Die Formel Eins tourt in den nächsten Wochen über die andere Seite der Welt. Australien ist das zweite Rennen der Saison, in dem es Aufschluss über die Hackordnung geben könnte.

Die Strecke in Australien ist aber eher “Stop ‘n go”. Lange Geraden, gefolgt von ein paar engen Kurven, die dann wieder auf lange bis mittellange Geraden führen. Daran kann schon erkennen, dass es nicht so sehr um den Grip geht, sondern mehr um die Höchstgeschwindigkeit und die Leistung der Motoren beim Herausbeschleunigen. Australien hat in den letzten Jahren zwar immer schon mal eine Vorschau auf die Saison gegeben, aber gerade in diesem Jahr, in dem der aerodynamische Grip wieder extrem wichtig ist, wird Australien das Bild der Formel Eins nicht gerade schärfen. Eine echte Rangfolge wird man wohl erst nach Malaysia erstellen können. Und weil der Kurs eher eng ist, wird es auch mit dem Überholen wieder so eine Sache sein. Aber offenbar will die FIA demnächst eine neue Regelung einführen.

Gerüchte, die per Twitter aus Australien nach Europa dringen, besagen, dass die FIA Bridgestone gebeten habe, ab den Europa-Rennen die Spannbreite der zu fahrenden Mischungen noch mehr zu spreizen. Also Supersoft/Hard zum Beispiel, anstatt Soft/Hart oder Supersoft/Medium. Das soll dazu führen, dass sich das Feld mehr mischt, da die Chassis ja unterschiedlich mit den Mischungen umgehen. Klingt eher nach einer Verzweiflungstat, denn man etwas, was man sich gut überlegt hat, aber es könnte zumindest für ein paar Rennen etwas bringen. Denn bis die Teams endgültig raus gefunden haben, wie ihre Wagen auf alle Mischungen reagieren, wird es noch ein paar Rennen dauern. Auf der anderen Seite: da ist man dann eigentlich auch nicht mehr so weit weg von Bernie Ecclestones Idee, die Strecken künstlich zu bewässern.

Das wird dem Rennen in Australien erst mal nicht helfen, aber vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Zwar hat die Strecke nur zwei echte Überholmöglichkeiten, aber das Wetter könnte eine Rolle spielen, denn für Sonntag ist am Nachmittag, zur Startzeit der Formel Eins, Regen angesagt. Da es das Wochenende ansonsten trocken bleiben soll, könnte das interessant werden und für viel Aufregung sorgen, denn der Poker wird schon am Freitag los gehen. Setzt man voll auf eine Trockenabstimmung oder ist man mutig, und versucht eine Regenabstimmung, verzichtet dafür aber auf einen guten Startplatz?

An den Favoriten wird sich jedoch nicht viel ändern, allerdings könnte es vorne etwas enger zu gehen. Red Bull scheint den schnellsten Wagen zu haben, Ferrari liegt aber nur wenig dahinter. Die McLaren erwarte ich in Australien auf Augenhöhe mit den beiden anderen Teams, weil sie in Bahrain in Sachen Topspeed überlegen waren. Und an Platz vier sehe ich eigentlich die Force India, die ihren letztjährigen Geschwindigkeitsvorteil zwar etwas, aber nicht komplett eingebüßt haben. Mercedes wird, so meine Vermutung, in Australien einen schweren Stand haben.

Dahinter wird sich ein sehr enges Mittelfeld einfinden, aber Sauber sollte in Australien besser aussehen. Die Schweizer werden im übrigen wohl das gesamte Jahr mit einem schneeweißen Auto rum fahren müssen, haben aber mittlerweile bei der FIA angemeldet, dass man demnächst auf den Namen “BMW” verzichten möchte. Offenbar musste man nur beim ersten GP aus Sicherheitsgründen mit dem “BMW” antreten, damit man die TV-Gelder aus dem letzten Jahr bekommt. Radio Twitter meldet auch, dass Sauber nun wie McLaren über eine kleine Lufthutze verfügt, die Luft auf den Heckspoiler leiten soll. Bei Scarbs gibt es ein paar Detailfotos.

Ansonsten dürfte sich die Änderungen an den Wagen im Detailbereich bewegen. Williams hat schon angekündigt, dass man weder in Australien noch in Malaysia neue Teile bringen wird. Evtl. will man ein größeres Update in China zeigen. So relaxt wird bei den großen Teams nicht zu gehen. Bei McLaren und anderen Teams musste man den Diffusor ändern. Man hatte den Einlass für den Anlasser so geformt, dass er wie eine kleine, dritte Stufe aussah. War zwar nicht verboten, aber auch nicht im Sinne des Reglements, also musste umgebaut werden. Große Probleme wird das allerdings nicht machen. Mercedes packt wohl einen neuen Frontflügel aus, der das lästige Untersteuern eindämmen soll. Richtig viel los ist wohl bei Ferrari. Verschiedene Quellen aus Italien meldeten letzte Woche, dass die Italiener an einer “B-Version” des Wagens arbeiten. Das Gerücht kam aber schon unmittelbar nach dem Launch auf. Vermutlich tauchen sie jetzt wieder auf, weil Ferrari, wenn man das Schnorchel-System von McLaren kopieren möchte, ein neues Chassis und damit einen neuen Crash-Test braucht.

Bei den neuen Teams dürfte es die größten Fortschritte geben. Virgin hat wohl ein paar neue Teile, ebenso Lotus. HRT hofft, dass man den Abstand auf die beiden neuen Teams nach dem Kraftakt von Bahrain wird verringern können, aber viel Hoffnung hat man da zunächst nicht. Für alle drei Teams gilt: Wer ankommt ist ein Sieger.

Noch ein Wort zur Strecke. Man hat nichts verändert und der Kurs ist weiterhin nicht ohne, was die Sicherheit angeht. In den letzten Jahren gab es immer wieder unschöne Abflüge, die wegen der hohen Geschwindigkeit auch nicht gerade ungefährlich sind. Besonders kniffelig dürfte der Start werden. Der ist von je her in Australien sehr unfallträchtig und nach dem die Fahrer gesehen haben, dass der Start extrem wichtig geworden ist, wird es noch enger zu gehen. Würde mich wundern, wenn da am Sonntag alle Frontflügel heil bleiben würden.

Die Übertragungszeiten sind wie üblich bis auf der Rennen (Start 08.00 Uhr, Sonntag) eher schwierig, aber zumindest sky-Kunden haben ja die fast ganztägig laufenden Wiederholungen.

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