Formel Eins: Rückblick 2009 – Die Teams

4 Kommentare
Von DonDahlmann 18 Dez 2009 um 16:48 in F1

Die Saison 2009 gehörte, was das letzte Drittel der Meisterschaft angeht, sicher nicht zu spannendsten, wenn sie mit 08 und 07 vergleicht. Dafür aber zu der mit den größten Überraschungen.

button_barrichello_ausEs war zwar zu erwarten, dass die neuen Aerodynamikregeln einiges durcheinander würfeln würden, aber das es so heftig kommen würde, war dann doch eine Überraschung. Tatsächlich blieb kein Stein auf dem anderen. Top Teams versanken im Nirwana des Mittelfelds, Teams, die im Jahr zuvor noch Mühe hatte, nicht überrundet zu werden, triumphierten. Zum ersten Mal seit vielen Jahren mussten sich die Ingenieure einer neuen Herausforderung stellen und es zeigte sich, dass es vor allem hilft, wenn man auf die Genialität seiner Angestellten vertraut. Bei den Teams, in denen Ideen in Meetings stundenlang gewälzt wurden, die eine strikte Hirachie und wenig Handlungsspielraum für die Angestellten haben, schien es Probleme zu geben. Schlanke und kleine Teams, die schneller auf Veränderungen reagieren konnten, war klar im Vorteil. Schon bei den Wintertests machte sich bei einigen Teams (BMW, McLaren, Renault) leichte Panik breit, weil man sah, wie weit man vom Rest des Feldes weg war.

Es zeigte sich aber auch, dass man viel aggressiver an eine Saison heran gehen muss. BrawnGP war zwar auch schneller, stellte seine Piloten aber auch oft vor allem im Mittelstint auf eine sehr aggressive Fahrweise ein. Als Red Bull in Motorennöte kam, stellten die ihr Programm ebenfalls um. Vergiss den Motor, wir fahren volles Rohr, egal was kommt. Und am Ende hätte es ja auch fast gereicht. Force India verfuhr oft, zumindest im Training, ähnlich. Die Teams, die bedächtig weiter entwickelten, kamen unter die Räder. BMW verlor nicht nur wegen des schlechten Chassis, sondern auch weil man immer wieder erstaunlich konservative Strategien wählte. Während manche Teams “Alles oder nichts” spielten und manchmal erfolgreich waren, versanken andere im Mittelmaß, weil man sich nicht traute.

Hier erst einmal mein Überblick über die Teams. Die Fahrer folgen noch in einer Einzelbewertung. Sortiert sind die Teams nach der 2009er Team-Wertung.

Brawn:
Das Wunder von 2009. Jedenfalls, was das Wirtschaftliche angeht. Denn noch Anfang März war nicht klar, ob Ross Brawn sein Team überhaupt an den Start bringen würde. Die Verhandlungen, die zwischen Januar (als sich der Management Buy-out ankündigte) und März müssen nerverzerreissend gewesen sein. Wie man hört, hatten viele Parteien ihre Finger Spiel, namentlich aber vor allem Bernie Ecclestone. Er sorgte im Hintergrund dafür, dass Honda den Laden nicht sofort dichtmachte, er sorgte für den Kontakt mit Mercedes und dafür, dass Ron Dennis dem Deal zustimmte. Er war es wohl auch, der Richard Branson und Brawn zusammen brachte. Trotzdem ist es schon ein kleines Wunder.

Natürlich wird man sich in Japan ärgern, um es mal freundlich zu formulieren. Brawn hatte ein halbes Jahr nach seinem Antritt den Laden nach seinen Wünschen umgekrempelt. Er hatte im Winter gesehen, dass der Wagen für die Saison 08 eine nicht zu rettende Krücke war. Im März 2008 stand das erste Modell des 09er Autos im Windkanal und bis zum Winter hatte man drei Windkanäle zur Verfügung. Ross Brawn warnte die Japaner, dass man einen eklatanten Vorteil haben würde, auch weil man auf die Reglementlücke mit dem Doppeldiffusor gesetzt hatte. Aber die Verantwortlichen bei Honda waren zum einen entmutigt, zum anderen ging ihnen das Geld aus.

Wie gut der Wagen war, konnte man im Laufe des Jahres sehen. Dass man mit dem Doppeldiffusor allen andern um die Ohren fahren würde, war klar. Aber selbst, als der Rest die Idee kopiert hatte, und quasi Waffengleichheit herrschte, war der Brawn immer noch eines der besten Autos im Feld. Zwischen Australien und Abu Dhabi fand man nicht mehr als eine Sekunde, was nicht viel ist, aber die engen Ressourcen ließen nicht mehr zu.

Brawn kämpfte zu dem mit Problemen auf der Vorderachse, die dafür sorgten, dass die Reifen nicht auf Temperatur kamen. War es zu kalt, oder der Asphalt zu glatt, kam man nicht in Schwung. Ein weiteres Problem war die Konstruktion des Unterboden, der man verbessern musste.

Aber alles in allem gelang Brawn das Kunststück als erstes brandneues Team der Formel Eins überhaupt die Team-Wertung zu gewinnen. Das macht ihm so schnell keiner nach und in die Geschichte ist er damit endgültig eingegangen.

Es ist fast schade, dass das kleine Team jetzt hinter dem Namen “Mercedes GP” verschwindet. Ich hab mir in diesem Jahr einen Rucksack aus dem Merchandising Shop von Brawn besorgt und werde mich noch lange gerne an Brawn erinnern lassen.

Red Bull:
Die Österreicher waren in den letzten Jahren auch eher ein Team, bei dem man nie wusste, ob es nun richtig nach vorne, oder doch eher nach hinter geht. Die Verpflichtung von Adrian Newey habe ich mit Skepsis gesehen. Newey hatte in den 90ern großartige Wagen gezeichnet, aber danach ist ihm nicht mehr viel gelungen. Besser gesagt: kein Spitzenfahrzeug mehr. Das lag wohl auch daran, dass er sich bei McLaren etwas gelangweilt hat. Aber der Letztjährige Red Bull war auch kein Brenner, also war ich recht skeptisch für 2009.

Aber Newey hat den schnellsten Wagen des Jahres gebaut. Jedenfalls den ohne Doppel-Diffusor. Das erste Rennen in Australien lief nicht gut, aber danach waren sie da und haben den Brawn das Leben schwer gemacht. Wenn man bedenkt, dass man die endgültige Variante des Wagens erst in Silverstone gebracht hat, wird klar, wie gut der Red Bull schon vorher war. Auf der anderen Seite: Man hatte auch das Geld quasi eine B-Variante des Wagens zu entwickeln, was Brawn nicht hatte.

Zwei Schwachpunkte gab es aber dennoch beim Team: die Strategie und der Motor von Renault. Bei Ersterem hat man sich selten richtig verhauen, aber man ist lange auch einfach sehr konservativ geblieben. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass man in der ersten Saisonhälfte wirklich außergewöhnliche Versuche gestartet hätte. Dazu kam der Renault. Wobei man aber auch sagen sollte, dass das Renault Team selber nicht so große Probleme hatte. Das extrem schmale samt den Push-Rod Aufhängungen sorgte wohl für eine schlechte Belüftung für den Motor. Als die Motoren aufgebraucht waren, wurde man interessanterweise mutiger. Da kam dann die “Ist eh egal, alles oder nichts” Einstellung, die sie am Ende in der Meisterschaft gehalten haben.

Ein kleiner Schwachpunkt war die Fahrerbesetzung. Vettel war in der ersten Saisonhälfte noch etwas ungestüm, Webber war nicht gesund.

Aber dennoch ist es erstaunlich, was Red Bull aus dem ehemals maroden Jaguar-Team hin gezaubert hat. Das hatte sich BMW auch so vorgestellt.

McLaren-Mercedes

Am Ende haben sie die Kiste noch gedreht und sind guter Dritter geworden. McLaren gelang wohl der heftigste turn-around des Jahres. Denn als die Saison los ging, steckten sie im Nirvana. Immerhin, das darf man ja nicht vergessen, hatten sie 2008 wohl den besten Wagen und traten mit Lewis Hamilton als Weltmeister an. Aber scheinbar ist man mit den neuen Regeln überhaupt nicht klargekommen. Schon die ersten Testfahrten zeigten, dass das neue Chassis überhaupt nicht ging. Weder war es auf der Geraden, noch in den Kurven schnell. Es war, so Hamilton noch im Mai, das schlechteste Auto, dass er jemals gefahren sei.

Die Saison war da eh schon gelaufen. Selbst in Monaco, einem Kurs, wo man weder lange Geraden noch Highspeed-Kurven hatte, ging nichts. Hamilton kam mit einer Runde Rückstand auf Platz rein. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass man bei McLaren die Saison einfach abhaken würde. Zwei Rennen später gab es den ersten Lichtblick in England, als wenigstens in den freien Trainings in die Top Ten kam, in Deutschland dann der Durchbruch mit einem fünften Platz in der Quali. Von da an ging es steil bergauf. Das nächste Rennen gewann Hamilton, der zweite Sieg folgte in Singapur.

Das spricht vor allem für die Einstellung des gesamten Teams. Auch wenn Mercedes vermutlich massiv Druck gemacht hat, muss man aus einer Krücke erst mal einen Siegerwagen machen. Dabei waren die Änderungen aber gravierend. Bis auf das Monocoque hat so ziemlich jedes Aerodynamikteil am Wagen ausgetauscht. Inkl. des Unterbodens. Dennoch zeigte es, was McLaren leisten kann und das man sie niemals in einer Saison abschreiben sollte.

Sie wären auf meiner Liste klar das Team Nummer 3, wären da nicht die unschönen Lügen und Politikspielchen gewesen, die sich laut der FIA Ron Dennis angeblich erlaubt hat. Die Lügen-Affäre von Australien, das Leugnen usw., all das war weder sportlich, noch war es sinnvoll. Der Abgang von Dennis, zumindest was seine Sichtbarkeit anging, schien dem Team auch sichtbar gut zu tun.

Der Verlust des Partners Mercedes wird dem Team allerdings Bauchschmerzen bereiten. Den Motor bekommt man zwar weiter, aber das Know-How aus Stuttgart wird mit Sicherheit fehlen. Aber wenn es ein Team gibt, dem ich zutraue, es auch ohne echten Partner auszukommen, dann ist es wohl McLaren.

Ferrari:

Die hatte ich wirklich ganz weit oben auf meiner Liste. Der Wagen sah gut aus, die Fahrerbesetzung exzellent. Massa ist 2008 zu einem echten Spitzenfahrer gereift und ich bin fest davon ausgegangen, dass er bis zum Schluss um die Meisterschaft würde fahren können.

Aber irgendwie ist bei Ferrari 2009 der Wurm drin gewesen. Man bekam den Wagen weder mit noch ohne Doppeldiffusor hin. Er war, wie Räikkönen es mal sagte, ein gutes Fahrzeug, leicht zu fahren, aber einfach zu langsam. Vielleicht lag es an der ungünstigen Gewichtsverteilung durch KERS, vielleicht war der Wagen einfach Schrott. Aber im Gegensatz zu McLaren spürte man bei den Italienern kein richtiges Aufbäumen. Hinter den Kulissen wurden Posten neu besetzt, Montezemolo schien das Team mehr zu führen, als Domenicali. Und als Massa schwer verunglückte war die Saison sowieso vorbei.

Mir hat die Schlaffheit des Teams aber dennoch nicht gefallen. Auch dass man erst auf den völlig unerfahrenen Badoer setzte, war merkwürdig. Sicher – wenn Schumacher gekommen wäre, hätte die Sache, zumindest was die Motivation angeht, anders ausgesehen. Aber ich bezweifle sehr stark, dass Schumacher wahnsinnig viel besser als Fisichella ausgesehen hätte. Vielleicht wäre er näher an Räikkönen ran gekommen, aber mehr auch nicht.

Das Bild, was Ferrari 2009 abgegeben hat, war nicht gut. Es fehlte an allen Ecken und Enden, um wirklich ganz vorne dabei zu sein. Dass sie am Ende von McLaren überholt wurden, war dann auch nur konsequent. Ich bin sehr gespannt, wie sich das 2010 mit Alonso entwickeln wird, aber die Befürchtung, dass sich das Team in ein Massa und ein Alonso-Lager aufteilen und gegenseitig lähmen wird, ist durchaus da.

Toyota

Was für eine merkwürdige Saison. In den ersten vier Rennen holte man 26.5 Punkte. In den folgenden neun Rennen waren es 12, in den letzten vier holte man dann wieder 21 Punkte. Das sagt eigentlich alles über die “Wundertüte” Toyota. Weder gelang es den Japanern ihren Vorteil mit dem Doppeldiffusor weiter zu entwickeln, noch gelang es ihnen bis zum Ende einen Schritt nach vorne zu machen. Es ist weiter unverständlich, wo und warum ihnen dieser eine Schritt fehlte.

Nach dem Ausstieg wurde viel darüber geschrieben, dass die Kommunikation zwischen Tokio und Köln einfach nicht stimmte. Statt das Team machen zu lassen, habe man aus Japan immer wieder dazwischen gefunkt. Endlose Meetings, jeder versucht sich nach hinten abzusichern, damit man nicht weiter oben in Ungnade fällt. Fast hatte man den Eindruck, dass sich diese Einstellung auch auf die Fahrer übertrug, vor allem bei Trulli. Der lieferte ein Feuerwerk in der Quali ab, versackte dann aber im Rennen. Bei Glock lief es zunächst gut, auch in der Quali, aber dann passte es sehr oft nicht und er musste im Rennen alles rausholen. Aber immerhin war Trulli in der Endabrechnung dann doch noch vor dem Deutschen, was man nicht vergessen sollte, wenn man über die Fahrerleistung spricht.

Der Ausstieg war keine große Überraschung, aber trotz der merkwürdigen Saison hatte man bei Toyota in dieser Saison das Gefühl, das ihnen nur eine Kleinigkeit fehlt, um sich vorne zu etablieren. Manchmal war es einfach Pech, dass der Sieg nicht kam, manchmal halt Unvermögen. Aber ein Sieg hätte am Ausstieg wohl auch nichts mehr geändert.


BMW Sauber

Noch ein Aussteiger und ein Team, das 2009 komplett untergegangen ist. Man hört nach der Trennung viele Dinge aus Hinwil, unter anderem auch ähnliches wie im Fall Toyota. Man habe sich in endlosen Meetings zerfasert, es gab Meinungsverschiedenheiten über den Einsatz von KERS. So wollte München unbedingt KERS einsetzen, während man in der Schweiz aus den bekannten Gewichts- und Designgründen dagegen war. Das Design des Wagens war zu dem mutlos und hatte zu wenig Finesse. Wo andere mutig nach vorne gingen, blieb man bei BMW-Sauber zurückhaltend. Zwischen dem Red Bull RB5 und BMW Sauber F1.09 lagen Welten. Und zwischen all der Unentschlossenheit blieb das Team auf der Strecke.

Obwohl man den Kampf um die WM 2008 früh (vielleicht zu früh) eingestellt hatte, erlebte man schon bei den Tests ein kleine Ernüchterung. Dennoch – auch ich hatte BMW weit oben auf meinem Zettel und das erste Rennen in Australien schien auch gut zu laufen, denn Kubica wäre locker zweiter geworden, wäre ihm nicht Vettel in die Quere gekommen. Aber danach ging es rasend schnell bergab. In den ersten Rennen holte man 10 Punkte in der Teamwertung. Aber das ging anderen Teams, die vom Doppeldiffusor überrascht wurden, ja ähnlich.

Doch BMW gelang als einziges Team die Wende in der Saison nur sehr spät. Nur Renault war noch schlechter unterwegs. Und das muss einen schon wundern, denn BMW hatte, glaubt man den Gerüchten, den stärksten Motor im Feld. Aber dennoch bekam man den Wagen nicht in den Griff und fuhr hinterher. Es war schon erstaunlich, das man trotz aller Möglichkeiten, nicht in die Punkte kam. Erst mit dem Grand Prix in Monza wurde es besser.

BMW hat schon vor dem von Panik getriebenen Ausstieg nicht gut ausgesehen und den Schuh muss sich auch der Teamleiter Dr. Mario Theissen anziehen. Ihm ist es nicht gelungen, den Rennstall 2009 in den Griff zu bekommen, was vielleicht auch daran lag, dass er an zu vielen internen Fronten kämpfen musste.

Der Ausstieg und die nachfolgenden Verhandlungen mit möglichen Käufern gehörten dann auch zu den schlimmsten Schauspielen, die man mit erleben musste. Man versagte dem Team aus rechtlichen Gründen die Unterschrift des Concorde-Agreements – angeblich, weil man keine juristischen und finanziellen Komplikationen wollte. Auf der anderen Seite war man sich sicher, dass man das Team verkaufen würde. Wenn man sich so sicher ist, warum unterschreibt man dann nicht? Die Verzagtheit, mit der BMW gehandelt hat, war schon schmerzhaft. Der 66jährige Peter Sauber, der schon längst seinen wohlverdienten Ruhestand genießen wollte, durfte dann drei Monate lang um sein Lebenswerk kämpfen. Immerhin gelang es ihm, all die Scherben zusammen zu kleben, die man bei BMW zerschmissen hatte.

Williams

Die Briten hatten einen schlechten Start in die Saison. Das nicht mal im sportlichen Sinne, sondern weil man schon im Winter in finanziellen Problemen steckte, die mittels eines “Vorschusses” von Bernie Ecclestone beheben konnte. Das Traditionsteam hat seit einigen Jahren Probleme, weil die Konzerne einfach mehr Geld einsetzen können und es ist um so erstaunlicher, dass dem Team dieses Jahr eine gute Saison gelang.

Das hatte man auch dem Doppeldiffusor zu verdanken, den man wie BrawnGP und Toyota zum Start der Saison montiert hatte. Allerdings hatte man auch das Handicap, dass der Toyota-Motor nicht gerade besonders kräftig war und man natürlich die Entwicklungsgeschwindigkeit der Konkurrenz nicht würde mit gehen können. Um so mehr wird man sich über den zähen Saisonstart. Denn als alle anderen in den ersten fünf Rennen noch mit ihrer Aerodynamik kämpften, machte Williams gerade mal 4.5 Punkte. Da war Pech dabei, aber es war auf jeden Fall zu wenig.

Interessanterweise gelang dem Team aber über die Saison eine konstante Weiterentwicklung. Während man sonst nach der Sommerpause völlig im Hinterfeld versackte, gelang den Briten dieses Jahr immerhin eine gute Saisonmitte. Zwar verlor man am Ende wieder, aber das war dann auch nicht anders zu erwarten. Bedanken kann man sich vermutlich bei Nico Rosberg, der den Williams ein ums andere Mal in die so wichtigen Top Acht manövrierte, während Nakajima ein kompletter Totalausfall war. Sämtliche 34.5 Punkte kamen von Rosberg, der Japaner blieb ohne einen einzigen Zähler.

Man muss der Leistung von Williams durchaus Respekt zollen, auch wenn man manchmal mehr Mut in der Strategie erwartet hätte. Aber immerhin hat das Team noch Renault hinter sich gelassen.

Renault

Da muss man schon ehrlich sein: Deutlicher kann mann eine Saison nicht verbocken. Renault hat die neuen Regeln mit einem auf den ersten Blick interessanten aerodynamischen Konzept begonnen, nur leider hat es überhaupt nicht funktioniert. Der Renault R29 war von Anfang an eine Krücke, der weder beim mechanischen, noch beim aerodynamischen Grip funktionierte. Und es war nicht der erste Wagen von Renault, der hinterher fuhr. Wenn man es genau nimmt, hat Renault seit 2006 keinen vernünftigen Wagen mehr hinbekommen, auch wenn Fernando Alonso als guter Entwickler gilt.

Dazu kamen in diesem Jahr die leidigen Diskussionen um die Teamführung. Erst der Rauswurf von Nelson Piquet jr., dann der daraus resultierende Singapur-Skandal, nachdem die Familie Piquet einen Rachefeldzug gegen Flavio Briatore gestartet hatte. Bei so viel Unruhe im Team ist es kein Wunder, dass man nicht vorankam. Das Chassis war zu dem so schlecht, dass man es auch nicht verbessern konnte. Man hätte einen neuen Wagen bauen müssen, aber dafür gab es vom Konzern kein Geld. Anspruch und PR-Lautstärke standen in keinem Verhältnis zur Leistung, vor allem, wenn man bedenkt, dass Force India den Franzosen gegen Ende der Saison auf der Nase rum tanzte. Dass man überhaupt ab und an Punkte sammeln konnte, hat man dem schon fast bedauernswerten Alonso zu verdanken, dessen Treue zu Renault und Briatore schon fast etwas Fatales hatte.

Warum das ehemalige Erfolgsteam so versagt hat, ist schwer zu sagen, aber die diktatorische Struktur um Briatore hat sicher eine Rolle gespielt. Renault hat durchaus weiter Interesse an der Formel Eins, aber vermutlich wird man nur noch als Motorlieferant auftreten und das Team an Dave Richards verkaufen.

Force India

Es war schon erstaunlich, wie gut Force India in diesem Jahr war. Aber da gab es zwei Komponenten, die eine wesentliche Rolle gespielt haben. Zum einen der Mercedes Motor (samt Getriebe) zum anderen hatte man von McLaren Simon Roberts ausgeliehen bekommen, der als eine Art “Berater” zwischen McLaren und Force India fungierte. Roberts war vorher Operations Director bei McLaren, also vor allem für die Orga des Teams zuständig. Das erlaubte Mallya sowohl Colin Kolles als auch Mike Gascoyne zu entlassen, was sein Budget entlastet haben dürfte. Der technische Input von McLaren machte sich früh bemerkbar, aber man darf auch nicht vergessen, dass dem kleinen Team ein recht gutes Auto gelungen ist. Zumindest, wenn es geradeaus ging. Auf eckigen Kursen ging der Wagen nicht.

Auch der Start der Saison war enttäuschend, aber doch insgesamt schon ein Schritt in die richtige Richtung. Mit vielen kleinen Verbesserungen, vor allem im Bereich der Vorderachse, gelang es Force India sich schrittweise zu verbessern. Highlight war sich der GP von Belgien, als man die Pole holte und das Rennen nur verlor, weil Räikkönen mit dem KERS-Knopf spielen konnte.

Insgesamt war es aber imposant, wie sehr sich Force India verbessern konnte. Böse Zungen behaupteten schon, das Team dürfe etwas mehr Drehzahl fahren um den Erfolg zu erlangen, damit man die finanziellen Schwierigkeiten beseitigen könne. Gerüchteweise hieß es, dass dem Team das Wasser bis zum Hals steht, nachdem Gläubiger angeblich versucht haben, das Motorhome am Nürburgring zu pfänden.

Aber es war schön zu sehen, dass ein “Underdog” in der Formel Eins immer noch die Möglichkeit hat, nach vorne zu fahren, denn war und ist schon immer das Salz in der Suppe der Formel Eins gewesen.

Toro Rosso

Vom Red Bull Ableger hat man sich nach der fantastischen Saison 2008 sicher mehr erwartet. Zu dem fuhr man auch mit dem RB5 Chassis, aber die Abgänge von Vettel und Gerhard Berger hatten das Team wohl nachhaltig geschwächt. Dazu kam, dass man in diesem Jahr auch nicht mehr die gewohnte schnelle Unterstützung von Red Bull bekam. Die konzentrierten sich auf sich selber und ließen das Schwester-Team auf neue Teile länger als gewohnt warten. Und so fehlte es an allen Ecken und Enden, obwohl man mit dem Ferrari-Motor nominell den besseren Antrieb hatte.

Nicht hilfreich waren die Probleme mit den Fahrern. Sebastian Bourdais erwies sich auch in seiner zweiten Saison als Reinfall, Sebastian Buemi kam erst gegen Ende der Saison richtig in Schwung. Jaime Alguersuari, hoch gehandelter Nachwuchsmann, kam die Formel Eins dann einfach zu früh. Und zwei Youngster im Team zu haben, ist dann eben doch etwas viel. Einen Überflieger wie Vettel gibt es halt auch nur ein oder zwei im Jahrzehnt.

Das Team lieferte in diesem Jahr aber insgesamt eine schwache Leistung ab und ordnete sich wieder in den Niederungen ein, in denen man vor der Ära Berger unterwegs war. Auch für das nächste Jahr erwarte ich da nicht mehr, aber man baut 2010 zum ersten Mal ein eigenes Chassis. Vielleicht überrascht Toro Rosso ja Fans und Fachwelt.

Und jetzt: Etwas mehr als 300 Fotos. Einfach auf das Vorschaubild klicken.

Bilder Formel Eins 2009

Ähnliche Artikel

  • No Related Post

4 Comments

  1. nona

    Ich halte es immer noch für den grössten Fehler in der Saison 2009, dass man KERS nicht zur Pflicht für alle Fahrzeuge gemacht hat. Der Status als Option brachte eine gravierende Unruhe in fast alle Teams sowie in die Aussendarstellung der Serie (wer fährt wann mit oder ohne, wer schmeisst es warum ganz raus, etc.), und ein unschönes Leistungsmissverhältnis auf der Rennstrecke. Verschiedene Rennen wurden mittels KERS-Button ziemlich kaputt gemacht. Ein Pflicht-KERS hätte dagegen für alle Teams vergleichbare Vor- und Nachteile und Anforderungen ans Design und an die Problembewältigung gebracht, und gut is’ (bzw. wär’s gewesen). Im Fall von BMW, wo der Konzern strategisch auf seine strategische Ausrichtung auf Nachhaltigkeitskonzepte gepocht hat, während das Team sowas in der taktischen Realität des F1-Alltags anders angehen muss, hat das ganze Hickhack zusätzliche unnötige Reibereien verursacht und im Grunde für den Gnadenstoss gesorgt.

    Zu McLaren:
    Dieses “das schlechteste Auto das ich je gefahren bin” von Hamilton fand ich damals schon lustig. Reichlich gewagte Aussage von einem Jungspund seines Alters, der die Zahl der Fahrzeuge, die er bis dahin ernsthaft unter seinem Hintern hatte, immer noch locker an einer Hand abzählen kann.

    Zu Ferrari:
    Das Team zeigt zunehmend Risse, die eigentlich zu erwarten waren. Die Älteren werden sich erinnern: bevor Schumacher kam, war Ferrari -mit Berger und Alesi- bekannt für ihr typisches “Grande Casino” mit chaotischem Auftritt und oftmals unprofessioneller Performance. Erst Schumacher hat das Team nach seinen Vorstellungen umgekrempelt und als Bedingung für seinen Wechsel von Benetton Leute ins Boot holen dürfen, die für die dann folgenden Jahre des Erfolgs die Infrastruktur ausmachten und das Team erst auf Spur brachten. Diese Leute (vor allem Todt und Brawn) sind an der Spitze inzwischen weg und im Unterbau verschwinden sie auch nach und nach. Die “Schlaffheit” des Teams überrascht mich überhaupt nicht. Das ist nicht dasselbe Ferrari, das mit Schumacher Serienweltmeister wurde.

    Reply  |  Quote
  2. @nona: Kann dir nicht zustimmen in Sachen KERS. Die Formel Eins ist eine Technologie-Serie und gerade sowas wie mit KERS ja oder nein, macht es doch erst, in der heutigen Zeit, wieder zu einer Technologie-Serie. Von daher finde ich dieses Gentlemen’s Agreement für KERS im kommenden Jahr total nonsense.

    Reply  |  Quote
  3. nona

    @xeniC: Nun, sicher, als Technologie-Serie hätten sie sich aber genausogut konsequent auf Pflicht-KERS einigen können und das dann in der Aussendarstellung verwenden können. KERS an sich ist ja schliesslich eine absolut positive Sache (für Strassenfahrzeuge). Die halbherzige Einführung als Option hat aber nur für Durcheinander gesorgt und der Aussendarstellung absolut nicht gutgetan, und eigentlich sogar dem Image der Technologie geschadet, denn die Entwicklungsschwierigkeiten und die Entscheidung zum Rausschmiss von KERS bei manchen Teams hinterliess beim flüchtigen Betrachter den Eindruck, KERS habe irgendwelche inhärenten Nachteile. Diese Nachteile waren aber einzig den Reglementsbedingungen geschuldet (also Gewichts(verteilungs)nachteil versus festgelegter Verfügbarkeit in Sekunden/Runde) und der zu späten Entscheidung für KERS als Option überhaupt.

    Reply  |  Quote
  4. abductee

    erm… don?
    wo bitte hat ferrari nen doppeldiffusor gehabt?
    ich hab an der b-variante keinen gesehn.
    gibt es beweis-bilder?
    imho hat ferrari dieses jahr keinen echten doppeldiffusor eingesetzt.

    Reply  |  Quote


Add Your Comment