Formel 1: Button & Brawn sind Weltmeister!

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Von StefanTegethoff 20 Okt 2009 um 23:54 in F1, Motorsport

Es war ein interessantes Rennen, das es da am Sonntagabend zu sehen gab. Es lief etwas anders, als ich es noch am Freitag hier prognostiziert hatte, dafür sorgte schon die turbulente Quali. Aber selbst dann bot das Rennen noch Überraschungen und viel Unterhaltung und am Ende war Mark Webber Sieger, Jenson Button Fahrer- und BrawnGP Konstrukteursweltmeister.

Schon die Quali war kurios: es war die längste der Formel 1-Geschichte, nachdem sie zwischenzeitlich wegen Regens für ca. anderthalb Stunden unterbrochen wurde. Lustigerweise habe ich das erstmal gar nicht mitbekommen, da ich mir erst die Wiederholung um ein Uhr in der Nacht anschauen konnte; da war die lange Pause herausgeschnitten und erst als Jacques Schulz kurz vor Schluss sagte, dass es nun 16:31 Ortszeit sei, hab ich staunend nachgerechnet. Warum er auch ständig was von „exklusiv“ erzählte, hab ich auch erst verstanden, als mir am nächsten Tag gesagt wurde, dass RTL um 20:15 ausgestiegen ist. Das mag zwar für viel Kritik bei den Fans gesorgt haben, dürfte aber doch eine verständliche Entscheidung sein; man kann nicht von einem Privatsender erwarten, sich das ganze Samstagabend-Programm mit Warten und Ungewissheit zu verbauen.

Zum Sportlichen: Vettel und die beiden McLarens schieden schon im Schwimmkurs von Q1 aus. Die meisten Autos fuhren fast die ganze Zeit durch, um eine halbwegs trockene Spur hinzukriegen und sich an die Bedingungen zu gewöhnen. Dementsprechend voll war die Strecke und so hatte Vettel in manchen seiner Runden Pech mit dem Verkehr, aber insgesamt hat er es einfach nicht hinbekommen, eine ausreichend schnelle Zeit zu fahren. Die Kollegen von Silber konnten ihr KERS auch nicht ausnutzen.

Dann folgte die ewig lange Pause wegen noch heftigeren Regens, bis es dann bei abtrocknenden Bedingungen mit Q2 weiterging. Dieses Mal blieb Button hängen, Startplatz 14 (beim Brawn-Interview auf Sky wurde übrigens „we made a bad call“ mit „Wir hatten kein Glück“ übersetzt). Kobayshi scheiterte in seinem ersten F1-Qualifying nur knapp an der Hörde und wurde Elfter (der ist laut Christian Danner übrigens ein „lustiger Knopf“, der gut in die Formel 1 passe). Rosberg war bisher zwei mal Schnellster gewesen, deshalb hätte man hier auf eine Williams-Pole mit wenig Sprit hätte setzen können. Tat man aber nicht: insgesamt war vorn alles eng beieinander, aber der Leichteste war Hometown Hero Barrichello und der schnappte sich damit auch den ersten Startplatz.

Am Renntag herrschte dann gutes Wetter. Es war warm und die Regenwahrscheinlichkeit lag um die 50%, aber es sollte trocken bleiben. Nach der turbulenten Startphase (ich würde den Sutil-Trulli-Zwischenfall als Rennunfall einordnen: Trulli ist ziemlich riskant außen neben Sutil gefahren, der hat das nicht wahrgenommen, weil es vor ihm auch eng war und dann hat es geknallt) und der daraus resultierenden Safety Car-Phase (zum Glück hat bei dem Kovalainen-Feuer kein Teammitglied an der Boxenmauer etwas abbekommen) wurde Barrichello seine leichte Betankung aber zum Verhängnis. Er konnte sich vorn nicht wirklich lösen und kam nach dem Stopp mitten im Verkehr wieder raus. Damit war das Rennen für ihn schon verloren und auch die WM-Chancen wurden rapide kleiner, denn er musste ja so viele Punkte wie möglich einsammeln, um noch eine Chance zu haben. Ein Reifenproblem und ein zusätzlicher Stopp kurz vor Schluss machten dann alle Hoffnungen endgültig zunichte.

Webber übernahm so n der Runde der ersten Stopps die Führung und sollte am Ende souverän siegen. Button, Vettel und Hamilton arbeiteten sich immer weiter nach vorn, profitierten dabei aber auch von vielen Ausfällen (die Unfälle in Runde 1, Rosberg mit Getriebeproblemen). Hamilton hatte in der Gelbphase nachgetankt und konnte mit einem weiteren Stopp durchfahren, was ihm am Ende einen Platz auf dem Podium einbrachte. Button wurde am Ende Fünfter, was zum Titel reichte, weil die beiden Konkurrenten nicht die nötigen Punkte einfuhren, um die WM offen zu halten. Dabei profitierten er zwar – wie bereits gesagt – von Ausfällen, fuhr aber auch beherzt, mit der nötigen Aggressivität und zeigte dementsprechend schöne Überholmanöver, z.B. gegen Kobayashi, der sich aber nicht gerade beliebt machte: unter Druck fuhr er gern mal in der Straßenmitte leicht Zickzack, was in der F1 nicht so gern gesehen ist und wodurch dann auch sein Landsmann Kazuki Nakajima in einen relativ heftigen Crash getrieben wurde.

Jedenfalls war dann Jenson Button mit seinem fünften Platz Weltmeister (RTL übernahm übrigens für die letzte Runde Jonathan Legards BBC-Kommentar!). 15 Punkte liegt er vor Sebastian Vettel, der wiederum zwei Punkte vor Barrichello liegt. Es könnte also um Platz 2 noch interessant werden, aber Vettel hat ja schon deutlich gemacht, dass ihm das völlig egal ist. Überhaupt scheint er sich wirklich lange sehr an seiner Minimalchance festgebissen zu haben bzw. sie sich eingeredet zu haben, denn ich war überrascht, wie enttäuscht er sich nach dem Rennen in den Interviews zeigte. Im Endeffekt hat er es durch eine Reihe eigener Fehler vergeigt (Melbourne, Malaysia, Monaco, Brasilien-Quali), dazu kamen ein Motorschaden sowie die unglückliche Speeding-Strafe in Singapur. Schön, dass er bis zum Ende diesen Kampfeswillen zeigte, aber wenn er Weltmeister werden will, muss er diese Fehler abstellen. Die Chance dazu sollte er in den nächsten Jahren noch ein paar Mal haben.

Nicht mehr so oft die Chance auf den Titel dürfte Rubens Barrichello haben, auch, weil er ja wahrscheinlich das Team im Winter Richtung Williams verlässt. Ihm hätte ich den Titelgewinn auch sehr gegönnt und ich hätte mich auch über ein Duell zwischen den Teamkollegen in Abu Dhabi sehr gefreut. Wenn Vettel dann außer Reichweite gewesen wäre, hätte Ross Brawn die beiden sicher frei fahren lassen. Er hat zwar in fast jedem Rennen gepunktet, aber zwei Siege waren dann doch zu wenig, um Button zu gefährden.

Und damit zu guter Letzt nun auch zum Titelträger, Jenson Button. Ich finde es vom Gefühl her schon etwas komisch, einen Champion zu haben, der seit über vier Monaten kein Rennen gewonnen hat – ja sogar in der ganzen Zeit nur einen Podiumsplatz eingefahren hat. Dennoch hat er es verdient, weil er trotzdem der Konstanteste aller Fahrer war: in nicht selbst verschuldeter Ausfall in Spa, sonst immer Punkte. Die sechs Siege in den ersten sieben Saisonrennen haben also am Ende, als das Auto nicht mehr so überlegen war, durch das konstante Punktesammeln zum Titelgewinn gereicht.

Und damit zum Auto und zum Team. Jetzt wird überall der große Erfolg des „kleinen Teams“, das „aus dem Nichts“ kam, und das Brawn für ein symbolisches Pfund gekauft hat, gefeiert. Man darf aber auch nicht vergessen, dass der Wagen schon im Laufe der 2008er Saison mit viel Honda-Geld und vielen Windkanalstunden entwickelt worden ist. Über den Stress im Winter und die lange Saison scheint das bei vielen schon wieder in Vergessenheit geraten zu sein. Das soll aber nicht die Leistung schmälern, denn a) hat man nun wirklich ein großartiges Auto gebaut und b) hat man sich von all den Problemen nicht beirren lassen. Ein verdienter Sieg also auch hier, zu dem auch die zuverlässigen, schnellen und effizienten Mercedes-Triebwerke beigetragen haben. Norbert Haug hat’s sichtlich gefreut, und nächstes Jahr wird man wohl mindestens einen größeren Stern auf den Brawn malen. Es gibt ja auch Gerüchte, dass man bei McLaren aussteigen wolle, aber ganz so schnell und so einfach geht das wegen vertraglicher Bindungen wohl nicht.

In zwei Wochen werden wir also dann in Abu Dhabi einen Show-Event erleben, es wird um den Sieg gehen und sonst nicht um viel. Vettel und Barrichello werden noch Meisterschaftsrang 2 unter sich ausmachen, Hamilton und Raikonnen Platz 5, dabei geht es gleichzeitig auch noch darum, ob Ferrari oder McLaren den dritten Platz bei den Konstrukteuren belegt. Mein Tipp ist hier aufgrund der zum KERS passenden Streckencharakteristik Hamilton & McLaren, aber warten wir es mal ab. Raikonnen will vielleicht auch noch eine schöne Abschiedsvorstellung für die Roten abliefern. Mehr zu der neuen Strecke (und auch zum ebenso brandneuen Motorland Aragon, wo am Wochenende die WSbR fährt) gibt’s in einem separaten Beitrag im Laufe der Woche.

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3 Comments

  1. Ich

    Dass Button Weltmeister werden würde, war ja schon lange klar. Aber seitdem die anderen Teams aufgeholt haben, sah er nicht nur ziemlich blass aus, er wurde auch wiederholt von Barrichello in den Schatten gestellt. Jeder Weltmeister braucht ein gutes Auto, aber Button braucht definitiv ein überlegenes Auto. Zu den wirklichen Topfahrern kann man ihn nach wie vor nicht zählen. Aber jJetzt wollen wir mal Abu Dhabi abwarten. Nun zählt die Ausrede, er müsse auf Ankommen fahren und Punkte hamstern, nicht mehr. Wenn er dort Barrichello nicht besiegen kann, werden noch mehr Leute ins Grübeln kommen.

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  2. So überlegen war der Brawn ja gar nicht. Sonst wären sie nicht so oft nur hinterher gefahren. Button hat es aber trotzdem geschafft, übers Jahr konstant und fehlerfrei zu fahren und die meisten Punkte zu sammeln. Ergo ist er Weltmeister. Ich weiß nicht, wie du Topfahrer definieren willst, aber Weltmeister ist schon ein ganz gutes Kritierium find ich.

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  3. Ich

    Also, in der ersten Saisonhälfte fuhr der Brawn ja wohl schon in einer anderen Liga. Und Topfahrer = In der Lage, auch mit einem langsameren Auto zu glänzen + regelmässig den eigenen Teamkollegen schlagen (+ natürlich noch ein paar andere Sachen).

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