Formel Eins: Analyse Valencia

2 Kommentare
Von DonDahlmann 25 Aug 2009 um 19:09 in F1

Etwas später als sonst, aber bei mir gibt es ein neues Projekt, was mich in Atem hält.

Brawn_Val_Bar_1Auf das Rennen muss man wohl kaum eingehen, dafür war es nicht interessant genug. Die spannendste Frage war eigentlich nur, wie Barrichello an Hamilton vorbei kam. Der verpatzte Boxenstopp war oberflächlich gesehen Schuld am Verlust des ersten Platzes, aber ich bin mir, nach ein wenig Rechnerei, ziemlich sicher, dass Barrichello so oder so gewonnen hätte. Es wäre allerdings extrem knapp geworden.

Das Problem für McLaren bestand aus zwei Dingen. Erstens: Barrichello war auf den harten Reifen ungefähr gleich schnell wie Hamilton auf den weichen Reifen und er konnte vier Runden länger fahren. Zweitens: nach dem ersten Boxenstopp fiel Kovalainen weg, der Barrichello hätte bremsen können.

Bei Brawn rechnete man, dass man ca. 1.5 Sekunden schneller als Hamilton in den vier Runden sein würde, was sich auch ungefähr bestätigte. Als der Brite rein kam, hatte er ca. 3.6 Sekunden Vorsprung auf Barrichello. Aber, und das war das Problem, beide fuhren keine konstanten Runden mehr. Bei Hamilton fielen die wechselnden Rundenzeiten besonders auf, weil es hier um fast eine Sekunde ging. Die Reifen funktionierten eine Runde, dann fielen sie wieder ab. Als Hamilton reinkam, hatte er gerade wieder etwas Abstand auf den Brawn gewonnen, allerdings deutlich weniger, als in den Runden zuvor. Es war klar, dass Barrichello den Vorsprung in einer weiteren Runde noch weiter eindampfen würde, was die hektische Entscheidung erklärt.

Ross Brawn meinte per Funk, dass man den Rückstand auf zwei Sekunden würde eindampfen müssen. Das war allerdings sehr konservativ gerechnet. Es kann immer mal eine Sekunde bei einem Stopp liegen bleiben. Barrichello wäre aber auch nach vorne gekommen, wenn er vier Sekunden Rückstand gehabt hätte. Dafür waren seine Rundenzeiten nach dem McLaren Stopp einfach zu gut. Denn Barrichello hatte nach seinem Stopp sechs Sekunden Vorsprung. Zieht man die vier Sekunden durch den verpatzten Stopp ab, bleiben noch 1.5 Sekunden übrig. McLaren hat das Rennen also verloren, weil der Brawn später tanken konnte und weil Kovalainen nicht zum Schutz da war.

Ansonsten gab es ja wenig zu bestaunen. Das Ferrari sich an Kovalainen vorbeifahren konnte, war auch wegen des späten Stopps zu erwarten. Auch das Red Bull nicht gut aussehen würde, war klar. Es war zu heiß und man es gab zu wenig schnelle Kurven. Richtig sauer ist man aber, weil Vettel gleich zwei Motoren platzten. Der Schaden vom Freitag war ärgerlich, aber nicht schlimm, weil der Motor schon drei Rennen auf dem Buckel hatte. Der vom Sonntag ist allerdings schlimm, weil damit der sechste Einsatzmotor geplatzt ist. Bedeutet: Vettel muss in Spa von Freitag mit Motor Nummer Sieben fahren, der dann auch noch die Tortur in Monza und Singapur aushalten muss. Motor Nummer 8 muss dann Japan, Brasilien und Abu Dhabi durchhalten. Das wird kaum zu schaffen sein. Selbst wenn er hält, muss er nun im Rennen schon darauf achten, dass er so bald wie möglich die Drehzahl runter nimmt. Red Bull wird wohl 2010 mit Mercedes Motoren antreten, wenn die Gerüchte stimmen.

Renault wird aber trotzdem ein weiteres Team ausrüsten, denn auch hier gibt es Gerüchte, dass Williams von Toyota zu Renault wechseln will, damit man Nakajima los wird. Heidfeld gilt als heißer Kandidat für den Platz, sollte Rosberg zu McLaren gehen. Dort überlegt man aber wohl auch Adrian Sutil als Nummer Zwei zu buchen.

Bei Toyota rätselt man, warum man in Spanien nicht vom Fleck kam. Glock ist im Rennen, auf abgenagten Reifen, die schnellste Runde gefahren und war insgesamt vom Speed her nicht langsamer als die Top Drei. Dummerweise krebste er halt weit hinten rum, und überholen ist in Valencia ja so eine Sache. Eigentlich hätte man Toyota vorne sehen müssen, den bekanntermaßen läuft der Wagen ja gerade bei großer Hitze besser. Offensichtlich ist man auch im Team ratlos. Am Rande des Rennens poppte die Meldung auf, dass man sich von Jarno Trulli trennen wolle. Das ist etwas überraschend, aber vermutlich damit zu erklären, dass der Rennspeed von Jarno einfach zu schlecht geworden ist. Keine Ahnung, wen die als zweiten Fahrer einsetzen wollen. Vielleicht angelt man sich mit viel Geld Kubica.

Und dann war da noch Luca Badoer – der arme Kerl. Sage und schreibe 2.5 Sekunden fehlten dem Ersatzmann auf die Spitze, aber auf Räikkönen waren es dann “nur” 1.5 Sekunden. Den Abstand halte ich für realistisch. Er ist den Wagen kaum gefahren, ob er jemals ohne Traktionskontrolle unterwegs war, weiß man nicht. KERS kannte er nicht, die Strecke ebenfalls, vermutlich hat seit Jahren keinen Wagen mehr auf seine Fahrweise komplett abstimmen dürfen. Da sind 1.5 Sekunden schon ok. Fragt man sich natürlich: wäre das Schumacher auch passiert? Wenn man sich Grosjean anschaut, der die Strecke kannte, aber den Renault nicht, im Rennen aber eine schnellere Runde als Alonso hingelegt hat, dann könnte man vermuten, dass Schumacher was ähnliches geschafft hätte. Auf der anderen Seite haben Badoer und Schumacher gleich wenig Erfahrung mit dem Wagen und der Strecke gehabt. Ich schätze aber mal, dass Schumacher rund eine Sekunden schneller gewesen wäre.

Am Freitag geht es in Spa weiter, eine Strecke, die alles hat. Enge Passagen, richtig schnelle Kurven, lange Geraden. Es wird vermutlich richtig eng vorne.

Und sonst?
NASCAR lass die Woche mal weg, das Rennen in Bristol war auch eher ein zäher Brocken.

Vorschau auf das kommende Wochenende: es gibt viel zu sehen. F1/GP2 Spa. BTCC Silverstone, NASCAR NW Montreal, NASCAR CWS in Chicago (SC macht Pause), ARCA Chicago, IRL Chicago, Grand Am Montreal, ALMS Mosport, FIA GT Budapest. CWS wie üblich Freitagnacht, GrandAm Samstag, IRL Samstagnacht, der Rest am Sonntag.

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2 Comments

  1. abductee

    @don: was ist denn dein “neues Projekt, was ” dich so ” in Atem hält”?

    zur boxenstop sache bei McLaren:
    ob es mit nem guten stopp eng geworden währe: sicherlich.(sag ich aber auch erst nach anschauen der zeiten.)
    fakt ist, nach dem verpatzen stopp wars für Hammilton nicht mehr zu gewinnen.

    und mal was an die FIA: könnt ihr die zeiten nicht als XML-Stream rausgeben? da könnte man viel besser sachen dran nachvollziehen….

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  2. Ich

    Die selten dämliche Aktion in der Boxengasse wäre einem Schumacher garantiert nicht passiert. Erst den Gegner ohne jeden Grund vorbeigewunken, und dann dabei auch noch die weisse Linie überfahren und eine Strafe kassiert. Am Freitag konnte man an den übereinandergelegten Bildern schön sehen, dass Badoer zumindest in der Kurve eine ganz andere (und viel langsamere) Linie fuhr als Räikkönen. Hatte gehofft, dass Ferrari (und Schumacher!) ihm wenigstens das mal austreiben, aber am Samstag war es noch ganz genauso. Am Sonntag gab’s leider keinen Vergleich zu sehen.

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