Das Finale der Fußball-WM wirft seinen Schatten auf den Motorsport. Außer GP2 und GP3 im Begleitprogramm der F1 ist nicht viel los. Nur die AutoGP stellt sich wacker gegen den Trend.

Die wenigen Rennen, die am Wochenende doch stattfinden, könnten sich dafür aber lohnen: In der GP2 wird sich die Frage stellen, ob Pastor Maldonado sein überrschend gutes bisheriges Auftreten auch an die fünften der zehn Stationen hinüber retten kann. Aber auch abseits der Rennstrecke haben sich in der Top-Nachwuchsserie in den vergangenen zwei Wochen ein paar interessante Dinge getan. In der dritten Liga, der GP3 sieht weiter alles nach einem Durchmarsch von Esteban Gutiérrez aus. Zu sicher sollte er sich aber nicht sein, denn die Konkurrenz schläft schließlich nicht. Und an diesem Wochenende gibt es wieder harte Konkurrenz von Gastfahreren aus der F3 Euroseries.

GP2

Zunächst aber nochmal zur Königsklasse unter den Juniorserien – dort hat sich in der vergangenen Woche nämlich so einiges an Neuigkeiten angesammelt. Beginnen wir mit den schlechten Nachrichten: Josef Kral hat sich bei seinem Unfall im Sprintrennen von Valencia doch schwerer verletzt, als die beruhigenden Meldungen am Sonntag und Montag noch vermuten ließen. Checks im Krankenhaus von Liberec (Tschechien) haben ergeben, dass sich Kral zwei Wirbelbrüche zugezogen hat, und zwei bis drei Monate pausieren muss. Immerhin: Von Folgeschäden ist wohl nicht auszugehen. Sein Super Nova Team hat bereits reagiert, und setzt bis zu Krals Rückkehr GP2-Veteran Luca Filippi ins Cockpit.

Außerdem hat vergangene Woche die erste Testfahrt jenes Wagens stattgefunden, mit dem die GP2 in den Jahren 2011 bis 2013 an den Start gehen will – das aktuelle Auto wird ja nach Ende dieses Jahres eingemottet bzw. (wenn ich mich nicht irre) in die GP2 Asia verschoben. Die britische Rennbibel Autosport hat zu diesem Anlass einen Fotografen losgeschickt – natürlich völlig geheim und spontan und absolut ohne Einverständnis der PR-Abteilung der GP2. Und prompt ist dieser Mensch dann auch mit einem Bild des neuen Wagens zurückgekommen.

Durch besondere optische Werte kann die Karre beim Ersteindruck nicht unbedingt überraschen. Man muss ihr aber lassen, dass sie zumindest näher an der modernen Formel 1 dran ist, als die bisherigen Boliden. Und mit der richtigen Lackierung kann das alles ja auch schnell wieder viel freundlicher wirken.

Auch in einem anderen Aspekt rückt die GP2 noch näher an die Königsklasse des Motorsports heran: Pirelli, die ab kommender Saison ja neben der F1 auch die GP2 und GP3 ausrüsten, haben bekannt gegeben, dass sie die GP2 nicht länger mit eigenen Reifen ausrüsten werden. Stattdessen fährt die GP2 dann mit den selben Gummis, mit denen auch die Formel 1 unterwegs sein wird. Von Pirellis Standpunkt aus macht das Sinn – immerhin muss man so nicht eine weitere Mischung produzieren, sondern kann einfach mehr von der herstellen, die man ohnehin schon liefert. Außerdem ergibt sich dadurch eine glänzende Möglichkeit, das F1 Testverbot zu umgehen. Womöglich kann man sogar davon ausgehen, dass auch das eine oder andere Formel 1 Team sich somit nun wieder mehr um die Entwicklungsarbeit seines Juniorteams bemühen wird. Welche Folgen sich dadurch für das Racing ergeben, muss man dagegen abwarten. Ganz prinzipiell ist es für die Fahrer aber sicher nicht von Nachteil, sich in der GP2 schon mal an die zukünftigen Arbeitsutensilien gewöhnen zu können.

Nicht näher an die Formel 1 rückt derweil des ART-Team. Etwas überraschend hat die Truppe gestern nämlich bekannt gegeben, dass man wegen mangelnder finanzieller Unterstützung die Bewerbung um den 13. Startplatz für kommendes Jahr zurückgezogen hat.

GP3

Auch in der GP3 gibt es zwei personelle Nachrichten: Zum einen steht nach seinen glänzenden Auftritten in Valenica auch diesmal wieder Roberto Mehri auf der offiziellen Startliste. Zum anderen gibt es diesmal Verstärkung aus der F3 Euro-Fraktion. Denn auch Mehris Landsmann Daniel Juncadella wird nach zwei eher mäßigen Auftritten beim Saisonauftakt in Barcelona ins Tech 1-Cockpit zurückkehren. Man darf schon gespannt sein, wie die beiden jungen Herren die marode F3 Euroseries dabei verkaufen werden.

Zeigen sie beide gute Leistungen, halte ich es für durchaus möglich, dass in Zukunft wieder mehr Aufmerksamkeit auf den Talentepool der F3 Euro gelegt wird. Ob das allein die Serie aber aus ihrer momentanen Misere befreien könnte, bleibt abzuwarten.

AutoGP

Die AutoGP startet auch. In Magny-Cours. Und viel mehr kann ich aus sportlicher Sicht dazu eigentlich nicht schreiben. Denn mangels Kabelanschluss habe ich noch kein Rennen dieser Serie sehen können. Dabei scheint die Nachfolgeserie der Euro F3000 durchaus an Statur zu gewinnen.

Soviel lässt sich dann aber doch noch sagen: Romain Grosjean wird nach Spa vor eineinhalb Wochen auch in Magny-Cours in der Serie an den Start gehen. Der Meisterschaftszweite, Luca Filippi dafür (siehe oben) nicht. Ob Super Nova einen AutoGP-Ersatzmann für den Italiener findet (bzw. sucht), ist derzeit noch unklar. In der Entry-List auf der AutoGP Homepage ist derzeit noch Filippi verzeichnet. Und die Pressemeldung der AutoGP berichtet lediglich, dass er diesen Lauf versäumt. Und schweigt sich zu einem möglichen Ersatzmann ebenfalls aus.

Danach macht die AutoGP übrigens erstmals Sommerpause, und fährt erst wieder Ende September – dann zur Eröffnung des Circuito de Navarra in der gleichnamigen Provinz im Norden Spaniens.

Übertragen werden wieder beide Rennen live auf MotorsTV, wo es übrigens an diesem Wochenende (erstmals?) auch eine Live- und eine As-Live-Übertragung der F3 Open geben wird. Die spansiche F3-Serie mit internationalem Anspruch geht ebenfalls in Magny-Cours an den Start.

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