NASCAR: Analyse Texas

Keine Kommentare
Von DonDahlmann 10 Nov 2009 um 16:03 in NASCAR

Nach ca. 90 Sekunden des Rennens brach in den Geschäftsräumen der NASCAR und bei ESPN lautstarker Jubel aus. Jimmie Johnson dengelte seinen Wagen in der dritten Runde nachhaltig in die Mauer.

58864173Es gibt nicht wenige, die den Chase nicht sonderlich gut leiden können. Warum, so deren Meinung, fährt man 26 Rennen, wenn man Ende dann doch immer nur Jimmie Johnson gewinnt? In der Tat ist die Dominanz der #48 im Chase schon extrem. Seit vier Jahren gewinnt man die meisten Rennen, hat die meisten Führungsrunden und lässt die Konkurrenz weit hinter sich. Dummerweise ist es aber so, dass Johnson alle drei Titel auch dann gewonnen hätte, wenn es es nach dem alten Punktesystem gegangen wäre. Das sieht in diesem Jahr allerdings anders aus. Schuld daran ist auch das Rennen in Texas.

Der Unfall von Johnson war ein blöder Zufall. Seine schlechte Startposition (P 12) sorgte dafür, dass er im vorderen Mittelfeld steckte und die Außenbahn nehmen musste. Unten tippte dann Reutiman den Kollegen Hornish an, der sich in Richtung Johnson verabschiedete. Der Meister schien den Wagen gerade so fangen zu können, doch dann brach er doch aus, und rasselte erst quer durchs Feld um dann an der inneren Mauer zu stranden. Schon der erste Anblick des Wagens verhieß nichts gutes. Die Räder eierten rum, er verlor Flüssigkeit. Irgendwie schafften die Mechaniker es dann aber doch noch (mit Hilfe der Crews der #88, #24 und #5) ein Auto aus dem Schrotthaufen so bastlen. So einen Reperaturservice hätte man gerne zu Hause. Aber mit über 100 Runden Rückstand war die Sache natürlich gelaufen.

Die Chance für Jeff Gordon und Mark Martin war also da, aber beide sahen während des Rennens nie so aus, als könnten sie die auch nutzen. So lange es hell und warm war, lag Gordon mit vorne, doch als die Nacht einbrach fiel er mit einem schlecht liegenden Fahrzeug immer weiter zurück. Bei Gordon ist es seit einigen Jahren wie verhext: er kann eine Meisterschaft gewinnen, aber am Ende fehlt ihm dann doch das Quentchen Glück.

Das fehlte auch Juan Pablo Montoya. Der Kolumbianer, mal wieder in einer ungewohnten Rot/Gelb Lackierung unterwegs, schmiss seinen Wagen nach einem Restart zu Mitte des Rennens weg und räumte dabei gleich auch noch Carl Edwards mit ab. Montoya hatte plötzlich ein schreckliches Überteuern, er korrigierte, dann schnappte der Wagen über die Vorderräder weg. Jeff Gordon drehte sich, als er den trudelnden Wracks ausweichen wollte, und beschädigte sich seinen Splitter. Damit war die Sache für ihn gelaufen.

Blieb Mark Martin, der konstant in den Top 10 unterwegs war, aber so richtig auch nicht nach vorne kam. Das war zu wenig, um den Rückstand auf Johnson dramatisch zu reduzieren. Aber das Ende sollte dann noch mal einiges auf den Kopf stellen.

Dominiert hatte das Rennen von Anfang an Kyle Busch. Der Raussschmiss seines Crew Chiefs Steve Addington scheint sich gelohnt zu haben, denn so hatte man Busch lange nicht mehr gesehen. Allein sein Bruder Kurz konnte einigermaßen mithalten, aber eine echte Chance hatte er gegen Kyle nicht. Zumindest nicht in Sachen Speed.

In Sachen Verbrauch sah es dann anders aus. Die letzten Boxenstopps lagen mal wieder genau an der Grenze der Tankkapazität, also sollte es spannend werden. Kyle Busch war zuvor ine Runde früher drin als sein Bruder, aber der Toyota gilt ja nicht zu letzt seit dem Sieg von Vickers in Michigan als kleines Verbrauchswunder. Doch offenbar kann der Dodge Motor das noch besser. Während Kyle zwei Runden vor Schluss an die Box musste, rollte Kurt in seinem Penke Dodge fröhlich weiter. Er war der einzige, der nicht mehr an die Box musste und gewann mit sagenhaften 25 Sekunden Vorsprung. Der größte, seit der Einführung der elektronischen Zeitmessung, gemessene Vorsprung bei einem Rennen. Und am Ende rollten die Wagen reihenweise aus.

Davon profitierte dann Mark Martin, der früh tanken war, und seinen Wagen noch auf den vierten Platz brachte. Und da atmete man bei der NASCAR und bei ESPN gleich noch mal auf. Denn so liegt der Rückstand von Martin bei nur noch 73 Punkten. ESPN rechnete dann auch gleich aus: wenn Martin das Rennen in Phoenix gewinnt, und Johnson nicht besser als 17. wird, dann kann Martin die Führung in der Meisterschaft übernehmen.

Kaum zu glauben, dass das passieren wird. In Phoenix hat Johnson von allen Fahrern die meisten Siege auf dem Konto und seine durchschnittliche Platzierung liegt bei 5.4. Martin ist zweitbester, der liegt bei 9.0. So viel also dazu. Immerhin bringt es noch mal Leben in den schon halbtoten Chase.

ABC/ESPN lieferten eine halbwegs vernünftige Übertragung ab. Die Vorberichte, inkl. der über die Sicherheit des CoT waren sensationell. Das Rennen war dann leider langweilig und recht eintönig, wofür ESPN wenig kann. Also beschloss man einfach, den Unfall von Johnson alle 30 Minuten zu zeigen, was dann irgendwann auch etwas überflüssig war. Dafür verpasste man die gute Fahrt von Junior, der plötzlich auf Platz drei auftauchte (nur um dann wieder mal Probleme an der Box zu haben, weil der Tank leer war), man übersah fast komplett das gute Mannschaftsergebnis von RCR und den 10 Platz von AJ Allmendinger verpennte man komplett. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die Kommentatoren leicht überfordert sind, was eigentlich nicht sein kann, bei deren Erfahrung.

Immerhin ist im Chase wieder etwas Feuer drin. Der Zweikampf zwischen Johnson und Martin dürfte in Phoenix spannend werden, auch wenn wohl keiner glaubt, dass Johnson noch mal so ein katastrophales Rennen haben wird. Nach den Classic Points würde im übrigen Tony Stewart mit 93 Punkten vor Gordon und 94 vor Johnson liegen.

[nggallery id=4]

Ähnliche Artikel

  • No Related Post


Add Your Comment