Red Bull hat heute das Training derartig dominiert, dass der Konkurrenz schlecht werden muss. Allerdings gibt es Kritik an deren Frontflügel.

Beide freien Training wurden von Red Bull mit Zeitabständen dominiert, die man länger nicht mehr gesehen hat. Morgens betrug der Abstand zu drittplatzierten Robert Kubica über eine Sekunde, am Nachmittag lag Alonso noch 6 Zehntel hinter Vettel. Der Rest spielte bisher in Ungarn keine Rolle. Überraschend war auch, dass es bei den Longruns auch nicht anders aussah. Red Bull lag mit hohen 1:24er Zeiten deutlich vorne, danach kam Ferrari, die tiefe 1.25er Zeiten hinlegen konnten. Es folgten die erstaunlich starken Renault die mittlere 1:25er bis 1.26er Zeiten schafften. Wenn Ferrari nicht ordentlich gemauert hat, dann ist Red Bull am Wochenende nicht zu schlagen.

Natürlich besteht noch die Chance, dass Ferrari heute konservativ unterwegs war und mit vollen Tanks getestet hat. So richtig wird der Sprit ja erst in der Quali abgelassen, aber die Tendenzen sind ja schon zu sehen. Red Bull scheint zumindest bis zur Quali die Nase vorn zu haben, wie es dann im Rennen, vor allem mit den Super Soft aussehen wird, ist dann wieder eine andere Sache. Beruhigt zurücklehnen darf man sich bei Red Bull sicher nicht.

Hinter Ferrari und Renault tut sich lange nichts, dann kommen die Williams und die Mercedes. Williams hat in Hockenheim einen neuen “blown difussor” vorgestellt, der das Bauteil nun direkt mit den heißen Auspuffgasen anströmt. Das soll noch mehr Grip auf der Hinterachse bringen, was in Ungarn ja auch durchaus von Vorteil ist. Mercedes sah heute nicht gut aus, der Wagen lag nicht gut, dass konnte man schon mit blossem Auge sehen.

Nicht viel besser lief es bei McLaren, die den zickigen und runderneuerten MP4-25 nicht in den Griff bekamen. Auch McLaren hat seit Silverstone, bzw. Hockenheim einen “blown diffusor”, der mit einem komplett neuen Unterboden kombiniert wurde. Und genau da liegen wohl die Probleme, denn so richtig scheint das Konzept noch nicht zu funktionieren. Der Wagen liegt unruhiger als früher, beide Piloten beklagen sich darüber, dass es vor allem in der Quali problematisch sei, den Wagen auf eine schnelle Runde zu zwingen.

Am Rande des Trainings gab es erneut Diskussionen um den Frontflügel von Red Bull. Selbst in den Live-Onboardaufnahmen konnte man sehen, dass sich der Flügel schon in mittelschnellen Passagen nach unten biegte. Und das durchaus um ein paar Zentimeter. Die FIA hat den Flügel mehrfach getestet, zuletzt in Hockenheim, als man auf mittels Fotos sehen konnte, dass der Flügel zu flexibel sei. Der Test der FIA geht so: Man setzt die Endplatten der Flügels einer Zugkraft von 500N (50kg) aus, dabei darf sich der Flügel nicht mehr als 10mm nach unten bewegen.

Es gibt im Moment zwei Theorien im Paddock, wie Red Bull trickst: einige glauben, dass die kleinen Spoiler auf dem Flügel mit flexiblen Aufhängungen versehen sind. Die geben dem Gesamtflügel im FIA-Test die nötige Stabilität, auf der Strecke, wenn sie direkt angeströmt werden, reagieren sie anders. Andere meinen, dass der Test der FIA Nonsens ist. Schon auf in mittelschnellen Kurven würden die riesigen Flügel weitaus mehr als 500N Belastung erreichen. Der Flügel von Red Bull würde sich einfach ab 500N nach unten biegen, wie Kaugummi in der Sonne. Ferrari soll im übrigen ein ähnliches Konzept haben.

In beiden Fällen ist es jedoch so, dass Red Bull das Reglement nicht verletzt, zumindest nicht direkt. Allerdings verstösst man auf nicht bestrafungswürdige Art und Weise gegen den Gedanken des Gesetzes. Die FIA müsste entweder den Flügel verbieten (was sie nicht so leicht kann) oder das Reglement verändern (was sie ebenfalls nicht so leicht in der Saison kann).

Eine sehr genaue technische Analyse des Frontflügels, bzw. der sogenannten “aero elasticity” gibt es bei Scrabs.

Das neueste Gerücht: Angeblich ist nicht nur der Flügel bei Red Bull so flexibel, sondern das gesamte Auto. Man rätselt schon seit Beginn der Saison darüber, warum der Red Bull in der Quali so gut ist und es gab immer wieder nicht zu beweisende Aussagen, dass der Wagen tiefer auf der Strasse liegt, als er sollte. Wenn Adrian Newey da eine Art “flexibles Chassis” erfunden hat, wäre das der grösste Geniestreich seit Jahrzehnten.

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