal ja auch der erste Oval-Erfolg noch aussteht.

Patrick Carpentier fuhr für Bill Jenkins auf Platz 21 und verkürzte damit den Rückstand der #26 in der Owner-Wertung um einige Zähler, wo jetzt Kevin Conway nur noch 182 Punkte Vorsprung auf Rang 36 hat. Auch Andy Lally brachte der #71 von TRG Motorsports ein paar dringend benötigte Punkte und hievte den Wagen mit einem 18. Platz drei Ränge in der Wertung nach oben.

News

Update: Kurz vor Erscheinen des Artikels wurde durch mehrere, mit den Verhandlungen vertraute, Quellen bekannt, dass Kasey Kahne wohl 2011 tatsächlich für Red Bull Racing fahren wird. Eine Ankündigung dürfe für Dienstag erwartet werden, die Startnummer sei derzeit noch unklar. Außerdem dementierte Sponsor ExtenZe die Gerüchte, denen zufolge Cup-Rookie Kevin Conway bei Front Row Motorsports vor dem Aus stünde (Quelle: ExtenZe PR, gelesen auf Jayski.com).

- Gerüchten zufolge plant Rick Hendrick offenbar, Kasey Kahne in der nächsten Saison für Red Bull Racing antreten zu lassen. Für 2011 hat das Team bisher noch keine Fahrerpaarung bekannt gegeben, bezüglich des Cockpits von Scott Speed soll aber spätestens Ende des Monats Klarheit herrschen. Ob Brian Vickers jemals wieder Rennen wird fahren können, klärt sich erst im November. Langsam glaube ich, dass der Hendrick-Teamchef nach der Verpflichtung von Kahne den Mund ein wenig zu voll genommen hat, als er versprach, seinem neuen Fahrer im nächsten Jahr selbst ein Cockpit besorgen zu wollen. Die Möglichkeiten schwinden jedenfalls…

- Max Papis ist nun leider seinen Platz in der #13 von Germain Racing los. Schon ab Atlanta wird ihn der zuletzt ebenfalls glücklose Casey Mears im unterfinanzierten Auto ersetzen. Ab 2011 bekommt Papis aber die Chance, eine komplette Saison in der Truck Serie zu bestreiten. Ein „start & park“-williger Fahrer für die nächsten beiden Rennen in Michigan und Bristol muss allerdings noch gefunden werden, da die Trennung vom einzigen Europäer in der NASCAR per sofort gilt.

Hier der Link zur Quelle für beide News

- Schlecht sieht es derzeit auch für Kevin Conway bei Front Row Motorsports aus, nach sehr schlechten Resultaten steht der einzig verbliebene Cup-Rookie unmittelbar vor dem Aus. In Watkins Glen rutschte sein Auto mit der #34 auf den letzten garantierten Startplatz in der Owner-Wertung zurück und der gute Qualifier David Gilliland hat derzeit schon alle Hände voll zu tun, die #38 nach dem Pocono-Desaster des Teams wieder in die Top35 zu fahren. Noch einen Wagen möchte man ungerne an die „go or go-homer“-Riege verlieren. Ein möglicher Ersatzfahrer noch nicht bekannt, würde aber von Sponsor ExtenZe unterstützt werden.

Um die Rookies steht es in diesem Jahr eh ganz schlecht, nachdem zuvor in der Saison schon Terry Cook die Segel streichen musste. Wirklich hochkarätiger Nachwuchs ist seit Jahren rar und eigentlich müsste man Brad Keselowski gleich den Rookie-Titel des Jahres 2010 verleihen. Dummerweise ist er im letzten Jahr zu viele Rennen gefahren, um noch Anspruch auf die Teilnahme an dieser Wertung zu haben.

Was Front Row Motorsports angeht, so muss ich sagen, dass das Team derzeit definitiv überfordert ist. Man krebst konsequent am Ende des Hauptfeldes rum, trotz dreier voll finanzierter Autos und einer Motorenallianz mit Roush-Yates Engines. Entweder sollte man direkt einen Wagen aufgeben oder sich nach einer verbesserten Technikpartnerschaft umsehen. Dass so ein „Gesundschrumpfen“ funktionieren kann, haben wir letztes und dieses Jahr bei Richard Childress Racing gesehen. Travis Kvapil und vor allem David Gilliland können deutlich mehr, als zurzeit von ihnen zu sehen ist und das haben sie vor einigen Jahren bei Yates Racing auch bewiesen.

- Außerdem gibt es weiterhin Spekulationen um den Cup-Kalender des nächsten Jahres. Da allerdings noch nicht allzu viel offiziell bestätigt wurde, an dieser Stelle nur ein Link zu Jayski.com, wo man eine provisorische Übersicht finden kann.

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3 Kommentare zu “NASCAR: Analyse Watkins Glen 2010 / News

  1. 10 August, 2010 at 11:51

    ich verstehe es immer noch nicht wieso nascar nicht verstärkt mehr auf rundstrecken fährt. es soll ja net 50/50 im kalender sein. aber 3-4 rundstrecken mehr wäre schon spitze. wieso nicht in mid ohio oder road america/mexico city/montreal wie die nationwide. nein da gibt man sich lieber die ehre auf 2 ovalen nochmal zu fahren.

    alles in allem….well done monty =)

    hat er sich verdient. auch wenn ich ehrlich glaube das er in der nascar wohl nix mehr in seinen leben reißen wird.

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  2. underbreaker
    10 August, 2010 at 14:01

    Hamlin war nicht sauer auf Johnson, sondern auf Kyle Busch, der vor der letzten Kurve eine Divebomb zum 3wide aufgemacht und damit Burton in Johnson gedrückt hat. Er hat sich nur beim Interview etwas diplomatisch ausgedrückt, da Kyle Busch ja sein Teamkollege ist und er vor kurzem für seine Direktheit relativ tief ins Portemonaie greifen musste. ESPN hat leider die Szene ja nicht vollständig aufgelöst. Deine Fehde zwischen den Favs ist also sehr weit hergeholt.

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  3. 21 Dezember, 2010 at 12:25

    Wow … welche klasse Rennbeschreibung! Es ist alles drin und auch noch super geschrieben! Da macht das Lesen Spaß!

    Ich habe mir diesen Blog in meine Favoriten aufgenommen und werde heute Abend mal schauen was ich sonst noch interessantes finde.

    Danke für die gute Arbeit …

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