Etwas später im Jahr als sonst, startet die WTCC in Brünn. Auf dem bergigen Kurs dürften die Seat wieder Vorteile haben.
Brünn ist ja durchaus eine interessante Strecke für Tourenwagen. Fahrerisch ist sie sehr anspruchsvoll, da die Wagen fast ein wenig untermotorisiert sind für die langen bergauf Geraden. 280 PS sind da nicht gerade viel, aber es reicht, um schnell um die Ecke zu fahren. Das bemerkenswerte an Brünn sind aber nicht nur die Höhenunterschiede, sondern die breite Strecke, die einige interessante Linienführungen erlaubt. Vor allem vor einigen Kurven kann man sehr weit innen anbremsen, auch wenn das zu Lasten des Schwungs geht. Aber dank der großen Höhenunterschiede sollten vor allem die Seat wieder weit vorne zu finden sein. Wie in Portimao gesehen, haut das Drehmoment des Diesels mächtig rein.
In Sachen Gewicht hat sich vorne nichts getan. Seat, Chevy und BMW haben weiter alle 40 Kilo Zusatzgewicht an Bord, was vor allem den BMWs zu schaffen machen wird. Die werden auf die Pole in Lauf 2 hoffen, um wenigstens ein paar Punkte zu ergattern. Zwar liegt Andy Prilaux schon 51 Punkte hinter dem Meisterschaftsführenden Yvan Muller, aber da in der WTCC pro Sieg ja auch 25 Punkte verteilt werden, ist der Abstand nicht so groß, dass man nicht noch Chancen hätte. Allerdings wird angesichts der schwierigen Ausgangspostion von BWM in diesem Jahr wohl keiner ernsthaft mit dem Titel rechnen. Da müsste schon einiges zusammenkommen, damit man den Fahrertitel erlangen kann.
Bei Chevy wird man hoffen, dass die Testfahrten, die Jason Plato neulich mit dem baugleichen Cruze in der BTCC eingelegt hat, etwas gebracht haben. Plato gab sich zumindest sehr optimistisch und sprach von einem Schritt nach vorne. Den hat man in der BTCC bitter nötig, aber auch in der Weltmeisterschaft hat der Cruze noch nicht sein volles Potential ausgeschöpft. Immerhin zeigte man in Portimao ein gutes Mannschaftsergebnis, auch wenn man gegen die Seat chancenlos sein.
Seat wird sich die Hände reiben und auf die bergauf Passagen in Brünn bauen. Dort sollte der Leon dem Rest des Feldes enteilen können und unschlagbar sein. Gabriele Tarquini, der 23 Punkte hinter Muller in der Meisterschaft liegt, wird sowohl für beide Rennen richtig viel Punkte einkalkuliert haben. Wenn er nicht in einen Unfall verwickelt wird, bin ich mir auch sicher, dass er den Abstand auf Muller verkürzen kann.
Interessant wird es zu beobachten sein, wie gut die Independent Teams mit dem ein bis zwei Jahre alten Wagen sein werden. Colin Turkington zeigte in Brands Hatch, was man mit einem “alten” BMW so alles anstellen kann, und da der Gewichtsvorteil weiterhin satte 50 Kilo (60kg beim Lancetti) beträgt, könnten die Independents für etwas durcheinander sorgen. Das leichtere Gewicht, gepaart mit der besseren Fahrbarkeit dürften in Brünn eine gute Kombination sein.
So schön der Kurs in Brünn ist, im Rennen neigt das Feld dazu, dass es sich schnell weit auseinanderzieht. Zwar hat Portimao gezeigt, dass es trotzdem gute Zweikämpfe geben kann, aber verlassen würde ich mich in Brünn nicht darauf. Seitens des Wetters siegt es zwar Freitag nach Regen aus, Sonntag soll es aber sehr heiß werden. #
Nebenbei erwähnt: 2011 wird die WTCC 12 Stationen abklappern. Neu hinzu kommen ein Rennen in Argentinien (vermutlich im Frühjahr) und eins in China (vermutlich im Herbst). Statt auf der durchaus lustigen Strecke in Okayama zu fahren, startet man jetzt in Suzuka, was ja auch nicht schlecht ist. Bei der Ankündigung, dass man China mit ins Boot holt, sollten bei Freunden des Macau-Rennens die Alarmglocken läuten. Offenbar steht das Traditionsrennen in der ehemaligen portugiesischen Enklave auf der Kippe.
Quali: Samstag, 15:00h
Rennen 1: Sonntag, 12:30h
Rennen 2: Sonntag, 13:00h




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