Seit Jahren testet die Formel Eins im Winter fleißig die neuen Autos und seit Jahren haben die Tests auch etwas von Kremlastrologie.
Denn in die Karten schauen lassen sich die meisten Teams nicht. Man darf nicht vergessen, dass die Tests nicht unter die FIA-Hoheit fallen und dementsprechend können die Teams machen was sie wollen. Es gibt keine Gewichtsbeschränkung, man kann also den Wagen auch etwas leichter machen, wenn man das möchte. Was einige Teams in der Vergangenheit schon mal gerne gemacht haben. Es bringt natürlich nichts, wenn man 50 Kilo aus dem Auto raus nimmt, aber manch klammes Team hat auf diesem schon den ein oder anderen Sponsor ran gezogen. In diesem Jahr scheint das nicht der Fall zu sein. Im Gegenteil – die Testzeiten waren viel zu langsam.
Dass man in diesem Jahr vor allem den Reifenabrieb im Blick hatte, war schon vorher klar. Wegen des Nachtankverbots sind Wagen deutlich schwerer geworden. Wie schwer ist nicht so ganz klar, denn in Sachen Tankgröße gibt man sich außerordentlich verschlossen. Im letzten Jahr lagen die Startgewichte bei einem konservativen ersten Stint bei rund 645 Kilo. Da wird man in diesem Jahr noch die 15 Kilo drauf packen müssen, die die Chassis insgesamt schwerer geworden sind, und auch noch mal zwischen 150 und 170 Kilo für den Sprit. Macht ein Startgewicht von ca. 750 bis 760kg. Bis man den Sprit so weit runter gefahren hat, dass man mit einem mittelschweren Wagen unterwegs ist, wird es also etwas dauern.
Das bedeutet vor allem, dass die Reifen im ersten Stint die größte Belastung aushalten müssen. Wessen Reifen unter Graining leidet, kann gleich an die Box fahren. Deswegen wurden in Jerez und in Barcelona vor allem Long-Runs gefahren. Man versuchte über die Abstimmung heraus zu bekommen, wie lange man wie schnell mit welchen Reifen unterwegs sind. Das Problem: zum einen war es in Spanien nie wirklich warm, zum anderen bietet Bridgestone ja verschiedene Reifen auf verschiedenen Strecken an. Zwar haben viele Teams Vergleichswerte aus dem letzten Jahr, aber lustigerweise profitieren davon eher die Hinterbänkler, die eh oft mit einem randvoll getankten Wagen unterwegs waren.
Deswegen sah man auch an den Tagen keine guten Zeiten, an denen es mal trocken war. Gehen Ende des Tests schienen einige Teams die Hosen runter zu lassen, aber die Zeiten kann man völlig vergessen. Niemand hat am Ende auch nur ansatzweise gezeigt, was das neue Chassis kann. Natürlich weiß ich das nicht sicher, weil ich ja nicht die Gewichte der Teams kenne, aber ich habe die Zeiten aus dem letztem Jahr.
Und die sahen so aus:
Am letzten Tag in Barcelona fuhr Barrichello 2009 eine 1:18.926min bei vergleichbaren Wetterbedingungen und gleicher Streckenlänge. Der schnellste Wagen ohne Doppeldiffusor lag bei 1:20.576min und wurde von Vettel gefahren. Die schnellste Zeit in diesem Jahr lag bei 1:20.472min. Es kann nicht sein, dass das Ende der Fahnenstange war.
Es gibt sicher ein paar Änderungen in diesem Jahr, die die Wagen langsamer machen. Zum einen sind die Vorderreifen schmaler geworden (20 mm), zum anderen sind Wagen länger geworden und die Gewichtsverteilung hat sich verändert. Aber diese Änderungen dürften bei einem Wagen im Quali-Trimm kaum mehr als eine Sekunde ausmachen, selbst wenn man sehr großzügig ist. Man darf auch nicht vergessen dass Wagen im Laufe des letzten Jahres deutlich schneller geworden sind. Selbst Brawn konnte trotz den eingeschränkten Budgets um rund eine Sekunde zulegen. Also müsste MercedesGP in diesem Jahr 17er Zeiten fahren können. So zumindest die Theorie.
Man kann aber wohl davon ausgehen, dass die schnellen Zeiten nicht mit leeren Tank gefahren wurden. Wenn aber alle wiederum mit einigermaßen ähnlichen Gewichten unterwegs waren, kann man zumindest einen kleinen Vergleich anstellen.
Und da sieht man, dass man wohl relativ eng zusammen ist. Ferrari und McLaren machten vor allem bei den Longruns einen extrem guten Eindruck. Danach folgen Mercedes und Red Bull, wobei letztere bisher ein massives Problem mit der Standfestigkeit ihres Wagens hatten. Schwer einzuschätzen sind Sauber, Williams und Force India. Sauber sah extrem gut aus, aber da wurde vermutet, dass man ein wenig Show gemacht hat. Die Zeitunterschiede zwischen de la Rosa und Kobayashi waren teilweise schon sehr groß. Ähnliches gilt für Force India, während Williams insgesamt einen sehr guten Eindruck machte.
Bei den Hinterbänklern tat sich wenig. Sowohl Virgin als auch Lotus hingen rund 4.5 Sekunden hinter der Spitze. Das ist schon etwas sehr bitter und vor allem sehr viel. Man kann sich vorstellen, dass so “rollende Schikanen” bei den Rennen schnell im Weg stehen. Ich hatte den Abstand nicht so groß erwartet, sondern eher bei 2 Sekunden eingeschätzt. Und bei Campos, die wohl demnächst Hispania Racing Team (HRT) heißen, dürfte der Abstand noch gewaltiger sein.
Wie genau ich welches Team einschätze, kommt nächste Woche in einer großen Saison-Vorschau, aber so richtig wird man das erst sehen können, wenn die Quali in Bahrain los geht.






















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“Das bedeutet vor allem, dass die Reifen im ersten Stint die größte Belastung aushalten müssen. Wessen Reifen unter Graining leidet, kann gleich an die Box fahren.”
Stimmt. Und weil die Änderungen bei der Aerodynamik die Autos zwar hässlich gemacht, aber keinerlei Verbesserung beim Thema Überholen gebracht haben, werden die Fahrer wohl noch “taktischer” fahren müssen. Keine guten Aussichten auf spannende Rennen. Wenigstens wird wohl ein Team nicht wieder haushoch überlegen sein, so dass die WM wenigstens auf dem Punkte-Papier “spannender” werden könnte als letztes Jahr.